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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 42-43 (1891) · p. Seite 167

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
42-43 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 167 (sequence 5)
Language
German
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Imm iMIffMttR letzt»» «aße»»^»tts»»v» «■» Nutzlantz N » t rratca. | - Bo» H. Berger. X. Zwei Monate sind seil den zuletzt erzählten Ereignisien tschwunden. Der Frühling hat seinen Einzug ins Land halten, um wie alljährlich von allen Erdenbewohnern!udig begrüßt zu weidm. Die Natur hat ihr Winterkleid »gezogen und ihr Festkleid angelegt. Tine Allee alter, »ttiger Kastanien bäume fühlt wohl eine Meile weit in Änd hinein. Auf beiden Seiten dieser schönen Straße en sich niedere, tannenbewachsrne Berge dahin. Mit der acht der an der Straße liegenden herrlichen Billen und trten contrastieren die benachbarten Judenstädtchen und inch traurige- und arme- Dorf mit niedrigen, stallartigen ttten, ohne Grün und Blume».' Alle-, was hier in ilizien zum Dorfleben gehört, ist grau: grau die Kleidung t Bauern, grau ihre Hütten, grau selbst di« Ochsen und che, die zahlreich auf den Fluren weiden. Nur eine wzend grüne Erde umschließt, »in tiefblauer Himmel überilbt dies« düsteren Eindrücke. Wie mit liebenden Arnien ifaßt die Laiur in ewiger Schönheit ihre ärmsten Kinder d drückt sie ai» ihr reiches, reines Herz. Weiter, weiter. Allcs bleibt schön, überall lacht der khling, alle Lüste sind voll Bögelgesang; groß ist die uchtbarkeit des Landes; einsam aber ist die Sttaße, auch Dörfer liegen weit von einander und sind öd«; leine einen Gärten mit Blumen und Laub, kein altes KinÄein : dunklen Linden, kein Dorfplatz mit spielenden Kindern schwatzenden Alten, keine buntt Bauerntracht; Alles »big, schweigsam: langsam schleichen einig« in Grau und »utzigeS Weiß gekleidete Gestalten dahin, halbnackte, zer- Kinder liegen im Sand« am Wege; wohlgenährt und en sehen allein die Kühe und Ochsen au-, die über Wiesen zerstreut sind. Poetisch aber bleiben die Ein» dt der kleinen Judenstädte, in denen man mit etwas Intasie zahlreiche Bilder au» dem alten Destamentt sich wrn kann. Dort auf einem Stein am Wege sitzt der de Tobias und wenket nachdenklicher da» greise Haupt "die Ferne, als könnte er noch sehen; auch der;ungc kio» kommt auf der Sttaße, die Geldtasche umgeschnallt. Wanderstab in der Hand, er hat dunkle, kluge Augen, c an der Thüre des niederen HäuöchenS sitzt Abraham lange», schwarzen Kaftan, mit Silberhaar und weißem der bis an den Gürtel reicht; ein Keiner Jsaac gt sich an seine Knie. Dort kommt der bräunliche aknabe David und treibt seine Zicklein voran, und da steinern«n Ziehbrunnen, der in der Mitte des öde« tzesteht, weilt eine schlanke Rebekka, ein rotheS Tuch dakohlschwarze Haar geschlungen und einen Krug au» i Wasser hebend, dessen Form denen gleicht, di« wir in biblischen Bildern sehen. — Roch diesen Bodrücken eren als Erinnerung an das reiche, elegante Leben der äischen Gesellschaft von Zeit zu Zeit immer weiße, indtiche Landhäuser jenseits der Straße, umgeben von MN, blühenden Gärten. Treten wir in rin solche- Land» f Ein Theetisch unter dem Dache de» Balkon-, Herren Damen in eleganter Kleidung, Luxushund« aus der pe au-aestrrckt, allerliebste Kinder, die im Bordergrunde em Rasenplatze Reifen spielen und ein junge» Mädchen, die Kinder beaufsichttgt, — so daß Alterthum und e Zeit vereint da» prächtige Gemälde bilden. .Sittah, Fräulein Sittah,* ruft jetzt ein Knabe von en, ein allerliebste» Kind, .Fräulein Sittah kommen eiomal hierher, ich habe einen Splitter im Finger; ach so wehe," und der kleine Schelm fing an zu Rasch eilte da» junge Mäd ldchen, in der wir unsere Heldin wieberkennen, auf den Knaben zu, nimmt ihn auf beiz Arm und fragt besorgt, wo der Splitter sei. Aber noch ehe sie mit ihrer Frage zu Ende war. hatte der Kleine seine beiden Arme um ihren Hals geschlungen und einen herzhaften Kuß auf ihre Lippen gegeben. Dem Ungestümen wehrend ftogte sie abermals: .So zeige doch, wo der Splitter ist, daß ich ihn entfern«.* Noch einen Kuß gab der muthwillige Knabe dem schönen Mädchen, ehe er lachend sagte: »Ach, Fräulein Sittah; es war ja nur Scherz; ich wollte so gerne einen Kuß von Ihnen, und Sie hatten gesagt, in drei Tagen geben Sie mir keinen.* .Und habe ich nicht Recht?* fragte Sittah, „bist Du gestern nicht vom Tische weggegangen, ohne gebettt zu haben? Bor Dir muß man sich in Acht nehmen; Du weißt Dir zu nehmen, was man Dir nicht geben will. Doch hättt ich nicht geglaubt, daß Du mich so erschrecken könntest.* .Hast Du Dich erschreckt, liebes Fräulein,* der kleine Schelm, .'o sei mir nicht böse; ich will Dich gewiß nicht wieder erschrecken. Verzeih' mir und gieb noch einen Kuß!* .Zum Lohn für den Schrcck, nicht wahr?* .Wie können Sie so hartherzig sein?* ftagtt ein hübscher Mann, der von den beiden unbemerkt die ganze Scene gesehen und gehört hatte. .Geben Sie meinem Pathen doch da», um was er Sie bittet. Sein Vergehen ist ja doch nicht so sehr schwer.* .Nicht wahr,' .sagtt eifrig der Kleine, „nicht wahr, Onkel Fred, Du betest auch manchmal nicht.* »Was ich thue, geht Dich nicht« an, Bruder Vorwitze* erwiederte der Onkel, .Du hast dem Fräulein zu gehorchen; das thust Du sonst doch auch?* „Gewiß, aber da« Beten; Fräulein betet zu viel; so viel betet keiner.* .Sei fülle und thue, was Fräulein von Dir will." Mit diesen Motten schnitt der Onkel jeden Einwand seiten» de» Knaben ab, und als dieser schmollend davon ttolltt, sagte er zu Sittah: .Nun, Fräulein, wie gefällt es Ihnen in unserem Lande? wie bei meinem Bruder?* ,O, ganz gut, Herr Köhler; freilich kann ich noch nicht ganz die schweren Schicksal-schläge verwinden, die mich bettoffen haben.* .Ich habe davon gehört und bedauere Siekann Ihnen jedoch meine Bewunderung nicht versagen, daß Sie sich s» rasch auf eigene Füße gestellt haben.* .Was solltt ich thun? Was ftffelte mich an die Heimat? Meine Eltern, die de- Lande» verwiesen waren, starben an einem Tage. An mich trat die Frage heran, ob vom Mitleid« Anderer oder vom eigenen Verdienst ich leben wolle, und ich entschloß mich zum Letzteren.* .Bravo, liebe» Fräulein, bravo, aber bei Ihrer Jugend muß es Ihnen doch recht schwer werden, die nvthige Disciplin bei den wilden Kinderrr halten zu können* .Ganz und gar nicht; ich bin mft den Kindern recht zufrieden; dieselben sind fteilich wild, aber alle gut geatttt, und finden jetzt schon Vergnügen daran, so zu arbeittn, daß ich ihnen meine Zufriedenheit bezeugen kann. ben Sie selbst noch Geschwister, die jünger sind?* in, ich bin da» Jüngste.* .Dann bewundere ich Sie noch mehr. Woher haben Sie die Geduld, die Engelsgüte, mit der Sie Alle» mit den Kindern erreichen können?* .Alle» kann ich nicht, wenigsten» noch nicht erreichen,* entgegnett Sittah. .Sie haben ja gehört, wie eigensinnig der Junge war.* .Sie dürfen ihm da» nicht so schwer anrechnen. Mein Schwager verlangt von seinen isindern, daß sie in streng, jüdischem Glaube» erzogen »erde»; er selber jedoch —'

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