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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 49 (1891) · p. Seite 190

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
49 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 190 (sequence 2)
Language
German
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Fkei«, Papa, nicht im Bora«» sagen. Dein Geschenk soll »ich überrasche»". .Gut; obschou ich im Allgemein«» die Ueberraschungm nicht liebe". »Da« Hab« ich erfahren!" seufzte Rabbinowitsch. .Wieso?" ftagk Mirjam »«»gierig. .Da« ist «ine trnnrige Geschichte, die ich Dir ein andere«mal erzählen will, für den heutigen Abend erlass« mir dieselbe". .Wie du willst, «ein Schatz; wann wird Papa morgen reisen?" »Die .Hammoma" segelt um 12 Uhr d« Mittags". .Und werden wir Papa auf's Schiff bringen?" .Wenn es Papa angenehm ist. gewiß". Die Hammonia lag reisefertig im Hasen von Rew- Sort. Sie hatte volle Ladung und konnte jeden Augen» ick in See stechen. Der Kapitän stand aus der Eommäkdobrücke und sah ärgerlich auf das am User wogende Be» dränge. Plicht ich erhellte sich sein Besicht. Eia Wagen war in vollem Galopp angefahren. welchem ein Herr ent» stieg, der sich sofort an Bord begab. Al« er in der Hör- | weite des Kapitäns war, rief dieser chm zu: .Fast wäre ich ohne Sie gereist. S»e kommen spät". .Danke für Ihre freundliche Aufmerksamkeit, auf mich zu warten, und nun vorwärts".! .Langsam vorwärts" schallte die Stimme des Kapitäns! in das Sprachrohr. Aechzend bewegten sich die Maschinen des Schiffes und stolz schwamm es dahin, sich immer weiter vom User entfernend. Di« Paffagiere richteten sich in ihren Kajüten häuslich ein, und «he die Sonne unterging, war die neue We t den Blicken der Reifenden entschwunden, und der Dampfer rauschte mit voller Kraft und Geschwindigkeit der alten Wett zu. Als die Sonne sank, und der Verkehr auf der großen Wasserstraße de« Ozeaus weniger lebhaft wurde, versieh der Kapitän die Kommando» brücke und Übergab den Befehl dem ersten Offizier. Er zog sich in seine Kajüte zurück, um die Papiere des Schiffes zu ordnen. Da klopfte es an die Thür, und auf sein .Herein" trat der zuletzt angekommene Paffagier ein. Der Kapitän erhob sich und ging ihm freundlich entgegen, reichte ih» die Hand und sprach: ' .Seren Sir mir willkommen Herr I.! Wie gefällt es Jhiien auf der Hammonia?" .Bis jetzt sehr aut", entgegnetdieser, „wenn ich von der Seekrankheit verschont bleibe, kann ich es mir nicht besser wünschen". ^ade» Sie noch einen Wunsch hinsichtlich der Beköstigung?" .Rein, ich dank Ihnen. Sir haben mir durch ihr« Freundlichkeit hinsichtlich der Beköstigung die Reif« sehr er» leichtert. 'Ich wäre sonst genötigt gewesen zehn Tage mit Eier» und Brot »ich zu begnügen. Der Koch, den ich in» strmrt habe, scheint «i» verstänmoer Mensch zu sein» ein Trinkgeld lohnte ferne Bereitwilligkeit, meinen Wünschen nnchzukonune« u»d so hoffe ich, »erd« ich die Lüche meiner Frau nicht allzusehr entbehren. Doch wie geht es Ihrer Familie?" .Recht gut. Mein Ernst ist jetzt Student uud meine Elsa hat sich vor meine» vorletzten Reise verlobt." „Ah! Dan» herzlich« Gravitation; auch mein« Tochter hat sich gestern Abend verlobt" .Dann gratuliere ich ebenfalls. Wie heißt den» der Bräutigam V" .Rabbinowitsch". .Radbmowttsch. Rabbinowitsch, wo habe ich doch den Namen gehört? Ist der Herr Amerikaner?" „Äeut, Russe, oder eigentlich Emigrant. Er ist ans Rußland austzaviesen". „sind Me lange ist er in Amerika?" .Bielleicht pne, Jahre". .Es stimmt alle«, wvhabeichdochdeu Ra men schon gehört?' beide» Der Kapitän sann und sann,'es fick ihm eia, wo er den Name» schon gehöit hatte. . —— Herren, Jugendfreunde, unterhielte« sich noch lange, bis » •. endlich Zm wurde, da« Lager aufznsuche». Rasch durchschnitt^ die Hammonia den Ozean. Da* Wetter' ließ nichts zu wünschen übrig und so blieb beiK Herrn I und den meiste» Passagieren denn auch^die so gefürchtete Seekrankheit au». Kurz bevor da« S<E Cuxhaven erreichte, trat Herr I. abermals z« de« Kapitän und dankte ihm für seine außerordentliche Freundlichkeit." .Sie haben nicht nöthiz, mir zu danken, «ntgegnete der wettergebräunre Seemann; ich kann das Butt. waS Sie mir und den Meinen erwiesen, nicht wett machen. Denken Sie noch daran." — Z Schon gut. schon gut. versetzte Herr I. Ich hoffe, Vf auch die Rückreise mit Ihnen machen zn können." .Sie werden doch mit keinem anderen fahren! und in Hamb»m> suchen Sir mich doch ans?" .Wenn ich Zeit finde, gewiß." .Meine Frau wird sich freuen, Sie wieder zu sehen. Dort können Sie auch von mir hören, von wem ich den - Namen Rabbinowitjch schon gehört habe. Sie kommen also?" .Ich werde kommen." Die Pflicht rief den Kapitän ab. und als die Hammonia Cuxhaven passirte, hatten die Passagiere so vi« mit sich, und ihrem Gepäck zu thun, daß sie nicht auf die Schönheit," welche das rechte Elbufer bietet,'achteten. Endlich hatte man Hamborg erreicht. Herr I. war einer der letzten, die dar Schiff'verliehen. Er bestieg, als t er sein Gepäck in Empfang genommen hatte, ein« Droschke und fuhr in eines von den schönen Hotel», welche de» Jungfernstieg umgeben. Kaum hatte er sich umgekleidet, da erschien auch schon sein Geschäftsführer, dem er vom Hafen ans hatte Bescheid sagen lassen. Rasch war Herr 3üb« den Stand der Dinge unterrichtet. Seine Anwesenheit komtto ihn vor großem Schaden bewahren und arbeitsvolle Tag« sah er vor sich. .Wie geht eS den Ihrigen?" ftagte endlich, nachdem der geschäftliche Theil der Unterretmng beendet war, der GeschästsfüP^r. .Dank Ihnen recht gut, meine Tochter hat sich de» Abend vor «einer Abreise verlobt." .Rehmen Sie «einen Glückwunsch. Mt wem hat sich Frl. Tockster verlobt?" .Mit Herrn Rabbinowitsch" . t .Daun gratuliere ich Ihnen dovpelt. Das muß ei» M tüiHiger Mann sein, venu ich ihn muh seiner Corrrspondenz beurtheilen darf." Di« Herren begaben sich jetzt in das Eomtoft, woselbst eine große Arbeitslast des Herrn I. wartete. Er hatte «7 dm crskn drei Wochen kaum soviel Zeih zu Tische zu uud ließ sich sein Mittagessen aus de« Hotel schicken. Rrw-Pork erhielt er regelmäßige und gute Rach Rabtnnowiffch und Mirjam warm übemlücklich uud dm Vater seme Rückkehr möglichst zu beschleunigen. L hatte Herr I. die Aroeit so weit übenoältigt, daß er de« geftlligen Lebm etwa« Zeit opftrn konnte. Der c(U|Utq OQ Besuch, den er machte, galt feine« alten Freunde R> dem Vater des Dr. Rome», de» wir in Norderney kn gelernt haben. Eine- Freitag Abends ging er von Synagoge ans dirrct zu seinem Freunde «ad wnrdr dort Jubel empfangen. Als mau aber bürte» daß er lange in Hamburg sei, war ih» srm Freund daß er ihn so spät ausgesucht habe. .Ich bin so mit Arbeit überhäuft gewefm", e sich Herr I." , .Auch am Freitag Abend?" p -*_£r- .Nein, dann war ich aber so müde, dafi i. Zimmer anffuch». Uebrigms fehlt Dein Soh»; ist er in Hamburg?"

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