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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 38 (1891) · p. Seite 148

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
38 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 148 (sequence 2)
Language
German
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q idt vor ihm stand, da war sei» SntMuß gereift, er legt« 5ider Hände in einander und segnete sie durch seine» terkuß. Hedwig'« Vater wollte nun, daß sein Schwiegersohn iu« dem Regiment« au« und in sein« Fabrik eintretea sollte. Mit dieser Anschauung aber stieß er bei Frau und Tochter aus heftigen Widerstand. Dean Hedivig und ihre utter in deren Interesse, verliebt« sich mehr in den nßeren, als in den inneren Eurt und daher war diesem > Tracht d«S Waffenrockes unumgänglich nothwendig. Al« Eurt den diesbezüglichen Wunsch der Braut und :r Schwiegermutter vernahm, suchte er deren Ansichten mit der feine« Schwiegervater« zu vereinigen, da e« ihm lieber gewesen wäre, in der Fabrik al« im Regiment« weiter zu wallen, indem er natürlich in zartester Weise, von dem Kastengeist zu erzählen begann, der im Regiment« herrsche uud daß dieser ihn wohl mit der Zeit auSzutretea zwingen würde, fall» nicht seine Braut und Schwiegereltern zum christlichen Glauben übertreten wollten. Der Fabrithrrr, sonst im Leben ein energischer, willen«, starker Eharakter, war aber seiner Tochter gegenüber so weich, und hiniebeiid. daß er ihr gern jeglichen Wunsch er» füllt hätte und so nützte dem Schwiegersöhne diese Drohung nichts, denn der Fabrikbesitzer war rn religiöser Beziehung wie schon gesagt, so frridrnkrnd, daß e« Frau uno Tochter jetzt nicht allzuschwer wurde, den Vater zu überrede», sich mit ihnen in die Gemeinschaft der Ehristenheit aufuehmen zu lassen. Die Trauung wurde an dem jungen Paar bald darauf vollzogen und Eurt blieb vorläufig noch in seinem Regimrnte. _ (Schluß folgt.) Mnaaa »»« der grit Mi ' «ittih. rtt »er letzt« MoffrnanSweisnntzen ntzlon» n» Brüche». Be» £>. Berger. at» 12) i tz. Berger. «Forsetzung.) so daß noch so Nein > Zinst» de« ^»rse-una.) .Aber wohin können sie geflohen sein?■ fragte Rabbinowitsch. .Reiner will sie gesehen haben. Jedenfall« haben sie sich verkleidet, unkenntlich gemacht und sind mit falschen Pässen versehen. Sogar die Adresse der Familie des Aelteren, die seit Wochen schon fort sind, war eine gefälschte, da ein von uns da Hingerichtete« Schreiben al« unbestellbar retour km», uud die dortigen Gerichte ur.« mittheilten, der Name existire dort gar nicht." .Ja, ja, daist ein schlau angelegter Plan; und e« e«. sollte nicht gelingen, den Schurken auf die Spur zu kommen?“ .Vorerst nicht; Sie wissen ja, in der ganzen Welt besteht der Mensch au« zwei Theilen, au« Körper und Geist, so erzählt nn« wenigsten« die Bibel. Im heiligen Rußland jedoch machen erst drei Theile den richtmen Mensche« au«, do» sind: Körper, Geist — und Paß. Man übersieht eher da« Fehlen eine« Theile« der beidnr ersten Theile, der dritte Tcheil. der Paß jedoch, muß in Ordnung sein und wen t der stimmt, sind Sie in Rußland sicher wie in Abraham« Schooß. Mt Geld kann nian viele« erreichen." .Ich verstehe, ich verstehe, Herr Dr.!' erwiederte trübe der junge Mann. .Ich bin also ein Bettler und muß von vorne anfangen zu arbeiten." „Gerade deswegen wollte ich mit ihnen sprechen. Sie brauchen nicht solch Leicheabittergrsicht zu machen. Wenn «an jung, gesund uud kräftig ist uud etwa« gelernt hat, kann man froh in die Zukunft schauen. Doch zur Sache. Ich erhielt im Laufe der letzte« Woche den Brief eines Bundes auS San Francisco, der mir sofort den Gedanken rf>: Sieh, der junge Rabbinowitsch hat still Vermögen ver. «nt, da bietet sich chm eine sorgenlost Existenz. In San BNyiSco hat sich nämlich stit fünf Jahren eine orthodoxe wische Separatgemeüwe gebildet; mein Freunds d.r . mit gründen half, ist der Vorsteher dieser Gemeinde. Ne Gemeinde hat all« orthodoxe Gemeinde nur haben kann und» wimt fällt, verfügt über bedeutende Mittel, Existenz dci^elben, mag dst Mitgliederzahl i niemals in Frage gestellt wird, von den mögen« der Gemeind«.werden alle Ausgabe« derselbe« stritten und alle Gehälter bezahlt. Diese« zur Orirntirung,) daß Sie e« mit lemer Schwindelgemeinde zu thun haben.' Also die Gemeinde will ein« Schule errichttn, eine Schule^ nach dem Muster der deutschen Gemeindeschulen, in welch Sprachen, die Realien und besonder« Hebräisch gelehrt wird.^ Für die zu errichttnd« Schule wird ein Direktor gesuch befähigt wäre, eine solche Anstalt zu gründen und auSzubaüen.H E« kommt hauptsächlich darauf an, eine Persönlichkeft finden, di« e« sich zur Lebensaufgabe macht, für da« wahre Jaden thum im stinen Westen ein Bollwerk zu erbanemH welche« der iSraclitische» Jugend dorten Straft und SRutf-1 für den Glauben der Väter einpslouzt. Deshalb suche»'.' die Leute uuch einen Mann al« Direktor zu gewinnen, oerßH den Anforderungen der sttengen Richtung im Judenthu»^. genügt und dabei Tüchtige« in profanen Wissenschaften, wii im Talmud leisten laun und auch in gesellschaftlicher sicht sein Amt und seine Stellung würdig repräsentirt. Direktor muß befähigt sein, schwierige Religionsfragen nach'^ dem Gesttz zu beantworten, öffentliche Borttäge» sowohl übe»'H religiöse, als auch über philosophische Themata zu Haltens und die Vertretung der Schul« iu stder Weist zu überrnehmen. Die Anstellung erfolgt vorerft auf drei Jahre unt^ ist, wenn in dieser Zeit keine Kündigung «ingetreten ist, na< Ablauf der drei Jahr« lebenslänglich. Pension und Wittw Pension sind nach Berhältniß der Dienstzeit und de- Gehati geregelt. — Ich dachte sofort, al« ich den Brief gelesen, ai Sie, und freue mich, daß Sie hier sind und ich die Sack mit Ihnen besprechen kann. Haben Sie Lust dazu?" Schweigend sptte Rabbinowitsch di« Mittheiluuaen Anwälte« vernommen. Mit immer größere« Erstaun Hütte er di« überaus günstigen Bedingungen, die der An>j, walt ihm mittheiltt und schon stand stin Entschluß stst, dachq was ihm hstr geboten wurde, anzunehmen. Das war Lebensaufgabe, wie er sie sich nicht heiliger und würdig denken konnte. Rur eine« war e«, da« ihn abhielt, sofort^ die gebotene Sttllung anzunehmen, und da« war die Ent»^ fernung San FranzcSco's von seiner Heimath, von bcrj Heimath seiner Braut. Aber, hatte diese denn eine Heimath Ä! War er wie sein« Braut uud waren deren Eltern nicht an' dem Lande, welche» ihnen bisher Heimach war, verjc _ worden? $t«t bot ihm Gott ein« zweite Heimath, durfte er) ablehuen? War da« nicht eine Schickung de« Allgüti' der Wunden schlägt und sie auch heilt? Ist e« nicht ein wo wir wohnen? Haben wir hier dran eine Heiuutth? bot ihm Europa? Mühe, Sor«, schwere Arbeit und eia n» u besiegendes Boruttheil. Wa» muß der Jude, weil ude ist, überall, fast überall erdulde»? Und dmct, im! der Freiheit, in jenem Lande, welche alle RelmionSbelrn» auf ein« gleiche Stust stellt, chneu all« gleiche Wlichtt», ab auch gleiche Rechte giebt, dott bietet sich ihm eine Existenz, welche ihn den Verlust stlne« Vermögen« »» empfinde« läßt, bietet sich ihm eine, seinen Anlage» ui Fähigkeiten entsprechende Lebensaufgabe, bietet sich ihm Müglichstit, seinen HenenSwunsch bald erfüllt zu sthechj Sittah al« sein Weib heimführen und für deren Elter sorgen u» können. Durfte er rin solche« Anerbieten aal schlagen? — Der Anwalt sah, wie all« diest Gedaakrn nM Blitzesschnelle da» Gehirn de« jungen Mann«r^durchkrr»zhM und er sagte: .Uebcreilen Sie sich nicht; Sie haben acht Tage^ denkzeit. Ueberlege» Sie sich ja genau, ob sie der näher trtten wollen. Ist dies«« bei Fall, dcuül ' meinem Freunde uud er wird sich, mit Ihne» ta r setzen. Besuchen Sie »ich recht s Wohnung »nd «m: ca mmner

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