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Jüdisches Familienblatt · 1891-01-01 · 26 (1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1891
Issue
26 (1891)
Date
1891-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Donnerstag nach Mittag jedoch machte er sich regelmäßig von allem frei und widmete sich ausschließlich bi« zum nächsten Sonntag dem Hause und der Familie. Aber auch seine Frau Rrchele sagte sich Donnerstag von allen ihren Geschäften lo«, die sie ihren Leuten überließ und lebte al« Hausfrau ihrem Manne und ihren Kindern. Ihle Tochter Perele übergab ihr wirdrr die Schlüssel, und die Geschäftsfrau schickte sich wieder in ihrer Rolle als Wirthin, die im Hause schaltete und waltete, im Keller, in der Küche, in der Speisekammer, kurz, sie war wieder Frau, Mutter »nd Gattin in dem edelsten Sinne de- Wortes. Hurtig begab sie sich mit dem Dienstboten auf den Marktplatz und besorgte alle Einkäufe für den lieben heiligen Sabbath: Fische, Schmalz, Eier, Geflügel und was sonst die Bedürfnisse erforderten. Fertigte sie sich damit ab, dann nahm sie ihre Kinder, eine« um da« andere zum Waschbecken hin, entkleidete sie und fing an, mit Wasser und Seife sie zu waschen und zu säubern, daß r« lustig plätscherte und die Kleinen unter der säubernden Hand ihrer Mutter wie die munteren Fischlein sich her und hin warfen. Drauf durchsah sie die Wäsche und Kleidungsstücke, ob nicht hier und da etwas zu flicken und nachzubeffern sei, wobei ihre Tochter Erle ihre wacker bei der Hand war, um ihr zu helfen. Abendzeit nahm sie den für den Sabbath gekauften jt in die Arbeit, den sie schabte und in Stücke zerschnitt und jede« Stück im Wasserkübel tauchte. Ab und zu kam Reb Jäkele in die Küche und sah mit sichtlichem Behagen zu, wir sein kleine« rundliche« Weibchen sich rührte und mit den vollen bi« zu den Oberknöchrln entblüßten Armen im Wasser herumpatschte. War Niemand inder Küche, dann trieb er seinen Scherz mit ihr, indem er ihr wiederholt die Wangen zwickte, wa« sie nicht verhindern konnte, weil sie beide Hände beim sich badenden Hechte vergriffen hatte. »Run, Eische« Ehajel", scherzte er, »immer nur «unter zu.» »So geh' doch Schlimmesalnik", lachte sie abwehrrnd, »Du stärst mich ja!" »So verhindere ech wenn Du kannst", nickte er. »Wart', Du sollst bekommen, Schlimmesalnik" — und ch stäubte ihm «in Tropfrrgrn in'« Besicht, daß er auf einmal futschnaß wurde und tausend blinkende Tropflein ihm im Barte hängen geblieben, die er sich mit beiden Händen herauSzuschütteln suchte, während sie vor Lachen sich me Hüften hielt. Alle Tugenden und auch alle Schwächen einer Frau vereinigte sie in sich während dieser zwei Tage, die Eitelkest nicht aiiSgeschloffen. Ihre Kleider, die sie Sabbath trug, mußten nach der neuesten Mode genäht sein, auch sah sie oft und gerne in den Spiegel und ihrem Manne gegenüber bot sie ave Mittelchrn der Koketterie aut, mit welchen sic ihn ganz an sich feffelte, daß er keinen Augenblick an Bachurim dachte. Auch ihr gute- Herz zeigte sich an diesen Tagen von der schönsten Seite. Von allen Seiten strömten die Armen der Stadt zu ihr hin, von welchen sie keinen einzigen mit leeren .Händen von sich tortschickte. Die verborgenen Armen keimen ihre Gaben in schonender und liebevoller Weise nach Hause zugesendet. Kurz in diesen paar Tagen zeigze sie sich al« eine wahre Perle der Frauen. An einem jener Tage machte Rechele Vorbereitungen für den lieben Sabbath, mehr als gewöhnlich. »WaS ist denn heute mehr als sonst?" fragte sie ihre Tochter Perele. »Wir bekommen für den Sabbath einen lieben iyast." „Wen denn, Mutter?" »Unser Dowidel kommt heute äuS Jassy und bleibt einige Tage bei un«. — Ist e« Dir nicht lieb, Perele?" Perele erwiderte nichts, aber eine holde Röthe übergoß ihr Gesicht und sie fing von diesem Augenblicke an mit um so größerem Eifer die Hände zu rühren. Sie wischt« und stäubte und säuberte alle» im Zimmer herum, daß e» aar kein Ende nehmen wollte und e« lag eine besondere Freudigkeit in der Art, wie sie sich mit den Dingen im Zimmer beschäftigte. Auch Reb Jäkele kam mit der langen Pfeife im Munde zu seiner Frau in die Küche. »He, wie aber mein Esche« Ehajil sich heute die Hände auseinandermacht!" rief er ihr lustig zu. »Wir bekommen ja auch heute einen sehr lieben Bast", versetzte sie. »Thatsache, freue auch ich mich, daß er endlich zu un« berüberkommt, denn ich habe ihn immer recht lieb gehabt, oen flinken und klugen Jungen." Eine halbe Stunde, - nachdem sie mit ihrer Arbeit in der Küche fertig wahr, begab sie sich zu ihrem Manne in« Zimmer und knüpfte mit ihm folgende« Gespräch an: »Weißt Du", begann sie, »ich merke e« erst heute, daß unsere Perele in den letzten paar Monaten zu einer Jungfrau aufgeblüht ist." »Nun sie hat ja auch (bis hundert Iahre l) schon da« achtzehnte Jahr zurückgeleat", erwiderte er. »Ich denke, man muß sich ernstlich umsehen." »In den letzten Tagen habe ich auch schon sehr oft 393887

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