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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 46 (1891) · p. Seite 178

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
46 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 178 (sequence 2)
Language
German
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„Ja, ober warum bara? Wo» fehlt ZHue» bei' ^iad Sie nicht wie unser Bruder? Bringen wir Ihne« nicht Liebe und Freundschaft, die Sie ja auch verdienen, entgegen?' „DaS ist'» ja, wa» mich vertreibt,' fuhr der junge Manu erregt fort; „Sie liebe« mich, wie man eine« Bruder liebt, und diese Liebe, Mirjam, kann ich nicht erwiedern. Ich habe heißen» Blut, und meine Lieb« zu Ihnen ist anders geartet.' „Und welcher Art ist die Liebe, von der Sie sprechen?' .Ich darf eS nicht jagen, ohne mich sofort auS Ihrem Hause zu verbannen.' — „Warum nicht? vielleicht haben Sie sich doch getäuscht in mir?' „Wir, Mirjam, wäre es doch möglich, könntest Du die Meine werden?' „Le*ad»onoh tanwoh! (GlücklichesNeujahrs mein«Herrschaften,' tönte eine Stimme neben ihnen und schnitt Mirjam di« Antwort ob, die der junge Mann bebend erwartete. Gin Bekannter gesellte sich zu ihnen und machte jedes fernere Gespräch unmöglich Auch wägend der Feicrtoge fanden die jungen Leute keine Gelegenheit, sich gegenseitig auszusprechen. Man hätte glauben können, rs solle nicht sein. Da» West« der beiden jedoch war geändert. Während Mirjam heiler, ja oft au»- Slasten lustig war, blieb Rabbinowitsch traurig, und schwere cujzer entrangen sich von Zeit zu Zeit seiner Brust, die jedesmal, wenn Mirjam sie hörte, deren Heiterkeit hervorriefen. Das Neujahrsfest war vorüber. Rabdinowisch war in hem Comptoir in der E-street und durchsah die eingelaufene Post. Es waren lauter geschäftliche Angelegenheiten, deren Ordnung er sofort erledigte. Ganz zuletzt machte ihn die Bemerkung des St. Petersburger Correspondenten stutzig. Dersrlbe schrieb: Rach soeben cingegangenen Informationen solle» die Gebr. Michailow in den Oeldistrikten «in« großartige Quelle erbohrt haben und auf dem Wege sein, sehr «eich zu werden. Da wir bei dercu Fallissement mit Rbl 40 000 betheiligt waren, bitten wir S«, die Sach« zu verfolgen und zu unseren Gunsten zu ordne«. Sie erhalten 28 pCt. de» z« rettenden Betrag» al» Provision. Diskretion. — Rabbinowitsch wollte seinen Augen nicht trauen. War es denn möglich? Wenn das, wa» der Petersburger Korrespondent schrieb, wahr war, so konnte er ja vielleicht auch noch sein elterliches Bennien reiten; dann war er nicht der Bettler, der von dem Wohlwollen anderer Leute leben mußte, dann tonnte er sich selbstständig machen und —; sein Geist konnte sich da» Glück nicht vorstrllen. Gr trat in das kleine Privatcomptoir. Herr I. sah von seiner Arbeit auf, und als rr in das erregte Gesicht de» jungen Manne» sah. rief er: .Wa» ist vorgefallen? Sie sehen so erregt au»?' „Ich habe auch Ursache dazu, sehen Sie, wa» unser Petersburger Correspondent schreibt.' I. la» die Notiz am Ende de» Brieses. Er schüttelte den Hopf und fragte: „Und diese Notiz kann Sie so erregen?' „Jo,' versetzte Rablnnowitsch. „Gebr. Michailow verwalteten mein Vermögen und mit ihrem Falle war mein Vermögen verloren.' „Die Sck-urken! und wie hoch belief sich ihr Berlust?' „Nach der zuletzt erhaltenen Abrechnung schuldeten sie mir 820 000 Rubel. I. sprang von seiner Arbeit auf. „Und was haben Sie gethan, um Ihr Vermögen wieder zu erlangen?' „Alle» was ich konnte, und alles war vergeben», da die Leute verschollen waren. Heute lese ich zum ersten Male oerenNamen und nun können Sie sich meine Aufregung denken.' „Ja, ja.' erwiderte Herr I. nachdenklich; da« ist eine schwierige Sache. Die Herren werden sich wohl geschützt ansangenitz Ich will e» mir überlegen; wir weiter davon.' Rabbinowitsch kehA^auf seinen Platz zurück. E» ihm unmöglich. ruhig z« arbeiten. Vielleicht war sein' mögen zu retten, daß er nicht wie ein Bettler dastand, er nm die Hand Mirjam'» werben wollte. War es klug die Sache aufzuschieden? Konnte nicht jedrr Angenbl» verlustbringend sein? Aber er hatte Verstauen zuZ„ und so zwang er sich zur Ruhe. Des Mittagbei Tisch wurde kein Wort darüber gesprochen. Herr I. begab stch sofort nach beendigter Mahl-, zeit in sein Zimmer, während Rabbinowitsch «inen Spazi«- gang nach Castle-Garden unternahm. Da« Leben Md Treiben s daselbst that ihm wohl, und als er nm die Zeit de» Abend- " gebet«» nach Hanse kam, war Ruhe bei ihm eingekehrt. Er ging auf sein Zimmer, um mit den Knaben zu arbeiten,, wurde aber bald gebeten, zu Herr« I zu kommen, da dieser * ihn zu sprechen wünsche. Rabbinowitsch folgte dieser Auf« , fordernng sofort. Al» er in das Zimmer de» Herr» I.. trat, sind er außer diesem noch einen Herrn anwesend, den' Herr I ihm sofort vorstellte. „Wr. Eaton, — Mr. Rabbinowitsch.' Beide verneigten sich und Mr Eaton begann: rt «m very obligeJ, Mr. I hat ma von Ihre« Berlust erzählt und von der Hoffnung, die Sie seit heute haben, Ihr Geld wieder zu erlangen. Ah bin Privatdetektive^ und habe schon manchem Schurken seinen Raub abgejagh^ nicht Mr. I?' Herr I. nickte zustimmend. „Also, wenn ich Ihnen helfen soll, so kostet Sie Sache 10 000 Dollar, wenn ich Ihnen Ihr ganze« Geü^ pro r»>a weniger, wenn ich nur «inen Theil desselben schaffe. Sind Sie damit eiuverstauden?' »Ja,' sagte Rabbinowitsch freudig, „ich gehe auf Forderung ein; wie aber, wenn Sie gar nicht» rette«?' .Wenn die Sache so schlecht für Sie liegt, zahlen , mir nur meine Auslagen: find Sie damit einverstanden? "„Gewiß, und wann werden Sie mit der Nachfo beginnen?' „Sofort.' Er öffnete ein Fenster und'gab mit einer kleinen', ein eigenthümliche» Signal, worauf nach kurzer Zeit Herren eintratrn. Niemand hätte in den elegant gek" Männern Detecttv» vermuthet. Al» der letzte der Detektiv» eingetreten war, Mr. Eaton: „Meine Herren, es gilt vorerst die pekuniäre» hältniffe der Gebrüder Michailow, unbekannt wo, kundschafte«.' „Gebrüder Michailow,' sagte einer der Herren, er rin kleine» in Chifiern geschriebene« Buch au» der »„Gebrüder Michailow, seit einem Jahr bestehende Petr a, gute» Han» in D, große Mittel, Borficht.' „Aha, da hätten wir ja die Herren,' fuhr Mr. fort, „doch zur Vorsicht, suchen Sie die Auskunst zu vollständigen. Und nun, good by«, Mr. I., goö<t Mr. Rabbinowitsch.' Als die Herren sich entfernt hatten, gratulirte Herr, dem jungen Manne uno sagte: „Ich glaube, Ihre stehen nicht schlecht. Ich hul« Vertrauen zu Mr. Eaton bin überzeugt, er wird Ihre Sache gut ordnen.' (Fortsetzung folgt.) »O CftftHa. vo» A«»h«n Lomurltz. lstertsetzuug.) Da» gute und sanft» üthige Wesen meine» Vater», sich schon auf seinem Gesichte aaSprägte, stimmte de»? bar sofort milde, so daß er chm neben sich Platz NM

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