Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 26 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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.Und hast Du schon Jemanden im Auge?* »Hm*, machte er, .vielleicht eine» von meinen Bachurim, ,iim Beispiel den schwarzen GÄale. Er ist ein Wohllerner wie selten einer und auch aus sehr guter Familie.* »Nein*, entschied sie, .der wäre nicht der rechte Man« ■;ir unsere Perele.' .Und warum?* .Unsere Perele eignet sich nicht, die Lasten einer Familie zu tragen, sie muß eine» Mann bekommen, der arbeiten kan».* Reb Jäkele senkte da- Hanpt. ,D« hast Recht, Rechäe*, sagte er. „Du sühlst eS leider am Besten, wie schwer es für eine Frau ist, wenn sie für die Familie arbeiten must* .Aber D» Schlimmesalaik einer*, wehrte sie mit lachender Miene, „wer spricht denn davon? Mir grwähn ja das Arbeiten nur eine Freude. Ich meine nur, daß unsere Perele sich nicht gut dazu eignen würde. Sie ist jo von gar so zartem Körper bau.* „Aber ich weiß es. daß ich ein Unrecht vor Gott und Menschen begche, daß ich Dich allem arbeiten lasse. Weißt D«. ich will von jetzt an Dir mithelsen.* Rechele konnte bei diesen seinen Worten eia Lächeln nicht unterdrücken, sie erinnerte sich nämlich, wie er nach der Hochzeit in der Handlung gestanden, die sie damals geführt hat und mit singendem Tulmudton den Kunden die Waare aufgelobt, und wie er bisweilen, wenn ein friaspitziges Pschettet*) ihm durch den Kopf ging, gar nicht mehr wußte, waS um ihu geschah, sodaß man ihm vor der Rase die ganze Handlung hätte wegstehlen können. .WaS Dir nur einfällt*, sagir sie endlich, »Du siehst ja, ich werde ohne Dich fertig. — Bleib' Du nur bei Deiner heiligen Gemorr,**) das ist Dein eigentliches Geschäft und ist auch die beste Waare!* .Aber was hast Du davon?' .Ich will schon davon etwas haben, das sollst Du bald erfahren. — Vorher muß ich mit Dir wegen Perele sprechen* .Nun, was ist Deine Meinung?* „Meine Meinung ist, daß unser Dowidel der beste Bräutigam für sie wäre, er ist bei uns auserzogen, Du kennst ihn ja, er ist ein stommes Kind, hat auch was gelernt, und was durchaus nicht zu verwerfen ist, er ist ein ausgezeichneter Kaufmann.* „Ich hätte gar nichts dagegen. Dowidel war immer ein stommes Kind, wenn er nur dabei geblieben ist.* „Sei nur unbesorgt, Dowidel ist das geblieben, was er bei unS war, ein stommes Kind, und ich kann Dir nur sagen, daß, wie ich heute unserer Perele erzählt, bajj unser Dowidel für einige Tage herkommt, da haben ihr die Augen aufgcleuchtet wie zwei Sterne, so daß ich mir bald denken mußte, das ist rin Siweg.****) .Gut auSspekulirt, mein Esches EhajiU* stimmte er lustig zu, indem er ihr wiederholt auf die Schulter klopfte. ^Jetzt aber laß einmal hören, was für Kaufpreis Du vou mir verlangst für Dein bisheriges und auch weiteres Mühen »nd Walten zu meinem und dem Wohle unserer Kinder?* .Gut, das will ich Dir sagen I* Reb Jäkele stopfte sich die Pstist und setzte sich zu ihr HG. „Nun, Esches Ehajil, so red' doch einmal rin gescheites Wort!* ermunterte er sie. „Ob es gescheit ist, weiß ich nicht, aber stage« will ich Dich vor allem nur das Eine: Ist es wahr, daß Gott uns ffli einander bestimmt hat, im Leben Leid und Freud' mit emander'zu theileu?* »Natürlich, bis hundertundzwanzig Jahres* erwiderte er in alter Redensart. *) Talmudtsche Auslegung. **) TM—*»* ,G«t^, nah« ftr »medc» a»I... auch in der zweiten besseren Welt zu einander gehören, sage mir, wie würde das nur aussehen, daß Du im richtigen Ganeden*) weile» wirst und ich, eine sündige! Jüdin, wie ich bin, «S von der Ferne zufchauen muß und! nicht in Deine Nähe kommen darf? So. sag' Du nur selber, hätte dies ein Aussehen?* „Aber Du Narr*, wehtte Reb Jäkele, „wenn einer vo», unS beiden in das Ganeden kommen sollte, so wirst Du «s; sein, denn Du thust viel Gutes, arbeitest für Mann und' Kind und übst Wohlthatrn I* „Damit bleib Du mir nur weg! Ich weiß schon, werdas Ganeden verdient. Du gehst in Gottesweg, verkündigst laut sein heiliges Wort, Du weißt nur zu beten und zu lernen, und ich — wer bin ich? WaS bin ich? Eine arme sündige Frau. UebrigenS. ich will nicht mehr, ich will nicht weniger, ich will nur. daß wir auch auf jener Welt bei einander bleiben sollen!* „Und was soll also geschehen?* „Einfach, Du sollst Dich verpflichten. Deinen Lohn auf. der bessern Welt mit mir zu theilen, wie eS sich zwische»: Eheleuten gebühtt!" Reb Jäkele überlegte eine kleine Weile, i „Ja. Du hast ein Anrecht darauf*, sagte er dann, „gut, ich gehe darauf ein. Ich theile mit Dir, wenn nur etwas zu theilen sein wird!* „Halt!* tief sie, „das Wort allein genügt mir nicht.* „WaS denn sonst?" „Schriftlich will ich's von Dir haben, vorzeigen!* .Ist das aber ein Esche» Lhajil!* lachte Reb Jäkel«!, „sie will Alles nur schwarz auf weiß haben. — Meinetwegen, ich gehe auch , darauf ein — und wann soll das geschehen?* .So Gott das Leben schenkt am Tage, an welchem wst unsere Perele verloben werden!* „Einverstanden!* „Nun habe ich meinen Wunsch erreicht!* rief sie steudig aus. „Jetzt heißt eS weiter an die Arbeit gehe», für den lieben, heiligen Sabbath alles vorbereiten!* ' Was war das aber auch für ein lieber und gemüth« < licher Sabbath bei Reb Jäkele im Hause! Bon der Shna-/ goge zurückgekehrt, führte er seinen Gast Dowidel am Arme/ einen herrlichen, schlanken Jüngling, von edler Gestalt, mit ' krausen Seitenlöchchen und schwarzen lebhaften Auge».j Hinter ihnen folgten zwei arme Gäste, die Reb Jäkel«, wie. gewöhnlich, sich für Sabbath zu Tische lud. Ein helles, freundlich Licht empfing sie, als sie die Schwelle übertratrn, ausgesttahlt von den in allen Räumen der Wohnung'/! brennenden Sabbathlichtrrn, während von dem Ofen eine behaglichc Wärme auSsttömte und der liebliche Geruch der" mit einer würzigen Sauce versehenen Fische schon beim Ei! tritte in die schöngeschmückte und hell erleuchtete. Stube-? ihnen entgegen duftete. „Gut SchabbeS! Gut Schabbe»!* grüßten die Gäste, in'» Zimmer tretend, und Rechele, die mst ihrer Tochter am Arme ihnen zur Thüre entgegenaing, grüßte mit heiterer Stimme.zurück: .„Gut tzchatwesl Gut Schg,bbes!* Die schöne, hochausgeblühte Perele nahm in i! schönen Sabbathklewer» sich gar vortheilhaft aus am ihrer kleinen, anmuchigen Mutter. Ihre Luge» lern, in einem gar seligen Glanze, während ihre Waage»/ holder, jungfräulicher Röthe glühten. Sie wußte sich «ine Rechenschaft darüber zu geben, warum sie j den Blick Niederschlagen mussie, so oft sie den Blick D begegnet« und warum heule, das Herz in ihr so flatterte sich so unruhig fühlte. Ist es doch derselbe dem sie von Kindesbeine« '