Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 29 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Moritz Echreivogel mi immer mit dabei, wenn solche Gastlichkeiten im Hause seine* Freunde* gegeben wurden, ja, er hatte immer für »unsere« Freund Simon*, wie er chn jetzt nannte, die besten Rathschlüge in Bereitschaft. Heute empfahl er ihm. für seine Frau einen theurr« Brillantschmuck zu kaufen, morgen sie mit einigen Perlen schnüre« z« überraschen, und ein andere* mal wieder für sie au* Wien eine thenr« Robe zu beziehen; da* seien Mittel, sagte er, mit denen man sich die Lieb« einer jungen Frau erwirbt. Reb Schimschon, der wie alle älteren Leute darauf versessen war, daß seine junge Frau ihm ganz ihr« Gunst schenke, trug keinen Augenblick Bedenken, die Rachschlüge ferne* Freunde* zu befolgen. Aber diese Rathschlüg« eben waren Ursache, das» »unser Freund Herr Simon' bald in die ttaurige Lage kam, in einer anderen» minder erfreulichen Frage seinen Rath zu befragen. »Unser Freund Simon' nämlich gericth plötzlich in große Geldverlegenheiten. Wa* anch Wunder? Zwei Faktoren arbeiteten wie zwei Tobtengröber an dem Ruin seine* Hause*, drinnen Verschwendung und draußen Mißkredit. Wie SchreckenSgesialten drohten von der Ferne eine Reihe von Zahltagen heran, und in der Kasse herrschte eine gähnende Ebbe. Halbe Tage und Nächte saß Moritz Schreivogel an der Leite »unsere* Freunde* Simon' über die Geschäftsbücher, an* welchen er verschiedene Posten zusammenstellte. »Es bleibt un* kein anderer Ausweg', sagte er endlich, »wir müssen Eonrur* anmelden!' »EoncurS', wiederholte Reb Schimschon mit bebenden Lippen, »ist r* so weit mit mir gekommen?* »Leider, aber e* gilt, daß wir un» einen Rettungsanker schaffen, damit wir mit der Familie nicht ganz untergehen!' »Ein Rettungsanker', flüsterte der Arme schreckensbleich nach; »und wa» für einen Rettungsanker?' »Wir müssen Borsorg« treffen, daß die Gläubiger nicht über un* hersallen und un« alle Federn auSrupsenl' »Di« Gläubiger?' fragte der Arme, in dem der alte Ehrenmann sich regte. »Und gehört denn nicht auch Alle* de« Gläubigern?' »Schon recht', erwiederte der schlaue Winkeladvokat, »aber ich will glauben, daß di« Frau auch al* Gläubiger anzusehen ist, schon gar nicht davon zu reden, daß der Mensch in erster Reihe gegen stch selber Pflichten hat. — Bollen Sir denn ve> hungern?' »Und was wäre zu machen?' fragte der Arme, ganz verwirrt. ' »Einfach, wir übertragen eine fingirte Forderung von mehreren Tausend Gulden aus unsere Frau und lasten sie mit derselben aus da* Hau« intabuliren!...' »Ich soll also m»ch und meine Frau retten mit dem Hab und Gut der Armen?' fragte der Unglückliche mit herzbrechender Stimme. »Rein', entschied der Winkeladvokat, »wir retten un«, um dadurch andere zu retten, denn wenu wir jetzt Alle* von un* weggeben, so bleibt un* nicht* anderes übrig, al* nach dem Bettelstäbe zu greifen, ohne un* jedoch dadurch vom Bankerott zu retten.. Bleibt im* aber dwk Hau», dann machen wir e* später zu Geld, kommen dann wieder an* Räder und da kann e» uns leicht gelingen, daß wir glückliche Unternehmungen haben, und unfern Gläubigern nicht allein da* Kapital bezahle»», sondern auch fette Zinsen dazu. Übrigen* ist e* ein alte« Sprüchwort: »Wer sich selbst »richt taugt, taugt auch andern nicht!* Bei aller Wankrlmüchigkeit konnte sich Reb Schimschon nicht mit dem Gedanken befreunde«, mit fremdem Oelde seine Zukunft zu sichern; aber der Kampf dauerte in ihm nicht lange, denn Frau Barbara schläferte mit ibam Sirenent$tnt da* Gewissen in ihm gauz äi«. Einschmeichelnd wie immer, t«t sie auf ihn zu und hob mit-'ihren! ihm den Bart empor, um ihm de« Kragen zu richte«. »Weißt Du', flötete sie uitterdeffen, »ich habe überlegt,'den Schmuck, den du mir zum Geschenke gemao nicht für mich zu behalte«. Wir wollen ihn später z sammen mit dem Haus« zu Geld machen, damit D« neuerdingt Dein Geschäft wieder betreibest, wa* Dir gewiß möglich mathen wird, Deinen Verpflichtungen den Gläubiger« gegenüber nachzukommen. Inzwischen wollen »vir einen bescheiden«« Haushalt führen, damit die Ausgaben sich bedeutend verringern. Bist Du nicht damit einverstanden mein Lieber?' Trunken von diesen Worten, überlegte Reb Schimschon keinen Augenblick und übertrug ihr ein« fingirte Fordermm von mehreren Tausend Gulden, mit welcher Moritz Schrei vogel sie in aller Eile auf da* Hau» intabulirte. War man nun mft dieser Vorbereitung fertig, dann tonnte di« Thal »«versäumt nachrücken, die Einstellung der Zahlungen. Da« ging wie au* einem Pulverfaffe in dem Städtchen/ lo*I Wittwen, Waisen, arm« Handwerker, junge Eheleute, kurz, eine ganze Menge von Gläubigern stürzten zu Re» Schimschon in« Hau», alle fluchend, »vetternd, heulend und drohend mit geschwungenen Fäusten: »Du Mörder, du Räuber, der Du mit unserem Gelbe gepraßt hast'. Der Lärm w»ch* und schwoll zum Sturme an, al* erst die Gläubiger erfuhren, daß da« Ha»* und all« Gerächschäften und Preziosen von der Frau mit der vollen Summe belehnt worden sind. Die Armen geberdettn sich wie »vaHäsin arg, sie stampftet» mit den Füßen, knirschten mit den Zähnen, hieben mit Stecken auf die Fenster lo*, daß sie zersplitterten, und schrien fort und fort: »Du Räuber, Du graubärtiger Gauner, gieb un* unser Geld zurück!* (Kottsetzung folgt.) KÄtzse1-A«f-«t»e. I. |-Logogrhpy. von C. In R. (fin voll Ist mir bekannt Nicht fern vom heU'gen Land, Da* stet* al» Judenfeind Un* in der Schrift erscheint. Und ist'» auch längst dahin. So »otrkt in seinem Sinn Noch heute nah und ftrn Sin Bund gar saub'rer Herrn, «er dieft st»d? — Man rtth'* geschwind, Sobald man trennt Sin ,a' dorm Snd'. IL J»eispratßlse* N«chfiaAe«rät-set. von Lehrer Kaufmann-Esten. 1 3 3 eia Berg dir lag», S*V ein Priester starv betagt. 1 iß 4 Gebete»stn»de Sichet der Lateiner nur im Nkttnde. 1 i * 4 ö ist allbekannt «« Lde» dichter »kl •man«. tzchUchm, tot wichs«» m »•*.>«.: Den«: % 9, Ootstf, I. Cm tKmnch» Genosse, Nmneri Vf, 1), ktzüter tn). IL «i •?* -fr!