Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 41 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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"„Üafcr Setfeh,* netbcte die ältere Schwester, di« bei " auf de« Bette sah, »wollt« den ganze» Tag «inen Bissen i sich nehmen, sie wollte nur fasten, und da« war ihr nicht enl' than?!' schrie die ein kranke« Kiud, .Reisele, mein Herz, wa« hast Du stier bestürzt, .will denn Gott, da Mie Du. saften soll?' »Ich wollte mit Luch zu Gott beten,' entschuldigte sich ha« Lind, dem die Augen sich mit TKränen füllten, .daß er ein bischen lieb zu un« sein soll, und daß er Euch» meine guten Eltern, nicht auch diese« Jahr soviel leiden laste, wie M» vorige!' Die arme Mutier hielt e« nicht länger in sich und brach in ein laute« Schluchzen au«, während Jäkele krampfhaft sich in di« Lippen biß, daß Blutttopfen hervorquollen ... Ach, diesen Armen war ti so schwer und trüb zu Muthe. * * Bier Tage später — e* war just am Rasttage de« Hüttensestes — wälzte sich eine jubelnde Menge die Straße entlang mit Reb Sender Breitstolz au der Spitz«, besten Wesicht heute ganz roth vor Freude war. — Er hat soeben die Fleischpacht erstanden! Die lusiige Schaar begab sich zu Hleb Sender, um sein Weib Elkrle zu beglückwünschen und dem neuen Geschäfte zu Liebe sich bei ibm die Kedle zu hesruchtrn. Da« neue Jahr hat mit großem Glücke angrfangen .. Durch dastrlbe Hau»thor. durch welche« die jauchzend« Menge zu Reb Sender in die Wohnung einzog. drängten sich einige Gerichtckdiener hinau«, von welchen einer eia erbe« und einige Polster trug, einer mehrere alte eiduag-stücke und einer einen Messingleuchter — da« letzte Hab und Gut, da« Reb Sender lieim armen Red Jäkele linden ließ, sür da« Wochengeld, da« er ihn nicht bezahlt at. Die Gericht«diener hatten die«mal beim Pfänden eia leichte« Spiel, denn weder Jäkele noch seine Frau tzten sich ihnen zur Wehr, ja, sie ließen Alle« geschehen, nhne sich einmal umzusehm, weil ja die Unglücklichen sich beim kranken Kinde zu schaffen gaben, da« in den letzten Lügen'lag._ „O, möge schon die Zeit kommen, daß di« Tugendhaft«, -srvhlocken und d re Rechtschaffenen sich aufrichten, daß die Heuchelei verstumme, da« Böse wie Dunst sich verliere und «e Herrschaft der Gewalt von der Erd« verschwinde!' Diese« große, feierliche Gebet ringt in allen Synagogen i her Welt an jedem ReujahrSftst und BersöhuungStag sich! «»« Millionen Herzen hervor, au« verwundeten, blutenden und Hxchrndeu Menschenherzen. E« ertönt in unfern Tagen in “ t Sprachen der Welt, überall io allen Klassen und in allen -Schichten: in Beredten, in Gesellschaften, in geheimen Ber- Wmmugen und in allen Parlament«Häusern, und die Thränen, bje Millionen weinender Augen dabei vergießen, häufen sich jimmer mehr zum Zündstoffe und ballen sich immer mehr zu «er drohenden und uuhetmlichen Gewftterwolke zusammen, die jetzt in der Lust überall herumschwirrt. Aber wa« hilft da« Alles? Die breiten Reb Sender« und die schmalen Jäkele'« 'wollen in dieser ttaurigen Welt nicht aufhörru.- S.itt « h. »mm» NN« »er Zett »er letzte» «MfiennuBwetsnnv» »X »utzlaud un« Prrntze». Von H. Berger. (Fortsetzung^) »Halloh, Mann, wachen Eie auf!' riesder älteste ders sprang ab» Rabbiuowttsch kein Glich regte, vom r Er öffnete rasch die Kleider de« Unglückliche» und ich Leben in de« Körper war und daß die Ohnde» Fremde« uinfinL i^ge »Holloh, Kurt und Erich, laßt die Bedien liegen,' rief er seinen Begleitern zu »und helft mir diesen Unglücklichen auf den Wagen bringen, er muß rasch nach Hause.' Mit Hilft der beiden jungen Leuten wurde Rabbinowitsch auf den Jagdwagen gehoben; der Kutscher stellte sich, da kein Platz mehr auf dem Wagen war, aus da» Trittbrett und fort ging e« im sausenden Galopp. Die Rächt war schon längst angebrochen, al« mau endlich da« Gut erreichte. Tm da« Gut von dem nächsten Dorft fast vier Meilen ent« ftrnt war, konnte so rasch an ärztliche Hilfe nicht gedacht werden. Rabbinowitsch lag noch immer bewußtlo« in dem Bette, in welches ma» ihn gebracht hatte. Der Gut«herr war, nebst den jungen Leuten, Kurt und Erich, bemüht, da« entflohene leben zurückzurufen Rach vielen, vielen Mühen gelang es auch; der Fremde schlug die Augen auf und blickte ine um sich. »Sie wollen mich holen, sie wollen mich srrsten, Hilft, Hilft.' schrie er und schlug mit beiden Armen um sich Nicht« konnte seine Aufregung beruhigen, denn rin hitzige« Fieber hattt ihn befallen. Die flammenden Wangen, die gläsern starrende« Augen tvrrietheu dem in solchen Dingen nicht unerfahrenen Manne den Eharacter der Krankheit. Sofort schickte er einen Reittnecht nach de« in der nächsten, fast 5 Meilen entfernten Kreisstadt wohnenden Hau«arzte mit der Bitte, sofort zu kommen. Bi» zur Ankunft de« Arztes ließ er dem Kranken kalte Kompressen auf die giuhend heiße Stirne legen und gab ihn von Zeit zu Zeit einen Schluck Milch zu ttinftn. So verging der soft gcude Tag. Erst am zweiten Morgen kam der Arzt und oidnete die sofortige Jsolirung des Krauten an. Da ftiuer von dem Dienstpersonal. gerne deu Wartedienst bei dem Kranke-, übernahm, da dem Gutsherren aber auch keiner gewissenhaft genug dazu erschien, heilten sich Kurt und Erich in diese Aufgabe. Der Arzt koustantierte alsbald deu Typhus und nachdem er seine Verordnungen gegeben, entfernte er sich wieder. — — — gefährlich mau erst Warst Du schon einmal trank, lftber Leser, krank an einem Orte, wo kein Arzt wohnt, wo halbe Tage aus die Ankunft de« Arzte« warten muß in steter Furcht, der Arzt könne zu spät kommen? Hast D» dann auch da« beängstigende, nicht zu beschreibende Gefühl gehabt, wenn der Arzt sich wieder verabschiede^ Anordnungen treffend für den schlimmsten Fall? Wir ein auf eine wüste Insel im Weltmeer Verschlagener seinem, ihm von Wilden geraubten Kahne nachsieht, so sieht man al-dann dem scheidenden Arzte nach wähnend der Mensch könne helfen, retten! Armselige Thoren! »Bei mir ist Rath und Hülfe' spricht der Herr; ja, bei ihm allein ist Rettung. Der Arzt versprach in acht Tagen wicderzukommen. Acht Tage! welche Ewigkit und doch wftder wie rasch dahin. Wie sind die Sklaven der Zeit und nach der Zeit beurtheilen wir Alle«. Rabbinowisch lag schwer krank darnieder. Schwere Träume, furchtbare F«berphantasien durchrasest» da« stank Gehirn. Oft wollte er au« dem Bette springen und: et hatte im Fieber solche Gewalt, daß die beiden Offiziere, denn da« waren Kurt und Erich, die wir schon einmal kennen' lernt haben, ihn kaum fest zu halten vermochten. Er -redete Z ie tollsten Dinge, die nur ein Fieberstanftr reden tonnte. > Durch alle Phantasien jedoch leuchtete .Sittah.' Mit ihr. sprach er; ihr gab er die zärtlichsten Namen, die sie doch' nicht hören konnte. So wuthete das Fieber acht volle Tage ohne einen Augenblick nachzulaffen, dir wenigen, noch vorhandenen Kräfte de« Kranken verzehrend. Als der Arzt am neunten Tage endlich st«, fand er einen Sterbenden, einen Menschen, dessen Leven nur noch nach Minuten gezählt werden konnte. Bedächtig schüttelt« der erfahrene Arzt da« er ihn untersucht hatte, sprach er: rn hier nicht retten; hier kann nur im Himmel droben.' Haupt; nachdem .Mensche ntz 'Einer