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Israelitische Wochenschrift · 1892-01-15 · 3 (15.1.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
3 (15.1.1892)
Date
1892-01-15
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Landes scheint derselbe auch vor diesem äußerste» Mitek, der Jnscenirung einer Volksbewegung nicht zurückzuschrecken; üm Schlusie eines Referats über die betr. Nattonalrathsverho ndverdandlungcn heißt es dort wörtlich: ״Gemäß früheren Aeschlüssen wird nun ohne Zweifel der Appell ans Volk folgen, daß sich schon mehrfach in seinem gesunden Sinne ganz! anders als die Räthe ausgesprochen hat." Nun .Leidenschaft macht blind" und so entgeht den : Herren Agitatoren wohl auch die Wahrnehmung, daß ihr ' fanariscl)es Vergehen auch im Volke vielseitig mißbilligt und selbst von VcrcinSmitglicdcrn — selbstverständlich von vorurtheilsfreicn — geradezu ricrurtheilt wird. So erklärt der ן St. G.cklcr Thierfchutzverein in seinem jüngste» Jahresbericht osten u.id unumwunden: ,daß er bis anhin im Schächten eine Thcer-; quälerci nicht erblickt habe und daß er diesen Standpunkt auch iürderhin beizubehalten gedenke. Es darf vicllcichh fügt er weiter hinzu, in ן dieser Stellungnahme gewissermaßen ein Palliativ dagegen erblickt werden, daß die Frage einseitig lvurtheilt wird und namentlich auch, daß sie mit aiideren Fragen verquickt wird, welche gar nichts mit ihr zu thu» hab:n Sollte selbst nachgewicsen werden können, daß ein Scdlachtthier beim Schlachten einige Sekunden länger Schmerz empfindet, als bei einer anderen Schlacht- Methode, so wird dieser Nachthcil reichlich ausgewogen durch die Sicherheit der Schlachtmcthode, welche das Schächten, weil es lange nicht in dem Maße von der Geschicklichkeit und ztorpcrkraft des Schlächters und vcm - Zustande von Apparaten abhängig ist, vor allen an- I deren Schlachtmaniercn voraus hat. Diesen Haupt-; gedaukea pflichtet eine Menge wissenschaftlicher Autori-! täten bei, und wenn nun auch in der Wissenschaft noch j nicht Einmüthigkeit zu Gunsten des Schächten« hcrrsckit. so ist doch mindestens auch die Verwerflichkeit dieser Schlachtmethode noch nicht bewiesen. Das genügt uirs vorerst, uns einer Bewegung nicht anzuschließen, durch welche eine große Anzahl Mitbürger i» einem bisher ungeschmälerten Rech'e gestört und in Aufregung versetzt wird und welche uns auch zu den Bunde sbe Hörden in Opposition setzt; — gibt es doch unendlich vel zu Gunsten der Thierwclt zu thun, wobei über Nothj Wendigkeit und Zweckmäßigkeit keinerlei Zweifel herrscht."! In Anbetracht solcher Kundgebungen sollte der Central-! Vorstand sich doch zweimal besinnen, bevor er zur Aus-! führung seines Vorhabens schreitet. 0r. L. provinzial-Aa0St»er»eröä»de. Die Gründung eines Verbandes der Rabbiner Schlesie ns befinxt sich im Stadium der Vorbereitung; rein zu-; fällige Momente haben cs verschuldet, daß die Vorarbeiten nicht rascher erledigt worden sind. Der Segen dieser Bezirks- , Verbände besteht wesentlich darin, daß in! engeren Vereine eine Verständigung zwischen den Vertretern der verschiedenen religiösen Anschauungen sich leichter ermöglichen läßt. Die Prinzipien sind weit weniger versöhnlich als die Personen. Männer aber, die in demselben Bezirk wirken, die bei Ausübung amtlicher Funktionen, bei Akten der Wohlthätigkeit, sich näher getreten sind, haben Gelegenheit zu ers fahren, daß sie unbeschadet einiger religiösen Differenzen ganz : g:,t zum Heile des Iudenthums Zusammenarbeiten können, j daß sie einen großen gemeinsamen Boden haben. Darum kann aus den Bezirksoe bände» am ehesten ein Verband emporblühen, der wirklich alle Rabbiner Deutschlands, die orthodoxen wie die liberalen, umfaßt. So lauge die Parteien sich nicht näher getreten sind, denkt sich der Freisinnige den Orthodoxen möglichst schwarz, der Orthodoxe den Freisinnigen möglichst rolh. Darum wird sich sogleich auf dem Boden «ne» allgemeinen deutschen Verbandes schwerlich eine «8mg« ng erzielen fassen, und wäre auch auf beiden Seiten da» Bestreben vorhanden, wie man jetzt nach dem Vorbild Bismarks sagt, qnieia non movere; das Tournier der Principien ist zu verlockend und die Menschen. welche dir Principien vertreten, stehen sich nicht nahe genug, um sich I über alle Meinungsverschiedenheiten hinweg die Hand zu! reichen - ׳ Und doch wäre eS ein großer Legen, wenn die jüdische Lhcologic in Deutschland zusammenstände; der christlichen Bevölkerung, welche gewohnt ist. in dem <8eistlichen vorwiegend >en Nepräsenlante» der religiösen Gemeinschaft zu sehen, sink unsere Vorstände, Iuüizräthe, Konimerzienräthc, Verwaltnngsräth-, k^inc vollwichtigen Vertreter de« Judenthums; tür unsere nicht jüdiichen Mitbürger sind »ach der Analogie des eigenen kirchlichen Lebens, vor Allem die Rabbiner die berufenen Sprcck-er und Vcrtheidigrr des Judcnthiuns: aber diese sind!1! Deutschland in zwei Lager gelpalten u»:׳ tcr Gegensatz ist schärfer als nöthig wäre. Ans Provinzialverbänden der Rabbiner aber würden sich die An- Hänger der verschiedenen Parteien leichter zusaminenfinde« und dann erst würde der deutsche Rabbincrverband die Ver- - cinigung aller Berussgcnosse» von Rechts und Links. Dann könnte dieser Verband de» deutschen Jude», dem Juüenthum« und auch dem Stande der Rabbiner gar ivcsentliche Dienste leisten. Darum gründet Prvvinzialverbände! Kirichte nitfr CorrespO«»err?e»r. DentschUrad. M«»ßd«ß»rg. Unserer in vor. Nr. gemachten Zusage geniäß geben wir im Folgenden zweien Stimmen über die .jüdische Nationalitälsidce" das Wort, die eine aus religiös- - conservativem Kreise spricht sich gegen, die andere aiS de« sog. jüdisch nationalen Kreise selbstverständlich f ür dieselbe aus; - beide gingen uns aus der .Hauptstadt des Deutschen Reiches 'י zu, und die Vertreter l»eider Ansichten müssen wir unt Ent« -, ' schuldigung bitten, daß wir aus ihren etwas langathmigen Aus» - führungen nur SaS Wesentlichste mirtheilen; der beschränkte Raum setzt unserer ursprünglichen Absicht and Zusage diese '? Schranke. Die erste Stimme lautet: .Berlin. Es war ein erlösendes Wort, das die ,Jsr. Wochenschrift" in der ersten Nr. dieses Jahrgangs bezüglich Vi des ״jüdischen Natioaalitäts-Schwindels״ ausgesprochen hat. . .j ich hätte nur gewünscht, daß es nicht in Petitschrift als - ■* Anmerkung der Redaction zu dem Arti'cl aus Odessa (S. tf) - ג gestand n hätte, sondern in Fettschrift an der Spitze des . 4 Blattes. Sie haben keine Ahnung, in wie viel-n meist anreifen Köpfen diese sogen, jüdisch-nationale Idee, die sich an -.vM die Paläst na-Colonisation anlehnt, ja sich immer mehr da» mit verquickt, spukt, und wie auch manche nüchterne ftftpfe 3’ד| wegen der Schwierigkeiten, die die Unterbringung der viele» j| russischen Auswanderer in Amerika verursacht, sich der (Wo* .־.?י| visirung Palästina's durch russ. Juden Hinneigen, und deshalb milden Jüdisch-Nationalen gemeinschaftliche Sache mache».?1 So finden sich die russischen Jünglinge — die ätuMrea#v;£j halber sich zahlreich hier aushallen, (sie besuchen zum Theil auch die hiesigen jüd.-theolog. Lehranstalten) — mit bar ׳-Ä .Esra-Vereinleru" und ocn Mubegründern Ves ״Vereios^W für jüd. schichte und Litteratur" alle als ״Jüd.-National«"') zusammen; sie bilden ein Konglomerat von religiösen Nihi-..M listen, die, iveil oaterlanvslos, eine eigene ״Nation" bilde« SS niöchten, und aufrichtigen Orthodoxe», die für Wieda Herstellung des jüd. Reiches unter einem Spcoß Davids beten. »0n3״S phantastischen Schwärmern und praktisch Gesinnten, di« die ׳D ') In den Borstand dieses Verein« wurden gewählte jerr^D Dr. tkarpele« zum er,t«n. und Herr Willy B-mbu» zu« p»«it»ÜW Borfitzeudcu, ferner die Herren Dr. Hirsch Htlderyrimer^ see-jW Prediger der!Sesonngemeinde Herr Dr. Lev t n, und Herr Rudots ss

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