Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1892-01-15 · 3 (15.1.1892) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
3 (15.1.1892)
Date
1892-01-15
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/6492344-5935084-5959771--0935-5374886
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

.י-׳;? ^russischen Juden für Agrikultur ,rzirhen wollen und den ' Boden Palästina'- dafür am geignetsten halten; -u dieser letztern Ansicht sollen sich anch, wie ich hü:e, einige Leiter des Bne- Brich-Ordens d'krnnen, und Gelder diesem Zwecke znführen,') — sie alle aber bedenken nicht, daß sie mit dem Feuer . spielen und eine große Gefahr für uns deutsche Juden dadurch hrranfbeschwörrn können.') Die beiden hier erscheinenden jüd. Blätter schließen die Augen vor dieser Gefahr, das eine, das Organ der Orthodoxie, mag seine religiösen Gründe dafür haben, und dnsandere liebäugelt bekanntlichaus geschäftlichem Interesse mit den verschiedensten Parteien, und darum auch mitderjüd.-natiinalen; sein Hauptrel>nkleur hält in den Kreisen der letztern Bort .äge nach ihrem Gcschinacke.') O-׳ das im Sinne der Männer ist, die das Blatt na,h bcn Tode Philipp,on's hierhergebracht haben, scheint mir doch sehr sraglich. Urbrigens ist man eS an dem Blatte schon gewöhnt, daß es in allen wichtigen Frag-» bald »ach der einen, bald nach der andern Leite hin schwankt, bald sür lmld gegen Sabbath, bald für bald gegen das Hebräisch, in Schule undSynagcge, bald sür bald gegen Lpcisc- und Schlachtgesetzr, bald für bald gegen jüd. Weihnachtsbäume schreib:, daß >s nicht Wunder «immt, wenn die mehrköpfige Redaktion auch in der jüd. Nationalitätssragr keinen festen Slandpunkt einnimm:. Darum war es hoch an der Zeit, tuß die ״Jsr. Wochenschrist" ihre Stimme erhob und aus riese Ülrfahr hiuwies. Anerkannt sei es auch, daß die ״Neuzeitin Wien jüngst einen Artikel ans der Feder JcUinek's brachte, der dieses besondere Hcrvorhcbcn des ״Jüdisch Nationalen-, gauzso tute i)ie ״Wochenschrift", für .»»jüdisch" erklärt. Er geißelt dieselbe Partei in Wien,die das Chauukafest imGei tc dcrJüdisch-Nationalrn als streng-nationales ״Makka bäersest" feiert,».schreibt: ,Wie ob« entstand diese P-rivirrung? Durch ein: andere, welche di« Kahne eine» nati analen Judenlhi ms in unserer Zeit aujpslanzi. Nationale Juden? Wa sind denn die Bedingungen einer Ratlonalstät? Die Juden sind ein eigener Stainm und bilde 1 eine besondere Neltgoosgenosjenschaji Lie sollen die alte hebräische Spruche, die Sprache ihrer Litteratur sei! Jahrtausende», ihr reiche» Schrisubum studirrn. ihre vieschtchte genau kennen lernen, ihr >äla»l>e»s'.>«r nntnisi hochhallen und demselben die grüßten Opfer dr.ngen, aus die Ä^eirheit der göttlichen Borsehung, die Berhetßungcn ihrer Proschile» u id den Enkmck, lungsgang der Menschheit vertrauen »lud lioffen, das! die erha denen Ideen uod Wahrheiten de» Judeulhtris den Lieg davoetraaen »«den. im Uedrigcn aber sich den Rationen u»s!t ließen, deren Mitdiirger sie sind, deren Schlachten mitschlage 1 und deren Institutionen gum Wohlr der Sesammlhcit mitsördern .. . Zion wird siegen und zur Herjchasi gelangen I>ur,h rin Meer von Licht, dag es ausstrahlen und wodurch in Nu Po.tr׳n 1>ie Sehnsucht entstehen wird, die Wege, die zu dieser Lichtquelle sichren zu be.eetrn. . Rehmen wir an, daß alle europäische» :):iicbti den tlieschlus, lassen würden, den Juden in unserer Zeit Palästii», zu überlassen, uin einen ■ eigenen Staat zu bilden und zu regieren, :110־» würde sragen >»ir, in Jerusalem und andere» Iheilen de» heilizca Lriilder mit der. christ- Uchrn und mohamedanisihe» Denkmälern, icrihilmrrn und H,:ligthümern grscheden? Würden sie die Juden «,!fernen oder wiirden sie «ä ün Stande sein, wenn sie e« auch wollten? Eii jo che» k>׳׳s>l«n! der -Mächte an die Juden wäre mehr eine Verleg,mhe» ol . eine Wchlthat." Möchte:! viele besonnene Männer in Jsra.l doch ihre Stimme gegen diese geistige Bcrirrun, dcc südilch,״ Nntio- »ülrn erheben, ehe es zu spät ivirb." jr — Aus dem Lager der Jüd.Mc, ionrlr» ging uns ein II Seiten langer Artikel zu: .N.'bec das 'öerhh'lliitS von Kosmopolitismus, Nakionalisniliü. ksteligion ind Staatsangrhörigkeit vom jüdische» Star, )pinkte betrachtet", dem «och ein zweiter Artikel folge» s >ll. 'Wir lassen den einleitenden Theil über Richtungen ui) Parteien. sowie de» ') Da» dürste wohl nicht im Sir ne der Majorität der Logenbrüder sein.!Sied.! ') Die »Deutsch-socialen Blätter" haben sich ter Lach« bereit» bemächtigt, und erbliche» darin das Zu> eständniß zu der cor. ihnen ausgegedenen Parole, daß sie Juden xerade der Ralionalitä: wegen »Fremdlinge in Deutschland" wären, er *Urft. (Redü *} ,Ln der Festrede jur Makkadäerfei« der Jüdisch-Rationalen Esra'ner — so schreit» uns «in anfmerksamer Zuhörer — hat Herr Dr. Suftav Ikapeles allen Rationalen gezeigt, daß sie noch lange mr ch-u haben werden, um so chauvinistische Pratwten zu werdrn, wie HrrrDr.K. Er sagt« wörttich: .Erst waren wir orthodox.reliaiö», - »mm resormerisch-asl i m ilatorisch, beide« waren Jrrthumer: jetzt find »ir bewußt jüdisch-national!" ijo. «. ch. über die erhabene Id« des Kosmopolitismus und allgemeine Menschenliebe im Judenthum, und-״wie wir Kosmopoliten sein sollen", als zu weit anSgeholt, hier weg, und beginnen auf S. 6 mit dem Punkte, den der geehrte Einsender selbst: als den .springen!»«»" bezeichnet: ״Haben wir Juden denn das Recht, uns eine Nation zu nennen'? Sind wir denn etwas mehr als eine Glaubensgemeinschast oder um eine »och bessere Redensart z!i gebrauchen, wenn sie auch dem Geiste der deutschen Sprache nicht ganz zusagl, sind wir denn etwas anderes als ein ״Glaubcnsstamin"'? Einigt uns denn wirklich noch etwas Andere,, als die gemeinsame Religion, als die gemeinschastliehen metapbyiiich:» und ethische» lleiierzeugungen? Eine solche Frage: ״Wos ist denn eigentlich die Judenbeit?" ist zu wichtig, als daß wir ihr aus dem Wege gehen bürstex und halten wir es für überaus wichtig, einer solchen Frage über Vas wahre Wesen unserer Gemeinschaft genauer dehandeln zu müsse». ״Wäre das Judenthum, oder richt!ger gejagt die Judenheit, ehemals eine Nation gewesen und wäre jetzt n. r •ir:e Glanbmsgcmeinsch ast, so inüßte man einen bestimmten Zeitpunkt nachwci'cn können, in dem sich diese Umwandlung vollzogen hat. T>׳scr Zeitpunkt könnte Doch nur der llnergang )es zweite» jüdischen Staates gewesen sein, de » bas ist ja, me es scheinen möchte, der Angelpunkt in der gesamtrlcn jüdische, Geschichte? Aber die Zerstreuung der Juden datirt gar nicht von der Zerstörung Jerusalem,«. Als dieses nämlich noch bestand, war die Diasporc schon vorhanden und bei weitem wichtiger als der .!»esteilenve jüdische Staat. (Wir könne» den hi'torischen Rückblick aas die Juden in Babylonien, Prtsicn, Rom u. s. w. hier als bekannt weglasscn. Red.) ,Jedoch ״fürs Gervcsene giebt der Jude nichts!" KNd in d> r Jetztzeit fehlen den Juden 2 überaus wichtige Momente, um sich Nation ncnnen zu dürfen, nämlich das Territori» m und die Sprache. Aber die Sprache ist zwar etwas aus dem *Reifte des Bollee Hcrvorgehcndes, aber doch nicht dos Bolk selbst: sie. ist verinderlch und wand> lbar. Ebenso sfr wir eine Sprache das Bolk überlebt hak, l at auch schon < in Bolk seine Sprache überlebt. (Die Beispiele lassen 1>ir hier als überflüssig weg. Red.) .Zwar haben uns dir Polen und Ire r und viel an!,re Böller ge.eigt. daß eine Nation ohne Staat exijtiren ka n, aber doch haben wir außer den Zig ui ern keine Na 1011 ohne It11״ turtum gesehen! mir wall, u hier aus tiese Frag.׳ in ihrer Allgeireinheit nicht eingelien, sondern ins einee׳ ganz banalen Beispieles bedienen. Es ist sichtlich gut, wenn ein Bolk ein Territorium besitzt, ebenso, >oi> es gut st, wenn rm Mersch einen Stuhl Hot, auf den er ich srpen kann, aber eb« > oweniz ivir der Mensch ei» Me, sch zu sin cufhört, wenn man ihm seinen Stuhl raubt, et»11jo, wetng hört das Bolk auf ein Bolk zu se n, wen» ihm ein Tc.׳!rtonam verlöre!« geht. Ter Stuhl gehört nicht ,um Begriff, Mcnsch und das Lercitoriun, nicht zu», Bcc.nffc Nation! ״Das Bolk, ivrlches sein Lerritoriu n verloren, ist dem Menschen ähnlich, der ruhelos wandern muß. weil er keinen Ruheplatz finden kann, aber doch immerhin rin Meistch bleibt. Trotz des Mangels eines einigenden Territorii ms und einer gemeinsamen Sprache sind die Juden immerhin eine Nation! Will sich aber das jüdische Volk einmal ordentlich ausruhen, so muß cs sich einen Stuhl, ein Terrikorium, suckien, wo es Ruhe findet! (Schluß s.) <Wtr müssen den .Schluß" cdwarien, um dt« Extstenzberechttguns, der Jüb.»Rationn!en bewiesen zu sehen, und!affen hier noch die solgende Zuschrift aus Berlin über denselben Äegenstaud solgen: ״Berlin, 8. Januar. Bei iselegenheir einer Bemerlung über die religiöse Richtung des verstorbenen Dr Pin ter, griff dl« g. Nedaktion der Wochenschrist die ״Jüdiskt-Rationalen״ als rrligiousselndlich(»iol)an. Wie wenig ein solch« Angriff zutieffead sein kann, «sieht man daraus, daß vor xurzen! He« Earl Emil Frarlzos unsere Partei in äffen!- licher Brrsammluna rrligtös-nattaaal nannte und sie fälschlich als or» thobox und chassidisch (»ia I) hin-'tellte. Air sind kein« religiöse Par-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.