Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 46 (1891) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
46 (1891)
Date
1891-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/6492351-8722846-5959750--1758-5374826
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

I8L»1. f■■ Ä a v\ t f H * [4% 1 ... W' txraubygrbm pan I)r. M. Natzmrr ta ta Slagbtburß. Zv jlitrrtztltnz nl KeirtzNUß fir Hit jsr<Msche FlMilir. Stttatz. Hanum na* tat gett brr letzte» Waffraaatwtlaaam au* Stallaab uab P reu he». von H. V reger. (Fartlrtzung.t — vttuüll! Staber uab «nbm. Baa Hat»*» Samaettz. — Jab» aab sei« SchmLhrr. — »dttzsel-Bumabrn. — Nättzsel »üösuaaeu. ' (llnbefamrrNmtzbrnU .a« bkfoT»Irttt t* ntrriaaO «ttt.h ■aataa aal brr gett brr lrtzbra «afiruaas»r«saava n< Aatzlaab mb Preahra 1B] Ban H. Vergär. (Fansetzuag.) So vergingen Wochen und Monate. Die jungen Leute . verkehrten herzlich mit einander, und da zog auch die Liede «in in da» Herz de» jungen Manne». Sittah» Bild ver- ^blaßtr immer mehr, und da» Bild Mirjam'» erfüllte sein« - Zuerst gab er sich der Täuschung hin, daß er in .... ,*m seine Gittal, liebe, und bald wußte er nicht, wem ftia Herz, seine Liede gehör«. War er allein, sawerzehttr W> di« Sehnsucht nach Sittah; war er bei Miriam, so fühlte er sich froh und zufrieden in ihrer Gesellschaft Anfang« hatte er sich an Herrn Marx gewendet und um Au». kvnft über den Verbleib Sitlad'* gebeten. Aber auf drei Briese hatte er leine Antwort erhalten und so blieb Sittah für ihn verschollen. Er ließ selbst durch den deutschen Eousul Nachforschungen onsttllen uud da» einzige, wa» er erfuhr, war ein Bericht de» Polizeipräsidium» der Stadt P» wonach »gesuchte Person nach dem Tode ihrer Eltern außer t gegangen sei". Stet« hoffte er Nachricht von Sittah ' erhalten — vergeben*; je länger er hoffte, um so weniger r sich fein« Hoffnungen zu erfüllen. Der Tod der seiner Braut, den er durch obigen Bericht zuerst erhotte ihn tief erschüttert und war auch die Brraulassung, daß er seine Stelle im Westen, wo die Verhält» ihm nicht zusogten, aufgab und »ach New-York ging, wundem Herzen kam er da an. D»e Liebe, die ihm der Familie entgegeugebracht wurde, war Balsam für Wunden und es darf un» nicht Wunder nehmen, wenn der Arzt, der seinem Herzen Heilung brachte, theuer u. So kam der Herbst in'» Land. Die heiligen Fest» jjM§gc nahten heran uud liehen ihn immer mehr fühlen, wie -.er - in der Familie eine Heimath gefunden. Di« Linder 'fetten alle.für die Eltern «ad die Geschwister ein kleine» ^Geschenk oagefertigt und jede» suchte tvs seinige vor dem ^»ndern zu verbergen. So kam der Tag vor dem Neujahrs- 7Ppe. Rabbinowitsch batte i« Lomptoi.' viel zu chun und .IM deshalb etwa* später nach dem Gotteshause. Der ^Mtlesdiinst hatte schon begonnen und Rabbinowitsch blieb, kein« Störung zu verursachen, nahe am Eingänge stehen. sjDa hörte er, wie zwei Herren sich unterhielten. »I. ist kein Grüner; er zieht sich seinen Schwiegerjtft» heran.' -Ein Narr ist er! so einen hergelaufenen Schnorrer- Frl. I. ist ein hübsche» Mädchen und hat Seid, so .Stille, meine Herren, wenn ich bitten darf,' unter- ‘. bK Stimme de» Stznagogendieaer» di« Unterhaltung Rabbinowitsch hatte genug gehört. Mit seiner Andacht war e» dahin. Der Gedanke an Mirjam erfüllte ihn gänzlich und wa» strenge Selbstzucht ststher in seinem Herzen gehütet hatte, brach, durch die Unterhaltung der beiden zu Tage gefördert, in lodernder Flamme empor. Der Gottesdienst war zu Ende; die gegenseitigen Gratulationen waren auSaetauscht und man ging in Gruppen nach Hause. Rabbinowttsch bot Mirjam den Arm, den diese auch gern annahm. Stillschweigend gingen sie neben einander her. Endlich brach Mirjam da» Schweigen. ' .Warum sind Sie so still, Herr Rabbinowitsch?' - .Ach denke an die Vergangenheit und an die Zukunft.' .Und vergessen dabei die Gegenwart,' erwiderte sie schelmisch .Baut sich nicht auf der Vergangenheit die Gegenwart und auf dieser die Zukunft aus?" ftagte er zurück. .Aber wir leben in der Gegenwatt und dürfen diese am allerwenigsten vernachlässigen.' .Habe ich Sie vernachlässigt? Pardon, da» war nicht meine Absicht.' .Ich lasse die» auch nicht geschehen; Sie sehen, ich weih mir zu Kelsen.' .Sie sind lieb, wie immer,' fuhr er sott, leise ihren Arm drückend. .Wenn Sie wüßten, daß Sie selbst der Gegenstand meiner Gedanken waren, würden Sie mir daun auch zürnen?' .Gewiß; man muh wenn man eine Dame begleitet, nie über diese Dame Nachdenken, sondern sich nüt ihr unterhalten.' .Sie haben Recht,.und ich will auch meinen Gedanken Worte verleiben.' .So isr» recht, sprechen Sie, ich höre.' War e» Zufall oder Absicht, Rabvinowitsch fühlte eine« Druck ihre» Arme» und da« gab ihm Muth zu sprechen. .Mirjam,' begann er, ,uh muß Ihnen ei» Bekmntuiß machen. Sie wissen, wie gern ich im Hause Ihrer Elte» bin, wie glücklich ich mich bei ihnen fühle. Die Liebe, die sie mir erwiesen, die Freundschaft, der man mich würdigte versuchte ich zu verdienen, und habe es bi» heute redlich vermocht. Dock ist aber jetzt vorbei, uud ich fühl«, daß ich, wenn ich ehrlich sein will, Ihr Elternhaus verlaffen muß. »Und warum? Au» welchem Grunde?' fragte sie bestürzt. »Können Sie sich diesen Grund nicht deuten?' fuhr er innig fort. »Der Schmetterling, der so lange am Licht herumflattert, versengt sich endlich die Flügel; so geht «» mir. Roch kann ich weiter fliegen; ich will nicht warte«, bi» e» zu spät ist.' »Ich verstehe Sie nicht,' erwiderte Mirjam errüthend. »Wenn Sie mich nicht verstehen, so auch ich «och bestimmter an mein Fortgehen deuten,' sagt« der junge Mau« traurig. »Ich kann e» nicht verantworten, daß ich schon so laug« gedlteben bin.'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.