Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 29 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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heute nmrbt auch bei f(c& Jakos -mit filb ln und Sabeln gegessen. Nachdem Reb Jakos Kiddusch acht hatte, fing man an zu esse«. Der Wazenschalrt vortrefflich gelungen. Er schmeckte Reb Jakos und een Säften so gut. daß sie dir Portion, welche van der fIseddezzin für Sonntag bestimmt war, heute schon verzehrten, schon dieser der Rebbezin leid, sehr leid that. freute sie ) doch, zu sehen, wie aut es den Fremden schmeckte. Der ad« konnte den Schalet nicht genug loben, und Herr -lm und Reb Jakos stimmten ihm bei. Da war die gestrenge Herrscherin des Hause» besiegt und Reb Jakos durfte 'auf volle Verzeihung hoffen. .Wie geht es Euch denn in Hcrr Solm?' also wandt« sich die Wirthin an ihren Gast. .Wie e» einem gehen kann, jwenn mau als Almon (Wittwer) auf einem kleinen Rest wohnt, und dort der ^«eiuzige Jude ist. Mit dem Geschäft bin ich zufrieden; ich verdicae, was ich gebrauch«, m«ine Bauern haben mich gerne; dar einzige, was mir fehlt, ist die Chawruße (Gesellschaft) Jude und Jude gehören zusammen, verkehrt man auch schließ» lich mit Ehristen, so vergißt man, Gott bewahre, daß man Jude ist." „Ihr seid doch wenig zu Hause?" „Ich gehe Montag Morgen von zu Hause weg und komme Freitag Morgen nach Hause. So lange meine liebe Frau lebte, hatte ich Schabbo» und Gesellschaft; aber -' .Wie vermögt Ihr ftomm zu leben, was rsset Ihr mfterwegs?' .Aas der Jude esse» darf. Eier und Brod, Milch und Kartoffeln, die ich mir selbst koche. Es ist em hartes Brod, da» ich esse. Ost bekomme ich in acht Tagen keinen Teller warmer Suppe.' .Und dies« Strapazen macht Euer Sohn mit?" warf Reb Jakos dazwischen. .Leider, leider kann ich meinen Sohn nur zu dem «lenden Leben erziehen, das ich führe. Wie gerne hätte ich ihn etwa» Tüchtiges lernen lassen — aber für den armen Mann — für unser einen ist's am besten, die Linder Helsen . so früh eS angeht, mit verdienen, und mein Josef, setzte der Pater stolz hinzu» ist fleißig und brau" .Seid Ihr eigentlich ein geborener Deutscher?" »Ja und nein, wie Sie wollen. Meine Eltern lebten in Elsaß, in Forbach. Als ich geboren wurde, war diese Stadt französisch und heute ist sie deuffch." »Also seid Ihr Franzose?" sagte neugierig Rrb Jakof. .Bon Geburt Franzose, im Herzen Deutscher. So lange ich zurück denken kann, lebten meine Eltern in Deutsch» ■ land, obschon mein Bater sich nicht naturalisiren ließ, da er deinen Gefallen an der Kleinstaaterei fand. Hätten meine Eltern da» Jahr 1876/71 erlebt, so wären sie gewiß Deutsche geworden, auch wenn da» Elsaß nicht deutsch geworden wäre. Ich selbst bin also Deuffcher. wie Ihr seht." »Und Eure Frau? War sie auch eine Deuffch«?' .Genuß; sie war i« Brett«, geboren, in Metz erzogen und sie ist in Dresdeu gestorben.' »Wieso kam denn das? Ihr wohnt doch schon lange in I.?' Ehe der Gast die Frage beantworten kennte, öffnete sich di« Thüre und ei« Polizist trat ein. Derselbe bat Neb Jakof^sofort zum Polizeipräsidenten zu kommen. Erschrocken fragte Reb Jakos, au» welchem Grunde er .»um Polizeipräsidenten kommen solle, aber der Polizist konnte chm keine Antwort auf sein« Frage geben. Im Scherz sagteer: »Ihrwerdet wegennächtlicherRuhestöruug notirisein." (Fortsetzung folgt.) A«ch eiw Stoch«« ChajtJ. Bon Rnlhan Tomnely. lA»rtsetzu»g.) Wir es schien, hatte der Witzbold nicht ganz unrecht, denn ftit dem Tage, daß Reb Schimschon sich verheirattzet, wußte Moritz Schreivogel jeden Tag unter einem anderem Borwand« sich bei Reb Schimschon rinzufindeu, wo er oft ganze Stunden zubrachte. Er war aber auch nicht der einzige Gast im Hause, denn diese» bildete vielmehr den Tummelplatz für ein ganzes Heer von Gästen. Heute erschien einer und stellte sich al» der Onkel seiner Frau vor, morgen einer al» Cousin und übermorgen einer al» Neffe, wo denn Onkel. Cousin und Neffe sich zusammen al« Gäste bei ihm «infanden, und diese wieder ihre weiteren Onkel, Cousinen und Neffen einsührten, dritten, vierten und fünften Grades, darunter viele mit blinkenden Messingknüpsen und klingenden Schleppdegen, Herren vom Militär, für welche Frau Barbara eine ganz besondere Schwäche hatte; kurz, die Freunde und Verwandten mehrten und fruchtbarten sich von Tag zu Tag. wie die Kaninchen. Diese» große Heer von Freunden und Verwandten ließ sich beinahe täglich bald zur Vesper und bald zum Nachtmahle bei Reb Schimschon kostenfrei abfüttern, wozu der Aermstr mit dem Geld« herhalten mußte; denn so er sich nur etwa» ungeberdig darüber zeigte, drückte die schöne Barbara mit ihrem vollen, runde» Arm ihm daS Joch ftster auf den Hals, daß er wieder ganz zahm und gefügig wurde. Unter diesen vielen Gästen saß der arme Reb Schimschon ganz blöde und verschüchtert. In der Sphäre, in der er fest Kindheit ausgewachsen, verstand Reb Schimschon, anständig, ja vornehm umzugehen und sogar immer da« Wort zu führen, aber hier,. auf dem fremden Boden, in den er auf einmal hineinaepfropft wurde, fühlte er sich ganz lahm und unbeholfen. Er «ragte nicht, wa« er mit Augen. Händen und Füßen anfangen solle, sie schienen ihm gänzlich überflüssig. Bald schob er sich das Käppchen hinauf, bald hinunter, bald zupfte er sich den Bart, bald die Nase, räusperte sich bald und kratzte sich bald hinter dem Ohre, und brach bald wieder in ein blöde» Gelächter aus, wo gar nicht zu lachen war, so daß alle um den Tisch wieder über ihn lachen mußten. Nach und nach sahen sich die lieben Gäste al» die eigentlichen Herren im Haust an, und Reb Schimschon war für sie eitel Luft, so daß sie seine Gegenwart keineswegs daran hinderte, seiner Frau zweideutige Comp'.imente zu machen, worüber alle lachten, und er, der kein Wort davon verstand, es al« seine Pflicht ansah, mitzulach«n. Um sich von den Höllenqualen zu brfreien, die ihm die Gegenwart diestr Gifte bereitete, verfiel er später auf die Idee und schützte im ner, so oft er sie bei sich gewahrte, einen dringenden Geschäftsgang vor. Später kam ihm seine Frau in diesem Wunsche immer liebevoll entgegen. »Wenn ich nicht irre', sagte sie chm immer, so oft sie bei sich Herrengesellschaft hatte, »hast Du für jetzt einen unauffchiebbareu Geschäftsgang zu besorgen'. .Da hast Du mich rechtzeitig daran erinnert', erwiederte er darauf regelmäßig; und entwischte mit eiligen Schritten dem Haust, wie ein Bogel dem Käfig. Es kam soweit, dav. wenn er von der Gasse zu sich nach Hause kam, während die Schlämm« bei ihm offene Tafel hielten, ihm imm« d« Dienstbote mit dem kurzen Losungsworte entgegen trat: .Herr, Gäste! —' und bei» vernehmen dieser Schreckensbotschaft ergriff d« arm« Reb Schimschon die Flucht, wie wenn man ihm gesagt hätte: „tat Feind ist im Hinterhalte!' Die lstben Gäste wieder, die sich zwar nie durch seine Anwesenheit in ihr«, Freiheft beschränkt geidhlt, sahen n» jedoch leiuchweg» ungern, daß Herr Hahnrei, wie sie ihn nannten, sie »ft stme, G«tz»u«arl «rschoute.