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Israelitische Wochenschrift · 1892-01-07 · 2 (7.1.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
2 (7.1.1892)
Date
1892-01-07
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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ngung trat hervor, als, wie erwähnt, trotz mannigfachen Widerspruchs, eine abgekartete Kandidaten-Listr für dir Vorstandswahl in ordnungswidriger und illoyaler Weis« der schließlich resignirendcn Pcrsammlung aufgcdräugt nwrde. Wir wollen die Schuld dafür nicht Herrn Dr. Karpeles, sondern gewissen leitenden Elementen des Pereins ״Esro." zuschrciben, die bereits durch di» Leitung jenes Vereines manche Unzufriedenheit bei seinen Mitgliedern erregt hrben, und auch den neuen Verein, wenn er überhaupt zu Stande kommt, wahrscheinlich bald zu Grunde richten werden Jeoenfalls würden jene Elemente, wenn ne der guten Sache ein״׳ Dienst enveiien wollen, gut thun, sich .venigcr vtrzudrängen — Der gewählte Vorstand au« 7 Mitgliedern vird ן demnächst weitere Schritte zu thun und vor allem einen Aufruf für die weitesten jüd. Kreise zu veröffentlichen haben. Lerki», 15 Jan. (Or.-Eor.) In der ain 3. Januar > abgehältenen Sitzung der Repräsentanteiiversammlung bildete den .hauptgegcnstand der Berathung die Erweiterung des jüdischen Krankenhauses, zu der die Gemeinde von wm neben der Neuen Synagoge belegenen Gruiidstückc 75 Quadratruthcn abtreten soll. Die Krankenhausverwalt rng hatte zum Bau cincs Ovetationssaales und von ztvei neuen Baracken die Abtretung von 1*5 Quadratruthen beantragt. : Es refcrirte Herr Sanitätsratb Boas: Nach den bei Autoritäten wie Pros. Guttftadt und Bauralh Blankenstein eingeholten Gutachten würde der Ban eines netten Krankenhauses (mit 300 Betten) I Million 200000 Mark kosten, »vährend die Kosten des Areals sich auf etwa 1 Million 80000 Mart belaufen würden. Da die meisten auch der von außerhalb zugereisten Kranken nichts bezahlen, so kostet im Durchschnitt jeder Kranke 700 Mark mehr als er einbringt. Da die berliner (Kcmeinde an de» Bau eiteS neuen Krankenhauses zur Zeit nicht denken kann, so tat dieselbe sich entschlösset, von dem Nachbargrundstück 70 Quadratruthen für einen Operationssaal und eine Baracke! mit 24 Betten abzutrrtrn. Zum Bau einer neuen Baracke hat Herr Kommerzienrath Simon 100 000 Mark gespendet. Da nach Verlaus einer längeren Debatte ein Beschluß nicht erzielt wurde, wurde die Fortsetzung der Berathung auf den kommenden Sonntag vertagt. — Herr Maurermeister Fränkel brachte noch die durch, die gleichzeitige Schließung der neuen Synagoge und der j Synagoge in der Kaiserstraße herbeigesührte Ueberfüllung der Synagoge in der Heidereuter Gaffe am letzten Sabbalh zur Sprache. Namens des Vorstandes wurde angekündig:, daß dir Kaiserstraßen-Synagoge bereits am kommenden Sabbatvormittag wieder eröffnet werden soll, da die Reparatur, welche an der Decke vorgenommen wird, nur die Benutzunz am Abend auLschlteßt. 8. Stettin, 6. Jauar. (Orig.-Eorr.) Es freut mich, Ihnen von einer erhebenden Feier berichten zu können, der ich gestern beiwohnte. Unter dem Vorsitze unseres Glaubenszenofsen Herrn Dr. Schwerin feierte der Berliner Handwerker-Be rein die Einweihung des neuen Schulhauset 'Kr seine Fortbilduugsschüler. Die zahlreichen hierbei gehal׳ irnen Reden athmeten allesammt die schönsten Gedanken der!!Bruderliebe, und nie habe' ich die Berwischuna des GlaubenstmtrrschiedeS in so glänzender Weise zur Geltung kommen sehen .Re hier. Es waren hervorragende Vertreter der Rex.eruua, des Magistrats, des Stadtverordneten-Kollegiums »nd zahlreiche anerkannte Gelehrte, Profefforen und Rütrren anwesend, die inmitten der Handwerkerfamilien in seltcner Harmonie von S Uhr Abends bis 2 Uhr Nachts beisummen waren und sich in dieser Gemeinschaft recht wohl fehlten. Für uns hatte dir« insofern noch «inen besonder!! tZerth, als sehr zahlreiche israelitische Mitglieder dem Bereine aneehtUett und der Gründer des Verein-, Abarbanrl, seinen Stammbaum bis auf den berühmten Portugieser Glaubensgenossen Don Jsaac Abardanel zurücksührte. Die Tochter »es Gründer«, Frau Dr. Schwerin geborene Abarbcnel, ist eine sehr gelehrte Dame, dir seit Jahren Alks ' sammelt, was auf ihren großen Urahn sich bezieht, und ui einem umsangrRchen Werke herauSzugeben beabsichtigt. ES j wird dies für unsere Geschichte jedenfalls von besonderem Werthe sein. Kein Wunder, daß diese Dame, die Frau de«; Vorsitzenden, auch bei diesem Feste besonders gefeiert wurde,; — und es ist mir der höchst-n Anerkennung werth, daß sie i den Namen ihres Urahns durch edle» ©Uten zü ehren! versteht. Llerkin, 1. Januar. (Or. Eor.) In No. 52 xr! ,Israel. Wochenschrift" wird angefragt, ob Beschimpfung«» der Bibel im Allgemeinen und insbesondere ein näher be-! zeichneter * rtikel der von dem Theodor Fritsch in Leipzig ׳ herausgegebenen .deutsch-socialen Blätter,״ welche in dem 1 bekannten pöbelhaften Preßbanditenton die Bibel beschimpft und verächtlich zu machen sucht, nicht unter dir Strafbrstimmung des 8 166 St. G. B. falle. Diese Frage ist zu bejahen. Der K!66 a. a. O. bebrobt mit (Se'ängnib bi# zu drei Jahre!» denjenigen, weicher .üssentlich einr ber christlichen Kirchen »der eine anbere mit Korporationsrechten innerhalb des BunbeS» gebiete# bestehend« ReligionSgesellschast ober ihre Hinrichtungen ober osebrSuche beschimpft' Daß der in Rede stehende Artikel der ״deuisch-sociakn Blätter' eine ״Beschimpfung" der Bibel d. h. ein bewußtes Verächtlichmachen dieses heiligen Buches enthält, kann einem Zweifel nicht unterliegen. Ebensowenig ist «t frag« lich, daß die Bibel ein Gegenstand der Verehrung für die christlichen Kirchen, wie für die mit Korporationsrechte» innerhalb des Bundesgebietes bestehende Rrligionsgesellschaft des Jndenthums ist: bedenklich erscheint freilich die Soosumtion der Bibel unter die Begriffe ״Einrichtung' und ״Gebrauch' — allein einer solchen bedarf es unseres Er« achtens garntcht, um aus den in Rede stehenden Aeußerungen den Thatbestand des 8 l66 St. G. B. zu konstruiren: denn, wenn da« Gesetz die Beschimpfung der ckjristlichen Kirche» oder der in strafrechtlicher Beziehung ihnen gleichgestellte» Religionsgesellschasten verbietet, so will e» durch di« Straf- Vorschrift, was auch die Motiv« ausdrücklich hervorhebe«, das religiöse Gefühl der durch gemeinsamen Glauben zu einer Gesammtheit vereinigten Personen schützen. Religiöses Gefühl aber ist das Gefühl der Verehrung und Ehrfurcht vor Gott und seinen Gebote». Die Bibel gilt den christlichen Kirchen, wie dem Judenthum als Gottes Wort — folglich enthält auch ihre Beschimpfung eine Berletzung deS reltgiösen Gefühls und, da die Bibel ein Gegenstand der Verehrung der erwähnten ReligionSgesellschafttn ist, mittelbar eine Verletzung dieser selbst. So bat auch die Praxis der deutschen Gerichte fast durchgehen» die Beschimpfung der Bibel als eine gegen die Kirchen u. s. w. selbst gerichtete Beschimpfung augeschen. (c,r. «oltbammer# «rchiv 8b. XXIII 6. HO, 8b. XXV 6. 628 und bit bei Kuborff (Csmm.ntai zum 6t G. °i.) cittTfe» Erkenntnisse-) Aus diesen Gründen erscheint eit» Strafverfolgung d«S Fritsch begründet und wird dem Herrn Fragesteller archeb» gegeben, bei der Staatsanwaltschaft des köutgl. sächs. Land» gerichts in Leipzig den Anttag aus Einleitung deS Straf» Verfahrens gegen den Fritsch zu stelle». Lchtawe. 31. December. (Bericht über die versa«!» lung der JSr. Lehrer deS Rgbz. ToeSlin am 27. December.) Von nah und fern hatten sich die Mitglieder hier ei» gefunden. Der Vors, des Vereins, Herr Rab. Dr. Hab» Stolp, begrüßte um 11'/, Uhr vormittags die Mitglieder wie auch die Gäste der Schlawrr Gemeinde. In begeistert»« Worten suchte der Redner den Zweck und di« Nothwendigkeit solcher Vereine im Allgemeinen und die dringende Bedürfnißfrage gerade unseres Vereines für unfern Rgbzk. darzulegen und erstattete -um Schluffe Bericht über de« Stand de- Vereins. Der Tagesordnung folgend, ertheiüe. der Vorsitzende dem Herrn Rabbiner Dr. Hoffman». Nrustetttn das Wort zu dem Vorttage: ״Lehrer und Lehr-; •t *

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