Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 31 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6492351-8722846-5959732--1688-5374770- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Hjcflnfatte wrorgenschwu Lebende froh und lustig zuda sie gerade hinter einer Wolle hervor, kn Lode märchenhaft schöne» Antlitz. Jener «ich ^r heimathlosen Waise gemacht. An jenem ar ich enngen Hatz jenem La nde, scPvur bei dem Antlitze «einer tobten Mutter, diese» Land nimmermehr zu betreten, in einem anderen Lande ein« Heimath zu suche«. Und jetzt —1* Der Rabbi machte ein« Pause. Erschüttert hatte Rabbinowrtfch den Mittheilungen de» Rabbi zugehört. Jetzt stand -er auf, und thrünrnden Auge» küßte er chn auf die Wange. Der Rabbi verstand da» Tyun seine» Schüler». Mitllrrrmile waren die Stunden de» kurzen Winternachmittag» verflossen und die Dämmerung eingetreten. Der Maobi sa( daß «» Zeit sei, zur Synagoge zu gehen und -forderte Rabbinowitsch auf. den Frauen noch guten Abend in wünschen und ihn dann zur Synaaoge zu begleiten. Äabbinowitsch ging in» Wohnzimmer, sagte seiner Braut und deren Mutter, die ihn schon erwarteten, guten Abend »ad theiltt ihnen mtt, daß er schon seit Mincha bei Reb Eiiah gewesen und sie mit einander geplaudert Hütten Rasch «rattchiedete er sich wieder und ging mit dem Rabbiner mrr Synagoge, woselbst man di« aufgeregten Mitglieder der -Gemeinde, wie wir'» am Anfänge unserer Erzählung geschildert, in Gruppen mit einander plaudernd antraf. Da.» Abend« war u> Ende und die Gemeind« hatte stille da» Botte», an» verlassen. Der Vorstand der Gemeinde versammelte al»bald und unter dem Vorsitz de» Rabbiner», dem der sie Vorstand da» Präsidium übertragen, begann die Sitzung. Sümmiliche Vorsteher waren erschienen, denn jeder empfand den Schlag, der den Bruder betroffen hatte, mit und wollte, soviel er konnte, zur Abwehr de» Unglück» beitragen. Rabbi Eliah cheilt« kurz da» mit, wa» ihm der Polizeipräsident erwidert hatte. Al» er geendet, erhob sich einer der Vorsteher und sagte: .Der vesihl ist da und ein« Zurücknahme de» Befehl» ist undenkbar. I« fl. hat sich die Gemeinde au da» Ministerium gewandt, und Alle«, wa» man erreicht hatte, «ar ein Ausschglb vcktl einigen Wochen. So sehr ich bedaure, 'daß rin solcher Besihl «rlaffen, so sihr rathe ich ab. irgend «twa» zu thun, wa« eine Rücknahme de» Dekret» bewirten soll; jede Mühe wäre vergeben». Mein Rath ist der. wir vittrn eia« löbliche Behörde, den Termin, der den Au»ge« «iesenen gesetzt ist. bi» zum Frühjahr zu verlängern. Da« durch wird e» diesen ermöglicht, ihre «uaelegenheiten am /-Orte ruhig zu ordnen, ohne allzugroßen Schaden zu erleiden. Da« ist meiner Ansicht nach da» einzig Richtige, «a» wir thun können." »Wollen wir nicht doch versuchen, den Besihl rück, gängig zu machen?" erwiderte der erste Vorsteher, .wa» «an der Gemeinde in L verweigerte, da» ist freilich nicht Hu erwarten, daß man e» ua» gewährt. Wir aber müffen »user« Pflicht tbua, und diesi Pflicht heißt un«. nicht still« zu stehen bei der Roth de» Nächsten, wer weiß, wie di« Umstände in fl. lagen. Unter den Ausgewiesenen befinden .sich Personen, für die ich hoffe, daß unsere gemeinsame Bitte erhört werde. S* sind Personen darunter, die seit vv -Jahren hier wohnen und bessere Patrioten sind, al» mancher, der hier geboren wurde. E» sind Personen darunter, die ganz gewiß politisch ungefährlich sind, Wittwen und Waisen, in unsere Eingabe auch nur für diese, von Erfolg ist, in wir auch nur da» «ine erreichen, daß der Au«weisoug»- Kdefchl für unfern allverehrtru Lehrer zurückgenommen werde, -daun hätten wsi schon genug erreicht, und darum ist mein > Lorschlag. ein solche» Gesuch au die Regierung zu richten. Red Jakos» der al» Faktotum den Sitzungen beiwohnte» »«ud sich schon «twa» erlaube» durste, trat vor die Herren .und fing aa, »hm lange zu fragen, ob e» den Herrn genehm! -ft, seine Meinung zu hören, diesi »itzutheilen. .Entschuldigt, Rabboßai, tausendmal. Ich «ar heute heim Herrn Polizeipräsidenten; ich len« de» Herrn, er -»ar so freundlich gegen mich, wie noch kein Mensch jemal» mich war. Der sagt ganz gewiß nicht nein, wen» solche choschew« (angesehene) Männer, wsi Reb Eisich Reb Mayer, Rtb Hirsch recht schön bitten, daß Reb Eliah hrrr bleiben darf, und da» ist doch die Hauptsache. Reb Eliah darf nicht fort, und wenn ich selber zum Könige gehe» «üßa. Darum, Rabboßai, schreibt, schreibt, recht schön an bi« Srore (Obrigkeit) und ein gut Wort findet einen gute» Ort. Unsere Khille aber muß morgen einen Taani» und Jomkippurkoton haben, daß der lieb« Gott sich unserer an» nimmt. — Da», Rabboßai. mein' ich." Lächelnd über den Eifer de» guten Manne», stagt« der erste Vorsteher: .Wa» habt Ihr denn heute beim Polizeipräsidenten gethan Reb Jakos?" .Wa» ich dort gethan Hab'? Di« Srore hat wa» von mir wissen »vollen." .Ja. da» kann ich mir denken, daß man Euch nicht lediglich ansehen, daß man von Euch etwa» hören wollte." .Wa« man wissen wollte? Sind da»' keine Staat», geheimnisse? Darf ich darüber reden?" .Gewiß", erwiderte der erste Vorsteher, .wenn man Euch kein Schrxigrn ausirlegt hat." Sich besinnend griff R. Jakos an sein« Stirn«. .Er hat nur gesagt: schon gut, sie können geh», daß ich schweigen soll, hat er nicht gesagt. Aber-ach wa«! e» gilt Red Eliah." Sich au dir Herren wendend fuhr er sott: .Aber Diskretion. meine Herren! Ihr Ehrenwort?" Red Jykof mußte dies« Wort« irgendwo gehön haben, denn er sprach st« so komisch pachetisch au», daß alle unwillkürlich lachten. Darüber wurde Reb Jakof ärgerlich und er wandt« sich weg, ohne sein Staatsgeheimnis au«geplaudert zu habe». Er war beleidigt, und da man dsi Vorladung Reb Jakos» mit den «»«Weisungen in Verbindung brachte, mußte dir erste Vorsteher den alten Mann beruhigen. Bald war ihm diese» gelungen und Reb Jakof erzählte, wa» der Polizei» Präsident von ihm gesollt habe. Der Beamt«, welcher de» Au«weisuua»b«sihl der Frau Steiner überbracht hatte, hatte über die Roth und da« Elend der armen Wittwe seinem Vorgesetzten Bericht erstattet. Dieser hatte seinen Bericht gleich weiter gegeben und so war an demselben Tage noch dsi Runde von der traurigen Lage der Wsttwe an den Präsidenten gelangt. Dieser, selbst Familienvater, sühlsi Mitleid mit der Armen, und wie schon so oft in der letzten Zeit, verwünschte er auch heute sein Amt, welche» ihn sich saber entfremdete. Er zog Erkundigung über die Winwe ein, und da», wa« er über sie hört«, mußte sein Mitleid nur »och vergrößern. Der Schamme» der Gemeinde. Reb Jakof, war sein Gewährsmann, und nachdem, wa« er von diesem gehört batte» konnte er selbst fast nicht begreifen, warum der Besihl für Frau Steiner so kategorisch lautet«. Er hatte nur seine Pflicht gethan, al» er diesen Besihl au»fertigte und jetzt, nachdem er gehört, wer so hart betroffen worden war, schren er sich selbst grausam, hartherzig. RebJakof hatte dieseSttmmungdeSPolizei- Präsidenten wohl gemerkt und macht« dem Vorssiher gegenüber kein Hehl daran». Er hoffte von einer Vorstellung der Srore sihr vsil. _ (Fortsetzung folgt.) 9« der Lre»de«ee Ge«Lldeg«>erie. 8m L de» Jchnd«. Al» ich letzchin in der Dr«»dener Gemäldegallersi war. ließ ich «» mir vor allem am .Herzen liegen, diejenigen Gemälde «irauzuscheu, wücheua» ab» Juden besoader»iatrresstren. Da ist zuerst ein Gemälde von Jan Streu (1626 bi» 167V): Die Verstoßung der Hagar. BordemHansi nimmt Abraham von der Hagar Abschied. Der stumme Schmerz beider sticht wunderbar ab von de« freudigen Gesicht de» Jsmael, der neben ihnen am Boden kauernd, dsi Schar auf den Bogen wannt. Ein Motiv de» Maler» erregt besonder» unser Behagen. Dünnen sitzt an der Lhtbc dsi greis« Sarah mit der Brill« auf der Rast und der Knabe Isaak liegt mtt seinem blonden Kopf auf ihrem