Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 3 (15.1.1892)
- Date
- 1892-01-15
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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— 21 Auffn! werden würden. .Ich frage sie nun, Herr Poliakoff, «olle» Tl« selbst ein Vetiviel geben und zur or'tzodoren Llrchc übertreten?" dieser antwortete daraus: .Ich bin wed>!r Ginsbesitzer noch Fabrikant, der grbstere Theil meines Bcrmdgens ist im Ouslande angelegt, ich Hab« «Iso, um ti zu behalten, nicht erst nöthig, meinen «stlauben zu wechseln. Wenn Sie aber wünschen, das! ich meine Kraft, meine Ersahrung und jenen Theil meines Jern1Sgen>, der noch hier ist. einem andere» Land« zuwende, so weisen sie mich nur au»." ES ist eine Thatsache, so rügt der Korrespondent hinzu, daß viele Tausende rnssischer Juden bereits zum orthodoxen Glauben übergetretcn sind und das noch eine große Ha hl gezwungen sein wird, das Gleiche zu thun. (DicVerantworrlichkeit für die Richtigkeit dieser letzteren Angabe müssen >vir dein »Standard--Aorrespondcutcn überlassen; bisher ist die Nachricht von keiner anderen Seite her lvstätigt worden und die massenhaste Auswanderung der russischen Juden spricht dafür, daß Pobjedenoszeff seine Rechnung ohne die — Juden gemacht habe.! Iaale». 2. Januar. Ter .Bote für Stadt und Land" theilt folgenden Artikel des »Berliner Lokalanzcigers" mit: ״Di« unerwartete Freilassung »er «chächerfamitie Buschhoff ln Lauten hat in den hauplslädtischeil criminalistilchen Kreisen allgemeines Aussehen hervoroerusen. Brkaantlich war jene Festnahme aus Grund eines vom Herrn Kommissar Wolf au Ort und stelle sorgsa.tig zujammengetragcneil Belanungs'naterialb erfolgt unter ausdrücklicher Zustimmung der Oberslaatsanwaltjchait, xr staatsanmaill>hasl und des amtirenden Ilnteriuchungsrichters. Es wtre somit anzunehmen gewesen, das! das entscheidende Unheil den ts«schworcn>׳n überlaffen werden würde. Bis jetz! ist von deu .neue» Momenten", welche diese urplötzliche Haftentlaffung bewirkt habe», auch nicht das Mindeste bekannt. Aus daS Gutachten des betheiligten Cri>ni»a!eommiffars ist in keiner Weise zurüctgegriffen worden. Aus die srünöc der Entlassung ist man dari'M sehr gespannt. Ta Bujchhvss unschuldig sein soll, so drängt sich jetzt die Frage auf: ״Wer ist dann d:r schuldige?" Hoffentlich bleibt da» blutige :itälhjcl nicht ungelüst. ,Wcscler Zeitung) Klettt», I I) Januar. sOr.-Enrr.) Ein Werk allgememcc Menschenliebe, wie es nicht schöner und edler gedacht werden kann, ist das »Jüdische Eurhospital" in Eolbcrg. Diese Zeitung hat schon oster Berichte darüber gebracht und der jetzt erschienene 18. Jahresbericht dieses Instituts legt von Neuem Zcugniß davon ab. Nach demselben fanden im vcrslofsenen Sommer 121 Personen ׳,um Behuse einer Sool- und Srebadeknr Ausnahme, d. h. dieselben bekamen ganz unentgeltlich Berpflegung, Wohnung, ärztliche Behandlung, Bäder u. s. w. Davon wurden entlassen als »geheilt ti>!״ ,gebessert 55' ivährend bei drei Personen leider kein Erfolg zu verzeichnen war. Die regelmäßig vorgenommene Wägung lieferten den untrüglichen Beweis, daß die Berpflegung in der Anstalt eine vorzügliche zu nennen ist. Die Arten der Krankheiten waren alle mögliche: die Patienten aus den Provinzen Brandenburg, Pommern, Posen, Schlesien, Osr- und Westprcußen sowie aus Hamburg und Berlin. Der Easienbrricht schließt mit löll.'i,94Mk. ab; davon wurde» dem Grundvermögen Mk. . 900 zugeführt und Mk. 1850.94 uns neue Rechnung vorgetragen. Das Grundvermögen besteht nunmehr außer dem schuldenfreien Grundstück und dem Inventar aus Mk. 527,00 und die Zinsen davon decken kaum den fünften Theil der jährlichen Kosten; wir verstehen es deshalb wohl, wenn vcr Borstand immer von '.Neuem bittet, Freunde und Gönner zu werben, die das Institut unterstützen, dar.rit es se׳nr Ziele immer mehr und mehr erreichen kann. Möchten diese Zeilen auch dazu beitragen. JtUt, 10. Jan. (Or. Cor.) Wie in vielen anderen Gemeinden fand auch in der hiesigen eine besvnderc Schulfeier am Chanuka statt, an der zahlreiche Nichtjudcn und auswärtige Gäste rheil nahmen. Im deklaniatorischen Theil gelangten auf Chanuka bezügliche Gedichte zum Vorträge, die den »Lichtstrahlen vom Chanukaleuchter" entnommen waren. Die Gedichte machten namentlich auf die christlichen Zuhörer einen vorzüglichen Eindruck. Dem gut ausgeführten musikalischen Teile schloß sich ein Abendbrov jür die Schulkinder an, woraus die Beschenkung sLmm tliche r Kinder -rrsolgte. Den Hauptglanzpunkt des Abende bildete aber die Aufführung der ,Lhanukawu nder von Jusfuf" in «iner von Herrn Rabbiner Dr. Stern vorgenommenen Bearbeitung. Die drei Akte, glänzend inscenirt, wurde» von den kleinen Dilettanten mit staunenrwerihcm Gelinge» zum Gehör gebracht und sandcn den lebhaftesten Beifall der zahlr.ichei! Zuhörerschaft Ein Tanzkränzchen vereinigte Jung und Alt bis z»m frühen Morgen. Herrn Dr. Stern, der die schöne Feier arrangirt hat, wurde für da« treffliche Gelingen und die Mühe der Einstudirung in der Kieler Zeitung öffentlich der warme Dank der Gemeinde ausgesprachen, der Vorgang selbst aber zeigt, wie auch in kleineren Gemeinden ein passend durchgeführecS Chanukahschulfest alle Gemeindemitglieder vereinigen und eine mehr als lokale Bedeutung gewinnen kann. Vesterrei ch» U»qar». Jxmtttt, anfangs Januar. (Dr. Cor.) Mit dem neuen bürgerlichen Jahre beginne ich Ihnen aus dem fernen Osten wahrheitsgetreue und ungefärbte Mittheilungen über hiesige das J>. e .thum berührende Zustände und Verhältnisse zu > machen. Am erfreulichsten und syinpath schstcn berühren! unsere Wohlihätigkeitsanstalten und die musterhafte Armen- , pflege. Von den Wohlthatcn der zwölf Millionenstistung! des großherzigen Baron Hirsch ist Lemberg grundsätzlich ausgeschlossen!1!d so ist die Gemeinde für alle ihre Jnstitutio» auf ihce eigene Kraft angewiesen. Das reinlich und sauber gehaltene Spital umfaßt einen Belegraum von 150 Betten, in der medicinischrn Ambulanz rverdcn täglich über 100 Kranke ohne Unterschied der Confessio» behandelt. An das Spital stößt das im modernen Barackenstyl erbauete Siechenhaus. »! welchem stets 00 Sieche (Männer und Frauen) lebenslänglich versorgt werden. Im Knaben-Waisenhause werden gegenwärtig 56 Knaben erzogen. Die aus kleinen Waisenknaben zusammengesetzte Musikcapelle ist wegen ihrer künstlerischen Leistung in der ganzen Stadt bekannt. Auch für ein Mädchrnwaijenhaus liegen die Capitalien schon längere Zeit bereit, nur können sich die maßgebenden Faktoren noch nicht über die Platzsrage einigen. Die aus tnilben Gaben erhalte»e jüd.Volkskücheliefert für9Kreuzercin reichliches aus Suppe, Fleisch nndBrod bestehendes Mittagsmahl, für 3 Kreuzer erhält man eine nahrhafte Suppe und Brod Aus dieser Volksküche rverdcn aber auch von rinem Vereine hrnrderte arme Ghmnasiasten und Realschüler unentgeltlich bespeist. In den Räumen der jüd. Hauptschule werden auf Kosten der <Ve״ rneinde tägliär 500 Schüler und Schülerinnen mit kräftiger Mittagskost bedacht. Die Bespeisung leiten täglich abwechselnd zrvei Mitglieder eines aus den Daincn der Elite bestehenden und von der Frau Rabbiner Dr. Car o berufenen Comits's. Es ist ein geradezu erhcbendcr Anblick, wie die den höchsten Gesellschaftskreisen angchörenden Damen sich um die hungrige» Kleinen bemühen und ihnen unermüdet die gefüllten Schüs'elchea zutragcn. Andererseits erhalten auch hundert Schüler der orthodoxen Talmud-Thora während dreier Monate täglich Mittagbrod. In diesen! Jahre veranlaßte die herrschende Theuerung aller Lebensmittel den vor Kurzem von Se. Majestät mit dein Ritterkreuze des dem Rabbinatc Sammlungen zur Hebung des NothstandcS einzuleiten. Es gingen ca. 6600 fl. rin und nun werden täglich 3000 Kklogramn! besten Rogenbrodes der armen Bevölkerung fast um die Hälfte des Marktpreises verkauft. Zahllose Privawcreine z. B. für arme Wöchnerinnen!, Holzvcrtheilung re. rc. wenden nicht unbeträchtliche Mittel auf, so daß es mit dem einen Pfeiler der sittlichen Weltor'vnung, edler Menschenl!el>e, hier ganz wohlbestellt ist. Bettachten wir in unserem nächsten Schreiben auch die beiden anderen: Thora und Abodah. Aas Aagar», 7. Januar. (Or.-Cor.> Dir I» den sind im ungarischen Staate zwar gleichgestellt, nicht aber ist die jüdische Coasession gleichberechtigt mit der übrcgecc. In Preußen ordnet zwar die Gerne!!»׳ gleichfalls selbstständig ihre religiösen Angelegenheiten, doch sind d!e Behörden der Verwaltung sowohl, als auch die Geistlichen der Gemeinde