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Israelitische Wochenschrift · 1892-01-01 · 1 (1.1.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
1 (1.1.1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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circgtt berechnetes Auffehen und rief eine lebhafte Polo!r:k ^1 deutsch-jüd schen Zeitschriften hervor, gleichzeitig auch ei!re Schrift ähnlicher Tendenz von einem deutschen Rabbiner :.Anichas bta nrnmi" von Dr. Rüls.) Seitdem ist bereits Vieles dafür und dagegen geschrieben und gesprochen worden, die Palüstina-Jdc Hut inzwischen durch die Macht der Eccignisse immer mehr Boden gewonnen und zwar nicht blcs nur bei den Juden im ׳Zarenreiche, sondern auch in andern Ländern Europas und in Amerika. Eines muß besonders hervorgchoben werden gegenüber der Behauptung, die ncch auf d<>:> jüiigücn bcrliiwr Congresic mit bciicidcnsiverther Sicherheit mcbriach ansgesp: oche» oder insinnirt wurde, als itünte die Paläsnna-Bcweguug »1 t dcr S r t h o dox i c oder gar mit bem Ehassidismus in Zusannncnhailg: Piusker stand nicht nur der konservativen Richtung fern, sondern halte für die Religion des Jutcnthums überhaupt weirigJnteresse; seine Schrift wie seine ganze Wirksainkeit als Präsident der weitverzweigten Zionsvercinc galten dem Judrnthnm als Nationalität, und diese Auffassung theilte er mit 11«) vielen gebildeten Juden in und außerhalb Rußlands.*) Obwohl sein Pater, der als Grammatiker und Ersorsctjcr der karäischen Litlcratur berühmt gewordene S i m ch,1 Pinsler (Vers, der ״Likute Kadmonioi“ und des ״Meto lfc-Nikkud ho־A?ohuri‘) ein nanihastcr hebräisch«!: «belehrter war, hatte der Verewigte nur sehr geringe Kennt nisse im Hebräischen envorbcn. tNboren im Dezember 182:׳!;1. Debet 55M), in Odessa besuchte er dort d׳e Stern sch! Schule, die erste jüd. Schule in Rußland, die nach curo püischrr Art cingeiichtet war unv an der, neben Stern Kinkel und Horowitz, auch sein Vater als Hauptlehrer sun girte. Darauf besuchte er d>1s Gymnasium und nach Absol viriing desselben widmete er sich juriNischen Studien aus dem i.1׳)ca11n :Kidjcliai. Da jedoch da» als für jüdisch- Zu ristcn in Rnfiland gar keine Aussicht im praktischen Leben war,!vandte er sich bald der Medizin zu, die er in Charkow und in Deutschland studilte. Nach seiner Rückkehr vom Auslände ließ er sich in Odessa als Arzt nieder und sing gleictizeilig an, für eine Verbesserung der politischen Stellung der Zudcn zu wirken. >861 begründete er zusammen mit 'Zmanucl Solowcitschik die sruss) Zeitschrift .Zion" die jedoch nicht lange bestehen sollte. Als der .Verein zur Verbreitung der Aufklärung unter den Juden" in Petersbürg begründet wurde, stellte sich Pinskcr an die Spitze d!ü Ldessaer Comiles. Außerdem gab cs keinen Wohlthätigkeits verein, und keinen gcincinnützigcn Zweck in Stadt und Land, woiür er nicht hingebungsvoll, gewirkt hätte. Bis zur oisisiellen Bestätigung des großen Vereins der .Zionssrcunde^ , in .,lnßland seitens der Regierung, war seine Thätigkeit > als Vor sitzender und Leiter des über das ganzc Land verbreiteten und inoglicbsi geheim gehaltenen Vereins eine besonder« . gefahrvolle. Er riskirte jeden Dag nach Sibirien geschickt , zu werbe» Trotzdem trug er muthig die Last der Amtes 1 oa gcraLe Siejer Pu»t: ist te, »er diese durch dle hrdrüihiirn Ta<1esöinNcr in Ruftlun» uuuuSgcsetzi angrsachte >ü»is1t>e Ütaiionaltiuit«. iäre 11« de» Äuge» derBesonnene» at« an «einem inner» Wider- H'tuo . idend «rjcheinen läßt Wir jrtbst können rujsijche Jünglinge, -ic in religiöser Beziehung aus nibiiislischc», Ziandpunki stehen, übei die jüdischen Rrlig.onsvoininiilcn —!dl'» die biblische» — sich hinuiawM» und sich als.4>aliinal-<iudcn" iczeichin», die sür die ttotoni!anon Palästina s schwälmin und sür dieselbe die größ'cn Opfer - .inge». Ädcr »m .Naiional-Iu-e" zu sein, ״,»» man L»ü> ״Z:!dr" sein, im;»cijche» ^,el.gii'nslebcil siehe», vor ÄUem nicht über die «seboie des ׳,orii:!׳,»ins ipcncln W,rs nupi es, Palasnna mit solchen u np.M; k» Ziide» z» bevoll..», sic Sen Heiligen Bosc» Palasnna's mit ibier »ihilislische» r!cbensa»>1>1ssu»g nur entiocihen würden; sie jenen |V ü er die jüdisch: Religio» hinweg und wollen nur einejüdisch« Sfr.; on bilden; eine jüdische Nation ohne Religio» aber ist ein 1.»>.asna; gegen eine solch.׳ -!eubegrünsung Palästina's würden jämmtiiibe Propheten, Tannin,n und Ämoraiin ihre Stimme erheben.;ווו »iesim innern Widerspruch wird und muh die sogenannte jüdische Narionaliials-Züec srüher oder jpaler zerjiheUen; sie. ist ine Gistpfiauze auk »em Boden Palasttna'S und eb ist und undeareipich, wie orthodoxe und c»ni:rvative Bläller in Deutschland und England dieselbe hegen ״n greh ziehen und die Lugen vor dteler Gefahr »erschließen- ־,; ל—. דץrnr דם- (Xed.) und nur drs Ansehen, das er bei!der Regierung genoßt schützte ihn vor bösen Folge». Gegenwärtig ist zwar der Verein bestätigt, die Auswandetung im Begriffe staatlich regulirt zu werden; es ist zu hoffen, daß da» Palästm«, Werk über kurz oder lang in geregelte Bahnen geleitet werden wird; nichtsdestoweniger ist mit dem Verluste einetz Mannes wie Pinsler eine Lücke entstanden, denn nicht so» bald wird sich an der Centralstelle des Vereins zur Leitung desselben eine Person finden, welche in gleichem Maaße Ansehen und Uneigrnnützigkeit, einen edlen Geist und euro» päische Krnntniße in sich vereinigt. v!-. ftamUta. Wilna, Anfang Dez. (Or. Cor) Vorigen Freitag verschied hier nach längerem Leiden der Ehrenbürger unserer Stadt Herr Jonas Gerafsimowitz Gerstein in einem Alter von 64 Jahren. Die ungeheuere Thcilnahme an dem gestern stattgefundenen Leichenbegängnisse bewies, welcher Popularität und Sympathie sich der Verstorbene erfreute. Intelligent und Orthodoxie, Jung und Alt, Alle hatten sich ringefunden, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Der Verstorbene gehörte zu den ersten Schülern der hiesigen Rabbinc, schule, d. h. zu denen, bei welchen der Drang nach Bildung und Aufklärung so groß war. daß sie genug Muth und Energie halten, die Feffeln dr» damat» herrschenden Porurtheils gegen profane Bildung zu sprenge« und sich öffentlich,!Ugemeincs Wissen anzueigncn. Er war einer der Pioniere der Bilvungsverbreituirg unter den russischeu Jude». Durchdrungen von dem damals weheiiden AsiimilirungSgciste trieb er auch haiiptsächlich russische Sprache und Litte» ratui. Ja, er war sogar in den sechziger Jahren de» allmächtigen Gkiieral-Gouver, eur Murawjew bei der Ruffisizirung dcr Juden behilflich. Bei allem dem entwickelt« er doch stets warm«s Interesse und tiefes Verständniß für allgemeine Bildung, beherrschte mehrere Sprachen -vorzügliche ganz besonders da« Deutsche, da in dcr ersten Zeit des Hestandes der Rabbinerschule dir deutsche Sprache al» Unterrichtssprachc galt. Vom judensreundlichrn Grnrral-Gouvcrueur Nasiuuttp wurde Gerstein die Ebrenstellc eines .glehrten Juden* zacrtheilt, welches Amt ihm auch verschiedene Auszeichnungen, u. a. das Ehrrnbürgerdiplom, cinbcachte. Zu derselben Zeit unter dcr liberalen Regierung Alexanders II arbeitete dcr Verstorbene, von der Regierung aufgefordett, sehr eifrig und mit großem Nutzen für unsere Glaubensgenosse» in den in Petersburg tagenden .Rabbiner» Commissionen", die über spceiell jüdisch-rituelle Fragen zu entscheiden hatten, wodurch er sich auch hohe Achtung bei den leitenden hohen Rcgierungsdeamtcn verschaffte. Seine außerordentliche Popularität gewann Gersteia aber erst, als ihn vor mehr als zwei Jahrzehnten di« Regierung zum Ehrrncurator dcr hiesigen Talmud-Thor» ernannte. Hier fand er den geeigneten Boden, auf dem er seine liberalen Gesinnungen, umfangreiches Wissen, scharfen Verstand, weise Umsicht und unverwüftlichc Thatkrast zum Wohlc der vrrlafieneii Waisenkinder entfaltete. Als Gerstein die Oberaufsicht über diese Anstalt übernahm, befand sich dieselbe in einem höchst verwahrloste» Zustande, der mit dem Bildungsniveau jener Zeck im Eintiange war. Die hiesige Talmud-Thora stammt noch au» jener Zeit, da man sich wohl verpflichtet fühlte, den arm« Waisenkindern dürftige Kenntnisse der hebräischen Spracht deizudringcn, aber nicht auch sür ihre physische und geistige Ausbildung zu sorgen und sie zu nützlichen Gliedern der Grstllschaft zu erziehen. Gerstein setzte nun seine Leben»- ausgabc darin, die Talmud-Tyora in eine wahre Erziehung»- anstalt zu verivandeln, die ihre Zöglinge mit einer ged«egrnen Elementarbildung ausrüstete und sie sür das Lebe» lüchtig vorbereitete, was in einer Gemeinde wie Wrlna. w» die Anstalt circa 10V Knaben verpflegt und fast 300 eine« unentgeltlichen Unterricht gewährt, von unschätzbarem Wach ZtD Ungeachtet der Kämpfe und de» Widerstreben«! kj£ .H i i

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