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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 33 (1891) · p. Seite 129

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
33 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 129 (sequence 3)
Language
German
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ytryi, V> Hvv jl JlüWf ttntttrunter DL Dar" war s« Brauch von Alters her, und blieb so zmn Aeraer des seit fünf Jahren augestellten 8k» islrhrrrS, deffen Reich eine Stieae höher war. Herr hatte im Seminar zu C. sein« Bildung erhalten und 'Me nach neuer Mechode; Reb Jakos konnte sich mit Sechode nicht befreunden und hatte einen unentgUtlichen Eursus eingerichtet, der vor und nach der Schulzeit Eft«.Kinder zum Unterricht nach alter Mechode versammelte. -Herr Reih sah die Sache vom praktischen Standpunkte au» §4» und gönnte R. Jakof das Vergnügen, al» er sah, daß ‘föne Schüler dadurch mir profitirteu und rascher vorwärts «men. R. Jakof gewann dadurch diesen lieb und rühmte die Bescheidenheit de» jungen Mannes. So kam es, daß £ die Jugend zu P. nach alter Mechode lernte und nach neuer ^'Methode begriff. R. Jakof lehrte sie .Jiroh" (Ehrfurcht) L und bei Herrn Reiß lernten sie .Ahawo" (Liebe) und wo N diese beiden Cardinaltugenden harmonisch sich vereinigen, da k?-«utst«ht der volle Aecord der wahrhaft jüdischen Erziehung. (Fortsetzung folgt.) Gi« vehtr«g -«« Urspnmg de» rit«elle» Morde». Geehrter Herr Redakteur! Ich bla Io frei, Ihne« beiNeaead ei» I» Wie» erscheinenden .Dentsche» Zeitnng" Rr. ^ftrn^lar der I» Wie» erscheinenden sche» Zeitung" Rr. 7089 ) Juli er einzusenden, welche ei»'höchst merkwürdige« Feuilleton »Die sch»arze Mart«' enlhöil. Dasselbe führt fast ga»j uiwer» ' Aümt «al, bah Me katholische Kirche bi» ia» »späte Mittelalter hinein" nicht bto4 de» Selbstmord vo» Kanntikrrn prm^irte, sonder» geradezu selbst mordete, in» dt« Zahl der »Heilig«»" zu »»ehre». Hier hätte» wir de« Schlüssel zu der räthse!haste» Beschuldigung de« »rituelle» Hkaedeä" u»ter welchen unsere Biter und selbst wir »och in diesem ^nesgellärte» Zeitalter" zu leiden habe». Die blutbefleckte Kirche hat «usach ihre Blutschuld aus u»sere reine und keusche Synagoge abgelade», »alt die Zette» vorüber waren, wo derlei Aräuel -tz-- dursten. began^n ^werden Wir lassen hier einige prägnante Stellen aus dem 'Feuilleton folgen: »Es war eine bei den Böllern des Alterthums allgemein -verbreitete Anschauung, daß der freiwillige Tod einejugendkräftigen Menschen, besonder-, wenn er tugenhaft und keusch >jpfe6t hatte, als stellvertretendes Sühnopfer ganz besondere z^Ktgische Wirksamkeit und Heilskraft besitze, daß das vom ^tliropferken (Mättyrer) vergossen« Blut auch Anderen zugute komme, daß deren Sünden stellvertretend von dem Schuldlosen gesühnt, daß bevorstehende Uuglücksfälle (Seuchen, ^.Hungersnoth, Kriea rc.) abgewendet, sowie bereits eingetretene ^«och wieder aufgehoben werden könne. Dies« religiöse Anschauung, welche alle Geister ihrer eit gleichmäßig theilten, fand auch im Christenthum ihre _ Mttr, da ja eben das Christenthum aus den stellvertretenden .-Lpftrtod des Gottessohnes für die Sünden der Welt beludet ist und der Lehre huldigte, daß das Blut der krtyrrr den Heilsschatz der Kirche um ein Wesentliches «ehre. Erst im vorgerückten Mittelalter, als dir huma- V nfftischen Studien ein regeres Geistesleben anregten, wich ^diese düstere Lehre humaner Anschauungen; die Menschenopfer ^wurden seltener und hörten endlich gänzlich auf, hie und da freilich nur mit Gewalt unterdrückt. In den ersten christlichen Jahrhunderten jedoch, in jen sich so viele Schwärmer zum Martertode drängten die römischen Gerichte zu Todesurtheilen förmlich auf- Tttn, wurde dieser Glaube von der Kirche genährt und agte eben jenen todesverachtenden Fanatismus, der später, das Christenthum geduldet wurden ia den aussnchtrsirn Selbstouälereiea, in ftommen Selbstmorden und ligen — stellvertretenden Ltzsertodeu sich Luft machte, a die Behörden zu Berurtheuungen nicht mehr zwingen Die vielen Reliquien von »heilige« Leibern", die oft , Vorkommen, wie die sechs Köpft des heiligen «s, die zwei Leiber, vier Köpft und fünf Hände des i, die zahlreichen KreuzigunPwerheuge und s "diele »heilige Blut" sind, von diesem Gestchtspunve aus betrachtet, nicht Fälschungen, sondern wirkliche und echte Reliquien, denn sie rühren von wirklichen Menschenopfern her, welche zu Ehren der Heiligen an deren Festtagen, deren Opfmtod nachahmend, freiwillig starben; sie rühre« von Solchen her, welche an Charfreitagen in furchtbare« Pafflousspielen wirklich und wahrhaftig gekreuzigt wurden. Oder nicht?! Man lese Johannes Scherr's furchtbare Novell« »Die Gekreuzigte von Wildi-buch", welche, nach Gerichtsakten erzählt, sich zu Wildisbuch m der Schweiz in den Dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts wirklich ereignete. Man lese die rührende Dichtung des Mittelalters »Der arme Heinrich", wo sich, um die ewige Seligkeit zu gewinnen, eine »reine Jungfrau" freiwillig erbot, für den am Aussatz leidenden .armen Heinrich" zu sterben Die Begründung de» freiwilligen OpftrtodeS, welche der Dichter in den Mund der sich zum Opftr Erbietenden selber legt, entspricht Wort für Wort der religiösen Ansicht jener Zeit vom Opftrtode. Biele Stellen der Kirchenväter deuten auf solche blutige Myfterieu: so z. B. Chrysostomus: »Die Mysterien vollziehe« wir bei verschloffenen Thüren, nachdem die Uneingeweihten entfernt sind." Und vom heiligen Franz von Assist wird in deffen Lebensbeschreibung wörtlich gesagt: Er tödtete Biele, um sie nachher zum Leben zu erwecken." Darinnen liegt eben der mystische Sinn, denn derlei Todtenerweckungen gelten dem ewigen Leben, der Seligkeit durch die Bluttauft des freiwilligen Oftrtodes. Wenn dft Legende vom heiligen Franz Seraphieus berichtet. er habe sich bei einer einsamen heiligen Kirche niederzieht sich solche» aus die dort Geopferten, welche man da z« Engel machte. Roch heute wird diese» Portiuneulaftft bei den Franziskanern al» eia Hauptftst pes Orden» gefeiert, mit welcher Feier ein großer Ablaß verbunden ist. Merkwürdig bleibt, daß das dabei bekränzte Marienbild meist eine .Schwarze Maria", wie z. B. im Franzi-kanerklostrr zu Wien ist. Zahlreich sind die Sagen von Kindern, Jünglingen »nd Jungfrauen, welche je, dem Geschlechte entsprechend, »Marienlinder", .Marienveklobte" oder „Christu»bräute" genannt werden, und welche am bestimmten Tage während der Mrffe eines sanften Todes sterbend, von ihrem oder chrer Verlobten abgeholt werden. Die Sage versch'.eiert d.a Opfertod. der auch der Gemeinde unbekannt blieb, denn .die Mysterien vollzogen sie bei verschloffenen Thüren, nachdem die Uneingeweihten sich entfernt hatten"; so sagte doch Chrysostomus. Gleiche Ursache haben die .weißW TodeSrosen", welche auf den Chorstühleu von Nonnen» und Mönchsklöstern de« den Tod kündeten, aus deffen Platz sie sich fanden. Er war zum Opftrtod in de» Mysterien ersehen; Christ«» holte sich sein« Braut oder Maria ihren Verlobten. Kinder der Kirche weihen, da» bedeutete «bemal» sie faktisch opftr«, sie zu .einem unschuldigen Kindlein" machen, während es heute einfach bedeutet, st« dem geistlichen Stande und ehrlosem Leben weihen. Und eben jene Opftr waren eS, welche der »Schwarzen Maria", der .SündentUgerin". der .Allhelftrin" gebracht wurden, denn sie. die da» Leben durch die Bluttauft nimmt, um es in der Wiedergeburt zur ewige» Seligkeit wieder zu geben, sie, die diese» bewirkt, ist doch die Allhelftrin, indem sie von den Uebeln de» irdischen Lebens befrech um das geistige, leiblose Freudealeben dafür zu gewähren.

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