Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 42-43 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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rr~ ■K'ipwwu (» «■ * A “ gilt fein« Zeit zu verlieren. — Eilen wir, Ihn« wir etwa«!- Er rang verzweifelnd die Künde und fuhr jammernd fort: .kaufen wir. um Gotteswillen, schweigen wir nicht. — ^Blümele kann inzwischen vor Schreck sterben!" Verwirrt und wie von einem Donnerschlag betäubt, kürzten wir, ohne zu wissen wohin, au* dem Zimmer. Draußen trafen wir auch ihre Eltern, gleich un« in Entsetzen und Verwirrung .. . Erst fremde Leute, die besonnener die Sache überl«en ' konnten, riethen un*, daß wir zum Obernaczelnik un* begeben,!der einzig und allein un» zu helfen i» Stande sei. Eine ge, aume Weile dauerte es, bi* wir vorgelasse» wurden. Al« wir endlich im Büreau de* Obernaczelnik un« befanden, sahen wir un* zu unserem Entsetzen vor jenem Beamten stehen, mit dem Dlümele damals den Austritt hatte; er trug noch immer die blutige Schramme an der Stirne. ' Wir erfuhren erst jetzt, daß er inzwischen zum Obernaczelnik avancirt war Ohne zu wissen, was wir anfangen, folgten wir alle dem Gefühl« der Ohnmacht und warfen un« ihm zu Füßen. »Hochanädiger Herr!" flehten wir zu ihm mit emporgestreckten Händen, .haben Sie Gott im Herzen, erbarmen S« sich unser!" Er jedoch bewahrte seine Ruhe und, ohne sich nur zu rühren, fragte er mit dem kaltblütigsten Tone der Welt: .Wa« wollen Sie denn eigentlich von mir?" .Soeben verhafteten sie unser Sind!" jammetten wir. .Dir Aufständlerin meinen Sie," nüstlte er, indem er sich da* Schnurrbürtchen zurechtzupfte. .Aufstündlerin!" wiederholten wir jammernd, .Blümele «ine Aufständlerin! — bei Gott, hier ist ein Mißverständniß — sie weiß ja nicht einmal, wa« da« bedeutet!" .Glauben Sie?" stagte er mit versteinerter Rübe. .Ob wir'« glauben, allergnädigster Herr, wir wissen eS, wir schwüren e* Ihnen, bei allem wa« un« heilig ist!" .Solche Bttheuerungen sind mir lange nicht mehr neu," lächelte er giftig, .ich höre sie täglich und stündlich; zum Glück wissen wir, wa« wir auf solche Schwüre zu geben haben I" .Allergnädigstrr Herr!" schrie mein Joseph, mit beiden Händen seine Füße umklammernd, .sicher wird e« sich bald Herausstellen, daß hier ein unglückliche« Mißverständniß ob- "waltet. Alle in der Gaffe werden für sie schwüren, sie ist ein stille«, harmlosesMädchen—wie kommt sie zu einem Aufftand?" .Gemach, mein Freund!" entgegnete er lächelnd, .wir kauen schon diese frommen Täubchen mit den Tiaertatzen!" Wir fühlten un« verwirrt, betäubt, wir wußten nicht, wa* wir darauf antworteten. .Allergnädigster Herr!" schrie Joseph mit wahnsinniger Stimme, „«* kann da ein Unglück geschehen!" .Unglück!" verwunderte er sich mit einem Tone voll Tücke und Both.it, .wa* für Unglüch mein Herr?" .Sie nehme» ein Menschenleben über sich — die Arme kann sterben!" »Ader wa» fällt Ihnen eia?" widersprach er achselzockead, .von einigen Rutheustreichen ststbt «au nicht!" .Ruthen streichen!" fuhren wir all« auf, wie von einem Blitz getroffen. .vlümete — Ruthenstreichen?!" .Run, da« hat sie sich doch ehrlich verdient," lächeltt «mit der Wirkung feiner Wotte zufrieden, .nicht umsonst betheiligt man sich der einem Aufftand«!" Joseph krampste dtt Hände zusammen, wie wenn er hn erwürge» wolltt, aber er ließ sie im Gefühle der Ohnicht dann wieder schlaff stako. .Allergnädigster Herr!" slehtt er, .bei Gott, da* ist wahr!" .Nun, da» wird sich zeigen l" r®o soll man weuigstru« mit der Vollziehung der innehalttn!" fielen wir all« flehend ei». l.«herl" gab er zn, indem er gleichzeitig »st Vernichtet und zerschmettett verließen wir da» Büreau de* Kannibalen. r Wer un* damal*, einen Haufen Leute, heulend und jammernd in der Gaff« umherloufen sah. mtt fliegende» und aufgesttänbten Haaren, mußtt glaube«, eine Schaar von Wahnsinnigen zu sehen, die soeben dem Irrenhaus« entlaufen — und wahnsinnig war ja auch der Schmerz, von dem wir ergriffen waren. Wo wir jetzt die Schritte hinlenken sollttn, wußten wir selber nicht, aber einem dunkln Gefühle folgend, rannttn wir alle, wie auf Verabredung, dem Gesängnißhaust zu, wo Blümele verhafttt saß. Al« wir nun jenem Gebäude näher kamen, da stocktt un« der Athem vor Entsetzen. - Au« dem inner« Hofraume drang «in jäher Jammerschrei uu* in di« Ohren, und darauf ein Knall, wie «in wuchtiger Peitschenhieb. .Blümele!" rang e« sich au« »»«allen lo« und mehr vermochttn wir kinrn Ton hervorzu bringen, so stautte sich da« Blut un* gegen da» Herz. Inzwischen wttderholten sich die Wehrust, mit jedem Male leiser und erstickender, während die Hiebe immer dichter hinttr einander fielen. Wie in Standbilder gewandelt, startten wir vor un« hin. Niemand von un« wagtt da« Schreckliche au«»uspr«chea, wa« dott geschieht. Da packtt sich unser Joseph vor der Brust und mit einem Wuthschrei stürzte er sich gegen die Wache, um in den verschlossenen Hofraum zu gelangen, doch mit einem Kolbenstoß wehtte dtt Wache den Versuch ad, so daß er mit blutüberlaufenem Gesichtt zurücktaumeltt. Wir überlebten drei Tage. Wie da* müglich war? Ich wundere mich nicht niehr darüber, denn ich habe e* an mir selber später erfahren, daß der Mensch noch etwa* Schrecklichere« überleben kann. — Am vierten Tage darauf ward Blümele der Haft entlassen. Die Arme, rechtstrtigtt sich der abgefeimte Schurke, sti da« Opfer einr« unglücklichen Mißverständnisse* gewesen. Gott allein sti ja nur allwissend und der irdisch« Richter künne nicht« grgen Jrrtbümrr, die mit dem Schrine der Wahrheit au«ge>tattet seien. Er bedauere, btthenerte er, dttsen vrrhängnißvollen Jrrthum. doch, fügte er mit einem verschmitzttn Lächeln hinzu, unschuldig leiden gewähtt edlen Seelen große Genugthuung und im Üebngen — Er führte nicht au«, aber die Handbewegung, die er dabei machte, sagtt dasselbe, wa* wir schon einmal von ihm gehört hatten: .Bon einigen Rutheustreichen stirbt mau nicht." Wer aber schon damal« Blümele gesehen, gewann eine andere Ueberzeugung. Sie war gebeugt und gebrochen, wtt ein Blümlein, da« der Sturm geknickt. Bon jenem Tage an verlieh stt nicht mehr da* Krankenlager. Wa« soll ich da Btele« Euch erzählen? Zwei Monatt später trug man sie au« dem Hause hinaus tu jene* still« Ländchen, wo' man geschützt ist vor dem Rechtspruch einr* wüsttn Obernaczeluik«, vor unglücklichen Mißverständnissen und der blutdürstigen Knvtt... Und unser Joschh? Stumm und traurig, wtt da* Grab, da« sich über Blümele geschloffen, ging er seit jener Zeit einher kttne Thränr entquoll seinen Augen und kein Klaaelaut kam über sein« Lippen, er war wtt in eine» Stern gewandelt. Dtt Aerztt sprachen dtt Befürchtung au«, er werde in Trübsinn verfalle», wenn nicht rechtzeitig etwa* geschehe, ihn von seinen trüben Gedanken abzulenkeu, da« destt noch wäre, daß er in dtt Welt hinausgehe. Auf mein dringend«» Verlangen reistt er in dtt Schweiz wo er gegen zwei Monatt verweilte. Bo» dott khtte er thÄweise genesen zurück. Er war zwar noch immer fttü and verschlossen, aber dtt frühere Erstarrung wich einer beinah« fieberhafte« Thällakit. Tag«über arbeitet« er emsig i» Geschäfte «ad de» Nacht* hielt er sich oft bi* zn« Morgenanbrnche »ach bei ststi«» Schreibtische, (m* aur auffttl, war dtt lebhaft« LorttsfiaadüG^M^ <r jungen Leuten an« der ■■■ w mir einer dieser Briest