Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 28 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 3)
- Language
- German
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HtrMann» »eil wir arm'sind, R» t6th fcta| ist Mcher der ffrantt| die Krankheit eingezogen und seit heust Abend Noch etwa» viel Schlimmere».' .Wa» Ln» da» sein? Sie machen mich ängstlich-, versetzte der jung« Mann hastig. Ehe noch der Andere antwvrten konnte, drang «in herzerschütternde- Weinen und Schluchzen an» den oberen Ränmen der Hütte, daß beide erschrocken aufbo-chten. In den klagendsten Tönen, welche ein« Menschenorust hervor, gubringen vermag, betete eine Frauenstimme: „Qhtt, Gott, hilf, hilf doch.- Kaum hatte Rabinowitsch diese Stimme erkannt, so sprang er eilig die Treppe hinauf bi» an da» Dachkämmerchen, an» welche« da» Weinen ohne Unterlaß drang. Rasch entschlosse« öffnete er die nur angelehust Thür, um zu sehen, wa< der Grund diese» Jammer» sei. Er trat ein und stand im Finstern. Er tonnte nicht» unterscheiden; er wollte ein Schwefelholz anzünden — ach, e» war ja Freitag Abend, er hatte Line» in seiner Tasche, er hätte heute auch Lin Licht machen dürfen. Er trat an die Thür und rief zur Treppe hinab: .Anton, Anton!- Rur da» heiser« Gebell de» Hunde» antwortete ihm. Abermal» rief er, so laut er konnL: .Anton, Anton, kommen Sie mit Licht hier herauf.- Diese» Wal schien er gehört worden zu sein, denn ein Leine» Mädchen kletterte, mit einem Stückchen brennenden Lichte» in der Hand, die Treppe herauf. Er ließ da» Licht auf den Tisch in dem DachkLmmerchen stellen, und jetzt erst konnL er die Dinge unterscheidcn. Auf dem Bette, welche» in der Ecke stand, lag ein« noch junge, hübsche Frau, da» Sfesicht in den Kissen vergraben, und schluckte heftig. In Le« Bette lagen drei Kinder, zwei Knaben und ein Mädchen, SLletten ähnlicher al» Menschen. .Wa» giebt'», Frau Sstinrr? wa» fehlt Ihnen, da Sie so trostlo» sind?" .Ach, Herr Rabinowitsch ich war noch nicht unglücklich genug. Heut« ist da» Maaß meine» Unglück« voll. Bei diese» Worten zog die unglücklich« Frau ein Papier ou» seiner Tasche und reichte «» dem jungen Manne hin. Sr nahm e» und trat, um e» zu lesen, an den Tisch her««, woselbst da» Licht noch ein wenig flackerte. Er erbleicht«, «l» er den Inhalt la». E« war c» Schreiben de» Polizeipräsidium» folgenden Inhalt»: .Der Wittwe de» Goldarbeistr« I. Steiner, Frau W. Steiner geb. Rachum, eröffnen wir. daß sie innerhalb acht Tagen da» diesseitige Staatsgebiet zu verlassen habe, widrigeusall« dieselbe per Schub m ihre Heimath befördert wird. Der Polizeipräsident.' Al» der junge Mann da» Schriftstück zu End« gelesen Hott«; gab er r» der Frau zurück. Da» Licht war nab« am Enöschen. Beide schauten in da» verlöschend« Licht und sahen in ihm da» Bild eine» Sterbenden. Hlch, beide hatten schon Menschen sLrben sehen, Menschen, die ihnen nahe, sehr nahe standen. Auch dort flackerte die Lebrnskraft einige Mal« auf. ehr sie für immer erlosch, «l wie die Rächt lag die Zukunft vor der un- Fra»! Rur ein kurze» Gwck hatte sie an der de» geliebt« Gatten genossen l Mau brachte ihn «ine« Tage» krank nach Hans«. Zwanzig Wochen lag er schwer krank darnieder — da raffte ihn der Typhus weg, nachdem da» letzte ihrer Habe in» Pfandhaus gewandert war. stand allein «tt den Kindern, mittellos, ohne Ernährer. mietheL sich «in Dachkämmerlei» in der Borstadt und sich dnrch Ertheiluug von Musikunterricht ernähr« ach! sie töuschte sich. Wöchentlich zwei Stundm hatte bi» jetzt zu geben, und diese wurden «Lud houorirt. hatte ihr ein« Stelle in «ine» Henfionast angeboren, sie hätte da am Sabbath arbeiten müsst», und deshalb sie birst Stelle ansgeschlag«. So waren Roch uad Lief dune _,_verfallen, den« sie war zu stülp n» — zu betteln. Da wurde in »origer Wache auch da», älteste Kind schwer krank. H«L hatte der Arzt die Krankheit für gebrochen erllütt und schon athmet« da» Mutterherz etwa» stritt auf, — da traf da» AulweisUng«- decrtt ein, der hüttesL Schlag, dtt sie ttefst« konnte. Kraul, elend, arm, heimathlo« ohne Schutz und Stütz« hinan«- getrieben in die Fremde, da» machtt sie fassungslos, und brachte sie dtt Verzweiflung nahe. Rabbinowttsch sprach chr Trost zu, sie Hütte nicht auf ihn — «ine Ohnmacht hatte sie umfangen. Er eilte hinab, Hilfe zu holen. Die Frau de» Arbeiter» kam sofort mit ihm herauf, und d« Bemühung« Beider gelang e» endlich, sie au» d« liest« Ohnmacht z» befreien. Dtt junge Manu bat die Arbeiterin, bi» zum Morgen zu bleiben, wa» diese auch für den verheißenen guten Lohn versprach. Rabbinowitsch entfernst erst, al« Frau Steiner ihm da» stste Versprechen geg«> hatte, sich niederzulegen und der Arbeiterin für diest die Pflege ihre« Kinde» zu übttlasstn. (Fortsetzung folgt.) Auch ei» Esch«« ChaJIl. Bon »athan Eomneltz. Die neue Frau, die Reb Schimschon geheirathet, hieß weder Pttrle noch Sarele noch ähnlich, sondern Barbara. Dem armen Reb Schimschon war e», al» müßst tt den Mund weit aufreißen und die Bocken auseinandermache«, damit dirstt schreckliche Name nur genug Platz drin Hab«. Er hätte sich'» gerne leicht gemacht und sie kurzweg .Belle' genannt, aber er sah «» ihr an, daß sie darüber in Jener ond Flammen gerathen könnte; — ct mußte also so lange daran würgen, bi» tt e» herausbrachte: Bar-ba-ra. Da» erste, womit Frau Barbara chre Herrschaft im Haus« auttat, war. alle» vom Grunde au» umzugestalten und umzustellen, dstse» hierhtt und jene» dorthin, da» Schlaf-!immer in «in Eßzimmer und diese» wieder in ein« Möbeltube umzuwandeln. — Natürlich; die Gottselige war ja nur eine altmodische Jüdin, wa« wußte sie, wa» schön ist? Dem armen Reb Schimschon geschah e« bei dies« Umstellung. al« wütt für ihn selbtt h«r gar kein Platz «ehr, weshalb tt sich beunruhigt fühlst und auch fei« innere» Mißbehagen nicht verbergen konnte. Aber Frau Barbara schlang ihren vollen, runde« Arm chm um den Hal», und da geschah es ihm, al» hütst sie ihn durch diese Umschlingung »n ein schwere» Joch gebracht, daß tt sich nicht mehr aufbüumen konnte. Aber tt selbtt sollst auch, wie alle andtten Gttckthschasst« im Zimmer, «in« gründliche Umgestaltung an sich ergehen lassen. Freilich, dtt Gottseligen, einer beschrankten altmodischen Jüdin, konnte dtt Mann so auch ganz recht sein, wa» sollst so Eine wifien, wa» schön und wa» nicht schön ist?! .Weißt Du, mei» Lirbtt', sagst sie ihm Lum einij Wochen nach ihrer Hochzeit, .Dein Bart ist so aür ' lang, daß man mit ihm wie mit einem Kehrbesen da» Zimmtt ansstgrn könnte, und erst dst närrisch langen Pre» — findest Du uicht selber, daß sie Dich entstellen?' .Aber Bar-ba-ra 7 würgst dtt Arme, ,wa» hast Du den« mit meinem Barst und mit meinen Per» vor?' .Bewahre!- lächelst sie. .Wir wollen ihnen nur rin menschlichere» Aussehen gebe«. So laß nur, mein Liebtt, ich will an ihnen eine Nein« Operation vornehmen.' Und mit diese« Worten drückst sie ihn mit ihren »eichen Händchen auf da» Sopha uiedtt, auf da» tt sich in de« ersten Augenblicke wir gebannt fühlst; doch Lmn daß tt «ine« Angeublick spästr sie mit dem Schlachtmtfser, da» heißt mit dtt Scherrr in da Hand vor sich gewahrst, da schuell» e» ihn in die Höhe: ,Wa»!* schrie tt, al» tt schützend beide Hände aus de« Bart fegt«. .Was. Du meinst «» anst?-