Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1891
- Issue
- 20 (1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 3)
- Language
- German
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’«Mäc attt ffirhen', state Max fest, .«a» . t? Glanvt Ihr, «an West« mich zu« Schaffst? 'Würder wie ich kommt -elind« davon.' .-in Duell ist kein Mord', stnach Han». .Ein Dnell ist eia Mord so schlecht wie jeder andere, ich »uu thun muß. weiß ich und auch Ihr fallt mich daran hindern. Daß ich bestraft werde, fordere ich mein ante- Recht. Ich gehe. Lottchen. ich werde diese Mtodt vielleicht nie wieder betreten, künnea Sie sich üder- ~ enden, einem Manne, der da» KainSzeichen auf seiner 'Etirnc trügt, ein'Lebewohl zu bieten?' ' Da hob Lottchen ihr thränenüberströmte» Antlitz zu ihm aus. .Wa» kümmert mich Dein Mord? War Du verschuldet, möge Dir Gott veröden', sagte sie leis«. .Aber mir — uwr Hast Du dar grüßte.Weh bereitet, da» nur ein Mensch dem andern anthun mag. Du hast mich verschmäht und Du »aßtrsr wohl, daß mein Herz Dir gehöre. Aber ich verzeih« Dir, Max Goldman». denn ich liebe Dich noch immer.' Sie legte ihre Arme um seinen Hal« und küßt« ihm leidenschastlich Mund und Wangen. .Lottchen, lebe wohl, mein verlorene» Glück.' Er riß sich lo». und wankte, aus dem Arm de» treuen Hau« gestützt, davon. Achtzehnte» Kapitel. .Er ist alle« Dein, Marie, behalte alle«, da« Geld welcher ich Dir sende, ein jede» Ding, das^n unserer Wohnung steht und liegt, soll dir gehören, benutze und verkaufe, schalte damst nach deinem Wohlgefallen. Die Police ist auch dabei, nach meinem Tode wird Dir die Gesellschaft aist'tandlos die vorgeschriebenr Summe auszahlen. Wenn ich am Leben bleibe, ich wünsche e« nicht'mir und nicht Dir, sollst Du alljährlich durch dir Hände de« Herrn Johanne« eine kle ltnte empfangen, denn ich kehre nie wieder >ir zurück. Da« Einzige, was ich als Entgelt dafür von Dir verlange. ja Dir befehle, ist, daß Du meine» Name» ablegcst. Nenne Dick wieder wie Deine Mutter, oder mit jenem prunkvollen AdelSprädikat, da« Du so oft voll Stolz gegen den jüdischen Abkömmling autzzuspictcn liebtest; aber meinen «hrlichen Namen sollst Du nickt tragen, hörst Du. Marie? Vielleicht würde ein Ehrist Dir verzeih'«, aber selbst -Christus hat nicht befohlen, daß inan mit der Treubrüchigen weitrrlebe Ein Jude vergiebt dem Weibe nie, daß ihn entehrt Aber wa« kannst Du für meine warmherzige Einfalt, die an dich glaubte. Ich . will Dich nicht beschimpfen. Lebe wie Du kannst, ich habe keinen Wunsch für Dich. Dq gabst 'mir z» wenig de« Glücke« für so viel Schande. Max.' Mißmuthig wollte Marie den Brief zerreißen, da be- Lachte sie, daß er al« eine Art Testament ihr ein unbe ilnktr» BerfüguNgSvecht über ihre« Manne« Hab und eiaräume — und wer weiß, ob. wenn Max tobt war, Goldmanns nicht Lust beugten, ihr einen Theil der Erbschaft streitig zu machen. New, das war ein Schriftstück für Leben and Sterbe«. Behutsam faltete sie e« wieder limen und schob es. in da» vor chr liegend« Portefeuille, begann sie eifrig dar Geld zu zählen. Tausend Mark! sage ihr Einer, wo hatte der Mann all da« Geld ver- . gehabt. Wenn sie da« ftühn gewußt hätte. Der zkragen! Wie osi hatte er ihr «m Kleid, einen Schmuck ver mit der leidigen ««»flucht: er habe nichts, sie möchte rtnschränkrn und sparen. Da blinkte noch etwa» GplHste« in eumn Winkel der e'ü, sie zog e» hervor: Der Trauriug ihres warf sie . JffStTcfnt tef. ksunne»'. Der junge Mensch zeigte rin auffallend verstörte« Gesicht, di« weuigen Worte seiner Bestellung winselte er mehr denn er. sprach, dabei schlpttcrte er an allen Gliedern. . .Wa» haben Sie, Staß?' ftagte Marie. .C Panni Doktor!' stieß er weinerlich hervor, .weich«« Unglück wird da« geben, welche» Unglück!' .Woher wissen Sic denn da«?' Marie war ganz bestürzt. Wie? hatte man in der Stadt den Entschluß ihre» Manne«, seine Ehe zu ttennen, schon erfahren'? Nun würde sie unsehlbar in aller Leute Mäuler gcrathcn, sie wußte, wie da« that. sie hatte ja stlbs« ein Zünglein, da» „ta« tapfer Schmälen' gelegentlich ähnlicher unliebsamer Begebnisse bei dem lieben Nächste» au» dem Grunde verstand. Aber sie würde sich auch ihrer Haut zu wehren Misten, nian sollte ihr nur kommen. Stirnrunzclnd fnh^sie de» langen Burschen an: .Wollen Sic endlich sagen, wo Sie den dummen Klatsch ausgelese» habe»?' .Woher'? Ja woher! lirtK» komme» Linke in di« Apotheke, di« erzählten ... .Nun, was erzählten sie? So reden Sie doch und schneiden Sic nicht ein so jämnierliche« Gesicht'. »Die erzählten, vorgestern Abend an den Mühlen hätte« sic den Nebelretter gesehen'. Den Nrbclreiter! Marie athnicte auf. Man sprach noch nicht von ihr, man wußte also' nicht». Sie würde noch Zeit haben, die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen uitd sich al« ein verlassene«, schwer beleidigte« Weib hinzustrllen. „Der Ncbclreiter. Dummer Schnack!' Staß schlug die Hände über den Kops zusammen. An den Ncbclreiter nicht zu glaube» — welche Sünde. Aber da« rühre nur davon her, daß die Panni Doktor diesen Unchristen geheiratet habe. Und Staß konnte nicht umhin, diesen Gedanken seiner ftrigeistige» .Herrin mitzutheilen. Marie wollte aufbrausen, sagte aber dann ziemlich ruhig: .Lassen Sie'« gut sein, Staß, wenn mein Mann einmal sterben sollte, einen Jude» nehme ich nie wieder." _ (storlsttzuug folgt.) lieber di« Jude« U ttorf» schreibt ein Gewährsmann, der 3 Jahre sich daselbst ausge halten, in einem vsterr. Bl. wie folgt: Unter den etwa 28,000 Einwohnern der Stadt Eorfu oesiaden sich sechs- «!>er siebentausend Juden. Die Juden sind in Eorfu unter der Herrschaft der Benetianer und Spanier ringewandert und hatten, obgleich damals geduldet, doch durchaus leis beueidcn«werthe« Loo», woher es auch kam, daß dieselbe« stet« arm blieben. Erst unter der sirbzickährigea englische« Herrschaft verbesserte sich ihre Lage. Jedoch' bi« auf ben heutigen Tag sind sie der Mehrzahl nach Handwerker und Tagelöhner. Unter griechischer Reglerung erlaugtea sie völlige Gleichberechtigung mit den griechischen Untrithemen und waren deshalb auch immer die Hauptstütze der Regierung aus Eorfu. Einerseits die Eoncurrenz, die sie al« billige anspruchslose Arbeiter den faulen, heruntergekommenen Grieche» bereiteten, aadrrrrseit« ihre Unterstützung der Regierung machten sie schon längst bei der grsammtr« griechische« Bevölkerung verhaßt. Besonderen Aalaß dazu gav chrr Haltung bei den letzten ParlameatSwahle». bei Venen bekanntlich da» Ministerium Trikupi» gestürzt wurde. Scho« damals hörte mau überall von bevorstehenden Jndcnhetzeu i« Geheimen und auch offen spreche«; jedoch schien sich bi« jetzt kein GruNd gesunden zu haben, um die Hetze z» ginne». So bot jetztoieAnffinvung de» rrwordetru jüd.Mädchen» wLtommene» Anlaß, den Haß und die Erbitterung gegen die Inden zum Antzdruch rammen zu lasten, und «« war