Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 33 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 3)
- Language
- German
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f&m Natha» Samnektz. reqkch.) Solche» und Aebnliche« giua ihm in dem Kopfe herum, /tBk» «»gkkuüpst nt b» Seoensspruch. und dieser Segen«, »pruch selber bleibt ja .auch nicht ohne Wirkung. Hat er »och erst jüngst gehürt. daß der Kaiser »on diese» Gegen», fptnche sich ganz gerührt fühlte, und wie würde er erst, der ^Sorbeter in der Schneiderschwle, e» verstehen, mit rührender und ergreifender Stimme diesen Eegenüspruch vorzotragen. .— Ach, wen» er nur schon kommen wollte, der gute und HNÜdiae Kaiser. In der Tbat zeigt« «» sich auch überall in den Straßen, »aß die Lnknaft de« Kaiser« erwartet werde. Die Sassen und die Straßen nahmen nach und nach «in immer schönere« Au»s«hen an. Alle« schmückte sich . pumEmpfang cor «Kaiser«. Rießmgroße Pfühle wnchsenüberXacht ’■ «v« der Lrde Tag» darauf wechselten sie ihre primitive Hotzsarbe mit grüner, blanrr und rother, mit welcher sie an» «strichen wurden Jede» Tag gewahrt« da» kluge ein neue» Wunder. Heute sab »an vor der Stadt eia große» Holz, mit vielen Zinnen und Thürmeu. Linen Tag spüier S dasselbe gehüllt in einen Reisigschmuck mit Blumenm al» Trmmphthor. Indessen verwandelten sich auch die Riesenpfühle in flatternde Fahnen, in weißrothe, schwarzgelbe und blauweiße Ratümalsahnen, die vom Winde bewegt, ein prächtige« Rarbeufpiel de» Ange boten. Umrauscht von den in der »st flatternde» Fahne«, wandelten unten di« Menschen in dnmen Reihe«, festlich geschmückt. Mitten unter ihnen wandelte «infam vor sich hin mich da» arme SHieiderlein, da« von den rauschende» Fahne» sich wie von LngelOflügelu angewebt küßttr. Lr träumt« still« vor sich hin und ihm war e», al« «che er schon vor dem Kaller und fast ohne e» zu ahnen, sing er beinahe laut an. de» Segen«spruch vor sich hmznsagen. Einige Taue später war e« ihm auch vergönnt, dem . Kaiser in» Antlitz zu schauen. Da stand er eingekeilt mitten nntrr ttmdiid» von Menschen, di« bi» zu de» in duftigem Blüttzenschnuck« prangenden Triumphchore in zwei langen, tinnchehbaren Rechen Spalier bildeten. Da standen auch die Efchirden» zum Empfange de» Kaiser» berrtt« in Reihe und SUed ansgestülteu Drpntationen. vorn» die Geistliche« in «olden» KirchengewLndern mit blitzenden Monstranzen in Sünden; dann der Seneralsmb mit buschigen Federhüten, . klirrenden De-m und funkelnder Golormipmn» daun dir hohen Würdenträger in ihren mit Diamanten besäet«« Rational» wachten — darauf die Vertretungen der Lande«bevülkerung in den bunteste« Kostümen; weiter hinauf einige Kompagnien Soldaten, beritten« und unberittene, alle blank, in voller -'Paradeuniform mit ihren Musikbande« an der Spitz«; auch fchlte e» nicht an mehreren jüdischen Deputationen, bestehend 4in» den Raboincrn und Vorsteher», geschmückt in ihrenfAtla«. Üaftanen und Zobelmütze» — und mitten durch diese« lebendige farbenprächtige Bild schlängelt sich wie «ine lichte Tauben, schoar ein« Gruppe von tba»frischen Mädchen, lauter au«, erlesene Schönheit» in blüthenweißen Kleidern mit niedlichen Vlumenkürbchen in den Händen, lauschend standen sie - all« da, da« Sign» erwartend von der Ankunft de« Kaiser». da erdröhnte» auf einmal tausend Böllerschüsse durch die Luft und zu gleicher Zeit ertönten alle Glocke« der Kirchen und Stadtthürme, me mit ihren ehernen Zungen bk Ankunft bei Kaiser« verkündeten. Da gerieth auch auf «inmal die tausendkövfigeMenschenmenge meine brausende Beweanng, auöbrechenv in dm Jubelruf; „Vivat! Hoch leb« unser Käfter I" während mfttm hinem die Musiklxmde die feierliche 8olk«hymne intonirte . . . und schon rollte unter am zunehmmden Iubelruftn Wagen auf Wag» Hera», eine Höhe von glänzenden Karossen, deren Insassin mit Gold Diamanten überladen waren, und in eine« jener präch» befand sich der Kntsir. der fein mildfrenndliche» Gesicht frei der Minne zuwendet, fort und fort mit der Hand salutirmd — und stürmischer noch erbrauste der tausendstimmige Bivatrnf. Da« mittm in der Menge eingmoängt« Schneiderlei« schmetterte wsi ein« Trompete die wüsten Bwotrnsi in die Luft hinein, daß r» vor Schreien ganz krebüroch im Gesicht« war, denn r» wollte mit seiner Stinüne alle anderen über« tänben, damit «» sich in dm Xugen de« Kaiser» bemerkbar mache. Wirtlich glaubte «» ganz dentlich gesehen zu habe«, daß der Kaiser ihm gnädig zulächelte und ihm mit der Hand einen Separatgruß znwin«, wk wenn er sagen würde: Ich habe Dich bemerkt. Schneiderlei», Du scheinst mir «in braver Untrrthan!" Den ganzen Tag war da» Schneiderlein von der R»he de« Kaiser« nicht sortzubrinaen. Seit stütz margen« stand er aufgepflanzt vor der Wohnung de« Kaisir» und schek fort und fort, daß ihm dk Adern anschwollen: .Hoch lebe unser Kaisir. Vivat!* — Fuhr der Kaiser au«, dann lkf er wie besessen vor, hinter und neben de« Wagen her «nd donnerte: .Vivat! Vivat!" daß der Kaisir sich wirklich einmal mit einem wohlwollende» Lächeln vorboz um sich dk« possierliche Männlein anzusihen. Da» ersüllte da» Schneider« lein mit einer wahren Trunkenheit. Einmal mußle man ihn genmftsam fortrech», denn er war nahe daran von dm Pferden, denen er voranlkf, zertreten zu werden. I» einer der Rachmittag»stunden desselben Tage» sollte der Kaisir, laut Programm, dk Kasern« besuchen. Da» Gchnerderlein, da» über alle Vesnch»or>e de» Kaisir» stüher unterrichtet war, stand stundenlang. »k eine Schildwache, hart vor der Kasern« aufgepflanzt und erwartet« de» Kaisir mit der Kaskette in der «inen Land und de« Bittgesuch in der zweiten, denn er wollte in diesem, bevor er vom Kaiser in Audknz empfangen wird ihm sein« Angelegmheit stüher klar legen. Heftig fing in ihm an da» Herz gegen dk Ripp» z» schlagen und dk Schlüstn zu pochen und zu hämmern al» auf einmal ei« vielstimmiger vivastuf laut wurde, wa» ihm al» Bewert diente, daß dm Kaisir bereit« auf dem Wege zur Kaserne sei. Fester, beinahe krampfhaft, schloß er da» Vittgesuch in seiner Hand, denn e» gilt ja, diese! dem Kaiser in den Wagen hineinzuwersin, in einer Weis«, daß er ans dasselbe aufmerksam werdr. — Und richtig al» oer kaiserliche Wage« vorbeirollte, da zklte da» Schneiderlein flink «nd schaurarad flog e» dem Kaiser mitten in» Gesicht. Da« Schneiderin« sab wk durch eme» Flor, daß der Kaisir sich nach ihm umsay und ihn dann freundlich mit der Hand zu sich winkte. Hastig und keuchend fing er au mit bctbca Armen sich mitten durch dk Meng« Bahn zu brechen, riet da ward ihm dk Mühe bald erspart, denn zwei BoknM» Kaisir« »ahmen ihn i» ihre Mitte und führten ihn mit sich satt. Da« Schneiderlem ahnte e« nicht einmal in seiner Verblendung. daß er statt de« Bittgesuche«, dem Kaisir seine Kaskette in den Wagen geworfen, dk mit chm« ledern» Schnüre» schirr da« Gesicht de« Kais«« verwundete — er sah e« nicht in seiner Verblendung, daß der Kaisir bei diese« Anprall zusammrnfnhr und unwillkürlich die Hand emporhob, um sich da« Gesicht zu schütz» — er sah vielmehr, daß der Kaiser ihm freundlich zulächelte und ihm mit der Hand andeutete, näher zu trete». Die beiden Polizeileute sah er an al« dk Boten de« Kaiser«, der et gemerkt, wk schwer e» ihm fällt, mitt» durch die Mmge vorzudringen, und sie daher zu ihm geschickt, daß sie ihn in Sicherheit bringen, damit er ihn dann bei sich in Audienz empfange. .Wird mich der Kaiser bald empfang»?" fragte da« da» verblendete Schneiderlein seine Begleiter. .Ganz natürlich!" erwiderten sie lachend, indem einer von chnm «nt einem Schlüssel eme Thüre öffnete und ihn in emen dunklen Raum hineinschob mit den Wort»: .Harre nur in Geduld au«, bi« man Dich vorrust!' .Bi« man mich vorrust!" wiederholte da« Schneiderlem freudig vor sich, da« jetzt allein in dem dunkeln, abgejchloffenen Raumzurückgedlkb««. .Also sitzt heißt e« sich vorbereiten, bevor