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Israelitische Wochenschrift · 1892-01-01 · 1 (1.1.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
1 (1.1.1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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AnhängliHktiH an die ongestommtej Religion und ihrer Cympothie für die leidend«» Glaubensgenossen in keinerlei Wei se hinter den bestgesinnten Juden Europa'» zurückstanden. Im Jahr« 1861 verlieh Schweden den Juden, durch deren Rrchtscinschiänkungen eö so lange seine Anhänglichlichkeit an den Protestantismus bewiesen hatte, kR« BürgerrccP. Zwischen den Jahren 1861— 70 ereignete sich nicht» vin besonderer Bedeutung für die Juden. Der preußisch- Ssterreichische Krieg von 1866 und der deutsch-französische Krieg von 1870—71 hatten eine theilneisc Umgestaltung der politischen Lage Europas im Gefolge. Durch diese entstand daS Königreich Italien, welches die Gleichstellung der Juden im ausgedehntesten Maße anerkanrte. Rom wurde die Hauptstadt dieser neuen Schöpfung und sofort wurde doS Ghetto, welches die päpstliche Regierung mit Ge- Walt wieder hatte schließen lassen, auf's Neue geöffnet. In kurzer Zeit wird auch nicht mehr eine Spur dieser Schmach des katholischen ChristrnihumS vorhanden sein. Das geeinigte Deutschland ging in gleicher Weise mit Ernst daran, die Juden glcichzustellen und die noch ixstchrnden .Beschränkungen auszuhel'e». Auch in O esterrcich-Ungarn wurden die Ausnahmegesetze gegen die Juden ausgehoben. /Während dieser Periode entstanden in friedlicher Stille neue Institutionen und Vereine, ivelche die Wohlfahrt der Juden .-«v den Fortschritt des Jutcuthums förderten, und die schönsten Hoffnungen für die Zukunst in Aussicht stellten. Im Jahre 1871 gründeten zwei edelgesinnte Männer, , Dr.Benisch, der frühereRedocteur des ,Jcwish(!hronicle״,! und Pev. A. Le wy, Geistlicher an der Reform-Synagoge! zu London die ,ckevwk Atuoouiion‘‘, welch« mit der! ,AUi*uce Isr&olite“ Hand in Hand geh! n soll»«. Dieselbe! hat setzt ungefähr 4000 Mitglieder in England und seinen Eotonien. Drei Jahre später gründeten in Wien Männer in hervorragender Stellung und von den! Geiste rübmenswerther Nacheiferung beseelt die ״Wiener Israelitische Aluanj-. Während nun die europäischen Juden sich von dem festen Glauben rinlullen ließen, daß bei ihrer Gletchstellung mit den Ehiisten ihre Leiden und Demürhigunge!« aufhören müßte», fiel ein neuer, verderblicher und gistge chwollener Feind über sie her — der AntlseniitiSmus, welcher nun schon so lange chre Ruhe stört, Reiche und Arme, Hohe und Niedrige, Gelehrte und Unwissende in den Kreis seines verderblichen Einflusses gebannt hält, lver AntisemitiSmus ist das Erzeugnis; neidischen Wahnsinns und teuftisrher Verschmitztheit. (Schluß solgt.1 m gtridjtc ««- <S*rofponfcett;ei1. Deutschland. Z8oa»eA»rß. Das ״deutsche Central-Eomite für die scheu Juden" veröffentlicht folgende Mittheilung durch die Zeitungen: Dre Lage der russischen Juden hat sich im Laufe der Utttn Wochen sehr verschlimmert. Im Mai und Juni d. I. stellte, wie seinerzeit auch durch die Presse berichtet wurde, das Moskauer General-Gouvernement den dort noch verbtiebeueil Juden AusenthaltSscheine aus die Dauer eines halben Jahres aus. Zugleich wiirde, wir der ״Frank. Ztg." geschrieben wird, diesen zeitwilig geduldeten Familien eröffnet,daß sie die Verlängerung der Duldungsjchcinc im r bste zu erbitten hätten. Die Entscheidung ist nun erfolg», lautet durchweg ablehnend; so findet denn nun, mitten un strengsten Winter, der Wegzug oder die Ausweisung dieser Hunderte von grüßtentheils sehr armen Familien statt; «S handelt sich dabei fast nur um Handwerker. — Eine weitaus grüzerc Zahl von Opfern fordert eine zweite Maßttgei. In tien Gouvernements Wilna und Stic» wurde die Ausweisung aus den Dörfern bisher nicht streng durch- «führt; vielleicht scheute die russische Regieruog eben des״ Halb davor zurück, wert diese Provinzen die relanv größte s Zahl jüdischer Dorfbewohner aufweisen, und man 110-: läufig vermeiden wollte, die Massen in Bewegung zu setzen. Seit I Mitte Rcvember ist dieanders geworden: die Lcritc, die! bisher als Guts- und Mühlenpüchter, als Wirthsihastsbeachte, ein sehr!;roher Theil auch als Tagelöhner aus christlichen Gütern ihren Unterhalt gefunden, werden nun in die städtisch« Ghetti verwiesen, wohei sic oder ihre Eltern stammen und wo sie mm der sichere materielle Untergang erwartet. — eben so tief einschneidend enveist sich eine dritte Maßregel: die Durrhführung der gesetzl'ch van jeher bestekmiden, aber bisher nur ausnahmsweise durchgcführten Ausweisung der Inden aus solchen Orten, de fünfzig Werst von der Reichsgrenzc entfernt sind. Gerade in jenen beiden Grcnzgouvernertents, wo die jüdische Bevölkerung am dichtesten haust, in Bessarabien und Podolien, werden nun die Aus- Weisungen im Hinblick auf diese veraltete Verordnung am schärfsten durchgesührt; z. B sind vor einigen Worben die Juden auS Kamcniec-P vd olSk, wo sie seit der Besitzergreifung durch Russland, also 'eit länger als einem Jahrhundert unbehelligt gewohnt autigewiese:. worden. So deläuft sich die Zahl jener Mensch n, welche durcki die Maßregeln der letzten Woche» zu Grunde gerichtet toorden sind, wieder auf Hundcrttarsende; jene von ihnen, die mit dem Rest Habe oder mit Hilfe ihrer dortigen Glaubensgenossen noch bis zum Frühling ausharccn fönneit, haben in den rr ssischen Juden! 1ädt«n ihre Zuflucht für den Winter gesucht; .ver aller Mittel baar ist oder sein Letztes nicht aufzehrcn will, macht sich sofort auf die Gleise. Daraus erklärt sich die traurige «Lrschciiliing. die in der bisher» cn Geschichte der jüdische» Auswanderung ar s Russland nicht Gleiches gat. Trotz des Winters rvährt die Emigration ungeschwächt fort und der Znstand, in ivelchem die llnglkckdrei j auf deutsches Gebiet treten, spottet :de: Bescheribu 1g. Zterli«, 27. Dezember. Das konservative Blatt:Bali ,s, das unter dem Zeicher d<S tkrruze« erschittt. richllt im Tage der Verkündigung d<:s Friedens unter den M«usä»en eine Aufforderung zur kräftigerer Judenverfolgung au dir Konservativen in Reich und Land, indem cs ». A. schrei.»: ״£<!« an« zu positijer Ärfcxlt feit unser,r «eMir nl« Partei angewiesene Gebiet ist ba« der sozialen Frage S-e ist der Sxl-li ifcl zu» Herzen des Pultei, sie der laliaman, der sei,ein It״)er .׳ie führende Rolle im politisch:» Lebe» sichen. «srs>reije die konjirvalive Pariei diesen Zaud>:rst»b, werde sie der O:di.'1!1s, der die Lptinx urjchädlih macht. Vieh«׳ sie mit Initiativanträgen vu>, denen bei der «it.finiiung des Monarchen und der Stimmung der Bolt«messe der Ersoig n«t!t sehlen kann. Stelle sie »ein ״giosirn Werte" d.« Herrn Relch«kanzl׳:rs ihr grobe« -Serk an die Leite, und überlasse fie es >r Nachwelt, z» enjjcheiden, ivelche« von l>eiden arösur sei. Eine entschiedene Ltellungnahine zur Judens.agc In ».׳>,- wendig, ater der Anlisemitlsm»« thut es nicht «tllein Das jüdijche Uebergewiät aus dem Gebiete der ossenllichen Meinung uns aui vi:!.',. schastlichem Vtebiete ist nur ein Symptom, da« eiitc von unserer und diese!Ordnung mit d m rechten «»eiste zu erfüllen, sonvp.'allr Zornesmutt! und aller «Snerillakrieg gegen die Juden nicht» Haaen wir aber diese Ordnung, so kann un« «veder der grobe, noch der tt.-ine LandauSschlrchter mehr schaden. Zeit ist nicht meyr zu verlitren. Aiirdet die so verstandene soziale Frage nicht bald eine Antwort im christlichem und monarchischen Sinne, jo wird sie ,mit wildwehendem Losenhaar und erzenem Laudaten" sich ihren Weg über die bisherigen ^nst.nuionen ginrxg dahiien Gott hat unserer A!it diese Frage zur Btanlworlung gehe l:; sie ist mc Prüfstein jür Staaten und.!Archen, sür Stände una Parteien. Bleiben sie »ie Antwort schuldig, ,0 haben sie ihre Rolle au«- gespielt." Daß den Antisemiten dtc Judenhetzc eine soziale Frcgc i׳t, indcin sic lüstern nach den Schätzen der Kinder Israel« blicken, ist bekannt, und daher auch verquicke» sie ihre soziale Frage mit der Judenhetze. Auf die antijcmttifch-konjcrvat.vc Jniktatitnaträgr, die dem ״großen 48e»te", wie der!itlnier in dem Toaste auf Euprtvt bei dem Liner im :ellower Ständehauje dtc Hattdetsvertiäge nannte, an die Seite gestellt werden sollen, ku»n man gespannt sein, zumal vu.ch

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