Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 1 (1.1.1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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r- נ - und feine Häuser und all sein (Eigentum wurden ihm ver-!aust- Mit dem Herrn -ürgnmeifter durste er auch nicht mehr spazieren geben, und das gönnten ihm viele Stute und sagten: ״Hochmuth kommt vor dem Fall." . Dem Buchhändler al>er ging es gut, obwohl ihn der jüdische »lausmann »ich! hatte wollen aufkommen lassen Und er kaufte sich ein eigener Haus und noch oftmals war er Konkursverwalter, dem! an jenem Orte wurden viele Leute bankerott. Jedesmal aber, wenn ihm die Drohung der jüdischen Kaufmanns in den Sinn kam dachte er:״ Der liebe (Hott ist doch stärker als die jüdischen Kaufleute und auch als der Herr Bürgermeister!" Die allgemeinen Bestimmungen des Kultusministers Falk vom 15. Oktober 187:׳, die heute noch ihre Gültigkeit haben, treffen im tz 28 die Verfügung, daß unter der -Auswahl der einzusührenden Lesebücher diejenigen den Vorzug verdienen, welche ,Proben rus den besten populären Darstellungen" geben und ״welche sich von kirchlichen und politischen Tendenzen s r e i h a l t e n." Es wird dann noch hinzugesügt, ״daß fiir schulen, welche von .Bindern verschiedener Konfession besucht werden, möglichst 1ur solche Lesebücher zu wählen sind, ״ivelche keinen eigentlich ke nsessionellen Eharatter haben." Hiermit steht die obige Erzählung in völligem Kontraste, und es erscheint uns mindestens raglich, ob die betreffende Vorgesetzte Behörde derjenigen Schulen, in denen das Buch verwendet wird. Einsicht in das obige Lesebuch genommen und es zur Einführung gutgeheitzen hat. Jedenfalls l)aben wir das größte -tertrauen zu unserer obersten Schulbehörde, zum Cultusministerium, daß sie erforderlichen Falls Wandel schaffen wird, sobald die gesetzliehen Bestimmungen außer Acht gelassen worden sind. Ter Inhalt des Lesebuches, dadre Grundlage des gesammten deutschen Unterrichts bist ׳, soll nach den Ansorderungeu, die der allerhöchste Erlaß Sr. Majestät des Kaisers vom 1. Mai 1889 und die sich anschließende hohe Verfügung des königlichen Staatsministeriums vom 27. Juli 1889 an ein solches stellte, das ,Herz der Kinder mir sittlich reinen Idealen erfüllen, aber nicht die niedrigste» Leiden s'chasten aufreizen, den konfessionellen Hader schüren und AnlerSgläubige in chrem religiösen Bewußtsein verletzen." Die von uns wiedergegebene Erzählung bietet doch wahrlich keinen Stoff, ״bei deren Behandlung der Lehrer seine Schüler zu könixstreuer und vaterländischer Ges.nnuug und zu dankbarer Anerkennung der Wohlthaten erziehen kann, welche sie der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung verdanken." Wir besitzen eine Rei'x guter, von tüchtigen Regierungsschulrüthen .׳erausgegebener Lesebücher. die au׳ echt christlicher Grundlage ruhen, aber weit enffernt davon sind, in die jugendlichen Seelen Religionshaß zu säen. Nach dieser Richtung hin nennen wir nur das mit besonderer Rücksicht aus die Provinz herausgegebene VolksschuUesebuehvomSchuldirestor Scharia ch und Geh. Regierungs- und Schulrath Haupt in Merseburg. Ja, selbjt der bekannte kathol. Regierungsschulrath Dr. Kellner sagt u. A. in der Vorrede seine« ״Deutschen Lese- und Bildungsbuche»": ״Tie ganze Haltung, der ganze Charakter des Buches sind außerdem in den Dienst des religiösen Lebens gestellt und wenn dieses zunächst sich als .katholisches" kundgiebt, so unterscheidet sich das Buch dadurch von jener farblosen AUerweltsdienerei, welche allgemach auch wieder weniger Fürsprache sinder. Demnach dürste es selbst erklärten Freunden dieser Richtung schwer falle», in de« Buche Lesestücke und Stelle, .'ausfindig zu machen, welkhe das religiöse Gefühl Andersglaubender verletzen könnten." Wir sind auch der Ueberzeugung, daß im Christenthum selbst Intoleranz und Exklusivität nicht bezweckt sind. 5 umsomehr dürfen wir unS wohl der Zuversicht hingeben, daß derartige Machwerke, wie das gekennzeichnete, auf' Beraulasiung der höchsten Schulbehörde von der Bildfläche verschwinden, mindestens jedoch, daß Aergerniß erregende Lese» stücke auS dem Lesebuche verbannt werden.*) M. Spanier-Magdeburg. gilt ZlSckttick auf 60 Aayre. Bon Professor Dr. H. »rar, s. « IV. Das Iahe 1858 ist noch besonders durch die Mor- - tara-Geschichte in Erinnerung. Ein Knäblein jüdischer Eltern in Bologna, Namens Mortaza, wurde denselben von der päpstlichen Polizei gewaltsam entführt und in ein Kloster gebrockt, da dessen Amme eS getauft hatte, als fein Tod levorzustrhen schien. Die Mutter des Kindts verlor aus Kummer über den lebendigen Tod desselben den Bertand und der verzweifelnde Vater suchte ohne Erfolg nach Mitteln zur Vliederlongung des KuäbleinS. Ein Schrei des Schreckens und Entsetzens brach bei der Nachricht von dieser (Entführung im Namen der Religion aus. Einige europäische- Regierungen und sogar der Kaiser Napoleon IIL, der Protecto׳ des Papstes, machten diesem Vorstellungen und l iethen ihn!, des Kind seinen Eltern zurückzugeben. Doch die Vorstellungen blieben vergebens; allen setzte der Papst ein ״von postnmus* entgegen. Der Knabe blieb m der «Newalt der römisch-katholischen Kirche und man lehrte ihn, q seinen jüdischen Eltern zu fluchen. Dieses Ecngniß und andere Beispiele von Judenver» jolgungen in nahomedanischen Ländern veranlaßten einige edelgesinnte, durch den Gedanken an ihr gemeinschaftliches jüdisches Beken itniß begeisterte Pariser Juden, einen Bru-!»erbuitd sämmt icher Juden der Welt ins Leben zu rufen. Das Ziel dieser Vereinigung sollte ein zweifachesei«: crstens, die Emanzipation der Juden überall, wo sie unrer Rechtsungleichheit und Bedrückung zu leiden halten, herbei» zuführen, und zweitens, den moralischen Zustand Derjenige» zu heben, welche ihrer unglücklichen -Lage wegen nicht im (stände wären, aus eigenem Antriebe sich emporschwingen zu können, sowie auch Derjenigen, die um ihres Glaubens toillen zu leiden hatten. So entstand in. Jahre 1880 die ״Alliance Israelite Universelle,“ deren Inauguration nach dem Beitritt des glänzenden Redners und unermüd» lichen Kämpfers für die Sache seiner Glaubensgenossen, Adolphe Crsmieux, und der Aufnahme vieler Tausende non Mitgliedern sich zu einem epochemachenden Erergniß gefaltete. In dem folgenden ^ahre wurde ein ähnlicher Band mit denselben Zielen'in den Vereinigten Staaten N ord» P Amerika s unter teni Namen ״Union ot American Jlebrew Congrogations“ auf Grund bürgerlicher und religiöser Rechte ins Leben gerustn. Durch die Ausvande» lung aus Ländern, wo die Intoleranz noch die Oi'rhaich tatte, oder wo die Toleranz nur einseitig geübt wurde, war die Bevölkerungsziffer der Juden in den Vereinigten Staate« cus annähernd 200,000 gestiegen, welche trotz ihrer Zersplitterung in zahlreiche unabhängige Gemeinden in ihr« *) Wir verweise» uoch aus dir in diesen Tagen vom Cultns» j tMoister bezüglich der BolkSjchnlbibliotheten erlaffen« Snordnnag, «»oft t:in Buch verliehen 1-erde, welches hinsichtlich de» 8«kenntnIlses •.-« der Schulkinder Lntotz erregen oder gar verlege» könnte.^ Da» lft's,, was wir in erhöhtem Matze von den eingesührte» Schullkse» -fj hü che in sordern zu dürfe» glauben. (Reh.)