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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 39 (1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
39 (1891)
Date
1891-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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^•\Ut O* I» ibdrr|fülXM Nl|cktrxi| fit »nrWche -Mir. * .. SaB Wb M •c»|Dattr*. Um W)ii)t «4 km Mw Vom Iba Bloch (Stftteft.) — 6ltta|. Btwaaa »a* kr Aet It? kr letzk» ■btftaaatociiaagra Mrt Rafclaab »ab Pkrusta. 8m H. Äergtt. Aorstetzantz.) — Nathftl->>q>aka. — Mtlfd ““- (ttakfa#rr feNlBnrf la« MrfMi Wem IR mttrfMI.) L«» VUd M 9ri|Nteti. War vtlzze aas kai Srtrn kr «egemrari. 8m 3ka Bloch. («*■*) Nicht hmgc nach brm ffttianiffe begann Hedwig» Mutter Mutclii nno rl war noch fein Vierteljahr vergangen, da ig sie a»f der Todteubahie, innig beweint von den Ihrigen. Bon dieser Zeit ab aber war der Fabtikherr nicht mehr alte. Lr hotte seine Arbeitslust vollkommen verloren, il er keinen Zweck für die Existenz der Fabrik unter kae» Namen mehr vor sich sah »nd ko kam ihm da« sogenannte ~ ihr 1872—78 nicht »«gelegen, wo ein Eonsortiurn i Lausleuten ihm den Antrag stellten, seine Fabrik eine Aktiengesellschaft nmzuwandeln — Sie wollten ihn m Direktor derselben machen, er lehnte aber dankend ab id begab sicl, lieber mit einem ansehnlichen Kapital, da« igm vorläufig auszahite, in Gemeinschaft mit seiner er »nd ftinrm Schwiegersohn, der nun vom Regiment Abschied genommen hatte, auf Reisen. Sodann kaufte sich ein Tut in der Nähe Berlin'«, um sich dorthin »ziehen. — Die Verhandlungen mit seiner ehemalige» waren noch nicht ganz zum Abschluß gelangt, al« er ein Schlagfluß hatte dem bisher rührige» Leben ein plützliche« Ende bereitet. Wir standen seit längerem bereit« außer Verkehr init Familie, denn schon bevor dieselbe sich taufen ließ, Hedwig und deren Mutter mehr christliche» Umgang, hatten zwar auch sehr uftle liebe Freunde uurer Beern der christlichen Religion, jedoch waren wir weit ent» »t, dieftn gegenüber unsere Abstammung zu verheimlichen, x dieselbe gar zu verleugnen, den« meine Eltern waren zu stolz darauf, dieftm Volt mit großer Vergangenheit entstamme«, und auch unftr Aeußere« trug ja schon da« atalifche Gepräge. Di« Famile de« Fabrikbesitzer« indeß anderer Meinung von srch, mied jesst unsere Beftllschaft rlal« mäglich, um sich durch de« Verkehr mit un« nicht verrathen; da« merkten wir bald und brachen daher den lang «ach und nach ganz ab. Brest, viel« Jahre waren seitdem vergangen. Meine er« waren inzwischen auch gestorben und ich Härte lange "O «ehr von Hedwig und ihrer Familie, ich wußte nur. sie auf dem Bute ihre« Vater« mit Batten und Ikiad , bi« ich vor ungefähr zwei Jahren erfuhr, daß sic schon, gmlich jung, da« Zeitliche gesegnet habe. i Dienstmädchen meiner Eltern, da« bei un« lange t* hindurch Kinderwärterin gewesen war und dadurch, jirir damals tl« Kinder hänfiaer mit der «leinen de« *» zusammen kamen, dem Fabrilperkonal manchmal n, hatte einen Arbeit« dreier Fabrik kennen gelernt " ' Nach der Herrath machte der Fabriken treue« Arbeiter zu seine» Hauswart. taa^rrimmn sÄh ge«, etwa« «hoch« t verdiene« wollte undsehr gut wusch und pättete, übernahm unsere Wäsche. — Und so ist sie mein« Wäscherin bi« heute, wo ich elternlos bin, geblieben. — Einmal, e« war im vorigen Jahre, sandte sie mir ein Schreiben, worin sie mir ihre augenblickliche Rothlage schilderst, daß sie bettlägerig aeworden sei und ihr Mann, der. da die Fabrik sich schon seit etlichen Jahren aufgeläft hatte, wieder als Arbeiter bi« jetzt beschäftigt gewesen war. momentan außer Thätigkeit sem muß, um sie zu pflege« und bat mich darin, ihr doch einen Vorschuß leisten zu wollen, de» sie sich bemühen «erde, redlich abzuarbeiteo. Ich machte mich auf den Weg nach der Prenzlauerstraße, wo sie in einem hohe» Hause in eturr Kellerwohnung wohnte, deren kleine Fenster nach einem, «st hohe« Mauern m»> „ebenen Hoftau m ginge». Ich hatte einigen Proviant für sie mitgenommen und stolperte mit dieftm fast dft finstere Treppe hinab. Al« ich jetzt in dem Wohnraum stand, mußte sich erst mein Auge nach und nach an die Licht» losigkeit gewählten, ehe ich im Stand« war, die Brgenstäiwe von einander zu unterscheiden. Der Mann, al« er «ich erkannt hatte, zündete natürlich sofort ftine Petroleumlampe an und nun wollte ich eben der kranken Frau in zarstr Weise mittheilen, daß sie sich mit dem Zurückzahlen der Summe, welche ich ihr mitbrachte, durchaus nicht zu deeste« brauche, al« mein Blick auf die fttzt hell beleuchtete Wand fiel, an dercu kahler Mitte da« mir schon bekannte Portrait des einstigen Fabrikbesitzers, de« früheren Freunde« meine« Vater«, noch mit dem vergilbten Lorbrerkranz um dasselbe, prangte. »Herr Müller, woher haben Sie da« Bild?" fragte icst hastig von meinem mir dargrbotenen Sitz aufspringend und näher tretend, den ehemaligen Hauswart der Fabrik. ,E» ist in redlichen Händen, gnädige« Fräulein", sagst dieser unerschrocken, als ich ihn mit meinem Blicke fixirte. .Wir unser guter Herr gestorben war", fuhr er fort, »und die Fabrik, Sie wissen, in andere Hände überging interessirte sich sa keiner mehr für den früheren Besitzer und man beauftragte «ich, da« Bild indeß an mich zu nehmen und Herr v. W. in Kenutniß davon zu setzen. Ich that die« mehrere Male. Da aber keiner e« abholen kam, hing ich e« selbst nach Jahr und Tag in meiner Wohnung auf Ich war vor Staunen auf den neben mir stehenden Sesftl nicdergejunten und brütete wohl einige Minuten lang über di« Vergänglichkeit und da» Vergessen und Über dft Eiftlkeit de« menschlichen Daftin« nach. — Dann raffte ich mich empor, schüttelte den Inhalt meiner Bärse an«: »Da nehmt", sagte ich zu den beiden Leuten, »und gebt m>r da« Bild dafür." — Zuerst sah sich da« Ehepaar ob der in ihren Augen großen Summ«, die ich jetzt vor ihnen aufgezählt hotte, verlegen an. E» fchftn fast, al« ob sie ein llnrecht in sich fühlten, da« Bild ihre« früheren Herr» zu verkauft«. Daun aber sagst der Mann: »Ach ja Mädige« Fräulein, Ihnen staue» wir da« Bild schon an

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