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Israelitische Wochenschrift · 1892-01-22 · 4 (22.1.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
4 (22.1.1892)
Date
1892-01-22
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Urogramm nufzunehmen. Auch in Deutschland haben einige Narren dirftr sogen,!rational jüdischen Bewegung sich angeschlossen und versucl»en es in weiteren Kreisen Anhang zu »erden; aus diesem Grunde halte ich es für eine noth- »endige Ausgabe der jüdischen Blätter, diesem hochgehenden Drei den energisa, entgegen zu treten. Wo ist die jüdische Nationa litäts - Idee'? Em seit zwei Jahrtausenden todtes historisches Fattum. Denn d<.׳r National - Jude von ehedem :st längst ausgcstorben, und selbst der frömmste russische Jude ist und bleibt allezeit ein Judendeutsch sprechender Pol׳ mit polnischen Litten und polnischen Lebensgewohnheiten. Wer glaubt denn nun ein Recht zu haben, für den anachronistischen jüdisch-nationalen Gedanken einzutreten!? Offenbar doch nur dir wenigen russisch-jüdischen Schwärmer, ivrlche rutsch! offen sind, ihr Heiinathland auf immer zu verlaffen. Wir Deutsche israelitischen Glaubens aber können «oh! und müssen auch unseren Glaubensgenossen als solchen helfen, niemals aber jüdischen Nationalen. Wir können versuchen, ihr Elend zu mildern, gleichwie bei den letzten Ehristenverfolgtingen in China alle christlichen Glaubensgenoffenschaften aller Völker ihren Brüdern zu Hülfe eilten, wir können unt muffen uns bemühen, ihnen ein Asyl zu schaffen, wir ich es in meinem Colonial-Programm ״Colonien und coloniale Gründungen" erörtert Hab«, doch mit Narrheiten verschone man uns! denn nur eine Colonie im modernen Sinne des Wortes, nicht aber ein jüdisches Volk oder einen jüdischen Staat, und was dergleick«n Unsinn mehr ist, könnte ein solches Asyl vorstellen, gleichwie tic von amerikanischen Christen für bedrängte christliche Neger begründete Colonie ,^Liberia" und andere. — Mir Deutsche israelitischen Glaubens haben die heilige Pflicht, für die Ehre und das Gedeihen des deutschen Volkes, dessen Glieder wir sind, einzurreten, nicht aber für fremde Stationalbeivegungen, wir haben die Pflicht, treu zum deutscheu Reich und Kaiser zu stehen und uns nicht von jüb.- nationalen Phrasendreschern irre machen oder gar gedankenlos in's Schlepptau nehmen zu lassen, indem wir, ohne uns dabei etwas Arges zu denken, durch Beitrittserklärungen und Deistung von Beiträgen zu den unter verschiedenen harmlosen lltamen auftretenden und ihre letzte Absicht verbergenden natronalen Palästina-Vereinen als Förderer und Verbreiter der jüd. Nationalitäts-Idee uns gebrauchen lassen. ö. Merlin, 18. Januar. (Or. Corr.) In letzteren Tagen werden besondere Anforderungen an die Steuerkrcift unserer Glaubensgenoffen vom israel. Gemeindcvorstand gestellt. Die dringend nothwendigen Hilfsfonds für die ruff. Juden,Krankenhäuser und ähnliche Bedürfnisse sind wohl deren Ursache. Ich möchte darauf aufmerksam machen, das Steuerrüder nicht da mit Wucht zu heben, wo unsere Brüder durch schlecht( (Geschäfte gedrückt, schon die bisherigen hohen Cibühren zu entrichten nicht im Stande sind. Das ist b:- sonders in Weslpreußen der Fall. Man zieht da die Steuerschraube oft allzu stramm an. Ich citire ein Beispiel. Ein aus Rußland Ausgewiesener kommt an, und um nicht sofon auSgewiesen zu werden, meldet ec sich bei der amtlichen Vorladung als ״Kaufmann" oder .Buchhalter״. Die Behörde meint: er müsse über ein Einkommen von üöv bis tvüü Mark verfügen, sonst könne er hier nicht lebeir. Danach wird er taxirt. Sofon kommt die Synagogen- Gemeinde, we che die großartigsten Einrichtungen (Orgel und Orgelkünsller :c.), stark in Schulden brachten, um ihren Beittag pränumerando bei Executionsandrohung zu fordern. Da gibts aber keinen Pardon. Er eilt vorerst zi r Staatssteuerbchürde um gegen das Ausmaß zu reclamiren, da dieses zu hoch, umsomehr als die Juxnsteuer danach bemessen wird. Natürlich lautet aa oft die ironische Antwort: — ״Sie könnten sich die Judensteaer ja ersparen!" —Er hält's einige Zeit aus — aber die lHetreideausfuhrverbote haben seine Hoffnungen gekreuzt, er eilt nach einem anderen deutschen Ort, der erste Gruß ist wieder: die rückständig gebliebene jüd. (Gemeindesteuer — nach dem alten Otte und die neuauSgeschriebeue Synagogensteuer aus dem r«k« Flecken —! — Tempelbesuch an den hohen Feiertagen und sonstige iSrael. Eeremonialbedüifniffe müssen ganz besonder« und aut bezahlt werden. Tr wurde in Rußland als aus» ländischer Jude verfolgt, er kommt ins Ausland und wird da in einer neuen Weise von denen verfolgt, wo er Hilfe hoffte, aber zu ehrenhaft war, um solche anzuflehen und seiner eigenen Kraft verttaute. — Es ist sehr zu empfehlen, daß der Gemeindevorstand gewisse Verhältnisse genau prüfe, ehe er scharf vorgeht, und einige Rücksichten walten laffe! Jaule» Dem .Boten für Stadt und Land" entnehmen wir Folgendes: .?antrn, 12. Jan. Des Kalle« Buschhoss hat sich nunmehr die große Berliner Presse angenommen. Unabhängige Blätter, wie di« .Kreuzzeitung," ,(sermama", ,Das Volk" behandeln die Entlassung der Familie B. in ihrem politischen!heile. Die ,Neu« Deutsch« Zeitung" in Leipzig bringt in ihrer Nummer vom S. Januar schweres Belastungsmaterial für die sreiaelassene Familie und einen heftigen A» griff gegen das Llever Gericht und die Elever Staatsan» :oaltschaft. Air werden die Stimmen jener großen Organe unser» Leser» zu Gehör dringen, soweit dadurch nicht einer höheren Untersuchung vorgearissen wird. Unendlich fern lieg! es unS, irgend einer Person eine Beleidigung zufügen zu wollen. Darum habe« wir auch bisher, wenn wir der Stimmung der hiesigen Bevölkerung Ausdruck gaben, die irrtest« Form dafür gewählt. Die .Neue Preußische <Kreuz)-Zeituag" und die .Germania" in Berlin bringen folgenden Artikel : .Zur La nt« ner Mord-Affair« wird der .N. D Zig.' an» Frank fort a. M. geschrieben: ..Hier tagt jetzt eine Art jüdische» SynedrionS (?) wegen der Mordafsatre in planten, die auffallend«- weise .... mit der Freilaffung der schwerbelasteiea SchächtersamUie Buschhoss geendet hat. Ei wurden schon im November bet den hiesigen reichen Juden Summen gesammelt, um dieser FamUi« «in .neues Heim" zu schaffen und sie den .barbarischen Verfolgungen" am Niederrheln zu entrücken. Ueberhaupt hat di« Lanteacr Mord-Anatre die hiesige und die ganz« Judenheit in Hohem Grad« beunruhigt und zu den höchsten Anstrengungen veranlaßt. Jedenfalls hatte der bekannte Berliner Erimtnal-Lommissar Wolfs ein so vernichtendes» in allen Punkten durch einwandfreie Zeugen gestützte- Beweismaterial gesammelt, daß die Geschworenen, die einzigen competenten Richter, unzweifelhaft aus dieser Grundlage zu einem Schuldspruch gelaugt wären Die Wolff'sche Uederführuug war so durchgreifend und uuan» sechtbar, daß selbst der Oberstaatsanwalt erklärt halte, dagegen laff« sich nichts mehr einwenden, man sollte den Schächter und sein« Familie sestnehmen. Jetzt wird diese Beweisführung plötzlich bet Seite geschoben und Bu schhoss kommt hierher, um hier den Rest seiner Tag« als Stipendiat des internationalen 1?) Rabbinerthum» (?) in ucster Gesundheit zu deschließrn. Es ist bekannt, daß gegen irgend eine« anderen M-nschen irgend welch« Verdachtsmomente nicht besteben- Wie erklärt man da das Borgehen der E'ever Gericht«? Wenn Buschhoff das Kind nicht ermordet habe» soll, wer ist dann der Mörder? Etwa der eigene «hrenwerth« Vater, ein frommer Katholik, wie dt« Juden mit der ihnen eigenen Erfindung (!) behaupten?*) Oder gar die bösen Antisemiten, um de» armen Hebräern einen Strick zu drehen? Wer kann die NSthsel lösen?! Das Blut des ermordete» Knaben schreit iujwischen zum Himmel. Wenn Buschhoss unschuldig wäre, was nach den Wolff'schcn Ermittelungen undenkbar ist, dann hätte inan doch den Geschworenen seine Losjprechung'überlaffe» sollen. Nimmermehr aber durste man, wie die Lache einmal lag, dir Angeschuldigten den natürlichen und allein maßgebenden Richtern durch ihre Freilaffung entrücken. Das letztere könnte nur durch schwerwiegende juristisch« Momente, z. B. durch da« (seständniß eines Dritten, gerechiferligt erscheinen. Davon ist aber nirgend» etwa» be»!annt geworden. Die persönliche Anschauung des Untersuchung»« richters kann gegenüber dem vorliegenden Belastungsmaterial absolut licht maßgebend sei»."" Der,,Germania" weiß noch folgendes, von ״wohlinfornirter Seite" ihr Zugegangenes mitzutheilen: ״Durch gemeiaschastlichen Beschluß des Untersuchungsrichter» und iur Staatsanwattjchast ist der Beschuldigte Buschoff au» der Hast entlaffen »or׳eu. Ein. Gerichtsbeschluß liegt noch nicht vor. ES ist als» murer noch Hoffnung vorhanden, daß das Ergebniß der Untersuchung > m öffeatliche» Gerichtsverfahren zur DarstelluM gelangen wird. Do» >»äre dringend zu wünschen im Jntereffe der Beruhigung .der natnrgemäß entstandenen Aufregung und insbesondere auch d-.2halb, well 1»ur eine öffentlich« Klarstellung falsche und übertrieben« ׳Serücht« auf Iias richtige Maß zurückzusühren vermöchte. Sollte aber das Gericht seiner Ueberzeugung gemäß zu einem aus Einstelluna .de» Berfahren« lautenden Beschluß gelangen, dann wird unserer feste» Ueberzeugung .emäß hiermit die «ache noch nicht zum definitiven Abschluß gelangt ei»; wir hoffen vielmehr zuverfichtUch, daß die verfolgende Behörde r »gewiesen werden wird, durch Einlegung der zulässige» Rechtsmittel Es ist hier eine Miltheilung gemeint, welche da» hollänb. ,Eoho van liet Land van Cayk“ am 26. Dezember bracht«.

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