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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 33 (1891) · p. Seite 128

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
33 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 128 (sequence 2)
Language
German
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.Du bist ein ttrua Kamerad, EriL fafi foü bw Sache jetzt allein auSbaden! Nein, Erich, Du Reibst hier, oder ich -che «it Dir.' .Du kannst da« ohnmächtige Mädchen doch nicht allein und hilflo« hier liegen lasten!' .Rein, das will ich auch nicht. Versuchen wir weiter, sie zu erw»en.' Wieder - fingen die beiden ihre Wiederbelebungsversuche an, und bald sahen sie ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt. Langsam schlug Sittah nach einiger Kit die Augen aus «ad sah erstaunt um sich; sie wußte nicht, wo sie sich befand. Als sie die beiden Officiere mit sich beschäftigt sah, fiel ihr fofott ein, daß sie von denselben verfolgt worden war. Sie wollte aufspringen und fliehen, da bemerkte sie ihr leicht geöffnetes Meid und rasch hielt sie di« Hände vor die Augen. Dre Pupurröthe der Scham bedeckte das Antlitz des jungen Mädchens, und in großer Hast zog sie die Schnüre ihre» Meidezu. Als diese» geschehen war, trat Kurt näher, verbeugte sich chevalereSk vor Sittah und sprach: .Gottlob, liebes Fräulein, daß Sie wieder zum Leben erwacht sind! Sie haben uns einen schönen Schreck eiagejagt, fast eine ganze Stund« schon liegen sie ohnmächtig hier und spotten unserer Bemchuogen, Sie zum Leben zu erwecken. Haben Sie sich vorletzt?' Sittah schüttelt« trotzdem sie heftige Schmerzen an ihrem Hinterkopst fül lte, verneinend da» Haupt und wollte versnch«i, aufzustehen, aber sofort knickte sie mit leise« Aufschrei zusammen. Sie empfand einen furchtbaren Schmerz am Fuße. Kurt und Geich waren rasch herbeigeeilt und hatten sie ausgefangen und auf da» Sopha gesetzt. Weinend vor Schmerz bat Sittah: .Besten Dank für ihre Hilfe, meine Herren, lasten Sie «ich bitte nach Haus«, denn die lieben Eltern werden sich meinethalben ängstigen.' .Aber Sie können ja nicht gehen', versetzte Kurt, der im Auschauen d«S schönen Mädchenganz versunken war und gerne noch länger in deren Nähe geweilt hätte. .Ich muß versuchen eine Droschke zu erreichen', erwiederte Sittah, und versuchte wieder aufzustehen. Abermals «ißlang der Versuch; da erbot sich Kurt, selbst eine Droschke zu holen und i« Verein mit Erich Sittah nach Hause zu geleiten. Kurt entfernte sich sofort und kam, noch ehe zwei Minuten verflosten waren, wieder. Eine gerade vorüberfahrende Droschke hatte ihm seinen Weg gekürzt, er hatte dieselbe angrrufen und sie wartete vor der Thüre. Sittah verachte zu gehen, aber der Fuß versagte den Dienst; Erich und Kurt boten ihr den Arm, daß sie sich darauf stütze. Grrötheud versuchte sie. auf 'diese Weise zu gehen — vergebens. Der Schmerz im Fuße gestattete ihr nicht die geringste Bewegung. Rathlos stand sie da. Da nahm Kurt rasch entschlossen Sittah auf seinen Arm und trug sie zum Wagen, indem er sich entschuldigte. Sachte, zart und schonend setzte er sie auf den Rücksitz, war chr behilflich, den Fuß so bequem wie möglich zu l«en und setzte sich alsdann mit Erich auf den Vordersitz de» Wagens, Sittah gegenüber, um sie nach Hause zu geleiten. .Bleiben Sie, bitte', sprach Sittah, als sie die Officiere mit einsteigen sah, .bleiben Sie hier, was sollen die Ätrrn von mir denken?' .Wir müsten Sie doch ivieder aus dem Wagen heben, da Sie ihren Fuß ia nicht gebrarchen können', erwiedertr Erich scheuend und fort rollte der Wagen. Mit immer größer werdender Angst warteten während dieser Zeit der RaÜn und seine Frau aus Sittah. So lange hatte sie noch niemals auf sich warten lasten, wen» de« Mädchen nur kein Unglück «gestoßen ist! Die Angst der Eltern wuchs mit jeder entflohenen Minute. Da schickte die Mutter, der Unheil ahnte, ein Nachbarkind zu Herrn Marx, und auch da war man erstaunt und erschrocken, daß Sittah, die schon feit zwei Stunde» weg war, noch nicht im Sternhanse angekommen sei. Ru» kam auch Rabbinowitsch nt irnchnm. _ man Sittah vermiffe. Esther erzählte, als sonst auf ihn gewartet, und sich endlich entschlösse« , _ allein zu gehen. Rabbinowitsch und Herr Marx macht» sich nun daralt, alle benachbarte» Straß« z» durchsuchen — vergebens. Wieder mb wieder kamen sie au dal Hau« deS' Rabbiner und stets begegneten sich die Fragen: .Ist sie schon da?' .Habt Zchr sie gefunden?' Fast verzweifelt steh« die Eltern und die Freunde noe- J dem Hause de» Rabbiners ia der bitter kalt« Wind und last« ihre Blicke nach allen Seit« hin schweif« scheu nichts als eilige Wanderer, die alle ein bei wärmteS Zimmer zu erreich« such«. Rathi einander an, hoffend, daß mit jedem Augmblick die Sesu erscheinen würde. Da tönt Wageugeraffel und eine Droschke biegt um biej Ecke. Bwlleicht ist sie darin. Ein freudiger Schreck durchzuckt Alle. Bittere Enttäuschung; Ein Offtcier entsteigt de« Wag«. Traurig w«dea sich all« ab. Da schrertet bet ■ Offtcier auf die Rathlosen zu und fragt nach dem Rabbi. BüseS ahnend tritt derselbe vor: .Sie bringen —' .Ich d inge ihre Tochter, die auf der Straße hingefall« j und sich d« Fuß verletzt hat.' .Sott ser «lobt und gepriesen!' entrang e« sich de«^ Munde der Umstehenden; .wo tft mein Kino, fragte die; Mutter rasth. .Dort im Wag«', er winkte, der Kutscher fuhr und als der Wag« vor der Thür« stand, da öffnete Rabbinowitsth d« Schlag, um Sittah auSsteigeu zu last« Anstatt^ Sittah stieg- «in anderer Officier an» dem Wagen, der rasch umdvchte und auf seinen Arm« Sittah m das ihrer Elte« trug. Rasch folgten die Freunde und die glücklochen Elte« wußtm vor Freude nicht, was sie chun und sagen sollt« Der Rabbi trat voa einem Officier zu dem andern, jedem worttoS die Hand schüttelnd, während, die- Muttrr 'und Esther sich um d« anfS Reue ohnmächtig Seworden« bemühten. Rabbinowitsch war sofort zum Arzte s geeilt, der nebenan wohnte und ihm auf der Stelle so* " f Er untersuchte den Fuß und fand, daß nicht» gebroch« aber der Fuß war unbeweglich und angeschwollen. Er oer>1 suchte, den Fuß zu ziehen, da erwachte Sittah mit eine Schrei aus chrer Ohnmacht. Sie sah sich um; al» sie efcj kannte, wo sie war, da schlang sie die Arme um den chrer Mutter und weinte oittettich. Während best« hat tue Officiere dem Bater erzählt, wie sie sein Kind gesund und dieser hatte taus«d Dank für ihre Freundlick/ Rabbinowitsch, der den Sachverhalt wohl ahltte, sah sie drein und als der Rabbi seinen Dank avgestattet hatte, auch er heran und sagte: .Auch ich danke Ihnen, meine Herren, für Ihre goli Ritterlichkeit; Sie haben mich zu Dank verpflichtet, bmaJ waren freundlich gegen mern« Braut!' Daraus entfem sich die Officiere und auch die Freunde gingen, froh, Stttah wieder gesund« war, nach Hause. Rabbino wollte noch bleiben, um. da fortwährend Ei» aufgelegt werde«' mußte, der Mutter in der Pflege chrer Tochter behilflich M sein, aber der Rabbi «stattete e» nicht und so ging auch «r^ nach zärttichem Abschiede seiner Wohnung zu. Der He' " krähte schon, al» er sie erreichte. III. Grau und fiflstrr kam der junge Tag heraus — Winkertag. Früh schon war R. Jakos ans d» da» kleinere Zimmer neb« der Gemyndestsbe, in im Winter der Gottesdienst verrichtet Fener brannte bald und der eisern« behagliche Wärme. Do- Zimmer mar eigentlich ei» »immer, da» zeigte die ganze Einrichtung. Synagoge zu sparen, wurde an Woch, »!»W» nicht au» der Thora »orgelest» wich, hier der abgehalten. Am Sonntag kam gstich L

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