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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 28 (1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
28 (1891)
Date
1891-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Her»»Oße-ebe» vo« Dr. M. U«tz»er w M«gdeburg. Z« DrtrrtzMnß «d -rittzNRfit dir isrirtmsche -mme _ , (i Swah. ttDBum au» der Zeit der letzt« «affemntlweisimg« au» Nubland und Prrutzeu. vo» H. Berger. (Fortsetzuug.) — Auch ei» Eaoh«« Cbtjil. 8« Natha» Samuely. (Fortsetzung.) — Zur Cboni-6aot. — Nathftl-Aufgai«. — Nachset» ' ■ * LOsuugeu. (Uilcfvfttt RmMiw m» Mfft» Blatte tfl aatersagt.) Sittah. VNuni (M »er Zeit »er letzte» M>fft»a»»»tts»>»e» «X Natzlau» «»» Preutz«. 8« H. Berger. (Fortsetzung.) Wie Balsam die Schmerzen der brennenden Wunde rt, also hatte der Trost de» göttlichen Sänger» den Weg die zagenden Herzen gefunden, und als der Gesang, an »elchem Sittah und die Mutter sich betheiligt hatten, beendet war, als der Rabbi das Loblied auf die edelste und best« aller Frauen für sich gesprochen und sich gefreut hatte, diese Frau selbst zu besitzen, da setzte man sich an den gedeckten Tisch und den Lippen deS Rabbi'» entströmte ein Kiddusch, wie man ihn selten hören konnte. Andächtig lauschten die Anwesenden de» Worten; andächtig nippten sie au» dem großen Pokale. Der Segen über da» Brod war auch gesprochen, «in jeder hatte ein Stückchen davon erhalte», über welche» er selbst noch einmal den Segen sprach. Wa« für Brod ist e» aber auch, welches man am Freitag Abend zu Ehren d«S Eabbath itzt! Mit welchem Stolze zeigt die fromme jüdisch« Hautfrau auf die von ihr selbst gebackenen »ohlgelungenen Berche», Tatscher- oder Ehallo»! (Der LolkSmund leitet den Namen diese» Brod«» au» der heiligen Schrift her. DerBerS „Bi rohas Adonai taaaoh ir***) enthält im ersten und letzten Worte den Namen diese» BrodeS, da» hier .Berche«', an anderen Orten .Taatscher' heißt.) Unter Ernst und Scherz hatte man da» Mahl beendet. Der Rabbi hatte manchr Episoden au» seiner fteilich längst entschwundenen Jugendzeit mitgttheilt und man hatte da» Nächstliegende fast vergessen. Nach dem Mahle wurde da» Tischgebet gesprochen und alsdann gingen der Rabbi und seine Frau in da» Studirzimmer, wo sie sonst ihr Ruhe» stündchen hielten. Heute aber fanden sie keine Ruhe. Ll» die Eltern da« Zimmer verlassen hatten, erhob sich der junge Mann, der da» Mahl mit ihnen getheilt r, und wollte sich auch entferuen. Sittah jedoch bot »och ein wenig zu bleiben und allzugerne erfüllte der junge Mann die Bitte de» schönen Mädchen». .Ich Hab« die Stunde heute Abend herbeigesehnt', begann Sittah, al» sie einander gegenübersaßen, .um von Ihnen & hören, welche» Unglück un» betroffen. Sagen Sie mir «», bitte Alle«.* »Wie gerne «öchtt ich Jhnrn Gute« sagen', begann der juuge Mann, .aber r» ist nicht« Gute», wa» unsere ^Gemeinde betroffen. Auch bat nicht un» allein da« Unglück Hetroffra, wir haben »och viele Mrtteidende und wenn da» Sprüchwott wahr wäre: .getheilte» Leid ist halbe» Leid*, so Büre unser Leid gewiß klein, denn 30000 Mensche« tbeilen »nser Schicksal, da» Schicksal auSgrwiese« worden zu fei».* *) Der Ctg« »MM «»chi rrtch. (Spr. Eal««. t0,ÜS.) .Aber warum, weshalb weist man ruhige, fleißige Leute au», die sich nicht» z« Schulden kommen ließen?' .Fragen Sie Gott, wenn er Sie straft, warum trifft mich Straft, und er wird durch Ihr Gewissen Ihnen antworten. Fragen Sie dir Polizei, wa» Sie verschuldet, daß man Sie auSgrwiesen, und ein Achselzucken wird Ihnen als Antwort.' .Aber warum vettreibt man un» denn so plötzlich? Warum läßt man den Leuten nicht Zeit, Ihre Geschäfte zu ordnen? Ist Gefahr für da« Reich im Anzuge, wenn «an un» bi« zum Frühjahre hier läßt? Haben wir irgend eine ansteckend« Araukhett?' „Ja. eine unheilbare Krankheit treibt un» von hier. Wir sind in Polen geboren und haben e» bi» jetzt vergeffe», un» naturalisirrn zu laffen, d. h. e» un» schriftlich geben zu laffen, daß man un» glaubt, oaß wir unsere Vaterstadt P. ebenso lieb gewonnen haben, wie die, welche hier geboren sind. Man hält un» für so närrisch und unpraktisch, eine« Hirngespinnst verrückter Köpft Borschub leisten zu wollen. Wahrlich von all' den Glaubensgenossen dachte keiner an an da« selige Königreich Polen und noch vitt weniger an die Polonisirung deutscher GebittSthelle. Solche Ideen können nur von Personen auSgeheckt werden, die Zeit uud Nicht» zu «hun haben. Wer aber, wie unsere fttzt auSgewiefenen Brüder, seine volle körperliche und geistige Kraft nöthig hat im Kampfe um» Dasein, wer mit der Zeft so geizen muß, wie all' die Braven und Treuen, die ihre Familie anständig ernähren durch ihrer Hände Arbeit, wahrlich — der denkt nicht an solche Dinge. Dazu ist der Jude zu praftisch, um sich an einem Werke zu btt heiligen, da» kttoe Aussicht aus irgend welchen Bottheil oder Erfolg biettt, sondern ihm nur den größttn Nachtheil bringen muß.* .Wenn Sie da» nun so dem Regierungspräsidenten vorstellen, ihm so erklären, wie Sie e» eben mir erklärten, würde da» vielleicht httftn? Wenn Sie unserem erhabenen Kaiser, der doch kein Unrecht in sttnem Reiche gut heißt, die Sach« so vorstellten, sollte dadurch der Befehl der Ausweisung nicht rückgängig gemacht werden können?' .Sft sind in Ihren Ansichten ein vollkommene» Kind. Diese Befthle werden im Name« de» Kaiser» auSgefühtt, und an un» ist «», zu gehorchen.* .Hat Sir denn auch der Befehl betroffen?' .Ja, auch ich bin ohne Grund de» Lande» verwiesen. Ich habe ftine Ursache, in dieft« ungastlichen Land«, da» so viele ehrliche und fleißig« Menschen elend und unglücklich »acht, länger zu verweilen. Mir ist e» einerlei, wo ich mttu Sttd verzehre. Sttcher habe ich mttn Geld hie» verzehrt, von jetzt werde ich r» in Pari». London, Wftn, Petersburg, New-Bott, wo r» mir am besten gefällt, verzehre«, denn ich bin unabhängig. Mttn Vermögen wirst «ir jähttich »ehr al» da» Doppelte, wa» ich gebrauche, ab, und «ach» e» »ir möglich, auf große» Fuße zu lebe«. Wft einfach und bescheiden ich leb«; da» wiffen See. Wa»

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