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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 28 (1891) · p. Seite 108

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
28 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 108 (sequence 2)
Language
German
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tyrl, der »ich in bk fMjrftammx in he^ar Lehre WiGhrtmit «dwrFrmmdlichkrit, Liede und Milde, die ihm in Meine« Herze» schon längst die Lieb« sicherte, die ich'«edlem Otter, Met* er »och am Leben wäre,' widmen würde, e» ist die trnnkich« Nah« und der srlig^FÄede» «lue» begkückten Familienleben«, in da« ich hier al« Fremder cknttat, and welche« mir jetzt zu entbehren unmöglich wäre, es sind nicht am wenigsten Ei«, liebe Sittah, die ich während der Jahre, die ich hier bi», sich so herrlich entfallen sah, und die ich liebe« und und verehren lernt«, die ich — lasse» Ei« e« «ich in dieser Stunde gestehen — liebe «ehr al« mein Leben. Daß ich heute solche Worte zu Ihne» spreche, die schon lange in der Ties« meine« Herzen« ruhen, da«, liebe Sittah, ver- E» ist di zeihen Sie mir. E« ist die übergroße Liebe, die ich für Sir und di« Ihrige» hege, die e« mir gebietet. Ihnen auch nicht einen Augenblick ine Sorge nabe» zu lassen. Sittah, »ein« liebe Smah, wie ich e« vor fünf Jahren noch sag« durste, darf ich Sie strner wieder so nennen? Darf ich e« al« mein Lebm-ziel bettachte», für Sie und die Ihrigen sorge» zu können? Sittah, willst Du, Du hold« Traute, mern liebe« Weib, meine theüre Gattin werden?" Flehenden Blicke« reichte der junge Mann dem chm Eübersitzenden, über und über errütheten, durch die gleit seiner Worte aufgeregten, rathlosen jungen Mädchen ,and. Sittah wußte nicht, wa« sie thun solle. Ob sie den jungen Mann, der sie so innig ansah, liebte? Wenn ein herzliche«, innige« Interesse für eine Person, fortwährende« Dnikrn an dieselbe, große Angst um sie, Freude bei« Kommen und Trauer beim Gehen, Bangm beim -»«bleibe» einer Person, sei «« auch nur^ehn Minuten über die gewohnte Zeit — wenn alle« diese« Anzeichen einer innigen, treuen Liebe sind, so können wir so iudiüerrt sein und dem geneigten Leser verrathen, daß diese Ros« Jtrael», diese Loto«blume Sittah den Kelch chrr« Herzen« geöffnet und den darit, eingeschloffen hatte, der ihr etzt mit so flehendem Blicke die Sand eutgegrnstteckte, und «m da» bat, wa« schon längst sein eigen war. Zögernd legte sie ihre seine weiße Hand in die de« jungen Manne«. Errvthend blickte sie ihn an,- und die Eeäen beider vereinigten sich in einem lange», innigen Blicke. Welche« Glück liegt in solchem Blick! Ihr gcneiflten Leser und Leserinnen, die ihr solchen Blick schon gewechselt, kennt seine Seligkeit, und di« schönen Leserinnen und braven Leser, die seine Seligkeit noch nicht empfunden, denen möge recht bald ein solcher Blick gelten! Ohne ein Wort zu prechen halten hier zwei Seelen einen Lund geschlossen für ein ganze« lange« Erdenlebeu. Der Rabbi und seine Fra» konnten kein« Ruh« finden, sie erhoben sich und kehrten in da« Wohnzimmer zurück, wosckbst sich der erste Borsteher der Gemeinde, Herr Marx, eiugrfnude» hatte. Er war mn, nachdem der junge Mann seine Liebe der Tochter de« Rabbi gestanden, eiuaetreten und hatte die junge Leute in ernster Stimmung gefunden. Man sprach von dem Ereigniß de« Tage« und Herr Marx börte ruhig den Ausführungen de« jungen Manne« zu. Al« dieser «endet hatte, sagte der bedächtige Borfteher ,Eiu Unglück kommt selten allein; ich habe nachge» dacht und bin zu der Ueberzeugung gekommen, daß die »eisten Exüirten den größte» Theil ihre« vermögen» verliere» und arm und elend in die Fremde wandern «äffen. Di« meisten Unglücklichen richten chreu Blick nachdem Lande der Freiheit, »ach Amerika, aber sie haben dir Mittel nicht, die Uederfahrl zu bezahlen." »Warum aber wolle» di« Leute nicht in ihre Heimach zurück?" entgegnet« der junge Man». »Weil ihnen die Heimath zur Fremd« geworden, weil sie di« Heimach nicht lieben, nicht lieben könne», suchen sie lieber ein ungewisse», vielleicht ttaurige« Loo« in der Fremde, Sb wag bortf schwere Arbeit, l! »th und Elaid «ittAem Unterschiede, daß im neue» 1 i» Ladde der?Freiheit e< Möglich fein könnte, daß da» Glück nach einmal lack£ Mährend j» der alten , allen der Untrrgaug buk' erwiderte der BoHeher „Wie aber können alte nach Amerika wandern? lleberfahrt ist theurr und in Lafttt Garden drüben schickt', man mittellose Einwanderer sofort zurück", warf der junge Mann ein. „Diese« »«glich zu 'machen ist Sache der jüdis Wohlthätigkeit. Wie viele reiche Glaubeu«genoffen Tausend« bei Gelegenheit einer allgemeine» Roth! Spanien, nach der Schweiz, überall hin giebt da« jüdische Bolk sein reichlich bemessene« Scherflei», wenn rin Nochruf «tönt, und sollte e« zögern bei der Roth de« eigenen Bruder«?" „Da« wohl nicht, aber wird e« möglich sein, so viel Geld anszubringen?" Hier ttat der Rabbi, gefolgt von seiner Frau, in'«.« Zimmer. Alle erhoben sich ehrerbietig und freundlich hieß da» Ehepaar den Borsteher willkommeu. Man besprach die Tage«frage nach allen Seiten, und al« der Vorsteher sich erhob um nach Hause zu gehen, brach auch der junge Man» auf, seiue Wohnung aufzusucheu. Eine kurz« Strecke gltti die beiden Herren neben einander, dann bog der Borste recht« ab. Der junge Manu ging noch eine Welle r» weiter. Plötzlich blieb er stehen, sich mll der Hand vor Stirn schlagend: „Da« hätte ich fast vergessen", ries er leise au«, kehrte um und ging in die nächste Querstraße. Diese Straße führte in gerader Richtung bi« au da« Ende der Stadt. Der junge Mann eilte rüstig vorwärt« Je näher er de« End« der Straß« kam, um so klemer und dürftiger wurde« die Häuser, aber um so größer und drückender die Roch und da« Elend der Bewohner. E« ist einmal so, oie grüßte Roth sinder c ' Da verwe öffentlich Häuser kennen sie auch und sind nicht erstaunt, wenn sie ihnen begegnet. Ihne» ist da« ernste, aramdurchfurchte Gesicht der Menschen, welche die Roth heimsuchte, bekannt; sie erschrecken nicht, vor ihrem hohlen Luge. Welcher Jammer.' welche« Elend der menschliche« Seel«, welche Angst, welche Bangigkeit de« Herzen« wohnt in jenen kleinen Häuüch» am Ende der Straße. Laster, verbrechen und Sünde wohne» , dort in Einttacht mit der größten Tugend; da« höchste Glück * findet dorthin selten seinen Weg, ebenso wenig wk die meisten, die kein Herz für Armuth und Elend haben. Und doch bietet die Hütte der Armuth und de« Elend« dem Forscher oft mehr al« der schönste Palast. In «ine solche^ Hütte der Armuth in da« letzte Häutehen der Straße ttüß der junge Mann. E« war schon' spät, aber in den höchstens Kreisen und in den niedrigsten Schichten der Menschheit ' bindet man sich nicht an dk natürliche Ordnung. Hier »ie dort macht man die Rächt zum Tage. Während jene djie Rächte jubelnd, tanzend und voller Lebe»«lusi und ~ verbringen, müssen diese di« Nacht zu« Tage mache», in sie arbeiten, jammern und stöhnen. Auch in der Hütte, welche der junge Mann einttat, war ««belebt. Ei» strupviger Köter stellte sich ihm briseinem Eintritte , flätschend entgegen, ihm de» Eingang wehrend. Sofort schien auf diese« Gekläff hin ei» gräßlich auösehender Mi ,n der Thüre, der de» jungen Man« erkannte und Köter, der «och knurrte, zur Ruhe brachte „Ach, Sk sind e«, Herr Rabinowitsch, und noch spät? Fra» Steiner wird Sk wohl nicht «ehr haben, denn vor keiner halben Stunde habe ich Licht oben «»»gelöscht", also redete der Mann den st Ga st au. “ „XBk geht e« denn oben?" fragte $e£ Freude. : Hütte, ky i kläffendqA »i

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