Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 1 (1.1.1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/6492344-5935084-5959769--0918-5374871- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
4 — einen Normal-Ehristen, wie uis ein Normal-Wohnhaus b:- vorstehen soll. 6. W. Mern>»rg, 28. December, (Cr.«(fcor.) Zn No. 52 Ihrer geschätzten Wochenschrift bringen Sie ״at* Schlesien" über die Versicherung«Pflicht der jüdischen Kultusbeamten eine Entscheidung der Invalidität^ und Alter!;- Versicherungsanstalt für Schlesien, nach welcher diese Beamten nicht zu den v.rsicherungspfiichtigen Personen gerechnet werden. Ich kann Ihnen mitthcilen, iwß hier aus dem An ha Irscheu eine entgegengesetzte Entscheidung vorlicgt; ivelche auf eine Eingalv des hiesige» israel. Lantors und Lcbrer« B getroffen ist und zwar schreibt die Herzog!. Anh..Regierung, Abtbcilung des Innern in Dessau zam >4. Septembcr 1891) wörtlich dein Magistrat in Bern bürg: ״Tie Beschwerde de» Eantor« und Lehrer» B. in Bernbntg aber den Bescheid de» Magistrat» vom 14 August d. I, Beiweigerung et»e, Quiimngrkarlc bclreffend, n>elche den tormelleu Erforderuiffe 1 entspricht, muh auch in motrricller Beziehung für begründet erachUI >ve>;ai Juuächsi fielit »hne Weite e» feil, das, Beschioe desührcr ״ich! z! denjenigen Persone,,klaffen gebärt, welche nach K 4 Dri Neichsgesepe» von! 22. Juni I88U von Xr Perficherungspslichl des,ei, sind. E; bleibt da der lediglich zu prüfen, ob Xiselit in eine oer nach £ 1 1e״•. eit. ',u versia^rnde» «ategorieii von Personen «iozureihin ist.! Hierbei ,oar aber in Betracht zu ziehen, einmal die Art seiner! Thatigkeit und dann seine io.ialc Ltelluitg. Tie Fumtionen de; ] Eantor» und Lehrer» bei einer indischen Eultusgemeinde desteden imc, oer Auskunft de» La »des-Rabbiner» im Bortragen der vorgcschriebene» ihebete, Borleien an» »er Thorarslle und d> m Religion«- unterricht der «inder. Nur tvegeti letzteren Punkte» bedarf derselbe einer >, wissen, toenjt auch beschränkten ,'?) tvisfenschistlichen Porbildung. -־im Allgemeinen kann feine Thatigkeit eine t orwiegen) geistige, L. b wiisenjckajtliche!׳ich! genannt werden. Leine sociale Ltellnng aber erhebt sich ztoeisello» richt über den Perjonenkrei», der nach Sen gewöhnlichrn Sprachgebrauch und vom Ltandpunkie wirthschastliäter Auffassung dem niederen Bei.uebsbeamtenstand, anqehort Ter Beschwerdeführer wiih .,iernach entweder ׳ als Gehülse oder Bettiebsbeamter im Linne x» 1 be» 1 Hesepe» angesehen werden Auch in letzterem Falle ist derselbe! versichei ungspilichlig, la sein Gehalt 2000 M. nicht übersteigt ' 1 iffsleber., ',X. Dez. lOr.-Eor.) Wie vorauszusehcn! war. ntußte die Aufregung unter der hiesigen Bevölkerung! endlich eine Wendung zun. Bessern nehmen, denn jeder an- ' ständige Bürger fragte sich selbst: Wie kommt cs, daß mit; einem Male die hiesigen Juden, mit denen man bisher stet; freundlich verkehrte, über Nacht die größten Spitzbuben und Betrüger geworden sein können? Was der antisemitischen : Agitation die Krone ausictztc war der mit Schmähversen herausgegcbene ״Gcschäftsanzciger", gegen den denn a,tc) die hiesigen tt-cistlichen eine energische ״Erklärung" erließet, die Sic bereits in vor. Nr. brachten.*) Inzwischen hat auf! Anordnung der׳ Kgl. Staatsanwaltschaft in Halle in der Druckerei der antisemitischen .Eislebcr Zeitung" Haussuchung j nach den Manuskripten des famosen .Geschäftsanzeigers ׳ ׳ stattgesunden. Es verlautet, daß die Staatsanwaltschaft die 1 Anklage gegen die Urheber erheben wird. — Dieselbe Zeitung brachte eine .Erwiderung" de»! Vorstandes des hiesigen Reforinvereincs, worin er sich gegen : die Bol würfe der Geistlichkeit damit zu vertheidigen sucht, > aaß er alle Schuld auf die Juden schiebt. Und nun wird! aus einem amerikanischen Blättchen eine schon vor Jahren ' als .erlogen" und von den Antisemiten ״erfundene" Mit-!Heilung angeführt, welche beweisen soll, ein Jude habe das Weihnachtsfesr veihöbnt. Ganz abgesehen davon, daß wir doch nicht verantwortlich sind für das, was in meinen j *) (einen Druckfehler bitten wir »•rin zu berichtigen, Bat ״Grausamkeit" muß e־> in bet 12. Zeile der Erklärung ״Gemeirjamfeit" beigen. (Sieb.) amerikanisch:» Blatte einmal stand, so kennzeichnet sich jene^ ganze Mittyeilung durch die fehlerhafte unjüttisch« Ausdrucks- »eise als gar nicht von einem Juden herrühread, sondern in echt antisemitischer Verlogenheit und Ignoranz verfaßt A resp. gefälscht und einem Juden in den Mund gelegt. »WetH lügen will, der verlegt feine Beweise in die Ferne* lautet ein altbewlhrtes Sprüchwort, die Antiscmitm hole» ihre Beweise aus obfkurren amerikanischen Blättchen, ohne 3 Angabe von Nr. und Datum, so daß die Lüge gar nicht.' controlirt w.'rden kann. A ^täl», 27. Deren der. <Or. Eor.) Eine mächtige Bewegung geht durch die Geineinden der Diaopora, welcheaufs neue die Elasticitüt und Lebensfähigkeit des jüdischen Geistes bekundet. Allenthalben treten Bestrebungen hervor, die jnd fclse Bevölkerung durch ein geistiges Band zu ver» einigen. Auch in der Metropole der Rheinprovinz, welche in früheren Zeiten einen gewaltigen Einfluß auf die geistige Entwickelung der deutschen Juden ausgeübl hat, zeigt sich dieser Zux der Zeit. Man will in unserer mächtig gewachsenen Gcn einde das Zndenthum gegen das feindliche Än< *^ stürmen ter Gehässigkeit mit den Waffen des Geistes ausrüsten, ivelche uns unser uraltes Schriftthum an die Ha»d ^5 gicbt. Seit mehreren Jahren schon inacht sich hierselbst der " Gedanke geltend, daß dies einzig und allein durch Gründung eines .Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur" geschehen könne. Dieses Bestreben hat vor kurzem durch einen .An'rnf" Ausdruck gefunden, der in kernigen Worten die Ziele eines iolchen Verein« auseinandersetzt und zur Gründung auffordert. Es wird in demselben insbesondere darauf hirgewiesen, d-ß die jüdische Litteratur nicht nur eine hervorragende Stelle in der Weltlitteratur cinnehme, sondern auch einen Grundpfeiler des Zudcnthums bilde. ״Wenn nun seindjelige «röste an den Fundamenten de« Juden»-7 ihum» in pilitischer und ,»aalet Beziehung rütteln, wie sollen aiu« dem Sturme widerstehen? Wie wollen wtr unseren «Indern Liebe zu dem angestarimte» Glauben. Jniereffe für da» Judenthum, eiußlße», Z wenn wir selbst die hohen ülilichen Ideale und die geistigen Schätze > derselben uw,, genügend kennen? » Nur dc.durch werden wir die «rast und die Fähigkeit erlangen die Grundlagen de« Judenthum« zu sesiigen, und da« Ansehen unfyee» Glaubensstammes ztt heben, wenn wir durch die «etinlnis, nnsrrer, ruhmreichen tausendjährigen BergangenhetI an den Männern, di« durch Wissenschaft und Eharakterstärke hervorragien, un« ansrichten können. Duröi Borträge au« dem Gevieie der jüdischen Wissenschaft uüb^- Litteratur, sotvie über wichtige Epochen unserer Geschichte, durch Grün» düng einer Bibliothek, ferner durch Dirkujsionsabende hoffen wir, bei Männern und Frauen, Jünglingen und Zungsrauen, da« Interesse für die geistigen Schätze unserer Boriahren zu erwecken und neu zu - beleben." Die constituirendc Generalversammlung des Vereint fand am 21. Der. er. im Vortragssaalc der Lesegesellsckaft j unter ganz außerordentlicher Bethciligung aus allen Gesellschaftsklassen der hiesigen Gemeinde statt und wurden nach Genehmigung des Statutencntwurjs die Herren Rabllinsr׳ vr. Frank, Dr. vas.l. Apsel, I)r. jar. Bodenheimer,^ Hcrm. Moses, Bruno Heidenheim, Oberlehrer Hermanns und Reserendar Gott schall in den Vorstand gewählt. Be^^ merkenswerth ist, daß der Verein schon bei der Eonstituiruug über 200 Mitglieder zählte. Aus den Statuten deS neuen Vereins ergiebt sich auch, daß derselbe sich nicht aus die' Thatigkeit in der Gemeinde selbst beschränken soll, sonder», , beabsichtigt, in Correspondenz mit allen Vereinen gleicher Richtung zu treten*) und hiedurch ein ideales Band auchum diese zu schlingen, und dieselben zu gemeinsamem Wir aufzurusen. Erst dann kann das wünsihenswerthe Ziel solchevh Vereine zur socialen und moralischenHebung der deutschen Jude« beizutragen und ihr Selbstbewußtsein zu stärken, in volletl^E Maaßc erreicht werden. Erst dann wird es möglich f“־ unter der jüdischen Bevölkerung der Ueberzeugung Einga zu verschaffen, daß der Bestand des JudenthumS nicht äti *) Wir nackten darauf aufmerksam, Paß hier in Magdeburg I einigen Monaten ter in׳* Leben getretene ״Graetz-Yerein".g dieselben Ziele verfolgt. (Ned.) '