Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 33 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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18 bunwo!*) Heute erschien ihm sei» phwuie, ein« Ironie I Wie hatte XatA wckche schon de» Uateraang uahe ma, gehob» nnb die Mitglieder, welche de. Weg de« GMg« «erlassen halt», auf denselben »jeder zurückgefühw. Ai» Kr ein Lohn w»ch ihn dafür? Ob nichtig ist doch der Mensch und sei« Streben! — und erstrebte er da» Höchst« und da» Edelste! ob» göttlich» Beistand, ohne den Will» de» Allmächtig» erreicht er nicht». — Trübe und langsam schlich» die Abendstunden dahin, bi» »blich um elf Uhr die Todtenwache kam und Reb Jakos ablös». Er woll» Frau Steiner noch «anal sprechen, konnte fie aber nicht sind» und er ging deshetb eilig nach Hause, »» ih« seuu Fra« schon längst «»artcte. Bevor Sieb Jabs in da» Zimmer trat, wasch a seine Hände, und al» ihn seine Frau sragmd ansah, sagte «: „Das Kind von Frau Stein« ist gestorben.' „Rebich nebich' erwitderte seine Frau, bOTMh «injnn faotaMt**) — wa» die Frau auch alle« durchwachen must. Hast Dr fie «och gesprochen und ste getröstet?' „Stete, fie war in iber Wohnung nicht zu finde«. Daß fie auch ausgewies« ist, weißt Du. Morgen muß fie fort.' „Aach da» noch? Wie kan» die Frau da» Alle» «- wag»? c» ist schrecklich?' „Schrecklich!' Sie sucht», ohne noch ei« Wort zu sprechen, die Lagerstütte auf und begab» sich zur Ruhe. Lange wollte d« «chlaf nicht koww»; al» ste »blich eingeschlas» war», war «» säst « Uhr morgen» geword». Um sech» Uhr pfleg» Red Jakos aufzusteh» und anch heu» erhob'« sich «iWnnthig von seinem Lag«. Roch war d« Tag nicht an» gebroch» »ad schon war Reb Jakos wieder auf de« Wege zur Spnagoae. Er dach» üb« da» Unglück, dos die Ge- «finde betroffen, nach. Wie schrecklich waren doch die Zufläwde geword»! Jed« Handel hatte auteehörr, uud die Arnutth steck» ihr» Kops in fast alle Thürea, den» sie sonst nicht zn nahen wagte. Al» nach etwa einer Ste n de d«Sottesdienst zuEnd« war, begab sich Rabbteowitsch zu sein« Braut, um derselben mitzu- Helle», baß « alle», wa» zurBeerbiguug de» klein» S»in nöthig wöe«, besorg» »olle. Sittah empfing ihn traurig, da ihr Unter, wähl von den Aufregung» d« Rächt, sich nicht wohl ktchlti Doch hielt ste Rabbteowitsch nicht von d« Ausfichnmg d«Mi-woh(P8icht) zurück. Ihr stand noch die Erfüllung d« Gebote d« Schrift höh«, al» da» eigene Vergnüg». Rabbteowitsch eil» der Borstadt zu. E» stürm» getvaltig und da» Schneegestöber hinderte ihn am rascher» Weiterschrei»«. Al» « die Brücke, die in d« Stadt den Fluß gberbröckte, uahe kam, sah « viele M»schen mit äugsttichen Gesicht«» te de» Fluß schauen. Au» d« Menge «tön» bald hi« bald dort d« Ruf: „Hier ist sie! Seht dort das Kind!' Aus de» Fluß waren trotz d« Gefahr, welche Sturm und Ei» hervornesru, te zwei Rache« Männer damit beschäftig, Erttunkene, die sich im Fluß gezeigt, herau-zufischeu. Eine Kindesleiche hatte man schon ausgefischt; «och hat» man dir Leiche ein« Frau und noch eine» Kindes gesehen, ab« trotz all« Müh« bis jetzt nicht frstsafse« können. Rabbteowitsch trat an den Rand d« Brücke und verfolg» mit sein» Blick» die Anstrengung der Männa in den Rachen. Plötzlich stieß er einen Schrei aus, mach» sich von d« Menge los und rann» zum Fluß hinab. So laut « konnte, nef er den Leu»« zu, rhu doch mit iu den Rach» zu nehmen. Was war es, das er gesehen? War'» ein Blendwerk d« Hölle? Spül» ihm sein« überreiz» Phantasie ein» Streich, ob« war es Wirklichkeit, starre, Suse Wahrheit. In dem Gesicht d« im Waff« schwimmenden he, das ihn auf einen Augenblick starr a «geblickt hat», wähn» « da» Gesicht der Frau Stete« erkannt zu habe». Welch gräßliche- Schicksal! Da « nicht von den Fischern ausgenommen werden konnte, ging « am Ufer entlang, die 1 Auch da» ist Hum wüten! —) »«pries«» fei der «ithrhaftig« «chtrr! Flusses angesawwelt nach Tauseuden. Jed« woll» wissen, wer ^»» Opstr dick« Rächt sei. Hai schon die gj»D aus ein« lebelld» M»schM etwas gräßlich Samcksmech Ausregeudes an sich, so ist Re Jackd ar.r ck»» Tod»» »och schroAich«. Oh« daß sie es woll«», mbl Re Fisch« «it ihr» Bootshak» Löcher in db d» (Baffer schwimmenden Leichen und das Ei» zerquetschte und verstünunel» fie auf da« Schrecklichste. S» »ft der dumpfe Schlag eine» solch» Bootödatenck aus die Leiche geführt, «tön», ging dies« Ton d« Meugr dnrch Man nud V-in. Endlich hat» man du aubae Siudeslriche im Boot, und auch nach kurz« Zeit d» Seiche d« Frau. Ermattet rudert» die Mäun« ans Usa^. woselbst Rabbteowitsch dieselben schon «warte» Arngstlich warf «Zeinen Blick auf di« Leiche; es war kein Trugbild sein« Phantasie — vor ihm lag entseelt d« Körper ein« unglücklichen Mutt« neben den Leichen ihr« Kind«! So» der Wucht des Schmerzes über solche- Unglück »ied«. geschmettert, fiel Ravbinowitsch über die nassen Körp« d« und weinte, wein» wie ein Kind. Da man alaubte es seien nahe Angehörige von ihm, die hier ihren Tod im Flusse gefunden, «ahm man ihn mit zur Polizeiwache und hier rrcognoscir» « die anfgefundenen Leichen als die Wittwe Stern« uud deren Kind«. Am fotgrata» Tage wurden die drei Leich» auf de« Friedhof der israel. Genwiade beerdigt. Taustnde gab» de« arm» Ausaewieseueu das Grobgelei». D« Fall envgb großes Aussehen, da an ein» Unglücksfall niemand glaub«» wnn» und jetar einen Selbstmord vermnthe». Da d« Radbia« krank war, widme» h« Lehrer d« Religionsschule d» - Verewigt» ein«« war« empfundenen vom Herz» kommend» und deshalb auch z» H«zen gehenden Nachruf: „Deine Pilgerreise ist beendet, Du schwaches Weib, beend«, eh« Dem Schöps« Dich geruf» - w« gab Dir da« Recht, Deinem Schöpf« vorzugreis», ihm Dein Leb» und da« Leben Deiner fttetac wiederzuoeben, ehe er es gefordert von Dir? Wir umnachtet muß Dein Geist gewrsen sei»» als Du mit de« Sprunge in da» tat» Grad doei Leb« aus einmal »betest? Oder bist Du selbst schuldfrei? Hat Dich Dein Uustrrn dahin geführt, wo D» und die Deiü» so schrrcktich gemdet. Sieh, wir nehm» Antheil an Dem«» Schicksal und ruf» Dir die Wor» zu: Zieh in Fried« dahin, wo d» ewige Ruhe herrscht. Du Tocht« unser« Volkes! Deine Wanderschaft hat ihr Ende erreicht. Du bist in Deine« Vaterland« «»gekommen uud hast da die Ruße gesunden, nach d« wir uns täglich sehnen. Dem« Mutter» liebe war grenzenlos und d« Allvater, d« Dir im Erd«-, leb» so Schwer« auserlegt hatte, « möge Dir in jea» licht» Höhen d« Seligkeit beresten, die « sein» Fromm« versprach». Du, die Du jetzt verklärt vor Gotte« heilige» Thron« stehst, bitte für uns und unser« Mitmensch», daß die Nacht des Wahnsinns uns«» Geist nicht «süsse uud das Unglück sich nicht an unsere Fersen hefte. Das sei Dell» Fürbit» für uns. Und Du, o H«r im Himmel, vergieb, wa» sie gesündigt, nimm sie aus mit ihren Kiudern, w» eia Bat« sem unglückliches Kind aufnimmt, das zu ihm sich' geflüchtet hat, vor den Widerwärtigkri»n d« Lebens bete». Bat« Schutz suchend.' — Stete Auge blieb chränenleer »ls die hattzrsrorue Erde auf d« Särge d« Unglücklich« fiel. Jede« bang» vor dn Zukunft, jed« zag». Die Men verlor sich Rabbteowitsch ging alleine und tief betrübt »o Hause. Er wuß», daß die Unglückliche den Tod grsu und gesunden habe. Trübe erschien ihm die Zukunft, trau das Geschick der«, die er aus Gott« Erd» am weis siebte. Ab« « hat» Gottvertrau», « bat die de« Schilltt'sch» Wort« schon an sich selbst «fahr»:' Wer sich axf ®*tt verläßt nnk die ftlente Kraft, Der ringt sich leicht an» jeder Fahr und Noch. (Fortsetzung folgt.)