Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 25 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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xt pt »Je^ wolle« Mir thrawf sehe«: Vas saut Manuonides?" Der Damnen bewegte sich «od alle dreißig Stimmen polterten den MaimonideS. »Also »o^- orurerkt!" griff der Primus wieder ei», »nach dem was wir früher gesagt haben folgert —* der ganze Chor wiederholte was folgert. .Wieder Recht Istimmte der PrimuS zu. »Jetzt sehen wir* fuhr er fort, »nach der Auslegung de« Mahrschoh ist Red Lhijr nicht anderzu verstehen als —" der Lhorus von 30 Stimmen recitirtr, wie Sieb Ehije nach dem Mahrschoh zu verstehen sei. »Und nun", schrie der PrimuS »nd der Daumen bewegte sich in der Lust wie eine Siegessahn«, „halten wir un« Reb Ehije's System dem MaimonideS gegenüber, so werden wir finden —", der Daumen schwang pch bis in die' höchste Höhe und alle dreißig Stimmen Sben donnernd den Schlußakkord: »so werden wir finden, ß gar kein Unterschied zwischen ihnen ist!" .Und was noch werden wir finden?' fragte Reb Jäkele mit munterer Stimme. Sechzig Augen richteten sich mit verblüffendem Ausdruck auf Red Jäkele — Was wäre da noch zu finden?* »Daß Ihr alle Recht habt!' führte Reb Jäkele luftig aus. Di« letzten Worte Reb Jäkele'» waren begleitet von dem gellenden Gelächter aller dreißig Bachurim, die jetzt mit einander auSgesöhnt waren, denn so war es ihnen ganz recht, wenn fle nur eilt gemeinsames LooS theilenl »Run, was sagst Du dazu, Schwarzer?" wandte sich Reb Jäkel« zu dem neben ihm sitzenden Bocher, der schwarze Gedale genannt, indem er ihm rücklings mit* dem Pfeifenrohr unter dem Arme fuhr und ihn mit demselben zu kitzeln anfing, 'daß der arme Bochur, der etwa« nervös war, unter «nein krampfhaften Lachen mit allen Gliedern zuckte und beide Hände wie zwei Windmühlenflügel umherfahren ließ. (Schluß folgt) Die Verfolgte«. Et» Lr«m». Bon 8R. Ttlberstein. (Schluß.) Plötzlich hörte ich tausend ächzende Stimmen hinter mir, und die Furcht trieb mich weit weg und füllte meine Einbildungskraft mit diesen grauenvollen Tönen, bi« eine andere Scene meinen Geist, wenn auch nur flüchtig be» sänftiate. Ich sah Berge bi» zu ihren Gipfeln mit hohen und schattigen Bäumen bedeckt, und Tbäler mit ihren verschiedenen Windungen von stiedlichem Gehölz umgeben. Gin friedlicher Strom wand sich langsam durch da« zitternde Schilf und .«us und nieder schien der schlängelnd« Stro» zu gleiten, >l» kl«' er von i«ei entgegengesetzten Seit««.' Dann sah ich die untrrgehende Sonne, goldene Spuren \ Laufes zurücklassend, wie eS der Mensch bei seinem eiden aus dieser Welt thun solltt. Der Landmann ver- _ seinen Pflug, der Schäfer trieb seine Heerde heimwärts, die' Bügel flogen ihren Restern zu, die Luft war still und klar, alles umher war ruhig. — Bald darauf sah ich den Mond durch die den Hügel krönenden Bäume schimmern. Tausend und abermal tausend Sterne kamen nach und nach zum Borschein, und dieses Alle« spiegelt sich dermaßen auf der ruhig gewordenen Oberfläche des Wasserab, daß ich einen Sternhimmel über und unter mir sab. »Herrlich! ist Gottes schöne Natur", lispelte ich, »sie ist der te Tempel aller Zeiten und Länder!" und andächtige füllten meine Brust. _; hörte süße Töne den Sttom entlang kommen und nahm bald die Worte des königlichen Sängers: ,Herr, wie j« willst Du meiner ganz vergessen?" Kaum waren diese Worte verklungen, als sich mir -kleines^Boot näherte, in welchem sich zwei Knaben be- ' waren fefdjfiftigt, ein Netz in das ruhig« Waffer zu werfen, und während sie auf einen glückliche» Fang warteten, unterhielten sie sich von vergangenen besseren Tagen, von einer befferen Heimath, von Eltern und Geschwistern, die sie auf immer verloren zu haben schienen. Mit tiefen Seufzern sprachen sie von jüngeren Brüdern, die sie an irgend einem Berbannungsorte zu sehen erwarteten, und mit zitternder Stimme wiederholte der Jüngere noch einmal die sehnsuchtsvollen Worte: »Wie lange, o Herr, willst Du meiner ganz vergessen." .Geduld! Geduld!" sagte der Aelterr, .laß unS erttagen' was wir doch nicht ändern können; laß unS hoffen, daß der Tag der Erlösung nicht fern ist, und ttüsten wir unS damit, daß wir der ältesten Brüderschaft des Menschengeschlechts anaehören, die cS immer verstanden hat. allen Stürmen des Lebens zu ttotzen, und deren Wahlspruch es jeder Zeit war: .Ir fester die Tyrannen un» binden, Test» fester werden sie un» finden." Hieraus erinnerte er seinen jüngeren Freund an ihre gemeinsame Pflicht, sie zogen da« Retz au« dem Wasser und ruderten weiter fort. Das Boot glitt pfeilschnell über die nasse Fläche, und in wenigen Augenblicken waren sie verschwunden. — Dunkle Wolken erhoben sich am Horizont, nach und nach verschwand ein Stern nach dem andern und auch der Mond ging unter. Die Luft war nicht mehr milde und wohlthuend, ein tobender Sturm erhob sich, die jungen Bäume neigten ihre Wipfel bis zur Erde, während die alten widerstehend ächzten. Der Strom war bewegt, Welle stieg aus Welle und die ganze Natur schien in Aufruhr zu sein. Bon de« Himmel» hohen Itrystallbergen. Wo er hing, nahm de» Allmächt'gen Arm Den Vogen, schoß seinen Zorn in die Tiefe, Erregt die Höll', wirft ihr« Feuer au». Und scheint da» Spiel von wenia Werth« noch? Schläft der Mensch, der allein den Sturm rief «ach? Er schläft. Und erstaunst Du über Wunder, Da» Äräßte bist du selber. Wie schrecklich Ist'» »u denken, wa» der Sterbliche doch Für Eiker. Sor»' »nd Rath in Vätterbrust Verursacht — wie wenig in der eigene» " ES kam mir vor, als wäre ich viele Meilen im Finstern umhergewandert, bis ich nach langem Wandern in weiter Ferne daS Schimmern eines Lichte« bemerkte. — »So scheint eine gute That in einer schlechten Welt", dachte ich, indem ich muh demselben mit verdoppelten Schritten näherte. Er kam von einer niedrigen Hütte her, in welchem ein jungeabgehärmte« Mädchen auf einem Lager ruhte; ein ehrwürdiger Greis, der einen kleinen Knaben zwischen seinen Knieen hielt, saß neben chr. Der alte Mann belauschte jede Bewegung de« armen Mädchen«, für das die ganze Welt wie au-gestorben war. Sie schien nichtzu sehen, nicht» zu hörvt, und ihr getrübter Geist war weit weg. Dann und wann fuhr sie plötzlich auf, blickte wild um sich und ries au«: .Da! Da! Hörst Du nicht die Latten klirren. Sieh! sieh doch, wie die Schurken meinen lieben, guten Vater weg» schleppcn." Dann schwieg sie mit einem Male, ließ den Kopf auf die Brust sinken und verfiel wieder in düstere Schwärmerei. Nach einer kurzen Pause erhob sie sich wieder und fuhr mit wehmüthiger, fast weinender Stimme fort: .Und doch konnte er ihn nicht retten. — Er ist auch fort. Auch mein geliebter Bruder ist fort. Und werde ich sie nie Wiedersehn. Nein? ftagte sie, indem sie ihren starren Blick auf den alten Mann richtete. Aber auch sein Herz war gebrochen, und er fand keine Worte um sie zu trösten, doch sagte-er endlich: „Geduld, mein Kind, Geduld! Der Tag der Erlösung wird nicht auSbleiben. Zerbrich nicht die letzte Stüh« meiner Hoffnung. Dein Bater wie Dein Bruder sind ja meine Sühne und Du bist nicht meine geliebte Tochter? O, ich bitte Dich, fgieb Dich nicht zu sehr Deinem Gram bin, wir sind ja alle in der Hand Gottes, deffen Wege unerforschlich aber gerecht sind."