Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 32 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wenn - Rn rät fwnu*t Nnm Dich |mt Öattin uab in feine eigene Heimach flefttrt Hütte, hättest » nicht auch Deine Hermath verlassen müssen?" .Darin hast Du freilich Recht, aber Hütte nicht al». dann die Liebe «eine» Manne» «ir den Loden bereitet, in -welche» mein Leben weiter Hütte gedeihen können s — Ein solcher Mann'hat sich bereit» gefunden, «in Mann, den ich liebe, der mich wieder liebt, dessen Charakter «ir ein« Garantie für «ein zukünftige» Glück bietet — und doch liebe Esther, ich bin bei «einem großen Glück tief, tief unglücklich. Wie groß würe mein Glück gewesen, wenn ich hier Hütte bleiben können und i« Kreise der Eltern und Freund« Hütte leben nud glücklich werden können. Aber ^efct, der rastlo« von eine» Ort zum andern wandernd« Ligeuner ist glücklicher al» ich denn er hat da» Stück, ein Vaterland zu besitzen, daS er lieben kann nnd auch liebt, nicht gekannt, entbehrt er e» auch nicht, aber ich —* .Du wirft mit dem Mann« Deiner Wahl glücklich werden und Dir ir«udwo, wo e» auch fei. Dein Hei» b«. gründen und bald Deine Baterstadt vergessen.* .Da» werde ich nie. Glaubst Du mein Herz vergesse so rasch? Meine Kindheit, meine sorglose und glückliche ^Kindheit mit all chrrn Freuden und Leiden sollte ich vergessen? Erinnert mich hier nicht jede» Hau», jeder Stein, jeder Fleck Erde an irgend ein« kleine Episode dieser Kinder- St? Und dort starrt mir alle» fremd und kühl entgegen! e Erinnerung ist der höchste Genuß, den dir Gottheit dem Glendesten der Menschen gewährt. In seiner Erinnerung durchlebt der Grei« nochmal» all' die seligen Stunden seiner Jugend, iu ihrer Erinnerung genießt die Matrone jene seligen Augenblicke wieder, die ihr da» erste Lücheln de» -Erstgebornen schufen; in seiner Erinnerung wird der schwache Grei» zum muthigen ftricgct und schwelgt in der Erinnerung an errungene Lorbeeren. Streiche die Erinnerung au» den Kräften Demer Seele, und Dein ganze« verflossene» Leben, ja Deine ganze Zukunft ist ein leere», hohle» Nicht». — Und fehlt Dir etwa die Erinnerung?' .Sehen macht gedenken, sagt der Bolk»mund und mit Recht. Doch ich weiß «» im Voran», ich werde mich in Heimweh verzehren." »Dafür laß Deinen Mann - sorgen. Wenn Du ihn wahrhaft liebst, woran ich, da Du e» mir gesagt hast, nicht zweifle, nicht zweiftlu kann und darf, wirst Du in seiner Liebe Ersatz finden für Alle« Hat nicht unsere heilige Geschichtr auch hierfür Beispiele? Verließ nicht Rebecca da» -Hau» ihre» Vater», um ihr Glück in der Ferne au der Leite ihre» Satten zu suchen und zu finden? Täuschten Leah und Rahel au« Lieb« zu ihrem Manne nicht selbst den eigenen Vater? Sittah, meine liebe Sittah, mache Dir sttbst da» Leben nicht zu schwer! E» kann hier auf -Erden nicht alle» vollkommen sein; möge Sott den Schlag, der Euch betroffen, zu Eurem Besten geführt haben. — Doch Sittah, sprich wer ist der Edle, der Dir in solch' ernster, schwerer Zeit versprochen. Dein Beschützer und Berat her für'» Erdenleben zu sein, sag', «er ist der Glückliche, den meine Sittah wieder liebt?" .Du kennst ihn, lieb« Esther, auch Du schützest und achtest ihn hoch. E» ist Rabbinowitsch. Gestern Abend sprachen wir uu» gegenseitig au», und Du, lieb« Esther» bist di« erst«; die e» erführt. Habe ich nicht glücklich gewühtt?" Keine Antwort erfolgte. Sittah war so selig in ihren Gedanken, daß sie nicht daraus achtete, und so erzählte sie der Freundin, wie alle» gekommen, wie sie'ihn schon lange Leb«, «a« ihre Eltern dazu gesaH, und welche Liebe sie für ihren gemeinsamen Freund empfinde. Esther saß stumm und sprachst)» da. Große Thrünen tarnten eine nach der andern über ihre Wangen, ihr war, -«1» ob ihr Herz stille stehen müsse, al» Sittah den Namen Rabbinowitsch an»gesprocheu hatte. Auch sie liebte ihn. liebte Ln «it der Gluth der Leidenschaft der ersten Lieb«, der«« Wurzeln tief, tief in da» Herz dringen. Wie hatte sie dies» Liebe verborgen, wie sie i« Verborgenen gepflegt» daß fie wachse und erstarke und jetzt, wo ihr ganze» Herz von dieser Webe erfüllt war, wo diese Liebe ihr ganze» Fühlen und Denken autmachte, jetzt erfuhr sie, daß dies« Liebe für sie verloren, «ine für sie verbotene FrurP seil Jetzt erfuhr sie, daß da» Glück der Freundin gelüch^t und eine herbe Wunde blutete iu ihrem Herzen. Und wie die Schlange im Eden zu Eva herantrat, sie zu verführen, so nflft sich'» einen Augenblick in ihrem treuen Herzen: .Er gehört Dir» Deine Lieb« ist ülter und größer, kümpft um Deine Liebe, jeder isi sich selbst der Nächste, verlang« von Sittah. daß sie zurücktrete und sie wird e» thun", also flüsterte r» da drinnen, aber auch nur einen Augenblick, dann wußte sie, daß sie da» Glück der Freundin nicht stören dürft und aus ihre Lieb« verzichten müffe. Ohne Berftänduiß hörte sie auf dir Worte Sittah'». Al» diese endlich schwieg und Esther keinen Laut von sich gab. tastete sie mit der Hand nach den Wangen Esther'» und da fühlt sie die — Thräucn. .Esther, Esther, wa» fthlt Dir, Du weinst", rief sie auffpringend. Da erschien die Mutter Esther» mst einer brennenden Lampe in der Hand im Rahmen der Thüre und beleuchtete dir beiden Mädchen, die eng aneinander geschmiegt noch vor kurzer Zeit auf dem Sopha gesessen batten und von denen die eine jetzt ängstlich erregt vor der andern stand, sie küffend und streichelnd und ftagend wa» ihr fehle. Die Mutter Esther» erschrak al» sie die beiden Müdchen so sah. Esther lehnte bleich, mit geschloffenen Augen, au» denen fortwährend große Thränen perlten, in der Sophaecke, während Sittah. ebenso bleich vor derftlben stand. Al» die Mutter diese» sah, wähnte sie, Esther sei krank und wollte sofort nach dem Arzte schicken, aber Esther hielt sie davon ab, indem sie versicherte, sie befinde sich ganz wohl, nur Hütten die Mit« »Heilungen Sittah'» sie so sehr «tagt. Sie erhob sich vom Sopha, umarmte ihre Mutter und Sittah und bat dieselben, sie möchten sie einen Augenblick allein lassen, sie wolle sich Augen und Gesicht mit kaltem Wasser waschen und käme dann sofort nach. Sittah und die Mutter Esther» gingen auch in'» Wohnzimmer und ließen sie allein. (Fortsetzung folgt.) D«4 Ä«ve«»t»rtel in ÜetaM,*) Diese» Judenviertel ist nicht em Bitchen reiner al» irgend ein anderer Stadttheil Tetuan». Der einzig« in di« Lugen fallend« Unterschied besteht darin, daß in den Judeustraßen der Abfall au» dem Pflanzenreiche vorherrschend augetroffen wird, während iu den maurischen Straßen der Geruchöfinu mehr durch chierische Exkremente beleidigt wird Einig« Straßen haben regelmäßige Kellergewülbe mit breiten steinernen Bogen. E» ist diese» eine Uebertreibung der spanischen Methode, nach welcher Zeltleinwaud über die Straßen gespannt wird um di« Sonnenstrahlen fern zu halten. Ich bezweifle auch nicht, daß mitten im Sommer die so überdeckten Straßen de» einzigen erträglichen Aufenthalt in Tetuan gewähren. Die Sttaßen waren bei Gelegenheit meine» Besuche» von jüdischen Kindern überfüllt und einige der größeren Knaben bemüheteu sich; chre ErziehuugSresultate zu zeigen, indem sie «ich durch ein laute» .Guten Abend, mein Herr!" Süßten. Al» wir in die Seitenstraße eiubogeu, in welcher ahon'» Hotel liegt, ergiiffen zwei von ihnen «ein Pftrd, damit e» auf dem glatten Steinpflaster nicht au»gl«ite. Der Wirth, Herr Jsaac S. Nahon, brittscher Tonsularagent *)!■< and Mmoom". (Deutsch von L. fefcn >