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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 29 (1891) · p. Seite 112

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
29 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 112 (sequence 2)
Language
German
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bot Irrten Thal M Gesänge«: „©atn gute Lehre gebe ich Euch, meine Unterweisung verlasset nicht. Ein Baum de« Leben« ist sie den an ihr Festhaltende». und wer sie erfaßt ist selig gepriesen. Ihre Wege sind Wege der Anmuch und ihre Bahnm Frieden. Führe un« zurück. Ewiger, zu Dir und wir wollen zurüiSehren, verjünge unsere Tage wie vormal«." Anknüpfend an den soeben vorgelesenen Wochenabschnitt der Tor», der de» Auszug der Am der Israel au« Egypten schildert, wendet sich der edle Lehrer an diejenigen, die jetzt hineueziehe» müssen in die Fremde. Seinen Lippen entsttömen Wort« de« Tröste« und der Erhebung. Er. der selbst vom Unglück betroffene alte Mann verstand e« in seiner einfachen, aber eindringlich.'» Sprache, den Weg zum Herzen seiner Zuhörer zu finden und sie auf den hinzuweisen, bei dem allein £Uft und Rettung ist. Al« er seine Predigt beendet hatte, stieg er von der Kanzel herab und trat nochmals vor die Lade, ein inbrünstige« Gebet zu dem Lenker aller Welten emporsendend. Dann trat der Rabbi an leine Stelle. welche neben der de« Borbeter« war. zurück, und man begann da« Muffaphgcbet. Der Gottesdienst war beendet. Wie an jedem Sabbath so begab man sich auch heute in das Gemeindezimmer, woselbst der Rabbiner allwöchentlich einen Bortrag über ein Eapitel au» dem „Äufari" hielt. Heute sprach der Rabbi besonder« gut. Er bewie«. wie nur einzig und allein der Glaube an Gott und das sttenge Festhalten an seinen heiligen Geboten das Volk Israel erhalten habe, so lange e« existmr. Auch Abraham mußte auswandern au« seinem Vaterland«. aus seiner Geburtsstadt in ein fernes Land, da« chm Gott erst zeigen wollte. Vierzig Jahre »änderte unser Volk durch die Wüste. Alle Gefahren, die ein Volk verderbe» können, traten au unsere -Väter heran; Krieg und Krankheiten, Verführung und Empörung — alle Gefahren überstand Israel. Unser Panier, dir GotteSlrhre, war unser Schutz. Möge sie auch der Stern der Armen sein, di« heute ihre Heimath, ihre zweit« Heimath verlaffen müffen, und möge sie dieselben führen durch Rächt zum Lichte, durch Kamps zum Frieden. „Amen! Amen!" tönte eS von den Lippen der Nersammeltrn. Erhoben und gestärkt durch die Worte des Rabbi verlieben die Mäuner die Synagoge. Reb Jakos, der Schamme«. ging zu jedem Borstandsmitgliede, daffelbe zur Sitzung für diesen Abend eiozuladen, und jedem schärfte er besonders ein, ja nicht zu fehle« und nicht zu spät zu kommen. Der Borhof der Synagoge war leer geworden. E« war nur noch Reb Jakos und der Fremd« mit seinem Sohn da. deren Weg zur Synagoge heute so beschwerlich geworden war. Der Knabe zitterte vor Frost. Reb Jakos bemerkte diese« und sagte: .Hört einmal, Herr Solm, Euer Junge muß was Darmes trinken, und Euch kann'« auch nicht schaden, wenn Ihr einen Teller guter Supp« eßt, bevor Ihr nach Hause geht. Wenn'« Euch bei mir gut genug ist, so kommt mit mir und eßt mit mir zu Mittag." Herr Solm, der Reb Jakos« Gutmüthigkeit kannte» aber auch schon von der übergroßen Sparsamkeit der Frau de« Schamme« Wunderding« gehört hatte, erwiderte: „Ich nehme gern Eure Einladung an, Red Jakos, das heißt, Ihr seid mir'« machet (verzeihet), wenn Eure Frau damit eiuverstandeu ist." Fast getränkt, doch mit einem Auflug voa Energie, die sonst Reb Jakos gar sehr fehlte, entgegnet« er: „Wenn ich Euch «inlad«, Reb Solm. so ist mein« Frau zusrittte», und wenn sie e« nicht ist, wird sie e« werden." .Ader —" »Kein .wenn' und kein „aber", Ihr seid beute mein Gast, Ihr bringt „Mesummen"") mit und „Mesummeu" «an nicht vor di« Thür Worte de« Andere» ab und » also schui > zog ihn » Xesumr »itt der Schamme« mst sich fort." *) -lzaNUch QteU, |itt tU Nonwlel, km» Wttun,«« heißt auch da» gemeinsa«« Ltschgehet, na» deeiKneechsi« ziqaMMenlpasr». und man beeilt« sich deshalb, dessen Wohnung zu «ufang« scherzte Reb Jakos, aber je näher er . __ Wohnung kam. um so kleiner wurden seine Schritte, um j schlechter »nd vmsehlter seine Witze. Herr Solm benutz dies« und versuchte nochmals, de« Schamme« der Erfüll u»> sei»« Bechprrchen« bitzichtlich d« Mittagessen« zu entbind doch Reb Jakos öffnete seinen Gästen die Thüre und „Verzeiht, wenn ich vorangehe!" stieg er die schmale Tr zu seiner Wohnung hinauf. Ihm mochtr da« Herz po al« er di« Thür öffnete, aber er hielt sich tapfer. „Gut Schabbo«, Rebbezin, hier bring' ich Mesummen s mit diesen Worten trat er in die behagliche kleine Stuf sein« Gäste vorstellend. „Herr Solm und sein Sohn au«' sind heute bei solcher Krierr (Kälte) nach Schul gekomm Der Jung, nebbich, zittert am ganzen Lew, und da Hab' den Vater und Sohn gebeten, sich bei un» zu wärmen" Die Rebbezin, die, da« Gebetbuch in der Hand,?r°ß« Brille auf der Rase, am Fenster stand und Semiro«.' agte. wollte nicht masßik —) sein, verbeugte sich und zei,' auf zwei Stühle in der Nähe des Ostns. Die Fremd setzten sich und Reb Jakos überlegte hin und her, wie seiner Frau die Einladung zum MittagSeffe», die er an di! beiden fremden Gäste gerichtet hatte, am beste» beibring« könne. Noch hatte die gestrenge Rebbezi» ihr Gebet n>^ beendet. Tiefe Stille herrschte im Zimmer. Da schlug Uhr, welche auf der Kommode stand, zwölf Reb Ja fragte laut den Knaben, ihm freundlich zulächelnd: „Na, frierst Du noch, mein Sohn?" „E» geht", erwiderte der Knabe, „wenn ist erst eine Teller Suppe gegeffeu habe, wird r» mir besser gehen." „Wo eßt Ihr denn, Herr Solm?" rief hier die Rebbezb dazwischen. Jetzt war die Reihe zu sprechen an Reb Jakos. .Wa« für komische Kaschjrs (Fragen)? Wenn ich Herr» j Solm am Schabbo« Mittag «itbringe, wo wird er da esse»? - Bei Red Jakos, der ihn zu Mittag eingeladen hat, wird et] essen l" „Und wo ißt Euer Sohn?" inquirirte die Rebbezi»! weiter. Reb Jakos stand vom Stuhle auf. „Hat man so nr was gehört? Der Sohn ißt mit seinem Vater bei Reb 5 der Beide dazu ringelnden hat. Dann bensche» wir Mesum« dann lernen wir." „Und wo ißt heute Reb Jakos?' erklang e« vo« Fenster her. „Ha, ha, ha", lachte Reb Jakos im höchsten Disk .da« ist eine kluge Fra«, Herr Solm; wo ißt Reb Jo , die Kaschje müßt ihr verstehen; wo ibt Reb Jakos? Weiß Du wo?" rief er seiner Frau zu, „Reb Jakos ißt nur wo « koscher ist. und nur da, wo man «a« Gute« sin und nur da, wo mau effen darf. Heute ißt Reb I« wie alle Tage bei Dir und Herr Solm uud sein Sohn^ effen mit." Reb Jakos war froh, al« er sein« Rede beendet den« jetzt war « auch mit seiner Energie zu End«, warf seiner Frau fleheude Bücke zu »ud athmete erleichtert^ auf, al« diese ihm mit dem Finger drohte. „Wie kannst D» für unser einfache« Mahl Dir eiulad«»? So fiud die Männer! Hm, hm, «u» Ihr de« einfachen Mahle, da« wir am Schabbo» genieß», frirdeu^id, will ich für Euch mitdeckeu." „Wie könnt Ihr so sagen, Rebbezin", entgegnet« Fremde, „ich habe selbst uur die Einladung angeno» wenn Ihr keine Umstände dadurch habt." „Waö soll ich fte Umstände habe», ich lege »wei decke »ehr ans. Dies« sagend ging die HanSsta» Küche und holte Teller »nd Messer. Gabeln und ~ gab Reb Jakos au« seine« Schreibtische, denn henk» •) «edSathll^er.

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