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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 47 (1891) · p. Seite 182

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
47 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 182 (sequence 2)
Language
German
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.Ich kann es Ihnen nicht wehren; nennen Sie mich wie Sie wollen.' .Gestatte» Sie denn, daß ich Sie eine Weile begleite?" .Auch dieses kann ich Ihnen nicht wehren. Der Weg ist für «Le da.« .Nicht so. mein Fränlein; ich ehre Ihr Inkognito, will nnr wissen, ob Ihnen meine Begleitung angenehm ist oder nicht.« »Sie setzen mir die Pistole auf die Brust,« entgegnet« Eittah lächelnd. „Nun, so lange keiu Publikum in der Nähe ist. ist mir Ihre Gesellschaft angenehm. Kommen aber Leute, so bitte ich Eie, mich zu verlassen, da meine Dame auf jeden geselligen Verkehr verzichtet." .Und warum?« .Danach zu fragen kommt mir nicht zu. Meine Dame wünscht e», und dieser Wunsch genügt mir.« .Also stad wir unbekannt wie vorher?« .Bitte.« Badegäste kamen näher, und der junge Mann entfernte sich. Der Knabe kam heran und fragte: .Wer war der Herr, der eben mit Dir gesprochen hat?« .Ich kenne ihn nicht, eutgeguete Eittah; er fragte mich nach irgend etwas.« Der Knabe fragte nicht weiter und Eittah setzte ihren Spaziergang mit dem Kinde fort. Wer ihr begegnete betrachtete erstaunt den hübschen Knaben, sowie da» ebenso hübsche Mädchen. Rach einer Stunde kamen sie nach Hanse und wurden von der Mutter de» Knaben schon erwartet. Der Knabe konnte nicht fertig werden zu erzählen: die Muscheln, das Meer, da- Märchen, von allem erzählte er. Südlich sagte er: .Auch einen Herrn haben wir gesprochen; nicht wahr, Eittah?« .Ja,« erwiederte diese, „ein Dr. Max Norden aus Hamburg stellte sich mir vor.« .Dr. Max Norden?« erwiederte die Dame, .daS ist ein Vetter meines Monnes. Da wird eS mit unserer Ruhe bald vorbei sein.« .Er kennt weder meinen, noch Ihren Namen.« „Run, wir wollen sehen; ganz abschließen kann ich mein« Eittah doch auch nichtda« wird am Ende langwellig, auch für »ich. War Willi artig?« „Artig wie immer.« '„Wollen Sie mir jetzt etwas vorlesen?« „Gewiß; gerne. Ich will nur zurrst meinen Hut oblegen; ich bin sofort wieder da.« Raschen Schrittes entfernte sich Eittah und kam mit einem Buche wieder. Sie setzte sich ihrer Dame gegenüber «ad fing au zu lesen. Noch hatte sie keine Seite beendet, da stürmte der Knabe herein, einen Brief in der Hand. „Mama, Mama, eine» Brief von Papa.« Er gab den Brief seiner Mutter und sah erwartungsvoll zu. als diese ihn öffnete. „Ja,« sagte sie, nachdem sie gclcfcn, „Papa kommt Freitag mit Ester zu uns und will vierzehn Tage bei uns bleiben.« „Ei, das ist schön, da» ist herrlich,« rief der Knabe. „Mit Papa werde ich dann aus dem Meere fahren!« Kost der Sturmwind war er wieder drauM«. Sittah sah träumend vor sich hin. Sie bemerkte nicht, wie die Dame sie wohlwollend betrachtete und lächelte. Da klopfte es und auf das „herein" der Dam« gab ein Mädchen eine Visitenkarte ab; „bet Herr wünscht Frau Köhler zu sprechen." ,Sühre ihn in den Salon," befahl diese, als sie den Namen gelesen. Im Salon wartete Herr Dr. Max Norde« auf die Dame des Hauses. Er wollte wisiea, wer das Mädchen war, mit dvn er heute morgen gesprochen, und daeiucn tiefen Eindruck auf cha gemacht hatte. Energisch und crrade wie sein Charakter war, wählte er den kürzesten Weg um zu Miem Rsu z« , und hatte gef«?««, iu 'welches Ha«s st« uud «ine Stunde später befand er sich als Dame des Hauses gegenüber. ^Womit kann ich Ihne» dienen?" begann dies« die'/ Unterredung. „Ich komme mit einer unbescheidenen Bitte, für Reich im Voraus Verzeihung erflehe. Nicht Neugier läßt «ich diese Bitte au Sie richte», sondern ein tiefes Interesse. Ich habe heute Morgen ein wunderschöne« Mädchen «st einem ebenso hübschen Knaben in dies Haus eintrete« sehe»; wollen Sie mir sagen, ob Sie das Mädchen kenne» «nd wer sie ist?« „Eine eigenthümliche Frag«, Herr Dr.; ich habe nicht da« Recht, Jhien Auskunft über die Dame zu geben, wen« diese fdoft Ihnen solche verweigert hat." „Ah, Sie wiffen, daß ich die Dame gesprochen? Rn», dann kann ich «m« gÄne sprechen. Die junge Dame hat aus Rücksicht gegen ihre Begleitung mir ihren Namen nicht; genannt.« „DaS ist doch nur eine Bermuthuug Ihrerseits." „Gewiß, gnädige Frau. Da die zung« Dame nun einen 'jj außerordentlich günstigen Eindruck auf mich gemacht hat» und ich noch Junggeselle bin, bitte ich um di« Erlaubnis mich der Dame ntchern zu dürfen. „Die Dame ist Jüdin." „Auch ich bin Jude." „Die Dame ist streng orthodox.« Lst das ein Fchler? Auch meine Eltern sind es ich beobachte, so viel ich kann, die Gebote unserer Religio».' Ich würde nur ein Mädchen heirathen, das mein Haus jüdischem Geiste führen würde." „Die Dam« ist Waise und ohne Vermögen.« , Ich habe auf Vermögen nicht zu sehen. Meinei Stellung bringt mir so viel ein, daß ich auf Hülfe fcitcat^ meiner Frau verzichten kann.« „Run, wenn Sie die Sach« so ernst nehmen, habe gegen Ihren Besuch nichts emzuweud«. Versuche» 8 Stttah zu gewinnen; Sie hebe» einen Schatz, den ich ungern^ missen werde. „Doch wir ist Ihr werther Name?" „Mein Name ist Köhler au« X. in Galizien.« ,Ln Galizien habe ich einen Verwandten desselb Namens.« .Ihr Verwandter ist mein Mann, der mir den Rar Ihres Vaters schon sehr oft genannt hat. Da», ist ja herrlich; nun habe ich «in Recht ans Gastfreundschaft; ja Kol lliuosl aokakan». („9 sind Brüder.') Der junge Mann war wirklich über dies treffe« erfreut und machte ausgiebigen Gebrauck Erlaubuiß, die chm erthnlt wurde. Des Abends war er regelmäßiger Gast; de» Morgens auf der ~ war er steter Begleiter und so oft er erschien, Mkdc den Kindern um Jubel empfangen. Auch Fra» _ gewann den jungen Mann lieb «nd benutzte die; Seltenheit, die sich bot, um mit Sittah über o des Dr. Norden z« spreche». — Es war an eine« Nachmittage, der zu» zu Hause Aeiben zwa«^. . die beiden Damen, mst Handarbeiten beschäftigt auf* Balkon des Hauses, als Frau Kühler begann: „Wisst» Sie auch Sittah, wer »ns de« Dr. in» Haus geführt hat?« Sittah sah von ihrer Arbeit auf und erwiderte: kann ich das wissen." „Run, rathen Sie einmal." „Ihre Verwandtschaft twljl?" „Rein." „Dann kann ich es nicht erratheu?« „Nicht? Denken Sie einmal nmh." „Ich weiß es wirklich nicht.""

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