Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 38 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6492351-8722846-5959741--1721-5374796- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
^|«trr|iltxii ni Jlrlrtnif fiir die j-r>Msihe Amlie. fi _ t , t4i Bild M Broßvaler«. Sine Ttzlzze au» dem Leben. Bon Jda Bloch.' — Klttah. Roman an» der Zelt der letzten ' cUtDdll * MafiennnSwttsnnaen au» Rußland und Preußen. Bon H. Berger. (Fortsetzung.) — Nochmal« Dl. R. Venedikl und R. Mose« “ Soser.— Rtthsel-Ausgaben. — ««hsel^e»snngen. <lln»rfn,trr Rnch»r«k »ns »lese« Btette ist nnt erst»«) r«» Bild de» Grotzvllter». Sine Skizze an« dem Leben der Segennart. . Bon Jda Bloch. Jbre Eltern und die weinigen waren innig miteinander ßesreundtt. Ihr Vater war ein Mann von kleinem unansehn» kichen Acußcrrn, jedoch eine kreuzbrave Haut. Durch und durch rin rechtschaffener, ehrenwerther und entschlossener Charakter, hatte er sich vor Jahren in Berlin draußen vor dem Schönhauser Thor, mit einem nur sehr «ringen Betriebskapital, daS ihm mein Vater selbst noch «zu lieh, ein« Maschinrnsabrik eingerichtet. — Hier ent« tfaette er eine rastlose Thätigkeit. Er scheute keine Mühe, ly, legte oft bei den schwierigsten technischen Arbeiten selbst Hand an und glich in Bezug auf Gerechtigkeit, seinen Unteraebrnen gegenüber, wirklich einem alten Patriarchen. Und so kam e», daß er eine» Tages, mit glückstrahlendem Antlitz, «ach verhältnißmäßig sehr kurzer §nt, meinem Vater daganze Darlehn auf Heller und Pfennig schon zurückgeben Wnute. — Sein« Ehe war glücklich über bisher kinderlos gewesen «md deshalb war er nicht wenig erfreut, als ihm jetzt nach fünfjährigem Bestehen seiner Fabrik, ein Erbe geboren werden sollte, der vielleicht, so Gott «S will, später zunächst die Last feiner Thätigkeit ihm tragen Helsen und sie dann schließlich ganz ihm abnehmen kSnnte. Aber man hatte sich verrechnet. — E» kam kein Knäblein, sondern ein Mägdlein zur Welt. Jndeß all die Eltern eS besaßen, waren sie stolz aus ihr Eigenthum, so daß sie kein Wort mehr über diese Verrechnung Herlauten ließen. Hedwig ward die Klein« genannt, sie wurde gehegt und gepflmt und gedieh! — Die Fabrik von HedwigS Vater hob sich jetzt von Jahr Jahr. — Eie schielt gleichsam mit dem Kinde zu wachsen, daß, als Hedwig, die da» einzige Kind ihrer Eltern blieb, St in der Blütbe ihrer Jahr« stand, die Fabrik auch den lminationSpunkt erreicht zu haben schien. Ine nächsten Jahre sollte daS 25 jährige Bestehen der Fabrik gefeiert werden. Da» Personal der Firma dachte schon ernstlich darüber nach, mit welch' sinnreichem Geschenk «» den Principal beglückwünschen kvnntr. Man bracht« so Mancherlei in Vorschlag und endlich gefiel der eine: den Herrn für seine Fabrik malen zu lassen. — Man begann z» sammeln »nd hatte bald soviel zu sammen, daß sich ein «otaannirter Portraitmaler für diesen Preis verpflichtete, der Prinzipal wenig auf fein Aeußere» gab, fürchtete all man ihm ba Wunsch seine» Hanse» kund thun auf heftigen Wiederftand seinerseits zu stoße«. Jndeß in sich in dieser vermnttzmg. «r sürstinen Theil hätte n ans die Ehre de» Genialtwerden» verzichtet, aber an sein Kino »nd an die Möglichkeit, daßHedwig Man» sich erwählen ttzunt«. btr ihm vielleicht Schwiegersohn, al» «in Mitinhaber seiner Fabrik sein würde. — Und deshalb ließ er sich al» Begründer derselben und ausschließlich für diese nun malen. Der Festtag erschien, er wurde glänzend gefeiert und das gelungene Bildniß des Prinzipals in dein Fabrikgebäude» mit einem Lorbeerkranz umgeben, aufgehangen. Hedwig war zu dieser Zeit ein sehr hübsches, wohl» erzogenes Mädchen und ihr Vater, wie man sagte, mindestens ein halber Thalermillionär. So war es denn auch gar kein Wunder, daß sie viele Bewerber hatte, aber bisher hatte noch keiner ihr so recht gefallen. Die Jubiläumsfeier der Fabrik fand kurze Zeit nach dem deutsch-französischen Kriege statt. Und in diesem hatte ihr Vater für daS Eisenbahnregiment mancherlei Utensilien zu liefern -gehabt. So war es den» natürlich daß diese»! Regiment, als es von der Feier hörte, zur Beglückwünschung des Fibrilherrn einen Abgesandten schickte. Und dieser AW gesandte war ein schmucker, junger, aber geldbedürftiger | Lieutenant, Namens Curt v. W — Eurt hatte sich selbst, j verständlich über die näheren Verhältnisse de» zu Beglück« wünschenden zuvor erkundigt und zu seiner Freude nur Günstiges darüber erfahren. Er verliebte sich also zunächst in die halbe Million und dann in die Tochter. Man müHe selbst nicht jung gewesen sein, um nicht zu wissen, daß ein junge» Mädchen von kaum 20 Jahren keine sichere Feste ist, wenn fort und fort militärische Blicke, Granaten gleich, gegen dasselbe abgeschoffen werden. Am Festtage selbst ward Curt vom Festgeber zum Bleiben ausgefordert worden, und er blieb und diesen Auf« enthalt benutzte er zum ersten Bombardement. Beim Ab» schied sagte man .auf Wiedersehen" und er kam'wieder und immer öfter, bi» endlich Hedwig und Curt eine» Tage» de« Vater ihre gegenseitige Liebe gestanden. .Herr v. W", sagte Vieler, .Sir wären mir gewiß ein willkommener Schwiegersohn, indeß uns trennt ja der Glaube und Ihr Adel". Damals, in den siebziger Jahren, dachte man, da der Antisemitismus durch di« Kriegsereignisse und die Freude über den Sieg noch nicht emporkeimte, wohl leister über Verbindungen zwischen zwei verschiedenen Bekenntnissen, wie Ätage, wenigstens sagte Curt: .Ich für meinen Tbeil meiner Frau niemal» Vorschriften über ihren Glauben machen, und «a» den Adel aabelangt, so können Sie, werthrr Herr, mit mir wohl noch concurriren, denn Ihr Geschlecht zählt ja schon vom König David ab." Da» Wort hatte gut gezielt. Erstens hob e» das Sckbstbewußtsein in der Brust des werdenden Schwieger« vater» «nd dann erkannte er daraus, daß der junge Mann von durchaus freisinnigen und tvleranten Ideen geleitet wurde, was ihm außerordentlich zusagte, wenn er war wohl de« reinen Gattesglauben, jedoch nicht den vielfach« Eevemomen nach rin Anhänger seiner Religion. And al» er jetzt von de« jungen Manne hört, zu seiuer Lachter hiaüaeÄickt«, di« »« Dhräuen i» bittenden