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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 39 (1891) · p. Seite 152

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
39 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 152 (sequence 2)
Language
German
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wbc trifft» ja J^e so gut bcfrftnibct, daß wir wohl bemhtgt fein kvanml daß Sie da« Bild i« Ehre« halte« «erd»." Er «ahm es von der Wand, holt« mir eine Droschke u»d ich f«hr, unter noch tausend Danksagnngm der arme« Leute für den guten Kaufpreis, de» ich^ezahlt hatte, daooa. Jetzt hängt da« Bild in meinem Zimmer Nicht lange darauf überraschte mich zu meiuem grüßten Erstaune« die iadeß za einem hübsche» Mädchen herangewachsm« Tochter Hedwig'« durch ihren Besuch. Sie erzählt« mir. daß sie musikalisch sei und jetzt die Absicht habe, tiuiae Jahre zu ihre« Vergnügen auf der Königlichen Hochschule für Musik, Sesongstndftn zu treibe». spr«h zu tneiaer größten Berwunderuag, daß ihr ihre verstorben« Mama so dich Gute« von uu« «itgetheut habe, daß sie nicht Umhin konnte, jetzt, »o sie noch so fremd in Berlin sei, mich aufzusuchen und mich zu bitten, daß sie «ich al« ihre mütterliche Freundin betrachten dürfe, und daß sie, so oft al« e« ihr möglich märe, mich besuchen wollte. — Und währtnd sie i» sprach, blicfte sie euchor zu dem Bilde ihre« Großvater«, dem sie gerade gegenübersaß. .Dm» ist wohl Jemand au« Ihrer Verwandtschaft", fragte sie jetzt, da« Auge voll auf da« Gesicht richtend. .Rein", erwiederte ich, »nicht au« der meinigen, aber au« der Ihrige», liebe« Fräulein, e« ist Ihr Herr Großvater, mütterlicherseits. Ein chrenwerther Mann war er?i»ft, der Freund meiner Eltern, und al« solcher ist er mir heilig." »Ach ja. ich erinnere »ich noch, daß Mama wohl manchmal von ihm sprach", sagte «rröthend da« junge Mädchen, wanbtr sich ab, wurde kleinlaut und empfahl, sich bald darauf. Sie ist trotz ihre« versprechen« nicht wieder bei mir rsrn und wird wohl voraussichtlich auch nicht kommen. war nur zu deutlich, sie, die Tochter der gewesenen Jüdin, hat lieber gar kein« Ahnen, al« ihn, von defse» mühsam erworbenen Kapital sie allerdings heute noch die reichlnhea Zinsen genießt. _ lUaun m krt «IttKh. Seit der letz«» flUto» tnfcUal nt Brrntzr» Bon 6. Berger. nsweisngr» ans U) > H. Berger. VII. Den Bemühungen de« Borstaude« der israelitischen Gemeinde zu B. war e« gelungen, für die meisten Ausgewiesenea rine kurze Frist zur Regelung ihrer Angelegenheiten z» erhalten. Da« war auch da« Aeußerste, welche« man erreichen llmntr. Sa« in dieser Frist nutzt geregelt werden konnte, da« übernahm der Vorstand der Gemeinde zu regeln. Für die Armen wurde» warm« Kleider beschafft, für diejenigen, die nach Amerika au-waudrrn wollten, wurde mit der Hüls« de« Lonnts« zu K. so jeforjft daß sie frei« Ueberfahrt und noch ei» kleine« Kiwital bei t$itt Landung in Rew-«ork hatten. Der erste Borsteher hatte während dieser Zeit fast aosschließ. lich für die Ausgewiesenen zu thun, trrulichhalf ihm dabei sein« Tochter Esther. Jeden AugenblÜ, den sie erüvrige» konnte, Rwchte sie vei ihrer Freu. Win Sittah zu, di« unermüdlich t» der Pflege ihre« Vater« war. Kaum daß sie sich so viel Zeit gönnte, etwa« frische Lust zu schöpfen. Solche anstrengtnde Thätiakett blieb auch nicht ohne Folgen für Sittah. Die Rosen, die sonst au' ihren Wangen blüthm, verwelkten, u»d die sonst so rosige Farve ihrer Haut wurde bleich; »an kan» nicht sagen, daß dadurch ihre Schönheit beeinträchtigt wurde, im Gegencheil diese« durchgeistigte bleiche Antlitz war von mttückeuder Schönheit. Wenn Sittah auf da« Dränge» chrer Mutter hin in der Mittagsstunde ei«» Spaziergang «ft ihrer Freundin »actze. erregte» di« beide» Mädchen A»ssehe»; sie waren in der Stadt jetzt bekannt unter dm Ramm: die Rofm von Saron. AnchKftte>tt,GWrHv Spaziergänge abgcholk. Die bad, ihre Schritte de» Thore zm wofti der Stadt versamnceltr. Scho« jttMRt Wbwtt 1 woselbst ei« Eisbahn die! mm fjxHtt ynuii otc Mädchm da« Lärmen der ftöhlichm Jugend u»d al« jetzt über di« Brücke schritten, bot sich ihr Blick da« Jlickende. anmuthig belevte Bild der Eisbahn. Sie bliebm lugenblick stehen und ergötzte» sich an dem lebhatfm Treibens .Sie stöhlich und vergnügt die Mmkchm sei» können,^^ beginn Sittah, ,'ollte man glauben, daß e« so viel Elend 'J in der Welt gibt!"; .Warum sollen die Mensch« nicht vergnügt fein?^ mtgegnete Esther .warum soll Re Jugend nicht froh best Mai ihre« Leben« verbringen?* .Ach" sagte Sittah, .Schade, daß nicht jeder Mai der Wonnmmonat genannt zu werdm verdient! Wce macher Mai ist kalt und stostigund zerstört unbarmherzig di« Blüte, di^ - un« zü stohm Hoffnungen berechtigst." '' .Wenn man Dich jetzt hört liebe Sittah, sollte man mein«, Du seist der leibhaftige Schopenhauer." .Liegt nicht viel Wahre« in seiner Lebensaufchauuug? Jedensall« bewahrt sie vor Täuschung« " .Bitte, Liebe Sittah. laß dieft Grübelei«. Der liebe Gott dort ob« lebt noch und so lange der lebt, sind wir nicht berechtigt, so zu denken, wie Du e« jetzt thnst." Während Esther dieft Worte sprach ttat «i» junge» Mann zu den beiden Mädchen, der schon kurze Zeit ih Gespräch -«gehört hatte. Lächelnd grüßte er di« Freund und ftagt«: .Darf ich die Damen bitten ein« Welle miizulauft»?i Erschrockm drehten sich Sittah und Esther nach de» Frager um, der mit dem Hute iu der Hand dastaad und A»t--^ worr auf fti« Frage erwartete. Sittah hatte schon eüw.^ strmge und abwersmd« Antwort auf seine Lippe», da kam - ihr Escher zuvor und sagte: .Ei. guten Tag Herr Josef, unter Ihre« Schutz möchte ' mal da« Getreide in der Nähe anfthm a>»-* Du gehst doch mit, SittahP" .Ich möchte Herrn Josef nicht belästigm und danke für seine freundliche Einladung, aber ich ziehe d. Häuft zu gehen, da «ei« Eltern sich n könnten" _ .Deine Eltern werden sich nicht änstige», da sie wiffm, daß Du bei »ir bist", versetzte Esther, .thue mir dm Gefallens und gehe ei» Biertelstündchm mit " Sittah schwauktr noch, aber Esther schob Sittah'« Ar unter dm ihrigen «ad indem sie sich an de» jnogm Ma wandte, sagte sie: »Run Herr Joses, »ft verträum nn« Ihrem Sch»tz« a Fröhlich plaudernd nähertm sich die junge» Leute Eisfläche. Al« die Altertgmofieu. der« heute ei« aus dem Eift waren, die Mädchm erkannten, ka» ich mir wohl einmal f,fan “ vor, .Wahrlich, da« ist der einzige kluge Streiche de« Josef, so lange er lebt, gemacht bat, daß er uns hatte Rose» «itbrmgt. Harras Joses, hurrah." Alle Anwesenden stimmst» i» dm Ruf ein, so daß beidm Mädchm ti fast bereuten, der Einladung Folge z» habe». Bald sahm sie stch von juagm Lmt» i'mUttll'fil . leistet z» haben. Bald sahm sie stch von jungen Le jnngm Mädchm umringelt unv in oft Früblnhkeit zen. Die junam Mädchm überredetm oft Freund auch z» laupm und nach langer Debatte bracht» e« fertig, daß Esther und Sittah sich Schlittschuhe ' und mit über »ft spiegelglatte Fläche dahmglitte Fröhlichkeit stakt an und der Vorzug der Jugmd sie leicht iu der Freude da« Unangenehme vergißt, warm dft Frrundmnm so fröhlich wft oft Andä» noffm dft Krude, dft der Eislans

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