Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 27 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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.Ta sprechen wir ja Ainz närrisch!" erneuerte er de« Angriff. „Wir müffen praktisch die Sache nehmen und nie daran vergessen, daß die Welt sich über so einen Wittwerzustand ihre eigenen Gedanken macht, so weiß ich beispielsweise, daß es schon jetzt manche Gistmäuler in der Gemeinde giebt, die sich Verschiedenes zumunkeln, — das bringt uns doch gewiß keinen guten Ruf — ha, Reb Schimschon? ..." Reb Schimschon wachte stets über seinen guten Ruf, und fühlte sich durch diese unerwartete Attaque in seinem Entschlüsse ganz erschüttert. Als ihm gar Herr Schreivogel einige Tage später ein« junge hübsche Frau zeigte, die es verstanden hatte, ihm schöne Augen zu machen, da war es mit der Festung in chm sehr traurig bestellt. .Biel zu jung und viel zu schön für mich", versuchte er noch die schwache Bertheidigung. Aber da brauchte es nur noch eines Angriffes. .Machen wir uns nur nicht zum greisen Manne", lachte Schreivogel sieghaft, .wir sind noch fesch und rüstig genug, wofür wir ja den besten Beweis haben, daß die junge und reizende Frau sich ganz an uns vergafft hat — Ha, Reb Schimschon?..." Reb Schimschon streckte die Waffen, und daher streckt« chm auch die junge hübsche Frau ihren Finger entgegen, auf er dm Ehering steckte So sah sich Reb Schimschon auf einmal an der Seite einer jungm, hübschen Frau als frischer Ehegemahl. — Was läßt sich da gegen den Willm Gottes rinwenden? Gott hat genommen, Gott hat gegeben, es'sei ihm Lob und Dank auch dafür! (Fortsetzung folgt.) Vefch»eid»«g»feierlichkeit i« Yttdiz-Siosk. Am voiletzttn Donnerstag fand in Konstantinopel daS Fest der Beschneidung des jüngstm Sohne» des Sultans, des Prinzen Muhamrd Buchau«ebbin Effendi, statt. In der Regel wird an dm türkischen Knaben erst im siebentm oder achten Lebensjahre dieser religiöse Akt vorgmommen. Der Prinz jedoch wird erst im Dezember dreses Jahres sein sechstes Lebensjahr vollendet haben, und es mögen hauptsächlich finanzielle Gründe gewesen sein, welche dm Groß- Herrn destimmtm, dm genannt« Prinz« schon jetzt der Beschneidung zu unterwrrfm. ES -ist nämlich ein« alte Litte, daß gleichzeitig mit dm kaiserlichen Prinzen die Sühne der Broßwürdmttäger de« Reichs und vieler armer Leute beschnitten werden. ES soll, nach dem Wunsche des Padischah, da» Volk an Freud und Leid d«S Herrschers stets Sntheil Hadem Diesmal wurdm an ungefähr fünftausmd Knaben Beschaeiduvgen gleichzeitig voraeuommen. Dies« sämmtlichm Brschneidungen finden auf Kosten des Herrschers statt, und außerdem werden dir Kinder sowohl al» auch chre Eltern »it Geld brschmtt. Uildiz-Aiosk war in feinen Partrrre- Räumlichtettea zu einer Art Lazareth eingerichtet worden. Recht« und link» vom Hauptportal zirhm sich «ehrere, je IVO Meter lange und 10 Meter breit« Säle hin. Alle waren mit Betten gefüllt, von denen je vier durch ein Gitter, da» mit bunt« Bändern, Lampions und Blumen reich geschmückt war, zu einer besonderen Abtheilung vereinigt waren Am l Uhr begann der feierliche Akt mit der Beschnridung des Prinzen. Solkau u wurde die Eeremoni« an den Söhnen der Großwürdenträger vorgmommen. E« war rin ganzer Stab von Aerzten und Lhirurgen in angrstrmgter Thätigkeit, um die fortwährend von ärmerm Elttrn herbeigrsührttn Knaben der gleiche« Handlung zu untrrzichcn, bis alle Betten gefüllt warm. Rach bemdeter Eeiemonie versagten sich die hohen Würdenträger zum Sultan, um diesem ihre Glückwünsche und ehrerbieliAtru Dank darzuvringra. In dein über dem improvisirtea Lasarrth befindlich« Stockwerk war für 100 der vornehmst« Väter und Verwandt« eine Galaiasel hergerichtrt, während die übrig« Angehörigm in anderen Räumen gesp I» all« Sälen waren türkische Orchester, welcke mit ihres national« Weis« -ble Mimik«--, Honswürstr und Zaub^ künsiler begleiteten, die die Aufgabe halt«, mit allerhai lustiger Kurzweil die Knabm die Schmerz« zu lind In ähnlicher Seift vollzog sich der cerrmonielle Akt verschiedmen Hospitälern. Kliniken rc. Der jüngst beschnittener PrinzBurhan-eddinEffendi istSergmnt im Marine-Batailloni" Jeden Freitag steht er vor der Front seiner Goldatm und! erweist de« vorüberfahlmden taiserlichmBater dir militärisch«/ Ehrrn. Zum Schlüsse sei erwähnt, daß der Konstantinopler« Korrespondent des japanisch« Blatte» „Djidji Ehen-P»",' Ruda Effendi, zum Jslamismu» übergettet« ist und ebm» falls gleichzeittg mit dem Prinzen Bnrhan-eddin deschnittm wurde. _ Allerlei für de« A««Uie»tifch. Soll «an für de» Zaren beten? Man sagt, daß die russisch« Israeliten dm Zar nicht--! lieben, obwohl dies gar nicht erwiesen, vielmehr da» Gegm- ' theil der Fall ist und zwar au» demselben Grunde, aus dem mau z. Z. Peter den Grausamen geliebt. Eines Tages bemerste dieser eastilianische Fürst auf seiner Reise, daß unter den Bivatrufern sich ganz besonder» eine alte Frau durch ihren Enthusiasmus hervorthat. „Alte,* sagte der Fürst, „warum schreist Du so laut? ich glaube. Du meinst es nicht ehrlich." — Sie antwortete: „Ich habe Deme« Bat« und Deinen Großvater gekannt, und da diese nicht so schlimm war«, wie Du, so glaube ich. daß Dein Nachfolger noch schlimmer sein wird als Du und Dich an Grausamkeit übertreff« wird. Deshalb bringe ich Dir ein so lautes Vivat." — Bett» wir also für den Zar. — (Ob's überhaupt noch schlimmer werden kann!) Epigr»««e. Rach dem Hebräischen melrisch übersetzt om L. Cohen-»««» «. »h. Todirnaridrr« Testament „Den Doctor Pill mach' ich zu meinem Erbe«, Denn so wie er sorgt Keiner für da« Sterben." Der Plaßiator. A. „Sein Wett ist weit schon fortgeschritten Und macht dem Nutor alle Chre." B. „Gewih, wenn er"« nicht au»geschuitten ««schrieb» Hütte mit der — Schee«." -«Gj Withsel - Aofoade. I. A«ttsche» Ssmp»lM»»»rstt-fer. von 6. in L. Ein Wott, da» gar viel Leid» bringt Den Juden in dem »euhenland; Wer'« doppelt ineinanderschlingt, Sieht «in Gebirge «ohlbttannt. n. Ks-raischeA -L»S»-rBPß. von 6. in L. Der Rensch hat de«» uoet, Da» Jahr dagegen drei; Ci« Dutzend sah da» heU'g« Land, Nachdem ein Q ward vorgespannt. A-R-smss der Wtttzfel i» »er. Ar. L -am», «m» «oha »me» , _ n. crnayi m* «»»; g-y^p rrtrs (»u 10 »ei>o«e). Ga- B'tU.