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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 30 (1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
30 (1891)
Date
1891-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ik'-F/-/. eben von Dr. M. Nah«« In Magdeburg. ™ Raaun an« »er Mt »er (r%trn RUfftnaalaKifMir« art RnUaal na» Prentzra. Bon H Berger. «] Herausgrgebeu Z« |strr|iUxi| kkI -ttrtzrmz fiir die irrteUtislhe -milie. Gitta*. Ranum nl der Zelt der letzt« Mafiraautwelsungen au» Nnßlaad nnd Pr«tzen. Von H. Berger. (Fortsetzung.) — fliMlt* «uch ein Eaehaa ChajU. Bon Rathan Samneltz. (Schluß.) — <^tgra««e. »u» dem Hebräisch« metrisch übersetzt i y’**'****» 2. Lohen. — NäthselLtsgabeu. — Nüchsel-Lüsungeu. (llndesnglrr Nach»rn<l an« «es»» Bla« ist untersagt.) schloffen sie, so viel in ihrer Macht stehe, zu Helsen. Am folgenden Morgen erhielt Herr Rabbinowitsch auch (Geldspenden. die wenigsten» für einige Tage den Hunger von der armen Familie fern hielten. Der MinchagotteSdienst war *u Ende. Rabbinowitsch der gerne seine Ättah heute sprechen wollte, um mit ihr zu überlegen, wann und wie er den Eltern derselben am best« die Mittheilung von. ihrem gegenseitigen Versprechen machen und um deren Einwilligung bitten könne, schritt auf das Haus des Rabbi Eliah zu. Der Rabbiner, welcher am Fenster seiner Studierstube stand, sah ihn kommen und erwartete chn an der Thüre de» Studirzimmer». an welcher er vorbeischreiten mußte, um in da» Wohnzimmer, in de« er Sittah vermuthete, zu gelangen. Er wollte an de« Rabbiner vorbeischreiten, indem er nach Sittah fragte, aber Rrb Eliah bat ihn, näher zu treten, da er Wichtige» mit ihm zu besprechen habe. Bereitwilligst folgte Rabbinowitsch der Einladung de» Rabbi» und rascher al» er gedacht, stand Rabbinowitsch vor der wichtigsten Entscheidung seine» Leben». Der Rabbiner setzte sich auf einen Stuhl in der Mhe de» Fenster», so daß er die Straße überschauen konnte, und bat Rabbinowitsch, auf einem Stuhle chm gegenüber Platz zu nehmen. Rabbinowitsch folgte der Bitte und sah erwartungvoll in da» alte, ehnvürdtge Gesicht des Rabbiner». Jetzt sah er erst, welch ichönes Gesicht der Vater seiner Sittah hatte. Reb Eliah war ein schöner alter Mann. Ein schnee» weißer Bart umrahmte da» bleiche Angesicht, au» welche« die klugen braunen Augen gutmüthig hervorleuchteten. Ein« Welle schwiegen beide. Endlich fuhr sich Red Eliah mit der Hand üver die Stirne und wandte sich zu Rabbinowitsch. .Sie haben mich gestern schwach gesehen, Herr Rabbinowinch*, begann er, .und Ihr« Theilnahme, die Sie mir und den Meinen schenken, Ihr edle» Herz, Ihr nobler Charakter bestimmen mich, Ihnen zu vertrauen was mich bedrückt, wie ein Vater seinen Sohn vertraut. Da ich keinen Sohn habe, hat Gott in Ihnen mir einen Freund geschickt, den ich wie einen Sohn vertrauen kann.* Der Rabbi hielt Rabbinowitsch die Hand hin, chn fragend ansehend. Bon seinem überwallenden Gefühle über- . wältigt, zog dieser die weihe schlanke Hand de» Rabbi an sein Herz, bedeckte sie mll Küssen und rief au»: ^Gott hat mir meinen Vater früh genommen, nun giebt er mir einen lieben, guten Vater wieder, gelobt, gedantt sei chm dafür. Ja. gestattet mir, Euer Sohn zu sein, väterlicher Freund, Euer Sohn im wahren Sinne de» Worte», mit den Plichten und Rechten eine» Sohne»! O, Rabbi, Ihr kennt nnch, Ihr wißt, wie ich Euch und die Euren liebe, wie ich mich freuen würde, wenn ich für Euch all« sorgen könnte! Gestattet e» mir, Rabbi, werdet mein Vater, gebt mir Eure Sittah zum Weibe. Ich weiß e», die Zeit ist jetzt nicht geeignet, um al» Brautwerber auszutreten, aber gerade die Zeit ist e», welch« mich drängt» offen mit Euch zu reden. Da» Ausweisung» decrrt hat un» beide unserer Heimach be- (Fonsetzung) Starr vor Staunen und Erschrecken blickte die Rebbizin bald auf die Thüre, hinter welcher der Polizist verschwunden war, bald aus Reb Jakos, der, vor Angst zitternd, wie ein armer Sünder vor chr stand. Endlich entrang sich ein Laut ihren Lippen: .Rrb Jakos, da» hast Du gethan? nein, da» ist ein Jrrthum!* Herr Solm beruhigte die aufgeregten alten Leute und ' erbot sich, mit zum Polueiherrn zu gehen. Wer war glücklicher al» Reb Jakos! Welche Angst hatte er schon vor dem Worte »Polizei* und jetzt sollte er vor dem Gefürchtetsten der Gefürchteten versönlich erscheinen! Er fiel dem Fremden um den Hal» und weinte. Während die beiden Männer zum Polizeiches gingen, begab sich die Rebbizin mit dem Knaben in ein Nachvarhau», um nicht allein mit ihrer Unruhe zu sein. Die Männer hatten ihre Unterredung mst dem Polizeipräsidenten rasch beendet. Reb Jakos achmete hoch auf, al» er die Amtsstube wieder verlaffen hatte und konnte nicht genug die Leutseligkeit de» hohen Beamten rühmen.' „Ganz al» ob ich seine» Gleichen wäre, hat er mit mir sich unterhalten*. sagte Reb Jakof in einer Freude. „Wa» hat er Ihnen denn gesagt?* fragte lächelnd Herr Solm. „Wa» er gesagt hat?* erwiederte Reb Jakof stolz, ,wa» er gesagt hat? Er ist von seinem Stuhl aufgestanden, hat «ach der Thüre gezeigt und hat gesagt: „Sie sind entlassen, Herr Schreiber! Ist da» nicht viel von der Srorr (Obrigkeit)?* Lächelnd nickte Herr Solm aus Reb Jakof» Frage. Wie leicht war doch da« Ehrgefühl de» Juden befriedigt! Eine huldvoll« Entlassung seiten» eine» hohen Beamten macht ihm die größte Freude und solche Leute-er dachte diesen Gebankn nicht weiter au», denn Herr Rabbinowitsch, der de» Weg«» daher kam, redete beide Männer an. „Woher kommen Sie, Reb Jakos?* .Direkt von der Polizei*, erwiederte dieser. .Haben Sie Ihre Frau verklagt?* scherzte Rabbinowitsch. „Da sei Gott vor!* entgegnetr bestürzt der Gefragte. „Wir können Sie mit solchen Sachen scherzen!* „Man kann heutzutage nicht wiffen*, fuhr Rabbinowitsch fort, „in wa» sich die Polizei alle» mischt und mischen soll. Doch wollt Ihr nicht zum Minchagebet?* . .Ist e» schon so spät?* fragte besorgt der Schamme», .dann muß sich die Rebbizin gedulden.* Di« drei Männer schlugen den Weg nach der Synagoge em, Rabbinowitsch erzählte von der Roch und dem Elend Wittwe Steiner, ohne jedoch deren Ramen zu nennen. .. gesellten sich noch mehrere Synagogenbesucher ihnen zu »hlch ql». diese Leutr von dem Elende der Wittwe hörten, be- IV. . .csÜ&üi.'--.

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