Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 34 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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er Gefahr gelaufen wäre, sich den Hirnschädel einzu -rennen. ,Ra, wollt Ihr Rauchfleisch auS Euch machen. Hanne-, so schließt wenigstens Eure Thüre zu, daß Ihr andere Leute nicht auch noch mitrüuchert. wenn sie Euch besuchen wollen. " »Brauch' keinen Besuch," knurrte eine heisere Stimme aus dem Rauch dem Reb Jakos entgegen, .wem es nicht Zefällt, der kann gleich wieder abniarsckiren." »Üho, nur nicht so grob, »vahrlich ganz blind macht «neu Euer Rauch/ und vor Schmerz rieb sich Reb Jakos die Augen. .Thut er da», macht er daS. na. dann ist'S gut. Ihr seid doch 'n Lhammer, Reb Jakos, macht die Augen zu.' .Will ich alt werden hundert Jahr, Hannes, Lu hast Recht, doch komm und führ' mich, ich Hab' mit Dir zu reden." Schlürfende Tritte näherten sich der Stelle, wo Reb Jakos stand, eine Hand faßte die seine und sicher geleitet gelangte Reb Jakos an das Ende des Vorplatzes. Hier wurde «ine Thür geöffnet und Reb Jakof in ein kleines dunkles Zimmer geschoben. Die Person, die ihn geleitet hatte, schloß die Thüre, daß lein Rauch emdringeu konnte. Jetzt öffnete Reb Jakof die Augen. Er wußte, wo er war, und wußte i auch, daß dieser Rauch kein zufälliger war, da die Schornsteine deö kleinen Häuschens in trefflichem Zustande waren, sondern, daß der Rauch nur dazu dienen sollte, jedem Unberufenen, der eintrat, die Augen zu schließen. Reb Jakos Hatte schon einige Male solchen Rauch dort angetroffen und regelmäßig hatte ihn der Kesselflicker am andern Morgen -einen Bold- oder Silberllumpen zum Verkauf angeboren. Der Qualm batte heute bei Reb Jakof seine Schuldigkeit -aethan, denn seine Augen schmerzten furchtbar. Reb Jakof sah sich nach Wasser um, daß er seine schmerzenden Augen wasche. Rach langem Umherblicken sah er eine» Wasserkrug i«t einer Zimmerecke stehen und wollte darauf zueilen. Da erhob sich jedoch unter dem Tische ein Gekuurr, daß Reb Jakof sofort stehen blieb und erschrocken unter den Tisch sah. Hier lag eine große Bulldogge, die mit fletschenden Zähnen und fascinirenden Augen ihr Gegenüber ansah. Reb , Jakof erschrak sehr, er war sonst nicht furchtsam aber .dieser grause Kelef" flößte ihm ein Grauen ein, da er bei jeder Stwegung deS Reb Jakof wuthend knurrte, so daß der arme .Mann kaum zu athmen wagte. ibtx Arme glaubte sein letztes Stündlein gekommen, als 'die Thüre geöffnet wurde und der Kesselflicker auf der Schwelle erschien. ' .Jagt den Kelef heraus!" ries ihm Reb Jakof schweißeöadet zu. Der Kesselflicker lachte. Auf den Ruf seines Herren! legte sich der Hund knurrend unter den Tisch. > Reb Jakof ließ sich ermattet auf einen Stuhl fallen. 'Solche Angst hatte er in seinem Leben noch nicht auSgestanden. Dagegen war die Angst, die er vor seiner Frau hatte, gar nichts. Er konnte sich so rasch nicht erholen. Der Kesselflicker, dem es zu lange währte, bis R. Jakof £h erholt hatte, wollte wieder hiuausgehen. Als Reb Jakof ese« sah, sprang er rasch auf und sagte: ,Um< Himmelswillen! hier geblieben! Glaubt Ihr, ich Will noch einmal mit Eurem Kelef allein sein? Bleibt und HLrt. Wann geht Ihr wieder über die Grenze nach R?" .Nächste Woche." — .Wann?" — .Nächsten Dienstag." — »Schön, Dienstag — ki tow. Wer geht mit Euch?' — .Meine Frau oder mein Eobn." — .Nicht beide?" »Rein, einer muß Dienstag hier bleiben, wir erwarten Ersuch." »Hält sich der Besuch lauge aus?" — .ES geht." Der Kesselflicker sah Reb Jakos scharf an. Sollte der ein Spion sein?" »Wie viele Leute kommen?" fuhr Reb Jakof weiter. ___ __ »» Dich todt zu schlagen, wenn Du ei« Spitz etlet tzehe-n la—te, ohne bist. 3abc!" rief der Kesselflicker drohend. .Kennt Ihr mich noch immer so schlecht, Hannes," sagte da der Rabbi, »wißt Ihr noch immer nicht, daß der Reb Jakof ist ein ehrlicher Mann, der sich eher abbejßt die Zunge, als daß er sein Wott bricht. Doch ich will nicht mehr fragen, e» scheint alles zu paffen, höre also: Dienstag Abend müßt Ihr einen jungen Mann anstatt Eures Sohnes mitnehmen und ihm den Paß Eures SohncS auf drei oder vier Tage leihen. Euer Sohn findet Euch über der Grenze nach drei Tagen; er kann auch ohne Paß hinüber. Der junge Mann w-.d sich dann schon allein weiter helfen." »Und was wird bezahlt? ES ist ein gefährliches Stück, Reb Jakof." »Ihr erhaltet zehn Tyaler von mir. Doch der junge Man» darf nichts davon erfahren, hört Ihr, daß ich Euch etwas zahle. Erhalte ich den ersten Brief von ihm, sollt Ihr zehn Thaler haben." .Zehn Thaler ist ein schönes Stück Geld," überlegte der Kesselflicker, .und leicht verdient, »venn eS glückt. Ach, e« muß gehen Schön, Reb Jakof, Dienstag Abend zehn Uhr sei er an der Strombrücker Wache. Dreimal wird der Hund bellen und daS Wott, auf daS er hören soll, wird .Kauz" heißen." Hiermit war daS Geschäft abgemacht und Reb Jakof wußte, daß Rabbinowitsch sicher über die Grenze kam. -Er erhob sich und verschwand durch eine Hinterthür auS dem Hause deS Kesselflickers. (Fortsetzung folgt.) Ueber de« heilige« Stock vo« Trier schreibt Dr. Jellinek in der.Neuzeit": ES liegt un» fern, die Echtheit deS heiligen Rockes, der jetzt in Trier zur Verehrung ausgestellt ist, kritisch zu prüfen. Wir Bekenner de» Judenthums mischen unS nie m die innern Angelegenheiten der Kirche und sind zufrieden, wenn man unS Ruhe gewährt und nicht provocatorifch gegen un» aufttitt. Wir wollen bloß jüdische Momente hervorheben, welche in die Geschichte deS heiligen Rockes Hineinspielen. Dieser Rock wurde, wie erzählt wird, von der Mutter Maria für ihren Sohn angesertigt. Sie spann die Wolle dazu und machte aus dem Gespinnste ein Kleid ohne Naht für den Knaben JesuS. Dieser wuchs mit jedem Jahre bi» erzum Manne heranreifte, trug aber immerfort dieses von seiner Mutter gesponnene Kleiv. Wie war da» möglich? Es wird nun berichtet, daß der Rock gleichzeitig mit Jesu» jedes Jahr wuchs, so daß er ihn auch al» Mann tragen konnte. ES ist uns keine arische Sage bekannt, welche berichtete, daß ein Kleid von selbst mit seinem Träger wunderbar wächst, so daß er e» als Knabe wie al» Mann gebrauchen kann. Wohl aber kennt das Vaterland Jesu'S eine solche, uralte Sage. ' , ES wird nämlich S. B. M. 8,4 Israel zugerufen: .Dein Kleid ist vierzig Jahre in der Wüste nickt von Dir ab« gefallen und zerfallen." Wie war da» möglich? Sind doch die Kinder herangewachsen und größer geworden. Daraus wird geantwottet, daß die Kleider in der Wüste mit ihren Trägern wuchsen, wie da» Haus mit der Schnecke wächst. Diese uralte, jüdische Legende wurde durch die Bibelstelle^ welche sie hervorlief, wahrscheinlich von chttstlichen Schrift» erklärern in christlichen Kreisen verbreitet und auf den heiligen Rock übeitragen. / Noch mehr! 'Vom Propheten Samuel wird erzählt (1.Sam.2,v), daß seineMutter ihm ein Kleid verfertigte, da» nach der Legende mit ihm wuchs.") Hier haben wir eine Mutter, die ihttm Knaben einen Rock anfertigt, der durch die Liebe der Mutter die wunderbare Kraft besitzt zu wachsen, um von seinem Träger gebraucht zu werden. *> nnin er auch beerdigt »urde m»d de« fttatae Saul zu (Zuber rrschle». (Red.)