Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 30 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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raubt. Letz» wir unfein Stab weiter aa& fiftab» wir unB fern von hier, do es «ns gestillt, eine «ene Heimath. Das Glück Eurer Sinder wird im Hei« derselben die Elle» die ferne Heimath vergeffm lasten, und neue» Glück and »eve Freude wird in unser »»begründetes Hans einziehen. Bitte, lieber Bater, ich gebe Luch schon den süßesten Namen, welchen die Sprache kennt, gebt mir Sittah, Eure Sittah ohne die ich nicht leb» kann, zum Weibe, und Ihr begründet mein Glück und das Glück meiner Sittah, denn Sittah liebt mich. Ihr braucht nicht so ernst drein zu schauen, gestern erst, gestern Abend —' .Ich weih, weih schon Alles", entgmnete sanft der Rabbi. »Sittah hat uns gestern Abend noch Alles mitgetheilt." »Und waS sagt Ihr dazu? Last mich nutzt so lange vergebens hoff», gebt mir die Gewißheit meines Glücke-!" .Wie rasch ist doch die Jugend, wehrte der Rabbi ab, wie rasch! Ich wollte Sie zu meinem Vertraut» machen, und ehe ich muh besten versehe. Hab» Sie mich zu Ihrem Vertraut» gemacht. Ich wußte, daß es so komm» wird, und bi» Gott dankbar dafür, daß es so gekommen ist. Weiß ich doch, daß meine Sittah unter Ztzrrm Schutz geborgen ist, und daß Sie ein Mädch» wie meine Sittah wohl glücklich zu mach» vermögen. Ich habe auch nichtbaota» rinzuwenden, wenn Sittah Ihre Lieb« theilt, aber erst sollen die Bedingung», die ich stelle, erfüllt werd». Diest Bedingungen häng» enge zusamm» mit den Mittheilungen, die ich Ihn» foeb» machen wollte." .Sprich» Sie, mein Bater; alle Bedingungen, welche Ihre väterliche Liebe stell» kann, stell» wird, sind schon i« Voraus von mir acceptirt. Was wäre mir zu schwer, wenn eS gilt das Glück meines Lebens zu erringen." .Run, allzuschwer wird es nicht sein, und wenn Gott Euch für einander bestimmt hat, so werdet Ihr trotz aller etwaig» Hindernisse für diests Leben Luch angehöre», denn die Eh» werden im Himmel geschlossen, and was Sott für einander bestimmt bwt, das kann nein Minsch der Erde trennen. Doch höre, mein Sohn . . ." .Dank, Bater, für dieses Wort, Lank, tausend Dank", versetzte bewegt der junge Mann. .Mein in weiter Ferne Wollendes Glück ist durch dieses Wort nir nahe, sehr nahe gerückt. Sprech» Sie, mein Vater!" .Du weißt, welch' hartes Schicksal mich, die Mein» «ch «eine halbe Gemeinde betroffen. Du sttbst bist einer von dm Betroffen», doch hast Du Gottlob durch den Schlag, der so manche Existenz, vernichtete, so manches traute Heim zerstörte, keine Einbuße erlitten. Du bist frei, reich, unabhängig kannst leben wie und wo Du willst; Dich hält nicht» an diest Stadt gebund»; was man h»te von Dir kategorisch verlangt, hättest Du vielleicht morgen, wenn es Dir hier uicht mehr gefallen hätte, freiwillig aethan. Darum wird der Schlag der andere Brüder so schwer trifft, an Dir spurlos vorübergeh» Nicht so ist es mit mir und d» Mein». Ein halbes Jahrhundert habe ich hier verlebt, die schönste Zeit meine- Lebens hier verbracht und jetzt, da mein Leb» zur Neige geht, jetzt soll der Greis nochmals wände»! Ein hartes Loos. Der Mensch hängt mit all» Fase» seines Herzen» an dem Stückchen Erde, auf welchem er glücklich gelebt, darum fft uns unser Vaterland, das Land, in ' welchem wir die glücklichste, sorgenfreieste Zest unseres Leb»-, unsere Linderzeit, den Frühling unsere» Lebens, verbracht haben, so th»er, daß wir uns auf fremder Erde oft sehn» nach dem Lmde unserer Lindheit. Wer aber, wie ich, eine Kindheit voller Sorge, voller Schreck» und Angst in einem rauh», barbarischen Lande verbrachte, wer, wie ich, in sei«r Mrtesten Lindheit gesehen, daß das Vaterland nicht gleiches Recht für alle seine Söhne hat, daß eeinen Theil seiner Söhne und wahrlich rächt die schlechtest» bedrückt, verfolgt, mordet — wer, wie ich, gefehm hat, daß da» Gesetz verhöhnt wurde, daß im Ramm de» Gesetzes schändliche Verbrechen begong» und vom Gesetze sanctronirt worden sind, inD dessen Herz» ist dies Liebe für jenes barbarische Land versöhnlich» Haß empfand ~u$ an jmän^ mr hetnntthlosm Waist machte — der Haß ist geschwundeth" die Wunde im Herz» vernarbt, nur dir Erinnerung ist gvblieb». Ja, »eine Mutter, Gott habe sie selig «erd»» lasten, war «ine schöne, eine wunderschöne Frau, eia schöner^ großer Manu war mein Bater. Wie steh» die beiden noch so lebhaft vor meinem Geiste! Mein Bater hatte durch die Gunst de» Schicksals sich ein bed»teades Vennögm er» worb» und war geliebt und angesehen bei all» Nachbarn, da er ei« für Dürftige stets offenes Haus hatte. Med» Bruder und ich, wir war» Zwilliasbrüder und hatten so keine Geschwister, waren zehn Jahre ast und hatten keine Ahnung von der Schlechtigkeit der Menschen, als wir, eines Tages unsere Mutter» zur Zeit, da der Bater vom Haust abwesend war, mehrmals um Hilst schrei» hörte». Wir Lnaben eilten der Stelle zu, woher der Hilferuf erscholl, und sahen, wie ein Mann unsere liebe Mutter umfassen uttk’ küss» wollte, wir sahen, wie unsere Mutter sich mst alle» Kräften aus dm Arm» diest» Mensch» befrei» wallst» was ihr aber nicht gelang. Kaum erkannt» wir die Roth unserer Mutter, so eilt» wir mst lautem Geschrei derselbe» zu Hilst Mein Bruder erfaßte dm Mann bei seine» Best« und biß ihm, so tief und fest er konnte, in'» Fleisch. Ei» Schmerzensschrei entrang sich dm Lippm des Elende»; ei» Schlag mit seiner gewaltig» Faust auf das Haupt meines Bruders — und er war befreit von dem lästig» Störe»«' fried; mein Bruder flog zur Seite und eine blutig« Lache ‘ S'gte sich an der Stelle, wo der Kopf meines Bruders lag. s unsere Mutter diests sah, stieß sie ein» Schrei ans und fiel in Ohnmacht. Ich war rastnd vor Wuch. nah» ' ein» neben mir liegend» Stein und schlmdertt ihn mit: einer Kraft, die wett über das Maß der Kürst meiner Jahre hinausreichte, gegen die Stim de» Elend», daß sofort ei» Blutstrahl der Stelle entströmst die der Stein getrofst» hatte. Einem Ander» hätte eia solcher Wurf d» Schädel zerschmettert, aber der Schädel diese» Mensch« war von Eis». Er warf meine ohnmächtige Mutier zur Erd« und. hätte mich wohl getödtet, w»n ich in sein« Hände gefall«' wäre. Aber Gott schützte mich. Ich erkletterte rasch eine Pappel und ries, als ich hoch ob» war. fortwährend um Hilst Meine Stimme verhallt« u «gehört. Kein Menjch zeigte sich, da unser Hauziemlich entfernt lag. Endlich, zwang der Schmerz, welch» chm die Wunde an ferner Stirne verursachte, dm Elenden, den Schauplatz seiner Heldenthat zu verlass». Er mtferate sich indem er mit der Faust Sg« unser Haus drohte und di« Worte ausstieß: .Warte, u Huudebrut, Ihr sollt recht bald au »ich dmken." Er schob mtt eine« Tritt d« Körper meines Bruder» zur Seist eckte zu seine» Pferde, das unwett des Schauplatz«- diestr That »hig »erdest bestieg daffelbe und sprengte davon.. Erst als ich Roß und Reiter in weiter Ferne verschwinde»; sah, wagte ich mich von meine» luftig» Throne herab./ Ich eilte zu meiner Mutter, zu meinem Bruder, die beide' wie todt da lagen. Ich wüste nicht, was ich thun sollst ] da kein Mensch m der Näh« sich befand, der mtt hätte b^^ stehen können. Ich umfaßte rasch «ein» Bruder, legt« ih au die Seite meiner Mutter und wischt« mtt meine» Tuch«' das von der Stim de» Bmder» herabrinnrnde Blut weg. Endlich schlug meine Mutter dtt Aag» aus. Bange bli»?i sie am sich und als sie mich sah, als sie das Haupt des Bruders sah, da ka» Leb» iu d» bis leblos daliegmd» Körper. So schwach und matt sie war, rasch sprang sie auf »ud wollte mein» Bmder chre Arm« nehm» und ihn nach Hauf^ tragen. Aber sie war zu schwache sie konut« d» leblostn Körper heb». Kein Mensch war in der Nähe; dtt Sonne brai furchtbar und das Antlitz meines Bmders war da» Antltz eines Todt» .Elle nach Haust und hott Hilst", meine Mutter. Ich zögerst da ich sie nicht allein wollte. Ader al» sie .rasch, mein Sohu,