Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 29 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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v *' ^9// ® Hir VatrrkiltMi nk tirirkraa« fir fcir taraHftifif faiailir ** FI« Malt |ir litrr|iltng nt Kcktzrng str die isriMsche -milie. «Utah, Roma» au» der Zeit der letzten M-ffeuau»»«tsungr« au» Stutzlaad uad Preutzeu. Bon H. Berger. (Fortsetzung.) Luch et» Laad», vtiajil. Bon Nathan Lamuel». (Fortsetzung.) —Lätbsel-Lnfgaben. — Nithsel-Lisuugen. (U«kff»4tn fujin« •»« »trft» Blatte ist murrsagt.) S i t t a h. L»»a» »»« »er Zeit »er letzte» Nassr»»»s»rts»»ie» n< Ma|lMt «mt Preutze». von H Berger. , II. Di« Woche war vorüber. «Lin muit Tag war für die rd« angebrochen. Lin Wintertag. Ein Tag im Januar, -ftlche echte Wintertage haben auch ihren Reiz. Wer an solchen Tagen, wenn nach stundenlange« Wechsel zwischen »dunkln und Wiederouflichten die Sonne endlich gesiegt t» und die Luft Nar geworden ist, in'» F7rir tritt, der bt Dinge da draußen, von denen die Menschen, die um ese Zeit mit den Pantoffeln an den Füßen und dem ^Zeitung» blatt vor der Nase am warmen Ofen auf dem LSopha liegen oder in dicke Pelze gewickelt durch die Gassen mtzer Städte rennen, wohl schwerlich eine Ahnung haben. Fußtieftr Schnee bedeckt da» Land mit seinem weichen Flockrnrleide, das mit seinen Millionen krystallener Schimmerflüchen viel wundersamer glitzert und flimmert als da» Meer, welche» nur au» Wassertropfe» besteht. Aber r» ist nicht nur da» pri-matische Funkeln des weißen Schneetuche» der Erde, [,«w» holden, blendenden Glanz verbreitet — auch die Lust ist erfüllt mit zahllosen mikroskopischen Ei»krystallen, die X«e feine Federn auf- und abflimmern, in der Sonne glänzen gleich Demantstaub. Dazu kommt, daß die Strahlen der Wintersonne schrüger auffallen, und die Gegenstände seitwält» treffen; daraus entstehen Spiele der dichter, wir sie zu keiner anderen Zeit de» Jahre« gesehen werden. Al» i'.tftft Gräben ziehen Straßen und Wege zwischen klasterhohen 'Schuerwchen durchs Land und über die atlaSschillerude ^Decke hin laufen in allen Richtungen sich durchkreuzend die vielverschlungenen Fährten de» Wilde», das zur Nachtzeit bi» zu den Wohnstätten der Menschen kommt, um Nahrung zu suchen. Wie durch die rndlostn Korridore eine« krystallenen Frenschloffes wandelt man unter den unabsehbaren Baum» reihen dahin, dft die Landstraße ru beiden Seiten begleiten und ihr reichverzierte» Geäst von hüben und drüben zu hohen Bogengängen zusammenwülben. Mattblau sicht der .Wald über die flimmernde Fläch« hin; ein Hau« mit tief Verschneitem Strohdach und dichtvermummten Fenstern steht L».seine« Raum r— dahinter durch die Sonnennebek de» "Ltteu» zieh« sich seine Berglinien am Rande de» Gesichtsißbsisr» hin; au» dem Schornstein jenes Hause» steigt ei» ~ rer Faden bläulichen Rauche» kerzengerade in die ruhige manchmal, wenn der Wind sich aufmacht und den vom Dach« fegt oder riue Krähe von den nahen fliegtz qualme» irisireude Schueestaubwolken zur auf. »aß die tiesstehende Scheibe braungolden, wie roher runder Rauchtopas, über da» Dach durch'» h« sieht. .de» Stromes; wunderlich eine seine dunkle Linie über'» weiße Gelände hinrenut, durch die Stille der Winterlaudschaft; drüben im Walde fällte ein Schuß, der zwei Menschen, die aerade in den Wald eintretcu, erschreckt. Unförmlich wie die Kobolde stehen dir tiesverschneiten Fichten und Tannen da und lassen die schneeschwere» Aeste bi» zur Erde nirderhängen. Die uuter den weißen Wölbungen hin» schreitendrn Wanderer hören immerfort ein leise» Summen, wie wenn srrne Glocken geläutet oder duinpst Harfen gestimmt würden — e» ist das Wiegenlied, das der Wald dem schlummernden Sommerleben singt; dazwischen tönt manchmal ein seines Zirpen aus den Tannen — es sind Kohlmeisen und Goldhähnchen, die Kolibri'» unseier nordischen Bogelwelt, die im Geäst der Bäume ihr Wesen treiben: in das stine Zirpen mischt sich jetzt ein Ton wie ferner Gesang — betroffen bleiben dir Wanderer stehen und horchen —«» ist der Fichtenkreuzschnabel, jener seltsame Bogel, der heimath» los beständig hin. und herzieht und mitten im Winter ebeoso lustig singt, wie im Frühjahre. Langsam gehen die Wanderer weiter. Der Schnee, der so trocken und pulverig ist, wie geröstetes Mehl, schreit und knirrscht unter dein Tritt ihrer Füße, daß das Wild, da» im Dickicht verborgen liegt, plötzlich aufspringt lind erschrocken durch'» knisternde Unterholz bricht — sonst kein Laut — stumm und tobt liegt der Wald um sie her. Die treibende Kraft der Pflanzenwelt scheint erschöpft zu sein; nur da und dort erinnert ein Büschel mürber Vogelbeeren, die auS dem Schnee sehen, eio paar rothe Früchte der wilden Rose, die noch in den stachlichten Ranken hängen, oder ein bereiste» Buchenblatt, da» au glitzerndem Spinnensaden hin» und hcrzittrrt, an die schlummernden Kräfte des Leben», die nur rasten, um sich zu neuen Gestaltungen zu rüsten. Da lichtet sich der Wald. In. zehn Miauten haben die beiden Wanderer die Stadl P. und ihr Ziel, die Synagoge daselbst, erreicht. Der ältere der beiden Wanderer, der Vater, hat diele Wanderung am kalten Wintermorgen nicht irdischen Boriheil» halber unternommen, er führt seinen Sohn in da» Gotteshaus zu P , weil in dem Dorfe, in welchem er wohnt kein Minjan zusammenzubringcu ist. Er unttrnimml an jedem Sabdach und Festtage,- bei jedem Wetter den Gang nach dem Gotteshause, und sein Sohn, ein Knabe von 14 Jahren, ist sein steter Begleiter. Gewöhnlich sind sie unter den Ersten, dir da» Gotteshaus betteten. Heute jedoch haben sie sich verspätet, da der tieft Schnee ihren Schritt verzögerte. Al» sie in die Synagoge rinttaten, hat man gerade die Tora erhoben, um sie, nachdem man daraus vorgetesen, zusammeozurollen und wieder an ihn Stelle in derheiligen Lade zu bringen. Stolz sprechen die Lippen de» Manne», der die Hochei hoben« Tora den Anwesenden in der Synagoge zeigt, dft Worte: ,DieS ist die Tora, die Mose» den Kinder« 3»utl gegeben hat", und stolz stimmt dft Gemeind« den Gesaug an. der dft Tora auf ihre« Weg« «ach der Lad« bereitet. Dft Lade wird geschloffen. Der Rabbiner besftigt dft Kanzel und wiederholt mit seiner klangvolle« Stimme T ■*: