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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 26 (1891) · p. Seite 102

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
26 (1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 102 (sequence 4)
Language
German
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g^meiuichaft ktt {eW* mflfoirm PrivatrigenchumS und der Bestreitung der Bedürfnisse des einzelnen Haushaltes au« dem Gesammtvermöge». führen unfern Blick auf 2000 Jahre zurück, auf die Entstehung de« EssäerordenS. ja, die ganze Anlage de« Boche« lenkt unser Augenmerk auf eine mit ihm merkwürdig übereinstimmende Erzählung aus dem Tractat Taanit (Babli S. 23, Jerus. S. 9 etwa« abweichend), die wir ihrem Hauptinhalte nach hier folgen lasten: Während seines ganzen Lebens beunruhigte den frommen Essäer ^.nias Hameaggel der Wortlaut de« Psamverses: Al« der Ewig« zurückführte di« Gefangenen Zion», waren wir wie Träumende. .Ist es lenkbar, daß Jemand 70 Jahre die Dauer der Gesangenschast) schläft, träumt?- lieber dies« Frage nachdenkend, sieht er eine« Tage», wie ein Greis einen Baum rinpflanzt, dessen Frücht« erst nach 70 Jahren reif werden. .Kannst du daraus rechnen noch 7V Jahre zu lrben und dies« Früchte zu genießen?- .Was thuts, erwiedert der Landmann?- .als ich zur Welt kam, Hab« ich solche Frücht« angetrossen, und wie die Vorfahren für mich, so will ich auch für die Nachkommen sorgen-. Er jetzt seinen Weg fort, stillt seine» Hunger und will in einer Höhle von seiner Müdigkeit auSruhn, wo ihn nun ein langer, fester Schlaf überfällt. Ueber seinem Haupte wSlbt sich eine Felsengrott«, über welche sil» verschiedene Gewächs« schlingeln, so daß er jedem menschlichen Blicke verborgen bleibt. Er erwacht und begiebt sich an jene Stelle, ipc er zuletzt den Baum pflanzen sah, dessen Früchte nun ein Mann genießt .Weißt Du, wer diesen Baum gepflanzt?-fragt er diesen. .Mein uiroßvater wäre«!- Au» dieser Antwort schloß Lnias, daß er 70 Jahre q-jchlasen ha». Wohin er seinen Blick wendet, stSßt er auf gewaltige «Liänderuuaen. Er begiebt sich in sein Hau», fragt nach seinem Sohn«. .Wir sind dessen Kinder!- erhält er zur Antwort. Er repräsentier sich diesen al« der Ahnherr dieses Stammhauses, ivas ihnen ganz unglaublich erscheint. Darauf geht er in» Lehrhaus. Sein diame, »l« seine klaren, lichtvollen Anschauungen werden von den Weisen mit großer Ehrfurcht citirt. Er beiheiligt sich an den Debatten, will manche Hrag« lösen, doch er wird verspottet und verlacht. Bergeben« giebt er sich zu erkennen, man glaubt es ihm nicht und sieht ihn mit tsrringschätzung an. In seiner Vereinsamung bitter er Gott um den Tod. Dasselbe Geschick trifft den Helden unseres Romans. Nur schläft Wrest in Folge eines Starrkrampfes 113 Jahre, träumt inzwischen von einer idealen Welt, von Gerechtigkeit und Brüderlichkeit, welche die Menschheit leiten und führen, und jedes Wesen in seinem Nächsten Fleisch von seinem Fleische erblicken, alle Bewohner wie Kinder eines Bakers, einer Familie, sich betrachten lassen. Und als er beim Erwachen diesen Traum verwirklichen will, seine erhabene Bision verkündet, wird er sogar von seinen Angehörigen verspottet, von seiner nächsten Umgebung für einen wahnwitzigen Schwärmer und Träumer gehalten, so dag er mit seiner crbabcnen Ansicht von der Regulierung der Berhältuissr de» Menschengeschlechtes verspottet und verhöhnt dastrht. Bor Schmerzgefühl und in verzweifelnden Selbstanklagen, daß auch er zu denen gehörte, welch« au» Quellen «ranken, welche sie nicht erschlosten, und von Bäumen aßen, die sie sicht gepflanzt, wünschte er sich weg von einer ihm fremd erscheinenden Welt, in der eü ihm zu Muth« war, wie einem entflohenen Sträfling, welcher träumt er sei wieder ringe» sangen und in einen dunklen Kerker zurückgebracht worden. Ein ähnliches Gllichuiß wendete bekanntlich auch ein Agadist an, um den oben angeführten PsalmenverS zu erklären. wie es ja überhaupt die Welse der früheren Maggidim war. sich (gleich dem Verfasser de» Rückblickes) in «ine andere Welt, inS Reich der Tiäumr zu versrtzen, um von einer lebendigen Traumwelt au», du Zustände der Gegenwart zu rügen und zu verbessern. Wir haben nur die auffallendsten verwandten Züge zwischen dem sehr fesselndem Buche und unseier Erzählung hervor gehoben, die nähere Ausführung des Vergleiches dem Leser überlassend, der vielleicht über diese gleichen Ideen Aufschluß zu geben vermag. Immerhin wäre es von Jntereste zu erfahren, ob dieses merkwürdige Zusammentreffen, die häufige Anwendung biblischer Bilder und Ausdrücke, (er findet „da» Blut erwürgter Seelen* auf seinem Gewand«, dessen „Blut au» der Lro« schreit": was hast du mit de« Bruder Adel gethan; die Sonne blickt herab u. s. w.) wü vielrntalmudischen Redensarten auf Zufall Litteratur «ventuek zurückzuführen ist. auf eine in? Allerlei für de« A»«Uie«tisch. Au» »er Autsgrupheusaunuluut »« OuuOe« der «»«wauderude» rxsstsche» Jude« theilen wir noch folgende zwei Autogramme mit: »Rohen Völkern verzeiht man Umueaschllchkeiten; macht s die Regierung eine« Volkes, da» zu den Kulturvölkern gezählt^ sein will, derselbe»»-schuldig, so beweist sie damit, daß dach Volk, bei dem sie möglich sind, ans den Namen eine» Kulturvolkes keinen Anspruch hat. Die Vertreibung der Jude» au» Rußland steht auf einer Linie mit der Versendung .auf administrativem Wegenach Sibirien " Rudolf von Jheriug. .Versönlich seid und übet Milde! Doch olles Mitleid sei verboten Im Kampf mit der verruchten Gilde Der wuthbesrffenen Zeloten; Denn toll wär'S Duldung zu.verlangen Für tolle Hunde, Klapperschlangen!" _ Wilhelm Jordan. HumortftischeS. 1. Ein jüdischer Reisender erzählt folgende Münchhausenade. .Er habe cinen Mann gekannt der so großartig den Hahn nachmachen konnte, daß, wenn er zu krähen begann, die Sonne ausging." 2. Demselben Manne spricht man von einem wunderbaren Zwillingspaar, von zwei Schwestern, die nur «inen Rumpf hatten. .Pah!" sagte er. .ich habe schon vor JahreA so etwa« gesehen; nur waren eS damals nicht zwei Schwestern, i sondern zwei Cousinen." Ein Bettler spricht beim Baron Rothschild vor. .Der , Baron empfängt heute nicht", sagt der Portier. „Das ist! mir gleichgültig, wenn er nnr giebt." Kittlßsel-A«f-«üe.!*► I. A»eisprachige« Mirterräthset. Bon 0. in K. Westfalen ictat uns eine Stadl, «Inzi« Die «ine einzige Silbe hat; Bor diese sess ein halbes Fest Und hinter sie alsdann den Nest. Ob's Ech'buoth, Peßach, Sukkoth sei, Gilt bei der, Lösung einerlei: E« muß jedoch hebräisch sein, Sonst kann die Lösung nicht gedeih'». Vereint erscheint ei« Mann sosort, Der mächtig mirkte durch sein Wort, Der als Prophet wird hochgeehrt Von Jedem, dem sein Won ist «erth. II. KeSräischsa Limtritttzset. Bo» A. K. in London. Mit 1 «an sie in Menge finde«, Und «eil sie nützen, mir sie pflegen; Mit'« es nicht so viel« find, Doch halt' sie stns, sie bringen Lege«. Aaßöftmg der Witlstrl i» ,»e. »r. (»>t. «•«•tinwo. nm. Bernnvmntlicher «edakteur: Dr. H «atzmer. ttagtetarg. Druck: D. 8. Wolss, «botefcucg. Verlag: Kosen -••Vii iiirr -rmitfcfrftttf f *■-

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