Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 26 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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sie so oft im Hoftauine «spielt und allerhand aderstreiche ausgeführt. Freilich sieht er jetzt ganz anderjnti als damals, wie er 'das Haus verlassen hat. Er ist äroß und schön und .männisch' geworden und da» Kinn «jt ihm bereit» von den Anfängen eine» Barte» beschattet, aber er ist ja doch ihr Cousin Dowidel, derselbe von ehemals! Urberhaupt erschien ihr heute Alles im Hause etwa» ganz anders al» gewöhnlich. Die Sabbathlichter leuchteten traulicher und lieblicher und gosien ihr schöne» Licht ihr di» in da» Herz hinein und in allen Räumen webte «ab schwebte e» wie ein Geist vom Paradiese Sie hätte auf» ianchaen mögen, nur verwirrte sie jede»mal der Blick Dowidel», oen sie immer auf sich ruhen sah, aber auch in dieser Verwirrung lag etwa» Süße- und Wonnevolle». — Sie wußte gar nicht wie es ihr geschah! ... Und da» Esche» Chajil? sie saß, den Kopf auf den -Ellenbogen gestützt und sah mit verzückten Blicken bald zu Perele und Dowidel hinüber und bald zu ihrem Manne, der die Hände auf dem Rücken verschlungen im Zimmer auf und ab ging und mit einer innigen und lieblichen Melodie jenen herrlichen, hebräischen Text vor sich hinsang, der in der Uebeisctzung lautet: .Ziehet in Frieden ein, ihr herrlichen Friedens«»«!, Königs aller Ihr göttlichen Wesen, Ihr Sendboten des Königs Könige, des Heiligen, gelobt sei Er!' Und nachdem Red Jäkele die Friedensengel bei sich im Hause begrüßt hatte, stimmte er mit einem jauchzenden Gesang« jenen herrlichen Hymnus an zum Ruhme der biedern rau, den der weise König Solomon gedichtet hat mit den orten: .Sine biedere Frau, welch' ei« Fund! Mehr al» die kostbarsten Schütze ist ihr Werth. Auf sie vertraut da» Herz de» Manne» und da» Ber- »Sgea vermindert sich nie. Sie forscht nach Wolle und Flach« und regt mir Lust ihre Hände. Einem Handelrschiffe gleichet sie, von Ferne her bringt sie ihre» Erwerb. Sie sinnt aus Felder und kaust sie. Dank ihrer Mühe besitzt sie Weingärten. Sie umgürtet mit Ikraft ihre Lenden und stühlt ihr« Arme, «i« sieht, dah ihr Erwerb glückt und selbst bei Rächt lösch« sie ihr Licht nicht au«. Ihre Hand reicht sie den Armen hin, den Dürftigen ihre üiaben. Ihre Hüllen find Purpur und Seid« und Pracht ihre Umgebung Durch sie wird der Rame ihre» Manne» weit bekannt. Sein Sitz ist unter den Bornehmften der Stadt. Wenn sie den Mund öffnet, quillt Klugheit, Liebe und Sanstmuth entströmen ihrer Zunge. Erkenne« an ihre Verdienst«. Ihre Lhalr» loben sie in den Thoren der Stadt!" Die meisten dieser Stellen, die mit Recht aus seine rau sich anwcnden ließen, wiederholte er zwei und drei lol, immer mit jauchzender Stimme, und als er mit diesem Lobesliede zu Ende war, wandte er sich zu seiner Frau mit den Worten: „Siehst, mein Esches Chajil, das gilt Dir!' Nachdem der Segcnsspruch über den Wein von Reb Jäkele und sämmtlichen männlichen Tischgenoffen gesprochen wurde, .setzten sich alle zu Tische und ließen sich die guten Sabbathspeisen nod den Wein gm schmecken, worauf die Stimmung immer terer wurde. Reb Jäkele ließ es an Scherzworten über heit, sein > Esches ise abzui Chajil nicht fehlen, die diese in recht launiger -Weise abzuwehren verstand. Dowidel gab zum Besten verschiedene heiter« Episoden ans seinem GeschäftStrbe», wa« nicht wenig die Lachlust erregte. Rach und nach gewöhnte P«d Perele an ihre« Cousin, so daß sie nicht mehr in KhänchWerftstwhe ihren Blick senkte, wenn dieser sie ansah. ja, sie erging sich mit ihm in einem vertraulichen Gespräche, in welchem sie sich allerlei Seenen au» den gemeinsam W»erlebten Kiuderjahren in Erinnerung brachten. So verfloß ~ Abend und der morgig« Tag in lauter Wonne und lirnfreudrn. Roch lustiger ging es bei Reb Jäkele in dem darauf »den Abend zu. denn da versammelten sich alle Vorder Gemeinde, um die Verlobung zwischen Dowidel .'«nb Perele zu feiern. Nicht wenig waren all« .Web Jaktte, nachdem der Akt p Giften ersffnett, er habe muh heute mit seiner der in ihrer Gegenwart »lg waren all« überrascht, t der Berlobung zu Ende abgemacht werden soll, und da legt« er ihnen jeaes Schriftstück vor, in welche« er sich verpflichtet, ,ein Guthaben am jenseitigen Leben mit seiner Frau zu theilen. „Ja stimmten all« zu, Rechele habe es sich um ihn verdient, denn nur sie hat es ihm durch ihre wackere Arbeit möglich gemacht, fei» Leben der heiligen Tora und dem Dienste Gottes z« widmen.' Me Anwesenden unterschrieben sich aus diesem Schriftstücke al» Zeugen. Nachdem da» geschehen, stimmten auf da» Verlangen Reb Jäkele'», alle seine dreißig Talmidim die mit bei dieser Festlichkeit waren, unter der Leitung de» Vorsängers der Gemeinde daS schöne Loblied über die biedere Frau mit den Textwortrn: „Eschea Chajil mi jimzo >« Reb Jäkele und seine Frau erreichten in Glück und Wohlstand ein hohe» Lebensalter, so daß sie sich von vielen Enkelkindern umgeben sahen. Reb Jäkele starb um einige Monate früher al« seine Frau. Am Sterbetage ihres Mannes war Rechele darauf bedacht, bei der Gemeinde einen Platz auf dem Friedhof für zwei Gräber zu kaufe«, für sich und ihren Manne. „Wir belde", sagte sie» ..gehören auch nach dem Tode zu einander.' Al» auch sie nach einigen Monaten ihrem Lebensende sich nahe fühlte, verthrilte sie mit eigenen Händen ihr nicht geringes Vermögen, da« sie erworben, unter ihre Erben und gab ihnen ihren Segen. „Alles was ich besitze, meine Kinder," sagtt sie, „gehöN Euch, ich nehme nichts mit mir, aber eines sollt ihr mir mit in da» Grab geben und da» ist diese Schrift, die mein seliger Reb Jäkele mir vor Zeugen ausgefertigt hat; denn mit dieser werde ich vor meinen himmlischen Vater hintreten und ihm sagen: „Ich bin im Leben nur eine sündige Frau gewesen, aber ich habe schwer gearbeitet und mich gemühet, damit es meinem Manne möglich sei, Dein hetligrs Wort zu verkünden und Dir zu dienen mir ganzem Herze» und ganzer Seele. Dafür hat er mir versprochen, den Lohn, den Du ihm in der Welt der Wahrheit vergelten solltest, mit mir zu theilen, was in dieser Schrift deutlich zu lesen ist!' Die Sinder besolgttn auch den letzten Wunsch ihrer Mutttr und gaben ihr jenes Schriftstück mit in da» Grab, und so staib Rechele ganz wie sie gelebt hat, al» eine wahre EscheS Chajil. i Ankündigung. In der nächsten Kr. des neuen Quartal» beginnen wir mit dem Abdruck de» von un» erworbenen hochinteressanten, spannenden Original- RomanS au» der Zeit der letzten Masse auSweisung der Juden auS Rußland und Preußen: . „Mttah." I Zestgeschichtluher Roman von H. Berger m*i♦»♦»♦»♦i•i .»•♦«»•» 1 al» T orf :n- ♦ nd T I Oali» HwBMfnl rediviru. Bo» Rabbiner Dr. Frankl»Grün. Selten noch hat ein Buch solch allgemeine» und be- Jateresie erweckt wie Eduard Bellamy's: „Ein Rückblick au» dem Jahre 2000.' Besonder« aber muß der jüdisch« Leser von den darin entwickelten Ideen eine« Zukunftstaates sich angrzoaen fühlen, weil sie ihn so lebhaft an Ansprüche seiner Äropheten. welch« das messianische Reich ans denselben Grnndzügen construirten, «in Reich, inüpelchem wirkliche Gleichheit herrsche», jeder Haß und Neid, jeder " ed zwtfche» Ar« und Reich aufhören soll. Die in liMpft gchhitdmA ZeU der bestehenden Güter- Unterschied