Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 45 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 3)
- Language
- German
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7* äaf der febtftdte fW oetfatfl daher ihre Gchchte vor jede«. Wo« kante junaen Man« bedrücke»! Wer Kant« sein« Abkunft? wußte etwa« von fei«em früheren Leben? Obschon ihr keinem UnwürdiU« sein Han» öffne« würde, konnte ^Zoch auch «r getänscht «erden. Mria« beschloß, aufmerksam »u fein und gerade diese Aufmerksamkeit verschuldete, daß % Rabbinowitsch mit jede« Tage thcurrr wurde. Schon oft wollte sie ihn nach de» fragen, wa» ihn bedrücke, aber , stet» hielt ihre mädchenhafte Scheu da» Wort zurück. (Fortsetzung folgt.) E Kuder »«» SK »de». Boa »««-«« Samuel-. .C, daß dies« Sünder von der Erd« verschwinden!' * Diese Psalmenstelle pflegte mein gottseliger Bater sehr oft zu citiren und dabei immer den freisinnigen Satz de« Dalmud hinzuzufügen: Di« Sünden aber nicht die Sünder. Diese Psalmeasstll« war r» auch, die mein Bater einmal als sehr wirksame Waffe in'» Feld führte gegen einen wüthendeu Feind unsere» Stamme», von dem ich hier erfühlen will. In unserer Nachbarschaft wohnte eii» Staat»beamter, dem man sonst nicht» Schlechte« »achzusagen Hütte, höchsten«, daß er ein verhetzter Judenfeind >var, so daß schon der Anblick eine» Jude« genügte» ihn außer oller Fassung zu bringen. Wie zum Trotze war er im Hause von lauter Juden umgeben, von kleinen, großen, armen, reichen, von Münnern. Frauen und Lindern, kurz, in allen nur beliebigen Sorten. Wie aber auch immer die armen Juden sich ihm gegenüber betrugen und wa« auch immer ihre Beschäftigung war — feinem Tadel und giftige» Hohn entgingen sie nicht. Zog einer vor ihm den Hut. dann ürgerte er sich über da« ische Judenvolk mit dem ewigen Katzenbuckeln — ging er einer achtu«g»lo» an ihn vorüber, dann schüumte er gegen di« jüdische Arroganz und Ras«wei»heit — brachte r» einer in dem Geschäft zu einem Vermögen. dann hatte er xnug Worte de« Tadel» gegen jüdische Geldgier und ««sucht. — Sing einer beschäftigungälo«, dann waren 'alle Juden ein Bolk von Schmarotzern und Müssiggängern — Lebte einer karg und eingezogen, dann belustigte er sich über jüdischen Geiz, — lebte einer auf breitem Fuße, dann eiferte er gegen jüdische Auffchneiderei und Berschwendung«- sucht. Kurz, wa» die Juden auch immer thaten, war schlecht, und zwar traf sein Tadel nie den Einzelnen, sondern immer ta» ganze Judenvolt, dessen Tugenden selbst in seinen Augen lauter Laster waren. •'* Sein Tüchterchen jedoch, die kleine Muschu — ei» reizende« Blondküpschen von sech» Jahren — konnte sich mit de« Anschauungen ihre» Bater» nicht befreunden. Wohl an die zwanzig Mal am Tage hüpfte sie zu un» wie ein lustige» Rägelchen hinein, und trotz aller Abneigung ihre» Bastr« gegen Alle», wa» jüdisch ist, fand sie den jüdischen Lebkuchen, de« ihr «ein« Mutter gab, über alle Maßen gut und schmackhast. Kam sie zu un» in'» Zimmer, dann griff sie sofort »ach dem Schlüsselbunde an der Schürze meiner Mutter und klingelte mit demselben s» lange herum, bi» die Mutter sich daran erinnerte, daß unter den Schlüsseln einer vorhanden der den Speiseschrank öffuet, und daß in diesem Speise» int eben der Lebkuchen lcege, den die kleine Muschu sich gut schmecken läßt. Bekam sie da» Gewünschte, dann lic so frisch hinein, daß an dem Abgebifsenen die Spuren ihrer Perlenzähne zu sehen waren, worauf da» Schmeichelder Mutter aus den Schooß setzte, di« ihr da» _Haar so lange strich und glättete, bi» sie in * Armen einschlief — aber da ließ sich schon die Stimm« i» der Lüche vernehmen: .Muschu, Musch«! de/Vater "hat schon zweimal nach Dft. gernsenk- Und da» Lind «ußte da» «»eiche Lager verlassen, wo e« so lieb eingeschlummert war. Dazu gab e» «och zu Haust Scheltwort« vom Bater: »Schon wieder bei der Jubenfamilst! Vst oft muß ich Dir sag««, daß mirda«'picht recht ist?' .Aber Papa eben,' ««ehrte da« Lind, .wenn Du wüßtest, »st dst Rachbarüleust zu mir gut und lieb sind, würdest Du mir gewiß sagen: Geh nur oft zu den Liebe« hin!" Da half kem Reden — dem kleinen Trotzkvpfchen war e» nicht beizubringen, daß jüdische Leust nicht gut und lstb sei» können, und da war immer da» Ende vom Her- und Hinreden, daß Papa nicht ohne lachende Miene der Mama sagst: .Ich sage, dst jüdischen Rachbar»leust haben un» «nstr Luid behext!' Und richtig, bevor man sich versah, war sie schon bei un» und saß der .Soma", wie sie dst Mutter nannst auf dem Schooß, oder machte sich, wenn dstst nicht »u Hause war an den .SBujniu" *), wie sie meinen Bater hieß, der sich gern dem anmuthigen Geschwätz de» Linde» überließ... Aber der Bater diese» Kinde» glaubst genug Grund und Ursache zu haben, gegen Alle«, wa« von Juden kommt, sich tief abgeneigt zu fühlen. Einmal nur — so erzählst er sehr oft — habe er von einem Juden etwa» empfangen, wa» doch die Menschen al» da« Begehren»werthesst erachten, nämlich eine Summe Gelbe«, und diese» hatte einen so bitteren Nachgeschmack, daß ihm j«de»mal dst Galle übergehe, so oft er daran erinnert werde. Diesen eigentlichen Grund für seinen Haß und Widerwillen gegen den jüdischen Namen erfuhr mein Bater erst, nachdem er unser Nachbar wurde, und wem er die« verdankte, war wieder kein Anderer al» unserer Liebling — die kleine Muscha. Eine» Tage« nämlich kam da» Lind zu un», nicht wst immer hüpfend und trällernd, sondern still, verstimmt und da» goldhaarig« Köpfchen auf die Brust gesenkt, wst ein« junge LnoSp«, die da« ersst Mal von einem rauhen Sturm angeweht wurde. Die ungewohnst Traurmkeit de« Kinde» griff un« Allen an'» Herz, besonder« dem Bater, de: da» Lind sehr lstb halst, und der überdies von sehr w.ichcr Gemüth«art war. ,Wa« ist Dir, Herzchen?" fragst er voll inniger Theilnahme. Da« Lind schwieg, aber in dst Augen trastn ihm große Thränen. Ito» schnitt ihm noch tiefer in « Herz. .Sag', Kindchen," wiederholte er noch eindringlicher, ,wa« ist Dir widerfahren?' .Bei un», Wujniu," begann da» Kind mit schluchzender Stimme, .ist e« heust so traurig, daß ich nur weinen mvchst, und auch Sie, Wujniu, würden weinen, wenn sie bei un» heust sein würden!' .Und «a» ist denn bei Euch?' .Ich weiß nicht, aber Papa ringt die Hände und ruft» es sei schon au« mit un«. wir werden betteln müssen, er werde sich ein Leid anthun!' .Geh', mein Lind," trösstte e« der Bastr, .Papa sagt nur so, e« dürste nicht gar so schlimm sein, bleibe nur ruhig, Lind." .Nein, Wujniu," widersprach sie. ,Bapa weint den ganzen Tag und auch Mama wischt sich fort und fort die Thränen.' Mein Bastr war damal» in glänzenden Berhältniffen, und ein gute«, edle» Herz» wie er war, brauchst e« wahrhaftig nicht mehr al» nur eine» so lieblichen Kindermunde», um all« Gefühle de» Mitleid« uud der Barmherzigstit in ihm anzufachen. In tiefer Erregung ging er minutenlang auf und ab im Zimmer, endlich griff er nach seinem Hast und entfernst sich, ohne nm ein Wort zu reden, au» de« Hause. »> CmUI wU C*M.