Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 47 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Pbckrmk «tf Ne für sich _ fettfl fck *afc« «t >»r. Norde« gemacht mb er »A versi Hzu goviuueu." Lch dachte es mir, sagte Sittah traurig, und bitte Eie, ihn von diese« Vorhaben abzubriogen. Nie, nie werde ich ihn heiratheu können." Aber warum denn nicht? Nachdem, was Dr. Norden :.»ir erzählt ha», ff! ix «nt gute Parti«, und ich wäre froh, .wenn ich so glücklich wäre. Sie mein Kind gut versorgen zu können. „D. wie danke ich Ihnen für Ihre Güte." ries Sittah au», „Sie, die mir eine zweite Mutter geworden sind, und wie betrübt <* mich, Ihrer gewiß aufrichtig gut gemeinten »Weisung nicht Fol« leisten zn können!" Schluchzend barg sie ihr Haupt in ihre Hände." - „Aber warum nicht?" fragte besorgt Frau Köhler. La, Sie sind mir eine Mutter, und Sie sollen, in mein Herz sehen wie eine solche." Und nun erzählte Sittah -von ihrer Jugend, ihren Eltern, von de« Unglüch da» st« betroffen, von ihrem Verlobten — kurz, all ihre Sorgen theilte sie der mütterlichen Freundin mit. Als sie geendet, »umarmte sie diese und ries: „Ja, du bist jetzt meine Tochter und ich will Mutter- - stelle an Dir vertreten. Hoffe aus Sott, er wird aller zum Besten lenken." „Möchten Sie wahr sprechen," endigte Sittah dieses Gespräch. * » ' Freitag war gekommen und mit ihm Herr Kühler und ine Tochter. Esther war eine Schönheit geworden, welche die Eoncurrrnz mit Sittah wohl aofnehmen konnte. Die Mutter konnte sich gar nicht satt sehen au ihrem Kinde »nd betrachtete sie immer wieder von Neuem. Auch Sittah war »oll Bewunderung für Esther und gestand dieser es in ihrer offenen Weise zu. .Esther war zur Jungfrau erblüht, btt sich zu der älteren Sittah bald hingezogen fühlte. Eh« noch der Sonntag kam, waren Sie Freundumra. Niemand war glücklicherer darüber als Sittah. Dr. Norden, dem rau Kühler unter vier Augen die Hoffnungslosigkeit seiner ineigung erklärt hatte, blieb ttotzd«n steter Saft und pleiter der Familie, und als Sittah werkte, daß Esther 'Wohlgefallen au der Unterhaltung de« hübschen jungen k Mannes fand, wußte sie es stets so einzurichteu, daß die -beiden jungen Leute auf den Spaziergängen mit einander im Voraus gingen, während sie selbst mit den Kindern in einiger Entfernung folgte. So zog uubewußt die Lieb« zu Esther in das Herz Norden» und Esther — entzog sich nicht den angenehmen Einwirkungen des Umganges mit dem hochgebildeten Manne. Frau Köhler merkt« wohl, daß der Me Umgang mit Dr. Norde» Esthers Ruhe beeinträchtigte, ■«ta sie hatte de« jungen Mann lieb gewonnen und hätte , jtd) gefreut, wenn die Gefühle, die er für Sittah hegte, sich - -auf Ihre Tochter übertragen hätten. * . Ein Jahr ist verfloffeu; *bt« Wünsche der Frau Kühler haben sich erfüllt, Esther ist die Braut des Herrn Dr. Norden orden und feit vierzehn Tagen dessen Frau. Das junge hat ei« Hochzeitsreise nach Italien angetreten und ah hat es übernommen, ihr Hau« einzurichten, eia »üthliche» Hei» ih«u zu bereiten. Sie hat alle Hände ' zu thun und nimmt sich keine Zeit, da» schü« Wetter, Pi« Hamburg tim Seltenheit, zu genießen. Frau Kühler ,-wird in acht Tagen, in zehn Tagen da« junge Paar artet, uud da soll alles fix «nd fertig sein, auch nicht Geringste darf fehlen. Sie ist mitte» in der Arbeit giebt de« Handwerkern an, was dieselben Ihun sollen, ist so beschäftigt, daß sie nicht sieht, wie sich die Thür uud ei» Briefträger eintritt. Erst als sie die Stimme Mannes hört, fährt sie erschreckt auf. einen Brief für da« junge Paar, de» der Schiebladen eine« eleganten Kaunitz fegte. Nun sah sie sich um uud war zufrieden mit ihre» Werfe, denn elegant und behaglich sah es in der Wohnung aus. Der Tapezier hatte sein Geschäft verstanden uv d die Auorduuua und Einrichtung zeugte von seine» Gesckimack. Wenn erst die Handwerker alle fertig und di« Wohnung rein war, mußte sie einen angenehmen Eindruck hervoi^ufe» Endlich waren die Handwerker fertig und entfernten sich nach einander. Sittah benutzte die kurze freie Zeit, dir ihr blieb, um an Esther Marx zu schreiben, von bet sie feit langer Zeit nicht« gehört hatte. (Fortsetzung folgt.) CftitKr rmd SL«de«. Boa Ratha» Lamuely. Mein Vater hielt Wort und reiste Tags darauf mit unferm Nachbar in die nur einige Meilen entfernte Hauptstadt. Der Mann, den sie suchten, wohnte in nnem kleinen Häuschen in einer schmalen Eckgasse. Als sie bei ihm eintraten, fanden sie ihn eifrig mit dem Zählen von verschiedenen Banknoten beschäftigt. Er deutete ihnen, al» er ihrer ansichtig wurde, mittelst einer stummen Handbewegung an, auf dem Sch»ha Platz zu nehme», und machte sich, ohne sie weiter zu «achten, wieder mit seinen Banknoten zu schaffen, von welchem er jede einzeln wiederholt beim Fenster besah und sie den andern anreihte» die er rn Schleifen brachte und in die offenstehende Kaffe hineinschob. „Also",begann er, nachdem er endlich fertig war, indem er das borstige Kinn auf die Handfläche stützte und ihnen fein Gesicht mit den kleinen stechenden Luchsaugen zuwendete. „Sie sind wohl gekommen, Ihre Schuld zu bezahlen. Da« ist mir recht. Ich bekomme meine vierhundert Gulden und Sie Ihren Wechsel. Hauptsache bei jedem Geschäft ifi Coulanz — und dieser Herr?" unterbrach er sich, auf den Vater deutend, „ist der mit Ihnen gekommen, oder in einer Privatfache?" „Dieser Herr ist mein Freund", erwiederte der Nachbar. „Aha!" >>irß der Wucherer hervor, indem er seine langen, krallenartigen Finger vor sich hinstreckte, „das änd-wt ja die Sache. Das ist wohl Ihr Gewährsmann, und Sw wollen, daß er mitschreibt, damit der Wechsel prolongirt werde. Auch da« läßt sich machen, aber Hauptsache ist, daß der Maun mir gut sei. Wie gesagt, ich behandle solid, aber di« Wechfelchen müssen gut fein. Zeit haben wir bis zum Termin noch acht Tage" wendete er sich zum Vater, „geben Sie mir inzwischen Ihre Referenzen auf". .Ich bin nicht gekommen mitzuschreiben", erwiederte mein Vater, „sondern für diesen Herrn mit Ihnen zu ordnen." .Ordnen!" rief er in verwundertem Tone au», „was giebts da zu ordnen? Es ist die einfachste Prozedur der Welt: er giebt mir die vierhundert Gulden, ich chm den Wechsel, und dann Punkt und Streusand darüber!" Handel« Weise .Sie ihm den Wechsel?" betonte der Vater, „darum adelt es sich eben. Dieser Herr hat einmal vergeßlicher den Wechsel über hunvertfünfzig Gulden bei Ihne» zuraagelofien, den Sie wieder, wahrscheinlich ebenfall» vergeßlicher Weise, nochmal» eingefordert haben, und um diese Differenz von hundertfünfzig Gulden ist e» un« heule eben zu thun". „Bezahlter Wechsel! kreischte er, wie wenn man ihn mit siedendem Wasser überschüttet hätte. „Das erzählen Sie jedem Andern, nur nicht mir. Alle Welt weiß es, daß bezahlte Wechsel eingelöst werden, und übrigens ist diese Summe später mit einem neu aufgenommene« Betrag verschmolzen worden, und daher von ihm selbst al» medigt angesehen. Weiter haben wir darüber nuht zu sprechen!" „Aber dieser Herr ist ein armer Familienvater", bemerkte der Vater emdriuglich, „und es wäre geradezu unmenschlich, von ihm tim* und dieselbe Schuld sich zweimal ^bezahlen zu laffen!"