Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 27 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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n nnb Freunden gegtnftfar, leicht erregbar fftt -ble. Schöne nnb Gute, war Sittah der Liebling Bekannten, rin Muster für jedes Mädchen, das Ideal jungen Männer. Ihr Gesicht, das Gesicht eines ^Endes, war so lieblich, ihre Züge so saust und regelmäßig, ^tzaß sie di« Herzen junger, leicht erregbarer Leute rasch ^entzündete, ja so beliebt war Sittah, daß manche jung« Frau süchtig hätte werden kdnueu über die Galanterien, di« jt verheirathett Männer ihr erwiesen. Aber eifersüchtig 'aus Sittah werden, auf da« liebe Kind? das hätte einer Blasphemie ähnlich gesehen. Ihre langen, seidenen Angeu» ^Miwpern, welch« die mandelförmig geschnittenen Augen de» 'schatteten, vergrüßerten noch den Glanz, der von ihren Augensternen jedem entgegenstrahlte. Ihre herrliche Figur, . ihre volle Büste ließen sie etwa» älter rrscheinrn als sie war, foutb als sie jetzt sich erhob und in ihrem eng anliegenden >e, welches ihre schöne Gestalt noch mehr hervortrettn ihrem Bater entgegen ging, sah sie aus wie eine jener Rapharl'schen Figuren» dir wir stet» wieder von Neuem bewundern. Als der Rabbi ins Wohnzimmer trat, und den Frieden und die Ruhe sah, die hier wohnten, da zog wie ein Sonnenschein ein Lächeln des Glücke» über sein bekümmerles Gesicht und verschonte es für einen Augenblick? ^'Was konnten ihm die Menschen anhaben? Rahm er sein Glück und seine Freude nicht mit in die Fremde? War sein uanzes Erdenlet-en nicht eine fortgesetzte Wanderung in der Aremdr? hat denn der Mensch hier auf Erden eine Heimath? Äst feint Heimath nicht jrnseit» jener dunklen Pforte, die »ser Erdenleben abschließt? Al» Rabbi Eliah seine Frau ad seine Tochter sah, als er da- Glück, welche» Gott ihm Tin den Seinen gegeben hatte, von Neuem fühlte, al« er sah, - wir man hier des Sabbatgebotes gedachte und wie man den Sabbat hier bei ihm empfing, da zog eine himmlische Ruhe in sein Herz, eine Zuversicht, ein Getrostsein, das sich in den Worten, die seinen Lippen leise entschlüpften, kundgab: r, -flhrtt ist mit mir, ich fürchte Nichts; wa« können mir die i Menschen thun. .Gut Schabbo», lieber Vater!' also empfing Sittah .den Rabbi, indem sie chm die Hand reichte und chm den ^schützenden Pelz abnahm, .es ist heute Abend wohl sehr kalt?' .Gut Schabbo», mein Kind, gut Schabbo», liebe Frau!' gnetc der Rabbi, indem er Sittah einen Kuß auf ihre : Stirn gab und feiner Frau freundlich zunickte; .ich nicht» von der Kälte gespürt. Du weitz ja, wenn eine , _ - -e unfern Geist ausschließlich beschäftigt, hat unser Körper klein Gefühl für irgendwelche Empfindungen, und heute hat etwa» Ernstes ernst, sehr ernst beschäftigt'. .Ich weiß, lieber Bater, ich weiß, doch —“ .Latz uns jetzt davon schweigen und unseren Gast gebührend empfangen'. Der Begleiter de» Rabbi hatte seinen Wintrrrock draußen abgelegt und trat jetzt ein. Er reichte der Mutter Sittah» - die Hand und verneigte sich vor Sittah, indem er beiden Schabbo»' wünschte. Der Rabbi stimmte jetzt jenen Gesang an, der un» au» unserer Kinderzeit herüberklingt, aus jener Zeih da wir Hand in Hand mit dem Bater durch das Zimmer wandelten, jene- Willkommen all' den guten Gngttn zurufend, die der König aller Könige, der .Heilige, geübt fet er, zu unserem Schutze entbietet. Wie ergreifend! wirkt jene» ,8odolanm aleohem“*) auf uns, wenn wir P„ glücklich sind! wie ttöstend und beruhigend muß dieser Gesang erst für ein Herz sein, das Roch und Verfolgung bedrohen! Balsam müssen jene Worte de» Psalmisten das zagende _| beruhigen, die den Schluß de» Gesanges bilden. ^^Seine Engel wird er für dich entbieten, dich zu bchüttn :auf allen deinen Wegen'. (Fortsetzung folgt.) Auch ei« Esche« Chajtl. Aon N«tha» S««urly. Red Schimschon Adelheim war >ine» des angesehensten und achtbarsten Mitglieder der Gemeind« in K. Er machte sich ebenso durch fein Vermögen, wie durch seinen Wohl» thätigkevtssinn überall bemerkbar. Seine Frau, die man all» Eiein lie fromme Perele nannte, waltett wie eine gute im Hause, das eine Heimstätte für all« Arme und thleidenden der Stadt war. Sie war der Schuygeist ihres Mannes, indem sie alle seine Schritte bewachte, damit er nicht strauchle und auf Irrwegen grrathe. Reb Schimschon war auch eine» solchen Schutze» bedürftig, denn er war wohl von Natur gut und leutselig, aber auch willensschwach und wankelmüthig. Von Gestalt war Reb Schimschon imposant anzusehen, hoch breitschultrig, mit blauen, gutmüthigen Augen und einem langen schwarzrn Barte, der breit über seine hochgewölbte Brust herunterfloß. Er galt auch allgemein. wie sie in der alten Mundart sich au-drückten, als ein .Jad'en', daheißt, al» ein Vielwisser: er schrieb eine gute Hand, beherrschte einen schönen hebräischen Styl und war auch im Talmud nicht stemd. Mehr al» alles andere jedoch war Red Schimschon ein glänzender Vordeter. Wenn er in den hohen Festtagen vor da» Betpült hintrat und seine volle sonore Stimme ertönen ließ, da beugten all« Frauen durch die Gitttrstnster der .Weiberschul' ihre Küpst vor, um sich an seiner.Gestalt und an seinem schönen Vorträge zu emötzen. Seiner Frau, der stammen Perele, gar quoll da» Herz im Leibe auf, wenn sie ihn so hoch über alle Köpfe hervorragend, in den Bettalar gehüllt, vor dem Altäre sah. Sie duldete e» nie, daß man ihr irgend ein« gute That nachrühme, denn sie schrieb alle» Gute, was von ihr ausging, nur ihrem Manne zu. .Wie komme ich zu diesem Lobe?' sagte sie immer wenn man sie über etwas belobte, .da» ist ja einzig und allein das Verdienst meine» Manne».' Thatsächlich waren auch alle Leute der Stadt der Meinung, daß Red Schimschon Alle» im Hanse bedeutt und daß sein« Frau nur die gute Lebensgefährtin sei, die ihm in seinen guten Handlungen unterstütze. So lebte Reb Schimschon mit seiner Frau in Glück und Zustiedenheit, wie kaum je ein Ehepaar auf Erden. Dieses Glück aber sollte nicht ewig dauern. Reb Schimschon ereilte das traurige Geschich daß ihm nach einem glücklichen dreißigjährigen Eheleben di« treue Lebensgefährtin durch oen Tod von seiner Tritt gcrisien wurde. War schön dieses Unglück allein schwer genug zu ertragen, so solltt diese» noch dadurch an bitterer Schärfe gewinnen, daß sich bald ein Freund fand, der sich in den Kopf gesetzt hattt, ihm für tiefen herben Verlust einen tröstenden Ersatz zu biettn. Dieser war der bekanntt Winkelschreiber Moritz Schreivegel, ein Hagestolz in vorgerücktem Manne»alttr, der überall «in» uud au-ging, in Allem seine Hand hattt. so daß er sich daran gewöhnte, wenn er von sich oder von Anderen sprach, sich nie anders au-zudrückrn, al» .wir.' .Wir müsien wieder hestathen, Reb Schimschon', sagte er chm, kaum daß einige Monatt nach dem Abttben seiner Frau vorüber waren. .Für die Dauer so allein bleiben, da» gehr nicht, Freund. Wir führen gottlob ein schönes Haus und da muß «S wieder Eine geben, die eS zusammenhält. Wir kennen allerdings die Grüße de- Verlustes, aber mit Gott läßt sich, nicht rechten, und da- Leben fordert das Seine. Verstanden? Also wie gesagt — wir müsien jwieder hestathen!' .Nein', wehrte Reb Schimschon, .nie und nimmer werde ich mich entschließen, mich wieder zu verhestathen, weil es überhaupt in der Welt keine Frau giebt, die mir mein« Perele ersetzen könntt!' Aber Herr Schreivogel war durchaus nicht der Mann, der sich st» leiche alüveisey ließ.