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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 38 (1891) · p. Seite 149

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
38 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 149 (sequence 3)
Language
German
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rasth, »tr er gedmme», entferntr sich der Laindem er rasch de« Havsherrn di« H«»d reichte uad habbinowitsth frenuvllch -»nickt«. .Du bist wahrlich eia Glückskind-, begann der Freund. A.nnd doch, Du freust Dich nicht? Du sinnst uad denkst, ^anstatt zu jubeln und zu frohlocken?" „Lasst «ich, mein Freund! Die folaenschwerru Er» lianisse folgen »u rasch auf etnauder. Ausgewiestn — eimathloü — Bettler — sorgenfreie Existenz in der neuen elt-eS ist zu viel, zu viel." Ehe «och der Freund etwa« erwiedern konnte, trat der ^Bucklige in» Zimmer und bat, man möchte zum Frühstück kommen, die Herrin de« Haufe« erwarte sie. .Damen darf man nicht warten lassen", versetzt« der reund, erhob sich und ging. Rabbinowitsch vor sich her» lid, in da- Eßzimmer, ivostlbst ein opulente« Frühstück inte. jabbioowisch vermochte nicht Herr seiner Stimmung »}S werden. Erst al» die liebenswürdige WiNhin ihn neckte und '-«einte, er sehe gerade darein, al« ob sein Schiff unter» _ Ingen wäre, al» sie ihn über seine Traurigkeit befragen ''wollte. riß er sich mit Gewalt an« der trüben Laune und versuchte, auf den liebenswürdigen, heiteren Ton der Ton» versatio» einzugrhrn. Die Dame wußte da« Gespräch so i in leiten, daß alle«, was in dem jungen Manne peinlich« ^Erinnerungen hätte Hervorrufen können, vollständig von der ^Honversation fern blieb. Man sprach über di« Zustände ivl« Judenthum, über den Streit in den Gemeinden, über Antisemitismus und kam endlich auf da» Gebiet der Er» r iirhnng, besonder« auf da» Gebiet der Mädchcnerziehnng. i-Die Dame entwickelte ihre Ansichten darüber, denen Rabbi» «owitsch zastimmen mußte. „In jeder Epoche der Geschichte, in jeder Periode der Kunstgeschichte, in jedem Land« hat die Menschheit ein ' ander«« Erziehung-ideal. Ohne Ideal ist «ine Erziehung Oberhaupt nicht möglich, und so wie di« Ansichten von der ^Bestimmung de« Menschen, von seine« höchsten Idealen sich ändern, so ändert sich auch da« Erziehung-ideal. Betrachten Sie di« Erziehung-ideal« de» vorigen und vorhergehenden ahrhunderts; sie würden, wenn sie sich heute uustrem Auge würden, ebenso wie dir Sitten und Moden jener Zeit Lächeln bei uns Hervorrufen. Denken Sie sich, eine _ amt au» der Zeit de» großen französischen Loui« XIV. jwüideu mit ihren Sitten und ihrer Mode in einen Ball unserer Zeit versetzt — würden wir nicht empört sein, unsere ^Glosse« darüber machen? Da» kommt daher, weil die Er» " ziehunasideal«. da« Ziel, da« der Erziehung gesteckt ist, stet« : gewechselt hat und noch fortwährend wechselt. Und w«-halb «eehstlt e»? Weil Menschen diese» Ziel bestimmen. Da» ^^imhOAgsideal de- Jndenthum» ist von Gott bestimmt, r ist unveränderlich; jene heiligen Ramen der Stumm» »aste«- Bold« sind nicht nur Ramen, e» sind Ir und lebensfähige Gestatten, die nicht nur in der antasie der Menschheit existiren, sondern deren Lebens» ' eit durch ihre Existenz nachgewiesen ist. Da» sind seit instnd« die Ideale für die Erziehung der jüdischen Mädchen". .Und wenn heute eine Sarah", warf lächelnd der Mann ein, .in die Versammlung ehrbarer Frauen unstrer Zeit träte, würde sie nicht auch au-gelacht und bespötttlt n?" »Gewiß, vou den Frauen unsere» Laude» und unserer Ob sie vou den Frauen de» heiligen Laude» unserer au»gelacht und bespöttelt würde, da» möchte ich bell, daß da» umgekehrte, eine Frau unsere« Lande« Zeit, von Mutter Sarah nicht bespöttelt und belacht wäre; daist sicher, und eben deshalb ist Sarah em Dtzsthung-ideal für uns." ,Die Bildung jener Zeit", erwiedertr der Man«, .be» Mte auch nicht das» was vir heute beanspruchen." .Da» ist eben der Fehler. Wir verlangen zu viel. Schein, zu wenig Sein, loa« jüdische Weib hat dre de« Glauben und dem Gemüthe desselben so gefährlichen Resultat« der modernen Wiffenschast gar nicht nöthig. Oberflächlichkeit und Halbbildung sind di« Todstinde jeder gesunden Ehe. Und wozu wollen wir unser« Töchter erziehen? Zu tüchtigen Frauen, zu guten Müttern." »Läßt sich danicht vereinigen?" warf Rabbinowitsch hier «in, .warum sollten unsere Töchter eine Au»nahme machen von den Töchtern der Richtjuden? Warum sollt« fürdi« Töchter Israel» die Litteratur verschloffen, sollten die Blumen der Poesie duftlos« sein?" .Weil unser Bolk eine Ausnahmestellung einnimmt unter allen Böllern. Weil es unter den Töchtern unstrer Zeit so wenige giebt, die Sarah und Rebekka gleichen. Ich verlang« nicht, daß unsere Töchter unwissend heranwachsen. sollen — da» wäre thüricht Aber man sollte e» umgekchrt machen; man sollte sich erst Töchter, die den Stammmüttern gleichen, erziehen und diest, die wissen, we« Stammesie sind, di« verstehen, den Schein vom Sein, die Lüge von der Wahrheit, da» Gute vom Bösen zu unterscheiden, die eine Idee von der heiligen Sendung unsere- Bolle» haben, dstst sollte man die Budung unserer Zeit sich aneigne« lassen. Die Grundlage für jede Erziehung, aber besonder» für die jüdische Erziehung wird im Hause gegeben. Welchen Einfluß oie Mutter auf die Erziehung der Kinder hat. daist jedem bekannt. Wozu wollen nur unsere Kinder erziehen? — Doch wohl zu Juden. Wie kann aber eine Mutter, die selbst wenig vom Judenthum weiß» bei dcr profane Bildung die Hauptsache ist, die womöglich unstre Eeremonialgesttze für Nebensache hält, wie kann eine solche Mutter ihren Kindern Liebe für den Glauben der Bäter einflößen? Alle die Schlagwörter der Pädagogik, wie Humanität, brav« Menschen rc. rc. decke« sich in unserm ürziehung-idcal, welcheheißt: .Ein braver Jude!" .Aber warum sollten unsere Töchter sich abschlirßen von den Töchtern de» Lande-, denn da» müßte nach Deiner Auseinandersetzung nothwendige Folge sein, warum, sage ich, sollten wir dir Kluft, die un» vom Nichtjuden trennt, vergrößern, anstatt sie zu überbrücken suchen?" unterbrach der Gatte hier seine Frau. .Zu unserem Heile und zum Heil« der Richtjuden. Lasst Deine Kinder nur mit Nichtjuden verkehre«, wenn D« hören willst, daß der Jude nur geduldet ist. Lasst Deine Kinder in verwandschaftliche Beziehungen zu Richtjuden treten, wenn Du sie unglücklich machen willst. Bon all den Mischehen, die zwischen Juden und Nichtjuten geschloffen werden, kann auch nicht Eine eine glückliche sein." .Dann dürfte also nach Deiner Auffaffung der Jude in keine« Berkehr mit Richtjuden treten?" .Wenn der Jude sich stark genug fühlt, jedem glauben»- ' i feindlichen Einfluß zu trotzen, ist e» sogar seine Pflicht, sich dem Richtjuden zu nähern, mit ihm zu verkehre». Nicht u m Proselyteu zu machen, Gott bewahre, da» Judenthum wünscht keine Proselytrn, sondern um die Würde de» Judeuthum« zu zeige», zu bezeugen und zu wahren. Aber egehört ein dicke- Fell dazu, all die Nadelstiche in Blick, Wort und Geberde unbeachtet zu lassen, die dem stammen Juden von Groß und Klein, von Gebildeten und Ungebildeten versetzt werden." .Mit Jntereffe habe ich den scharffinnigen Ausführungen meiner liebenswürdigen Wirthin gelauscht. Sie lasten erkennen, in welchem Garten diese Blume gepflegt wurde. Nicht alle Männer Israel» können sich rühmen, ein Weib au» solch glaubensstarkem Geschlecht zu besitzen. Mit Freuden habe ■ ich venommen, daß e» noch Mütter giebt, die der Rebekka gleichen", — sagte Rabbinowitsch. .So wäre ich wohl dcr Jizchak, der sich betrügen läßt?" lachte der Freund. .Es könnt« der Fall sein, denn Rebekka sieht weiter und ticstr al» Zjzchak", envirdene Rabbinowitsch. „Die Er»

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