Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 42-43 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Hält im Hause Alle«, wie es in einem frommen Hause Sitte ist.* .Ja, so sagt er; da« Beispiel jedoch, da« lebendige Beispiel fehlt. Mein Schwager führt einen streng koscheren Haushalt. Er selbst aber legt keine Tefillin —" .Doch, Herr Köhler." .Er betet nach Tische nicht." .Doch, mein Herr; Herr Köhler betet sogar laut vor." .Seit wann?" .Seit dem ersten Tage, daß ich hier bin; ich fand e« nicht anders vor." .Ob e« aber so bleiben wird?" .Da« hoffe ich, weil ich sonst meines Amtes, die Kinder zu frommen Juden zu erziehen, nicht walten könnte." .Und durch und mit den Kindern bekehren Sie Erwachsene." .Wenn dem so wäre, so ist es nach den Worten der Schrift: .Durch den Mund der Kinder begründest Du Tein Reich." „Sie sind ja ein außerordentlich seltene- Mädchen " .Selten? wie so selten? Ich habe nur eine Erziehung aeuoffen, wie sie den Töchtern unseres Volkes zukommt, und Habe ein Familienleben vor mir gesehen, wie eS in jeder jüdischen Famlie angetroffen werden sollte. Wenn nicht all« Töchter unsere» Voltes so sind wie sie sein sollen, so liegt die Schuld einzig und allein an der Familie." „Sie haben Recht. Mein Schwager kann froh ftio, für jeine Kinder eine solche Erzieherin gesunden zu haben. Ich wünschte, daß meine Nichten so würden wie Sie." .Machen Sie einem vom Schicksal schwer gebeugten Mädchen keine Eomplimente, Herr Kühler. Lasten Sie mich ruhig, ohne daß Eie Lob und Lorbeeren verschwenden, mein Amt versehen und die Zufriedenheit meines eigenen Innern mit meinem Thun wird neben der Anerkennung meines Wirkens seiten- Ihrer Frau Schwester und Ihres Herrn Schwagers Lohn genug für mich sein. Doch entschuldtzen Sie, die Kinder bedürfen meiner." Leichten Schrittes entfernte sie sich und wurde von der kleine» Schaar mit Jubel empfangen. Der junge Mann sah bewundernd den sylphidenartigen Gang Sittah'» und sagte: .Wahrlich, eine von den Rosen unseres Stammes." — Tie Gesellschaft hatte sich unterdessen in kleine Gruppen zerstreut. Die Frau des Hauses, eine Dam« im Alter zwischen vierzig und fünfzig Jahren, eine stattliche Erscheinung, deren Angesicht heute noch die Spuren einstiger hoher Schön» heit zeigte, saß allein am Tische, von hier auden ganzen Garten übersehend, und sah sinnend in di« Ferne. Ta hörte sie Schritte hinter sich, und uoti warme Händchen legten sich auf ihre Augen, eine verstellte Stimme rief: „Wer ist'?" Lbschon die Mutter chre älteste Tochter, «in Kind von dreizehn Jahren, erkannt hatte, riech sie erst verschiedene falsche Namen, ehe sie den richtigen nannte, um dem Kinde die Freude nicht zu stören. Der Lohn dafür war ein herzlicher Kuß von dem schönen Kinde, das erglühend vor ihr stand, und erzählte, Fräulein Sittah habe ihren jüngeren Bruder eben in da- Hau« geschickt, weil er ungehorsam gewesen. .Was hat der arme Junge denn verbrochen?" ftagte di« Mutter?" .Er wollte ruf Nero reiten und dahat das Fräulein nicht erlaubt. .Da hat Fräulein Sittah ganz Recht", erwidert« di« Mutter, »Nero ist nicht zum Zweiten da." .Er ist aber so groß und stark, daß er Willi ohne Anstrengung tragen kann, und Willi freut sich, wenn er aus ihm reiten darf." .Willi muß dem Fräukein gehorchen, wenn er ungehorsam ist, verdient er Straft." .Laß ihn wieder heraus zu un«", schmeichelte da» Mädchen, .nur könne» ohne ihn nicht spielen"._ •wittMrtl.Kebateai: 3)r.U.K«t«itr,SUgtefrurg. Drnck:B»»dt,cktznh»( „Das mußt Du mit Fräulein Sitti mich jetzt zufrieden." Schmollend ging da» schöne Mädchen von der Mutter fort. Zum ersten Male halt« ihr die Mutier eine Bitte nicht erfüllt und daran war da» Fräulein schuld. O,'wie ho Ae sie da» schöne Fräulein! Sir nahm sich vor, dem Fräulein da» Leben recht schwer zu machen, und sie hielt Wort. (Fortsetzung folgt.) Allerlei für de« Fa«ilie«tisch. Sott fi«ht tu» Herz. Ich habe manchen Inden gekannt, De« ich voll christlichen Sinne« fand, Und bin mit manchem Christen gewandelt, Der jüdisch hat an mir gebandelt. «alt, denk' ich, steht bei einem Mann Da« Herz «ehr alö di« -las« an. Berlin 1891, _ Joh. Trojan. Zwei Königreiche ul» Mitgift. »in Bewohner der Judengasse in Frankfurt erzählt seine« Nachbar, daß ei» adliger Osficier di« ha bliche rochier de« reichen Meyer heirat-e. .Ru, wie kommt'« vornehmer üavalirr zu so im«?" .Ihn locken di« beiden Kdntgreichr. die er mitbekommt". .Wie haiht Königreiche?" .Norwegen Dänemark". ,Nor wegen den« Mark.) Aucb impouirt. Zwei Juden reisen in einem Louvs auf der Bah» zusammen und machen dort Bekanntschaft I« Lauft de« besprich« frägt Löwenthal: .Woher find Sie?" worauf rulpenthal «rwiedert: .«»«Baden- Baden" .«ha", denk, Löwenthal, .der will mir wohl impoyirenl Baden-Baden, wie halb« l? «erd' ich «hm auch imponiren: Und woher glauben Sie. daß ich bin? Ich bin au» Posen-Posrn l"!«- 1. Anttsche Bon A. K. in London, lkrst« Silbe: Im Frühling fth'n wir'« neu entsteh'». Im Herbst« »ach und nach vergeh'». Zweit« und dritte Kilbe. Bor Ungrwitter und vor Stürmen Mensch und Thiere zu beschirmen. Da» Kauze. Eltern, Kinder, Freunde, «äste, Ladet'» «in »um schönen Feste. II. Keöräische» MSrterrälysre. Bon A. K. in London. «etstlbig nennt dt« Bibel un» nur drei, reifilbtg giebt r» viel und allerlei. LH. Atträischn S»r-ss«»rät-f<f. Bon 6. in R. 1 rin Kvrpertheil, 19 ei» Hansihter, 19 8 Bezeichnung für dir Frau, 1 9 8 4 eia Priester und Schttstgelehtter. 1 9 8 4 ö ein männlicher Personenname. A«ß-stmg fc*r mm i« »tr* |Ir«j L Qtnlil«« (von Ott zu Ott), verzeihe» ll. «Versöhnung), (Stier). m rrnj («4»**), np^ij