Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 3 (15.1.1892)
- Date
- 1892-01-15
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ei, sondern eine jocia!e und popitische, deren erste« Princip ist: Einheit der Ges am mtj ude n heit ohne Rücksicht auf Differenzen. Wir schließen den jüdischen Gotte«leugner ebenso wenig au« der Gesammlheit und Einheit de« Judenthum« au«, wie den galizischen Ehaßid. אל־ ם שחטא ישראל הוא Selbst der gelauste Jude bliebe in unserm Sinne Mitglied unserer Ration, wenn er nicht gerade durch seine Taufe den Verratan seine« Bolle äußerlich xxumentirte. Unter den Führern unserer Partei befinden sich Atheisten Me Proffessoi Mendelstamm, Lrrhodoxe wie Dr. Hirsch Hildesheimer und »er Redakteur der Zeitung Le« Judenthum» Herr Dr «arpele», gehört wobl der Minelpartei an. Da haben Tie die Vertreter aller 'Parteien. Ein Nationaljude." 8p. Z8«g»e§«rg (Dr. Lorr.) Bekanntlich gehört es mit zur Mission der christlichen Kirche, Juden zum Christenthum zu bekehren, während es dem Judenthum fern liegt, Proselyteunacherci zu treiben. In dieser Mission zur Bekehrung der Juden sind besonders in den letzte» Jahrzehnten zwei Richlungen typisch geworden: de mit offenbarer Rohyeit hervortretende i:׳ Stöcfcv, und die in süßlich einschmeichelnder Weise in Franz Delitzsch verkörpert. des letzteren Jünger zählt auch der Dr. der Theologie A. Fürst, derben cekennzcichnetenstandpunkti»seinem unlängst herausgegebencn Buche: ״Christen und Juden. Licht und Schattenbilder aus Itirchc und Synagoge" vertritt. Immerhin gebührt dem I Verfasser Tank, das! er energisch gegen den Antisemitismus zu Felde zieht und ihn als unchristlich bezeichnet. In Bezug aus die antisemitische Partei sagt er Seite 10: ״Sie ist sehr , rührig, ganz besonders bei Wahlen, lärmend und heraussordernd! ii ihre» Persammlungen, lügenhaft und giftig in ihrer Presse ' und ihren littrrarischen Productionen. Sie ist .,-vor verhält nißmäßig klein an Zahl, aber durchaus nicht rein: klein an Zahl, wenn man Diejenigen in Betracht zieht, dir ohi-e jede! Rachsucht sich öffentlich zu ihr bekennen."-Der Rassen- 1 hiß scheint wichtiger zu sein als die Macht der Religion der Liebe, als die heiligsten Prinzipien der Huinanität, als alle; garantiricn Rechte der Verfassung." Und von dem Perein zur Abivchr bemerkt er: ״Doch habe» auch mächtige ei »stuf, reiche Personen aus allen Ständen ihre Stimmen gegen das wilde Treiben und Perlsetze!! dieser Partei erhoben und das ist ei» sehr ermuthigrnl>es Zeichen in unserer vielbeioegten £eit Möge man sich ,on der Geschichte belehren lassen, zu welchen unmenschlicheu Tlsaten solche Hetzereien;wischen Personen verschiedener Consessionen führten.'" Bei der Eharak teristik des österreichisciiea Kanzelredners Johann Emonuel Beith, der im Jahre 1840, als die Judenverfolgung in T>amaskus den Wahn auffrischten. daß die Juden ,u den Osterfesten Christenblut brauchen, mit dem Kruzifix in der L«nd einen Lid gethan haben soll, daß diese Beschuldigung jedes Grundes ermangele, ruft ür Fürst aus: ״Ls wäre ן wirTlich a i der Zeit, doß jetzt in demselben Wien e!n Diener . Christi gleich Veith gegen das wüste Treiben der Antisemiten seine Stimme erhebe, um die Bethörten zu überführen wie sie als Christen und Menschen gegen ihre gleichberechtigten Mitbürger zu handeln laben." Perti«, 11. Januar. (Or.-Lorr.- In der gestern abgchaikencn Sitzung der Rcpräscntantenversammluug wurde ein woclus vivsnäi bezüglich der um ein ganzes Quartal o.rspatetcn Vorlegung des Etats der (Äeineindeverwoltung Herbeigesührt. Es sollen einstweilen die fertiggestelltc» Ein nchmetircl des neuen Etats in Sitzungen, welche alle 11 Tage stattfindcii, geprüft werden und im klebrigen der alte - Etat noch im Gange bleiben. .Herr Justizrath Meyer ent-! schuldigte die Verspätung damit, daß zu seiner Freude in! d-m diesmaligen Commljsionsbcrarhungen sehr viele Beschwer- > den seitens der neuen Commissiousmitglieüer vorgcdracht worden wären, ferner sei der dem Herrn Wertheim(brkannlich die eigenttichc leitende Arbeitskraft iin Bureau der Berliner Gemeinde) beigcgebene Assistent bereits fett Monaten erkrankt, der neue Etat dürfte indes! den Repräsentanten in kurzer Frist zugehcn. Bezüglich der Eriveiterung des jüdischen Krankenhauses wurde bcschloffen, ca. 70 Quadratruthen von dem neben der Neuen Synagoge belegenen Grundstücke abzutreten, mit der Maßgabe, daß das Terrain Eigentha.n der Gemeinde verbleibt. Der Antrag, ene Maximilzahl für die Aufnah«.׳ von Kranken in dajüdische Krankenhaus festzusetzen, fiel weil 7 Stimmen dafür und 7 Stimmen dagegen waren In der Debatte kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen, über die Steuerfähigkeit der Gemeindemitglieder. Herr Heimann erinahntc zur Sparsamkeit, da einzelne Begüterte schon bis zu 10 000 Mark eingeschätzt seien, während die Aermeren unmöglich noch mehr herangczogen werden künuten. Ein Mitglied der Repräsentantcnversammlung wies sogar darauf hin, daß bei weiterem Anziehen der Steuerschraube viele Gemeindeinitqlieder ״religiöse Bedenken" bekommen und austreten könnten. Bei der nunmehr in 14 Tagen be» ginnende» Elatsberathung soll diesem Gesichtspunkt der Sparsamkeit mit Rechnung gettagcn werden. Aerkt», 7. Januar. In eine allgemeine Schlägerei löste sich die gestrige erste Versammlung der ncubegründete» ״Bereinigung zur Bekämpfung der Rassenhetze" auf Auch nach den mit den Antise>nite» in die ״Berliner Ressource" gemachte» Erfahrungen besteht bei einer Anzahl junger Männer jüdischen Glaubens noch die Ueberzeugung, den Antisemitismus durch einen mündlichen Meinungsaustausch mit den Antisemiten bekämpfen zu können. Die erste Versammlung dieser Bereinigung, welche gestern Abend im Feuerstein scheu Restaurant stattsand. erbracht aber den gegen.heilige» Beweis. Die Antisemiten warn unter der Führung des bekannten Antisemitenführcrs, Kaufmann Bo deck, des Vorsitzenden de- ״Anu semitischen Volksvereins", Haupt, uud der Vorstands- Mitglieder de; antisemitischen ״Deulscheu Vereins" in betrachtlichci Anzahl erschienen. Allen wohlgemeinten und wohlbegründeten Ausführungen setzten sie nur ״höhnende uud lärmende Zurufe" entgegen. Man schleuderte den Rednern antisemitische Beleidigungen in's Gesicht, und war auch mit allerhand Drohungen nicht sparsam. Die Feindseligkeit beider Parteien kam zum offenen Ausbruch, als rin junger jüdischer Mann beantragte, beim Polizei-Präsidium zu petitivniren, dasselbe möge die aufreizende Versammlungs-Plakate an den Anschlagsäulen untersagen, da dieselben geeignet sind, den öffentliche» Frieden zu stören": und ein Anderer bemerkte der Antisemitismus blühe »ur da, wo die Kultur nicht hingedrungen sei, wie z. B. im Wahlkreise Böckels. Die Antiseiniten leanlworlelen diese Bemerkung mit einem Hoch aus Böckrl. Dies war das Signal zu einer allgemeinen Schlägerei, die erst dnrch das energische Eingreisen des über,vachendeu Polizeilieutenants beendet wurde. Lerlin. Der bekannte jüdische Bankier und russische Eisenbahukönig Staatsrath Poliakdfs, so erzählt der Wiener Korrespondent des ״Standard", hatte kürzlich mit dem Prokurator der heiligen Synode Pobjedonoszesf eine Unterredung. Poliakoff wagte bei diesem Anlässe die Frage, ob es richtig sei, daß die Maßregeln bezüglich der Ausweisung der Juden aus Rußland auf seine Initiative zurückzusühren seien. Daraus crwiederte der Letztere: ״Za das ist richtig. Ich habe eia Memorandum an den gar gerichiet und Sie« war aec llijpruna der erwähnten Maßnahmen. Za diesem Memorandum wurde ausgeführt, daß es für Rußland oon Nutzen uäre, wenn eine beträgtliche Anzahl jüdischer Familien zum urthoooxe» christlichen Glauben bekehrt und in solcher Art der rusü.chen Ruse ajsimilirt würden. Derbeste Weg zu diesem Ziele wäre, die alten Delrele wider sie Juden wi.Ler in «rast zu setzen, well jene «lassen, bereu Bekehrung am meisten zu wünschen, -Gutsbesitzer, Kabriianlea. «aujleure erster Gilde, Aerzte und Anwälte, eher den Glauben wechseln, ais sich »on ihren Wohnsitzen verjagen lassen würden. Sir Russe» wrau-he» neue Elemente sür unser: Rasse und keine befferen konnten gesunden werden, al« »׳e Juden, deren Sparsamkeit, Fleiß Rüchlernheit, häuslicher Sinn und Kissen»dürft, deren Zastinkt sür den Handel, sür Gelderwerb und Geldersparen, ja gerade die Qualitäten bilden. deren wir am »eiste» bedürfen Sir können un« nicht mit den niedrigen «lassen »er Juden aiaalgamiren. aber ich kann keine schlechten Eigenschaften entdecken in den besseren «lassen der Juden und wir Holsen dieselben durch Bekehrung zu gewinnen, iveaa wir ihnen nur Sie Ausioeisnng zue Wahl lassen. Alle« die« >oar m meinem Memorandum enthalten und in einer Audienz, die mir der ar gewährte, »rückte »er «aijer sie H-sfnung au«, daß die bessere» lassen der Juden den orthodoxen Glauben annehmen und dadurch