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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 30 (1891) · p. Seite 117

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
30 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 117 (sequence 3)
Language
German
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tnfe ul SAlttf «rf hoR Üwfc alte» Knecht. ta» kt Ml B»egefalft»e i» fflqpibg mlttheilst. Sr ritte «it «ir «uh brr Unglücksstütst, »ei»«, Br»der, der »och kein Lebenszeichen vo» sich ans sei»« Schaltern and trug ih» «ach Ha»sr- Meine schwankte hinterher. Bald hatte« «ir das Hans uud jetzt erst konnte meine Mutter sich «« «ei«en kl««er». Di« W»»de blutete fortwäheeud. Durch Mittel »ar der Bewußtlose ins Bewußtsein zu bringen »ir sähe» bald, daß »»in Bruder todt »ar. Die die sich jetzt »eine« Auge bot, werde ich nie ver» Laut ausschreiend warf stch die liebende und de- Mutter aus de» Leichnam des geliebte» Kindes, seinen rusend, ih« tausend süße Kosenamen gebend — »' Das Auge, das sonst so mild der Mutier e»tstarrt« gläsern ins Leere. Kein Ruf. kein zärtliches Schmeichelwort vermochte ihu aus jene» starre» Schlafe ut wecken, aus welchem es kein giebt. Die Faust jene« Elende» mit dem Eisenhütte mit eine» wuchtigen Schlage den Schädel Knabe» zerschlagen, der dir Ehre seiner Mutter einem feigen Lüstlinge gegenüber vertbeidige», retten wollte. Wie ' »»gerecht erscheint uns oft die Borsehung k Hätte nicht jener Elende den Tod «nd der getreu« Sohn «in langes, glückliches Leben verdient? Doch Herr, Deine Wege sind uuerforschlich, «Ml Du thust ist wohlgetha»! Meine Mutter wollte sich nicht beruhigen. Der Knecht große Mühe, zu hindern, daß sich seine Herrin in übergroße» Schmerze nicht selbst ein "Leid zufüa«. kam b<it Rächt heran. Lrne schemlliche Rächt! Der war nicht nach Haus« gekommen, wir hatten ih» "»»ch »och nicht erwartet. Di« Mutter rannte, sich das ansraustud uud vor die Brust schlagend, durch das ' ganze Haus. So oft sie an dem Zuumer, i» welchem chr todsts Kind lag. vorbeita«, brach sie in laute» Jammern aus, das «inen Stein hätte erweichen könne». Sie sollte »einem Buter eotgegentretrn? wie Hollst sie mittheilea? Je »chr sie a» tue um so «chr fühlte sie chr Uaglü 'Tod des Lieblings des Later» dachte. chm den t Heimkehr . , . «chr fühlte sie chr Uuglüa. Laut ««flachend, als obder Wähnst»» sie packe, kam sie a» mein -Ki^t, in welche» ich wachend lag, riß müh heraus, umschlang »ich «ft chreu Arme» und rief aus: .Ich habe ja »och einen Sohn und der lebt stehst D», der bewegt fce Augen uud antwortet, wenn wir rufen.' Mft de« Blicke de» Wahnsinnes sah sie mich an, so .taß ich «»fing zu weinen. _ (Fortsetzung folgt.) Blttch ei« EmIim Clujfl. V«u Ratha» Sawurly. (Schluß.) Mft gelähmter Zu»g« stand der arme Reb Schimfcho» chnen, wie zu «ine» Steinbilde erstarrt, so daß er sich t von der Stelle rühre« konnte. Frau Barbara zog sich unterdessen, mft einem Leuchter ^der Hand, in das letzte Zimmer znrüch da» sie hinter h abgeschlossen, damit der Lärm nicht dis zu ihr hin» 't spät in der Rocht, als der Lärm sich legte, verihr Versteck, und als der arme Reb Schimschon, in ^»ung bei chr Trost zu finden, sich ihr näherst^ - das Tuch vor die Auga» uud brach w ein Schluchzen k.Wanna muß ich unglücklicher als alle audere Frauen Ich Arme ... ich unglücklfthe! . . ." Schimschon fühlte bei dieser ihrer Klage «inen «ad brennenden Schmerz i« Herzen; — vor erst als es ihr darum zu chun war; sich a»f das Ws sie gauz ander» gesprochen. b» noch trübere Erfahrung«, machen, arme IM Schimfcho». Wach Verlauf von etwa acht Tage», »ährend welch« es »ne in einer Hölle bei ihm in Haust kochte, da trat schon wieder Herr Schreivogel mft gute» Rachschlägeu vor Reb Schimschon hi«. .Es könnte uns sehr schlecht gehen, Freund!" begann er in seiner Weise. Der arme Reb Schimfcho« erblaßte. .Schlecht —" wiederholte er. .kann» noch schlechter werdeu?' *$«", «achte der Winkriadvocat, .es könnte schlechter werdm. das heißt, wenn wir weiter hier im Hause bleib«,!» .Im Haust — was!?' .Ja, Freund, denn dann schöpfen di« Leute vom Errichte Verdacht, die Forderung deiner Frau sei nur fingirt und das riecht nach Lriminal!" .Lrimiual" wiederholte Reb Schimfcho» mft bebende» Lippen. »Ms» auch das noch dazu". .Ra. na. ua!" wehrte der Wiukelschreiber, ..nehme» Sie es nur nicht bald so ernst. Roch giebt es ja «ine« Auswm!" .Eine» Ausweg — was für einen?" .Einfach, wft ziehe» für kurz« Zeit von hier aus, damit di« Leute vom Gerichte dadurch Mc Uebemeuguug gewinnen, daß wft mit der Frau gar nichts gemeinsam haben!" Die blauen, gutmüthigeu Augen da» Reb Schimschon füllte» stch mft Thräue». .In «einen alten Jahren mein Heim verlassen", schlnchzft er .und in fremden Häusern Unftrkonst suchen —" .Und wft wäre es gewesen, wen» Ihnen dft Gläubiger das Haus weggeuomme» hätten?" fragte der Wiokeladvovft. .Dann hätte ich wenigstens da» ruhige Bewußtsein^ daß ich «ft nicht fremdes Hab und Gut zugeeignet halch' Jetzt aber muß ich das Jammern von Wittweu uud Waist« höre», und dazu werde ich noch aus meinem Haust gejagt, um unter fremdem Dache Schutz zu suchen. —" »Aber das ist ja nur für einige Wochen, bis dft Gefahr vorüber ist", trösteft ihn der Andere, .dann mache» wir das Haus «nd alles andere zu Geld und führen uns wftder dft Hände auseinander, aber sttzt —" .Aber jetzt?" wiederholte der Arme. .Jetzt müssen wir au» dem Hause zfthen — mit (Sri* minal ist nicht zu spaßen!" Reb Schimschon flatterft da» Herz vor Weh und Jammer, — aber Eriminal, in den alten Jahren ins Sri* «mal kommen, das wäre ja schrecklicher als der granru» hastesft Tod. Roch nie in seinem Leben, »icht einmal an den hohe» Festtagen, i» welchen der Jude vor Gott steht, um für sein zeitliches und ewiges Heil zu flehen, hat Reb Schimschon solche heiß« und siedende Thräuea vergossen, wie an de« Tag«, au dem er sein Heim verließ, in welchem er »och seine Kinderjahre verlebt, um in eia fremdes Dachstübchen sich eiazumierhen. Und erst bi« Nacht! Das kleine enge Stübchen mit de« düster« Talglichtchen, düakft ihm ein« fiustere Grub«, uud die Zimmerdecke, schien es ihm. lieg« ihm platt auf der Brust, daß er keuchst und dft Schweißtropfen ihm aus allen Poren hervordrangen. Wie eine Hölle braunft es ihm im Herzen und durch den Kopf jagt« ih« eia Wolkenzug von schwarzen Gedanken, und immer aufs Reue tauchst ihm vor Auge« da» Bild seiner gottseligen Pereft auf, mit ihrem schönen, offenen Gesichte uud ihren klugen, heiteren Augen. Sie war sein Schutzgeist, sein Leitstern, sie war für ihn das, was die Fruersäule sär die Sühne Israel» in der Wüsst. Sie leitest sein« Schritte, ohne daß er es selber wußst, sie stand überall hinter chm und ftntst seine Haud zum Guten, und dft Leust ahnstu es nicht, daß sie dft Serie war, dft ihn belebst, oaß alle» Sust und daß alles Licht nur von chr ausstramst. Aber fest Sott sie von stiner

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